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Ehrenamt - Baden-Württemberg

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Ehrenamt - Baden-Württemberg




Ehrenamt - Baden-Württemberg


Einleitung

Ehrenamt begegnet Dir in Baden-Württemberg fast überall: im Sportverein, im Musikverein, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Jugendarbeit, bei Hilfsorganisationen, in der Nachbarschaftshilfe, im Natur- und Umweltschutz oder in der Kommunalpolitik. Menschen übernehmen freiwillig Verantwortung, bringen Zeit, Wissen und Ideen ein und helfen damit anderen oder der Gemeinschaft.

Dabei ist Ehrenamt nicht einfach nur „Arbeit ohne Geld“. Typisch ist, dass die Tätigkeit freiwillig, gemeinwohlorientiert und nicht als gewöhnliche Erwerbsarbeit ausgeübt wird. Aufwandsentschädigungen oder die Erstattung von Fahrtkosten können trotzdem möglich sein. Der weiter gefasste Begriff Bürgerschaftliches Engagement schließt auch freiwillige Initiativen und Projekte ein, die kein klassisches Amt und keinen festen Vereinsvorstand haben.

Für die Gemeinschaftskunde ist das Thema wichtig, weil Ehrenamt zeigt, wie Zivilgesellschaft, Demokratie, Staat, Kommunen und gesellschaftliche Gruppen zusammenwirken. Du kannst daran untersuchen, wie Verantwortung verteilt wird, warum Menschen sich beteiligen, wo Freiwilligkeit Grenzen hat und was eine Gemeinschaft zusammenhält.

Nach aktuellen Angaben zum Engagementnachweis Baden-Württemberg engagieren sich rund 40 Prozent der Menschen über 14 Jahren im Land bürgerschaftlich oder ehrenamtlich.[1] Hinter dieser Zahl stehen sehr unterschiedliche Tätigkeiten und Zeitaufwände. Die Quote allein sagt deshalb noch nicht, wie häufig oder wie intensiv einzelne Menschen aktiv sind.

So kannst Du mit diesem aiMOOC arbeiten: In Klasse 6 bis 8 konzentrierst Du Dich vor allem auf Beispiele aus Deinem Alltag und die Grundbegriffe. In Klasse 9 und 10 vergleichst Du Organisationen, Rechte, Pflichten und gesellschaftliche Wirkungen. In Klasse 11 bis 13 kannst Du zusätzlich Fragen nach demokratischer Teilhabe, sozialer Ungleichheit, staatlicher Verantwortung und der Aussagekraft von Statistiken untersuchen. Auch im lebenslangen Lernen eignet sich der Kurs zur Orientierung vor einem eigenen Engagement.


Was bedeutet Ehrenamt?

Ehrenamtliches Engagement bedeutet, dass Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen. Sie tun dies nicht in erster Linie, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Häufig geht es darum, anderen zu helfen, ein gemeinsames Interesse zu organisieren oder das Zusammenleben vor Ort zu verbessern.

Zwischen Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement gibt es Überschneidungen. Im Alltag werden die Begriffe oft ähnlich benutzt. „Ehrenamt“ klingt stärker nach einer übernommenen Funktion, etwa als Vereinsvorstand, Trainerin, Jugendleiter, Feuerwehrangehörige oder Gemeinderat. „Bürgerschaftliches Engagement“ kann auch lockere Projekte, Initiativen oder Nachbarschaftshilfe umfassen.

Nicht jede Freizeitbeschäftigung ist automatisch Ehrenamt. Wenn Du nur für Dich selbst joggst, ist das Sport. Trainierst Du dagegen freiwillig eine Jugendmannschaft, organisierst den Spielbetrieb oder hilfst bei einem Turnier für den Verein, kann das ehrenamtliches Engagement sein.

Ehrenamt ist außerdem nicht dasselbe wie unbezahlte Pflichtarbeit. Freiwilligkeit ist ein wesentliches Merkmal. Wer sich engagiert, soll grundsätzlich selbst entscheiden können, ob und in welchem Rahmen er oder sie eine Aufgabe übernimmt.


Warum engagieren sich Menschen?

