BROKEN

BROKEN
BROKEN
Einleitung
BROKEN ist eine 1994 entstandene Arbeit des US-amerikanischen Video- und Installationskünstlers Tony Oursler. Auch wenn das Werk im Unterricht als filmisches Beispiel behandelt werden kann, ist es kunsthistorisch präziser als Videoinstallation, Videoskulptur und als Beispiel eines räumlich erweiterten Videos zu beschreiben. Das bewegte Bild bleibt nicht in einem Monitor oder auf einer neutralen Leinwand gefangen. Es trifft auf einen Körperersatz, auf Möbel, auf Klang und auf den realen Ausstellungsraum. Dadurch wird aus einem Video eine körperlich erfahrbare Situation.[1][2]
Der Ausgangspunkt der Werkerschließung ist eine irritierende Szene: Der Kopf einer männlich gelesenen Figur befindet sich zwischen beziehungsweise unter gegeneinander gekippten Stühlen. Der Körper wird nur fragmentarisch durch Stoff angedeutet. Auf den Kopf wird das bewegte Gesicht eines realen Menschen projiziert. Die Figur verzieht das Gesicht und gibt Laute von sich. Diese Laute können als schmerzhaft, gequält, aggressiv oder grotesk wahrgenommen werden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Beschreibung und Deutung: Dass Laute zu hören und mimische Bewegungen zu sehen sind, ist beschreibbar; dass sie als Schmerz oder existenzielle Not erfahren werden, ist bereits eine begründungsbedürftige Interpretation.[2]
Für die Jahrgangsstufen 11–13 eignet sich das Werk besonders, weil Du daran mehrere Ebenen einer anspruchsvollen Kunstinterpretation verbinden kannst: die formale Analyse von Bild und Objekt, die Bedeutung von Stimme und Klang, die Funktion des Raumes, die Rolle der Betrachtenden, Fragen von Körperlichkeit und medialer Identität sowie die mögliche Deutung einer Gefährdung menschlicher Existenz.

Hinweis: Das Commons-Foto zeigt eine spätere Ausstellung von Tony Oursler und nicht BROKEN. Es eignet sich dazu, Ourslers räumlichen Umgang mit Projektion, künstlichen Körpern und Ausstellungsarchitektur zu beobachten.
Leitfragen
- Werkbeschreibung: Was ist tatsächlich zu sehen und zu hören, bevor Du deutest?
- Expanded Video: Wie verlässt das bewegte Bild die klassische Leinwand und verbindet sich mit einem realen Objekt?
- Körper und Medien: Warum wirkt ein unbeweglicher Stoffkörper durch Projektion und Stimme plötzlich lebendig?
- Existenzielle Gefährdung: Welche Formen von Ausgeliefertsein, Verletzlichkeit und Kontrollverlust werden erfahrbar?
- Raumwahrnehmung: Wie verändert Deine eigene Position im Ausstellungsraum die Wirkung des Werkes?
- Rezeptionsästhetik: Warum schwankt die Reaktion möglicherweise zwischen Empathie, Abwehr, Irritation und schwarzem Humor?
Werkdaten und Kontext
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Titel | BROKEN |
| Künstler / Regie | Tony Oursler |
| Jahr | 1994 |
| Werkform | Videoinstallation, Videoskulptur, räumlich erweitertes Video |
| Zentrale Medien | Videoprojektion, Ton beziehungsweise Stimme, stofflicher Körperersatz, Stühle, realer Ausstellungsraum |
| Zentrale Wahrnehmung | Ein projiziertes männliches Gesicht erscheint in einer körperlich bedrängten Situation zwischen beziehungsweise unter Stühlen. |
| Unterrichtlicher Schwerpunkt | Zusammenspiel von Projektion, Stimme, Objekt und Raum; Expanded Video; Gefährdung menschlicher Existenz |
Tony Oursler, geboren 1957 in New York, arbeitet seit den späten 1970er-Jahren intensiv mit Video. In den frühen 1990er-Jahren wurde die Verbindung kleiner Videoprojektoren mit plastischen oder stofflichen Formen für seine Arbeit zentral. Dadurch konnte er bewegte Gesichter auf dreidimensionale Körperersatzformen projizieren und das Videobild aus dem rechteckigen Monitor in den realen Raum verlagern.[3]

Tony Oursler und das bewegte Bild im Raum
Ourslers Arbeiten sind nicht einfach Videos über Personen. Die Projektion trifft auf Dinge. Ein Stück Stoff kann zum Kopf werden, ein Möbelstück zur Bedrohung, ein Lautsprecher zur scheinbaren Stimme einer Figur und ein dunkler Galerieraum zur psychischen Situation. Entscheidend ist deshalb nicht nur was im Video erscheint, sondern wo es erscheint und womit es verbunden wird.