Menschen haben sehr unterschiedliche Motive. Manche möchten anderen helfen, manche wollen etwas in ihrem Ort verändern, manche suchen Gemeinschaft, wollen Erfahrungen sammeln oder eigene Fähigkeiten einbringen. Oft kommen mehrere Motive zusammen.

Ehrenamt kann Dir ermöglichen, Verantwortung zu lernen. Du kannst zum Beispiel Veranstaltungen planen, jüngere Kinder betreuen, Erste Hilfe üben, Sitzungen moderieren, Social-Media-Beiträge gestalten, Finanzen verwalten oder technische Geräte bedienen. Solche Erfahrungen können auch für Schule, Ausbildung und Beruf wertvoll sein.

Gleichzeitig darf man Ehrenamt nicht nur als „kostenlose Arbeitskraft“ betrachten. Gute Engagementbedingungen brauchen Ausbildung, Zeit, Räume, Material, Versicherung, Anerkennung und Personen, die Freiwillige begleiten. Manche Aufgaben müssen zudem aus rechtlichen oder fachlichen Gründen von ausgebildeten Hauptamtlichen übernommen werden.


Vereine als Orte des Engagements

Ein Verein verbindet Menschen, die dauerhaft einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Das kann Sport, Musik, Kultur, Brauchtum, Jugendbildung, Naturschutz, soziale Hilfe oder ein ganz anderes Anliegen sein. Gerade in Baden-Württemberg prägen Vereine vielerorts das örtliche Leben.

Medienauftrag: Schau Dir das Bild an. Welche Aufgaben könnten im Hintergrund eines Jugendtrainings zusätzlich zum eigentlichen Sport anfallen? Denke an Organisation, Betreuung, Material, Fahrten und Veranstaltungen.

Ein Verein gibt sich in der Regel eine Satzung. Darin wird zum Beispiel geregelt, welchen Zweck der Verein verfolgt, wie Mitglieder aufgenommen werden, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Organe es gibt. Besonders wichtig sind die Mitgliederversammlung und der Vorstand.

Ein eingetragener Verein, kurz e. V., ist in das Vereinsregister eingetragen. Die Bezeichnung e. V. bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Verein steuerlich als gemeinnützig anerkannt ist. Die Gemeinnützigkeit ist eine eigene steuerrechtliche Frage.

Vereine können demokratisches Lernen ermöglichen. Mitglieder diskutieren, stimmen ab, wählen Personen in Ämter und müssen Konflikte lösen. Damit wird im Kleinen sichtbar, wie Regeln, Mehrheiten, Minderheiten und Verantwortung zusammenwirken.

Auch Kultur- und Musikvereine leben oft davon, dass Menschen Proben organisieren, Nachwuchs fördern, Feste vorbereiten, Instrumente verwalten oder Öffentlichkeitsarbeit übernehmen.


Wer macht im Verein eigentlich die Arbeit?

In vielen Vereinen arbeiten Hauptamtliche und Ehrenamtliche zusammen. In einem großen Sportverein kann es beispielsweise bezahlte Mitarbeitende in der Geschäftsstelle geben, während Trainerinnen, Jugendleiter oder Helfer bei Veranstaltungen ehrenamtlich aktiv sind.

Typische ehrenamtliche Aufgaben sind Leitung, Kassenführung, Schriftführung, Training, Jugendarbeit, Veranstaltungsorganisation, Fahrdienste, Platzpflege, Öffentlichkeitsarbeit und die Betreuung neuer Mitglieder.

Diese Arbeit ist wichtig, kann aber belastend werden, wenn zu wenige Menschen zu viele Aufgaben übernehmen. Nachwuchsgewinnung, Bürokratie, Datenschutz, digitale Kommunikation, Finanzierung und die Vereinbarkeit mit Schule, Familie oder Beruf gehören deshalb zu den Herausforderungen moderner Vereinsarbeit.

Denkfrage: Ein Verein organisiert jedes Jahr ein großes Fest. Welche Aufgaben würdest Du lieber auf viele kleine Teams verteilen, statt sie einer einzigen Person zu geben? Begründe Deine Entscheidung.


Freiwillige Feuerwehr: öffentliches Ehrenamt statt gewöhnlicher Verein

Die Freiwillige Feuerwehr ist ein besonders wichtiges Beispiel, weil sie leicht mit einem normalen Verein verwechselt wird. Die Feuerwehr einer Gemeinde ist Teil der öffentlichen Gefahrenabwehr. Die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr erfüllt kommunale Aufgaben. Ein zusätzlicher Feuerwehrverein kann existieren, ist rechtlich aber etwas anderes als die eigentliche Feuerwehr.

Freiwillige Feuerwehrangehörige üben regelmäßig. Sie müssen Geräte sicher beherrschen, im Team handeln und bei Einsätzen feste Abläufe einhalten. „Freiwillig“ bedeutet deshalb nicht „ungeübt“ oder „unverbindlich“. Wer eine Einsatzaufgabe übernimmt, trägt Verantwortung.

In Baden-Württemberg regelt das Feuerwehrrecht die Organisation der Gemeindefeuerwehren. Für Dich als Lernende oder Lernender ist vor allem wichtig: Hier arbeiten Staat beziehungsweise Kommune und freiwilliges Engagement direkt zusammen.

Videoauftrag: Notiere während des SWR-Beitrags zwei Stärken und zwei Herausforderungen einer Freiwilligen Feuerwehr. Erkläre anschließend, warum die Frage nach verfügbaren Einsatzkräften auch eine kommunalpolitische Frage ist.


Rettungsdienst, Hilfsorganisationen und Bevölkerungsschutz

Im Alltag werden Begriffe wie Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Sanitätsdienst und Bevölkerungsschutz manchmal durcheinander verwendet. Sie gehören zusammen, sind aber nicht identisch.

Der reguläre Rettungsdienst versorgt medizinische Notfälle und transportiert Patientinnen und Patienten. Dort arbeiten viele Menschen hauptberuflich, zum Beispiel als Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter. Ein Rettungswagen ist deshalb nicht automatisch ein „ehrenamtliches Fahrzeug“.

Gleichzeitig engagieren sich sehr viele Freiwillige in Hilfsorganisationen. Dazu zählen in Baden-Württemberg unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst, der Arbeiter-Samariter-Bund, die DLRG, Bergwachten und Rettungshundestaffeln. Das Innenministerium nennt diese und weitere Organisationen als Mitwirkende im Bevölkerungsschutz.[2]

Ehrenamtliche Kräfte können beispielsweise Sanitätsdienste bei Veranstaltungen übernehmen, Menschen betreuen, bei größeren Schadenslagen unterstützen, vermisste Personen suchen oder in der Wasser- und Bergrettung tätig sein. Dafür sind Ausbildung, Übungen und klare Zuständigkeiten notwendig.

Videoauftrag: Welche unterschiedlichen Tätigkeiten zeigt der Beitrag zum DRK-Ehrenamt? Ordne mindestens drei davon den Bereichen soziale Hilfe, Gesundheit, Jugend oder Bevölkerungsschutz zu.


Das Technische Hilfswerk

Das Technische Hilfswerk, kurz THW, ist kein normaler Verein, sondern eine Bundesanstalt. Es gehört damit zum staatlichen Bevölkerungsschutz. Ein großer Teil der operativen Arbeit wird von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geleistet.

THW-Kräfte können zum Beispiel technische Hilfe leisten, Beleuchtung oder Stromversorgung aufbauen, Trümmer beräumen, Wasser fördern, Infrastruktur sichern oder Logistik unterstützen. Auch hier gilt: Ehrenamtliche Einsatzkräfte werden ausgebildet und arbeiten nach festen Strukturen.

Für die Gemeinschaftskunde ist das THW interessant, weil es zeigt, dass staatliche Organisation und freiwilliges Engagement keine Gegensätze sein müssen. Der Staat stellt Strukturen, Ausbildung und Ausstattung bereit; Bürgerinnen und Bürger bringen freiwillig Zeit und Können ein.