Das folgende SFMOMA-Video erläutert Ourslers Idee der „electronic effigies“, also elektronisch belebter Ersatzfiguren. Beobachte beim Sehen besonders, wie Bild und skulpturale Oberfläche zusammenarbeiten.
Werkerschließung: Was sehen und hören wir?
Beschreibung vor Interpretation
Eine präzise Analyse beginnt mit einer möglichst wertungsarmen Bestandsaufnahme. Bei BROKEN lassen sich folgende Beobachtungsebenen voneinander trennen:
| Ebene | Beobachtungsauftrag | Mögliche sachliche Feststellung |
|---|---|---|
| Figur | Beschreibe Körper, Kopf, Haltung und Materialität. | Ein Körper wird nur unvollständig durch Stoff beziehungsweise eine puppenartige Form angezeigt; das Gesicht erscheint als Projektion. |
| Möbel | Untersuche Stellung, Richtung und Funktion der Stühle. | Die Stühle stehen nicht als normale Sitzgelegenheiten bereit, sondern bilden eine instabile, bedrängende Konstruktion. |
| Projektion | Beobachte Mimik, Licht und Passung auf der Oberfläche. | Ein bewegtes menschliches Gesicht wird auf einen dreidimensionalen Kopfersatz projiziert. |
| Ton | Untersuche Lautstärke, Artikulation, Rhythmus und Wiederholung. | Die Stimme beziehungsweise die Laute wirken körpernah und sind unmittelbar mit der projizierten Figur verbunden. |
| Raum | Beobachte Abstand, Blickhöhe, Bewegungswege und mögliche Nähe. | Das Werk befindet sich im selben realen Raum wie die Betrachtenden und verlangt eine räumliche Positionierung. |
Diese Trennung ist für die Oberstufenanalyse zentral. Erst wenn Du beobachtet hast, wie das Werk organisiert ist, kannst Du begründet fragen, ob die Figur etwa verletzt, gefangen, erniedrigt, bedroht oder komisch erscheint.
Die Projektion eines schmerzhaft wirkenden Gesichts
Das projizierte Gesicht ist der visuelle Brennpunkt. Ein Gesicht besitzt für die menschliche Wahrnehmung eine besondere Bedeutung, weil kleinste Veränderungen von Augen, Mund, Stirn und Blickrichtung als emotionale Signale gelesen werden. Oursler nutzt diese Empfindlichkeit. Die textile beziehungsweise skulpturale Form allein wäre leblos; erst die bewegte Mimik erzeugt die starke Illusion eines empfindenden Gegenübers.
Dabei entsteht ein Widerspruch: Das Gesicht ist sichtbar lebendig, der Körper dagegen nahezu bewegungslos. Der Kopf spricht oder lautiert, doch der Körper kann sich offenbar nicht aus der Situation befreien. Diese Diskrepanz zwischen mimischer Aktivität und körperlicher Handlungsunfähigkeit ist ein Schlüssel zur Deutung des Werkes.
Die Projektion ist deshalb nicht bloße Oberfläche. Sie erzeugt eine prekäre Form von Anwesenheit: Ein Mensch scheint da zu sein, ist aber zugleich nur Lichtbild. Das Gesicht besitzt Ausdruck, aber keinen vollständig handlungsfähigen Körper. Diese mediale Spaltung kann als Bild für verletzliche, fragmentierte oder technisch vermittelte Existenz gelesen werden.
Stimme und Laut als Verkörperung
Die Stimme erweitert die Projektion. Ein lautloses Gesicht könnte als Bildobjekt betrachtet werden; eine hörbare Stimme dringt dagegen in denselben akustischen Raum ein, in dem Du selbst stehst. Dadurch erhält die Figur eine andere Form von Präsenz.
Die Stimme erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Verkörperung: Sie lässt eine stoffliche Form wie ein empfindendes Wesen erscheinen.
- Nähe: Klang kann den gesamten Raum erreichen, auch wenn Du das Gesicht nicht direkt ansiehst.
- Affekt: Lautstärke, Tonfall, Atem, Stöhnen, Schreien oder Sprachfragmente können emotionale Reaktionen auslösen.
- Widerspruch: Eine intensive Stimme trifft auf einen nahezu bewegungslosen Körper.