Wasserrettung und DLRG

Die DLRG ist als gemeinnützige Wasserrettungs- und Hilfsorganisation stark von freiwilligem Engagement geprägt. Zu ihren Tätigkeitsfeldern gehören Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, Aufklärung über Wassergefahren, Wasserrettungsdienst und Aufgaben im Bevölkerungsschutz.

Das Bild aus Friedrichshafen zeigt einen Rettungshund bei einer Wasserrettungsübung. Solche Übungen verdeutlichen, dass Rettung nicht nur Mut, sondern Vorbereitung, Technik und Zusammenarbeit braucht.

Videoauftrag: Welche Risiken erkennst Du bei der Wasserrettung? Erkläre, warum Ehrenamtliche bei gefährlichen Einsätzen besondere Ausbildung und Schutzmaßnahmen benötigen.


Ehrenamt und Demokratie

Ehrenamt stärkt Demokratie nicht automatisch, aber es kann wichtige demokratische Fähigkeiten fördern. Wer gemeinsam entscheidet, Verantwortung übernimmt, Kritik aushält und Regeln mitgestaltet, übt Formen gesellschaftlicher Teilhabe.

In Vereinen und Initiativen lernst Du zum Beispiel:

  1. Mitbestimmung: Entscheidungen werden gemeinsam vorbereitet oder abgestimmt.
  2. Verantwortung: Übernommene Aufgaben müssen zuverlässig erfüllt werden.
  3. Konfliktlösung: Unterschiedliche Interessen müssen ausgehandelt werden.
  4. Solidarität: Menschen unterstützen andere, auch wenn sie nicht selbst unmittelbar profitieren.
  5. Selbstorganisation: Bürgerinnen und Bürger organisieren Teile des gesellschaftlichen Lebens eigenständig.

Auch kommunalpolitische Ämter können ehrenamtlich ausgeübt werden. In Baden-Württemberg sind Gemeinderätinnen und Gemeinderäte nach der Gemeindeordnung ehrenamtlich tätig.[3] Dieses politische Ehrenamt unterscheidet sich von einem Vereinsamt, weil Gemeinderäte als gewählte Vertreterinnen und Vertreter öffentliche Entscheidungen für ihre Kommune treffen.


Engagement in Schule und Jugend

Du musst nicht erwachsen sein, um Dich einzubringen. Möglichkeiten gibt es zum Beispiel in Jugendfeuerwehren, THW-Jugend, DLRG-Jugend, Jugendrotkreuz, Sport- und Musikvereinen, Jugendverbänden, Schülervertretungen, Umweltgruppen oder sozialen Projekten.

Welche Aufgaben Du übernehmen darfst, hängt von Alter, Organisation, Ausbildung und Sicherheitsregeln ab. Gerade im Bevölkerungsschutz werden Kinder und Jugendliche schrittweise an Aufgaben herangeführt. Gefährliche Einsatzaufgaben sind nicht mit einer normalen Jugendgruppenaktivität gleichzusetzen.

In Baden-Württemberg wurde der Aktionstag Katastrophenschutz ab dem Schuljahr 2023/24 für sechste Klassen umgesetzt, damit Schülerinnen und Schüler Organisationen und Aufgaben des Katastrophenschutzes praktisch kennenlernen können.[4]

Für Dich wichtig: Engagement beginnt nicht erst mit einem großen Amt. Schon regelmäßige Hilfe bei einer Veranstaltung, ein Peer-Projekt, die Betreuung jüngerer Kinder oder die Mitarbeit an einer lokalen Aktion kann gesellschaftliche Verantwortung bedeuten.


Anerkennung, Ehrenamtskarte und Engagementnachweis

Ehrenamtliche erhalten nicht immer Geld, aber Anerkennung kann auf andere Weise erfolgen: durch Fortbildungen, Dankesveranstaltungen, Bescheinigungen, Auszeichnungen, Vergünstigungen oder einen offiziellen Engagementnachweis.

Baden-Württemberg baut die Ehrenamtskarte Baden-Württemberg schrittweise aus. Sie soll freiwilliges Engagement sichtbar anerkennen. Teilnahmegebiete und konkrete Voraussetzungen können sich verändern; deshalb solltest Du für aktuelle Bedingungen immer die offizielle Landesseite prüfen.[5]

Medienauftrag: Beurteile die Ehrenamtskarte aus zwei Perspektiven: Welche Wirkung kann eine solche Anerkennung für Engagierte haben? Welche anderen Formen der Wertschätzung könnten mindestens ebenso wichtig sein?


Rechte, Pflichten und Sicherheit

Wer sich engagiert, übernimmt Verantwortung. Je nach Tätigkeit können Regeln zu Aufsichtspflicht, Datenschutz, Verschwiegenheit, Kinderschutz, Unfallverhütung oder Haftung eine Rolle spielen.

Versicherungsschutz hängt von der Tätigkeit und der Organisation ab. Ehrenamtliche in bestimmten öffentlich-rechtlichen Aufgaben, Rettungsorganisationen oder Wohlfahrtsbereichen können gesetzlich unfallversichert sein. In anderen Fällen bestehen Vereins- oder Zusatzversicherungen. Deshalb solltest Du bei einer konkreten Tätigkeit immer fragen: Wer ist Träger der Aufgabe? Welche Versicherung gilt? Welche Ausbildung ist vorgeschrieben?

Im Bevölkerungsschutz wurden in Baden-Württemberg rechtliche Regelungen geschaffen, die ehrenamtliche Einsatzkräfte bei bestimmten Einsatzlagen unter anderem im Hinblick auf Verdienstausfall und Aufwendungen absichern.[6]


Herausforderungen des Ehrenamts

Ehrenamt bringt Chancen, aber auch Probleme mit sich. Organisationen müssen genügend Menschen finden, Aufgaben fair verteilen und neue Mitglieder einarbeiten. Wer viel Zeit für Schule, Beruf, Pflege oder Familie braucht, kann sich möglicherweise weniger engagieren. Dadurch sind die Möglichkeiten zur Beteiligung gesellschaftlich nicht gleich verteilt.

Weitere Herausforderungen sind Bürokratie, steigende fachliche Anforderungen, digitale Kommunikation, Datenschutz, Nachwuchsgewinnung und langfristige Verbindlichkeit. Manche Menschen engagieren sich heute lieber zeitlich begrenzt in Projekten, statt jahrelang ein festes Amt zu übernehmen.

Auch die Frage nach der Grenze zwischen Ehrenamt und staatlicher Verantwortung ist politisch wichtig. Freiwilliges Engagement kann öffentliche Leistungen ergänzen und Gemeinschaft stärken. Es sollte aber nicht dazu führen, dass notwendige professionelle Aufgaben allein deshalb unbezahlt erledigt werden müssen, weil öffentliche Mittel fehlen.


Vertiefung: Zahlen kritisch lesen

Für höhere Klassen lohnt sich ein genauer Blick auf Engagementstatistiken. In älteren Veröffentlichungen wurde für Baden-Württemberg für 2019 eine Engagementquote von 46,1 Prozent genannt. Neuere landesbezogene Informationen nennen etwa 40 Prozent. Ein einfacher Vergleich kann jedoch irreführend sein, weil der Freiwilligensurvey 2024 seine Prüfung und Abgrenzung freiwilliger Tätigkeiten verändert hat.[7]

Für eine gute Analyse fragst Du daher nicht nur: „Wie hoch ist die Quote?“, sondern auch: Wer wurde befragt? Wie wurde Engagement definiert? Wurde die Methode verändert? Welche Tätigkeiten zählen mit?

Genau diese Fragen gehören zur politischen Urteilsbildung: Statistiken sind wichtig, müssen aber im Zusammenhang mit ihrer Erhebungsmethode interpretiert werden.


Was hält eine engagierte Gesellschaft zusammen?

Eine lebendige Zivilgesellschaft braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Sie braucht aber ebenso faire Zugänge, gute Rahmenbedingungen und Respekt vor unterschiedlichen Lebenssituationen.

Ehrenamt funktioniert besonders gut, wenn Menschen mitentscheiden können, Aufgaben zu ihren Fähigkeiten passen, Ausbildung verfügbar ist und Engagement nicht zur dauerhaften Überforderung wird. Auch neue Formen wie kurzfristige Projekte, digitale Unterstützung oder generationsübergreifende Teams können wichtig sein.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie bekommen wir mehr Ehrenamtliche?“ Ebenso wichtig ist: „Wie gestalten wir Engagement so, dass Menschen gerne, sicher und wirksam mitmachen können?“


Quellen und weiterführende Informationen

  1. Sozialministerium Baden-Württemberg – Bürgerengagement
  2. Engagementnachweis Baden-Württemberg
  3. Innenministerium Baden-Württemberg – Mitwirkende im Katastrophenschutz
  4. Landesrecht Baden-Württemberg
  5. Ehrenamt
  6. Bürgerschaftliches Engagement
  7. Verein
  8. Freiwillige Feuerwehr
  9. Rettungsdienst
  10. Katastrophenschutz


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet ehrenamtliches Engagement besonders? (Es wird freiwillig und gemeinwohlorientiert übernommen) (!Es ist immer eine hauptberufliche Tätigkeit) (!Es darf niemals gemeinsam mit Hauptamtlichen stattfinden) (!Es ist jede beliebige Freizeitbeschäftigung)




Welche Aussage zur Freiwilligen Feuerwehr in Baden-Württemberg ist richtig? (Sie erfüllt Aufgaben der kommunalen Gefahrenabwehr) (!Sie ist immer nur ein privater Freizeitverein) (!Sie darf keine Übungen durchführen) (!Sie besteht ausschließlich aus bezahlten Berufsfeuerwehrleuten)




Wofür steht die Abkürzung e. V.? (eingetragener Verein) (!ehrenamtliche Verwaltung) (!europäische Vereinigung) (!erweiterter Vorstand)




Welche Aussage zum Rettungsdienst ist richtig? (Im regulären Rettungsdienst arbeiten viele Menschen hauptberuflich) (!Jede Tätigkeit im Rettungsdienst ist automatisch unbezahlt) (!Ein Rettungswagen gehört immer zu einem Verein) (!Für medizinische Notfälle ist keine Ausbildung nötig)




Was ist das Technische Hilfswerk? (Eine Bundesanstalt mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement) (!Ein privater Sportverein) (!Eine Abteilung jedes Rathauses) (!Ein ausschließlich gewerbliches Unternehmen)




Welche Notrufnummer gilt in Deutschland für Feuerwehr und Rettungsdienst? (112) (!1100) (!9110) (!1188)




Wie kann Vereinsarbeit demokratisches Lernen fördern? (Durch Wahlen Abstimmungen und gemeinsame Entscheidungen) (!Durch das Verbot unterschiedlicher Meinungen) (!Durch Entscheidungen ohne Regeln) (!Durch den Ausschluss aller neuen Mitglieder)




Warum brauchen ehrenamtliche Einsatzkräfte Ausbildung? (Weil sie bei Einsätzen sicher und fachgerecht handeln müssen) (!Weil Freiwilligkeit jede Verantwortung ausschließt) (!Weil nur Ausgebildete Vereinsbeiträge zahlen dürfen) (!Weil Ausbildung den Notruf ersetzt)




Ist ein eingetragener Verein automatisch steuerlich gemeinnützig? (Nein die Gemeinnützigkeit ist eine eigene rechtliche Frage) (!Ja jeder eingetragene Verein ist automatisch gemeinnützig) (!Ja aber nur wenn er keine Mitglieder hat) (!Nein weil Vereine nie gemeinnützig sein können)




Welche Herausforderung kann ehrenamtliche Organisationen betreffen? (Aufgaben fair zu verteilen und neue Engagierte zu gewinnen) (!Jede freiwillige Tätigkeit gesetzlich zu verbieten) (!Auf Ausbildung vollständig zu verzichten) (!Alle Entscheidungen einer einzigen Person zu überlassen)





Memory

Verein Satzung
Freiwillige Feuerwehr kommunale Gefahrenabwehr
DLRG Wasserrettung
THW technische Hilfe
Gemeinderat kommunalpolitisches Ehrenamt
Ehrenamtskarte Anerkennung
Jugendgruppe Nachwuchsarbeit
Zivilgesellschaft selbstorganisiertes Engagement





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Freiwillige Feuerwehr kommunale Gefahrenabwehr
Technisches Hilfswerk technische Hilfe und Bevölkerungsschutz
DLRG Wasserrettung und Schwimmausbildung
Sportverein Training und Vereinsleben
Nachbarschaftshilfe soziale Unterstützung im direkten Umfeld






Kreuzworträtsel

Verein Wie nennt man eine auf Dauer angelegte Gemeinschaft mit gemeinsamem Zweck?
Satzung Wie heißt die grundlegende Ordnung eines Vereins?
Feuerwehr Welche Organisation übernimmt unter anderem Brandbekämpfung und technische Hilfe?
Wasserrettung Wie heißt die Hilfe für Menschen in Gefahr im oder am Wasser?
Solidarität Welcher Begriff beschreibt das füreinander Einstehen in einer Gemeinschaft?
Vorstand Welches Vereinsorgan übernimmt typischerweise Leitungsaufgaben?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Ehrenamtliches Engagement wird grundsätzlich

übernommen.
Ein Verein regelt wichtige Grundlagen in seiner

.
Ein eingetragener Verein trägt häufig die Abkürzung

.
Die Freiwillige Feuerwehr gehört zur kommunalen

.
Das THW ist eine

.
Die DLRG ist besonders mit der

verbunden.
Im regulären Rettungsdienst arbeiten viele Menschen

.
Gemeinsame Wahlen und Abstimmungen können demokratische

fördern.
Für gefährliche Einsatzaufgaben ist eine passende

notwendig.
Ehrenamt kann den gesellschaftlichen

stärken.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Engagement vor Ort: Suche in Deiner Gemeinde drei Möglichkeiten, wie Jugendliche oder Erwachsene freiwillig mitmachen können. Beschreibe jeweils Aufgabe, Zielgruppe und ungefähren Zeitaufwand.
  2. Vereinsplakat: Gestalte ein Plakat für einen erfundenen Verein. Zeige, wofür der Verein steht und welche ehrenamtlichen Aufgaben gebraucht werden.
  3. Medienanalyse Ehrenamt: Wähle eines der Bilder aus diesem aiMOOC und notiere fünf Tätigkeiten, die auf dem Bild sichtbar sind oder im Hintergrund nötig sein könnten.
  4. Mein Engagementprofil: Erstelle ein persönliches Stärkenprofil. Welche Fähigkeiten könntest Du in ein Ehrenamt einbringen, und welche Fähigkeiten möchtest Du dort lernen?


Standard

  1. Interview zum Ehrenamt: Interviewe eine ehrenamtlich engagierte Person zu Motivation, Zeitaufwand, Ausbildung, schönen Erfahrungen und Schwierigkeiten. Fasse die Antworten sachlich zusammen.
  2. Organisationen vergleichen: Vergleiche Freiwillige Feuerwehr, THW und DLRG nach Träger, Hauptaufgabe, Ausbildung und Rolle des Ehrenamts.
  3. Vereinsversammlung simulieren: Plant in einer Gruppe eine Mitgliederversammlung zu einem Streitfall, zum Beispiel zur Verwendung eines begrenzten Budgets. Legt Regeln fest und stimmt über mindestens zwei Vorschläge ab.
  4. Ehrenamtsvideo: Produziere ein kurzes Erklärvideo mit dem Titel „Was Ehrenamt für unsere Gemeinde bedeutet“. Nutze eigene Aufnahmen oder frei lizenzierte Medien und nenne die Quellen.


Schwer

  1. Kommunalpolitisches Ehrenamt: Untersuche, welche Aufgaben Gemeinderätinnen und Gemeinderäte in Deiner Kommune haben. Erkläre, warum ihre Tätigkeit als politisches Ehrenamt eine besondere Form gesellschaftlicher Verantwortung ist.
  2. Ehrenamt und soziale Ungleichheit: Entwickle eine Untersuchung dazu, welche Menschen mehr oder weniger Zeit für freiwilliges Engagement haben könnten. Berücksichtige Schule, Beruf, Einkommen, Betreuungspflichten, Mobilität und Barrierefreiheit.
  3. Krisenszenario Bevölkerungsschutz: Entwirf für eine fiktive Gemeinde ein Starkregen-Szenario. Ordne Feuerwehr, THW, Hilfsorganisationen, Kommune und Bevölkerung Aufgaben zu und begründe, welche Tätigkeiten professionelle Ausbildung benötigen.
  4. Zukunftswerkstatt Verein: Entwickle ein Konzept für einen Verein im Jahr 2035. Zeige, wie digitale Mitarbeit, kurze Projektformate, Jugendbeteiligung, Anerkennung und klassische Vereinsämter miteinander verbunden werden könnten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ehrenamt und Staat: Erkläre anhand von Freiwilliger Feuerwehr und THW, wie staatliche Strukturen und freiwilliges Engagement zusammenwirken können. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
  2. Verein in der Krise: Ein Sportverein findet keine Person mehr für den Vorstand. Entwickle drei unterschiedliche Lösungswege und bewerte ihre Vor- und Nachteile.
  3. Profession und Freiwilligkeit: Beurteile die Aussage „Wenn Ehrenamtliche helfen, braucht man weniger Hauptamtliche“. Nutze Beispiele aus Rettungsdienst, Jugendarbeit oder sozialer Hilfe und formuliere ein begründetes Urteil.
  4. Demokratische Teilhabe: Zeige, inwiefern eine Vereinsversammlung demokratisches Lernen fördern kann. Nenne außerdem Grenzen des Vergleichs mit einem Parlament oder Gemeinderat.
  5. Gerechter Zugang zum Ehrenamt: Eine Gemeinde möchte mehr Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung für freiwilliges Engagement gewinnen. Entwickle konkrete Maßnahmen für barrierearme und flexible Beteiligung.
  6. Statistik und Urteil: Zwei Berichte nennen unterschiedliche Engagementquoten. Erkläre, welche Informationen Du prüfen musst, bevor Du daraus einen Trend ableitest.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären und auf neue Beispiele übertragen kannst.

  1. Grundbegriffe Ehrenamt: Du kannst Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement voneinander abgrenzen.
  2. Vereinsstruktur: Du kannst Satzung, Mitgliederversammlung, Vorstand, e. V. und Gemeinnützigkeit sachgerecht einordnen.
  3. Freiwillige Feuerwehr: Du kannst erklären, warum sie Teil der kommunalen Gefahrenabwehr und nicht einfach nur ein Verein ist.
  4. Rettungswesen: Du kannst zwischen hauptberuflichem Rettungsdienst und ehrenamtlichen Tätigkeiten in Hilfsorganisationen beziehungsweise Bevölkerungsschutz unterscheiden.
  5. THW und Hilfsorganisationen: Du kannst verschiedene Organisationsformen und Aufgaben vergleichen.
  6. Demokratie und Zivilgesellschaft: Du kannst erläutern, wie Engagement Teilhabe, Selbstorganisation und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern kann.
  7. Rechte und Pflichten: Du kannst begründen, warum Ausbildung, Versicherung, Sicherheit und klare Zuständigkeiten wichtig sind.
  8. Herausforderungen des Ehrenamts: Du kannst Probleme wie Nachwuchsgewinnung, Zeitbelastung, Bürokratie und ungleiche Beteiligungschancen diskutieren.
  9. Politisches Urteil: Du kannst begründet abwägen, welche Aufgaben freiwilliges Engagement leisten kann und wo professionelle oder staatliche Verantwortung notwendig bleibt.
  10. Datenkompetenz: Du kannst Engagementstatistiken kritisch lesen und methodische Unterschiede bei Vergleichen berücksichtigen.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Ehrenamt verbindet persönliche Verantwortung mit gesellschaftlichen Strukturen. Du begegnest dabei Vereinen, Kommunen, öffentlichen Einrichtungen, Hilfsorganisationen und informellen Initiativen. Besonders wichtig sind die Fragen, wie Menschen gemeinsam handeln, wie Entscheidungen getroffen werden und wie freiwilliges Engagement mit demokratischen und staatlichen Aufgaben zusammenhängt.


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