- Adressierung: Du kannst Dich angesprochen fühlen, obwohl nicht eindeutig geklärt ist, ob die Figur tatsächlich zu Dir spricht.
In Ourslers Werk allgemein ist die Verbindung von Stimme, projiziertem Gesicht und gefesselter beziehungsweise unbeweglicher Figur besonders wichtig. Kunsthistorische Texte zu seinem Werk heben hervor, dass Stimme und Bild sich gegenseitig rahmen und dass seine Figuren häufig als eingeschlossen, festgesetzt oder körperlich bedrängt erscheinen.[4]
Die Stühle: Alltagsobjekt und Bedrohung
Ein Stuhl ist normalerweise mit Sitzen, Ruhe, Ordnung und menschlicher Benutzung verbunden. In BROKEN wird diese vertraute Funktion gestört. Die Stühle bilden keine Einladung zum Sitzen, sondern eine Barriere und eine körperliche Zwangslage. Dadurch kippt ein alltägliches Objekt semantisch um: Aus einem Gebrauchsgegenstand wird ein Element der Bedrängung.
Gerade diese Umkehr ist kunstanalytisch ergiebig. Die Stühle müssen nicht als Waffen dargestellt werden, um bedrohlich zu wirken. Ihre Lage, ihr Gewicht und ihre Beziehung zum Kopf reichen aus, um Vorstellungen von Druck, Feststecken und möglicher Verletzung zu erzeugen.
Der Werktitel BROKEN kann deshalb auf mehreren Ebenen gelesen werden. „Gebrochen“ oder „zerbrochen“ kann sich auf die ungeordnete Situation der Möbel, auf einen gefährdeten Körper, auf psychische Verfassung, auf gestörte Kommunikation oder auf das Aufbrechen traditioneller Mediengrenzen beziehen. Keine dieser Deutungen sollte isoliert behauptet werden; überzeugend wird sie erst, wenn Du sie mit konkreten Werkmerkmalen verbindest.
Der Raum als Teil des Werkes
Bei einem klassischen Kinofilm sitzt das Publikum meist frontal vor einer Leinwand. Der Bildraum und der Zuschauerraum sind klar getrennt. Bei BROKEN ist diese Trennung schwächer. Die Figur befindet sich als Objekt im realen Raum, und Du teilst diesen Raum mit ihr.
Das hat Folgen:
- Du bestimmst selbst Deinen Abstand.
- Du kannst die Figur von unterschiedlichen Seiten wahrnehmen.
- Du siehst nicht nur das projizierte Gesicht, sondern auch Möbel, Stoff, Projektionsfläche und gegebenenfalls technische Apparatur.
- Du kannst den Ton hören, bevor oder nachdem Du das Gesicht siehst.
- Deine körperliche Position wird zu einem Teil der Wahrnehmung.
Damit wird das Werk nicht nur betrachtet, sondern räumlich erfahren. Der Raum ist kein neutraler Behälter. Er organisiert Nähe, Distanz, Unsicherheit und die Frage, ob Du Dich als Beobachter, Zeuge oder sogar als Teil einer unangenehmen Situation empfindest.
Expanded Video
Vom Bildschirm in den Raum
Der Ausdruck Expanded Video lässt sich hier als didaktische Bezeichnung für eine Ausweitung des Videos über den herkömmlichen Bildschirm hinaus verwenden. Kunsthistorisch steht dieses Prinzip in Nähe zum Expanded Cinema. Tate beschreibt Expanded Cinema als Film-, Video-, Multimedia- oder immersive Praxis, die die Grenzen konventionellen Kinos überschreitet.[5]
Auch das Museum of Modern Art beschrieb 1995 in der Ausstellung Video Spaces dreidimensionale Videoinstallationen und Videoskulpturen als „environmental video“. Entscheidend ist dabei, dass Videokunst nicht mehr nur als Bildfolge verstanden wird, sondern als räumliche Konstellation aus Technik, Objekt, Architektur und Publikum.[6]
Für BROKEN bedeutet Expanded Video konkret:
| Klassisches Bildschirmvideo | BROKEN als Expanded Video |
|---|---|
| Bild erscheint auf rechteckiger Fläche. | Bild erscheint auf einem dreidimensionalen Kopfersatz. |
| Bildschirm bleibt vom dargestellten Körper getrennt. | Projektion und Objekt verschmelzen zu einer hybriden Figur. |
| Ton begleitet ein Bild. | Stimme scheint aus einem körperlich bedrängten Wesen zu kommen. |
| Publikum sitzt oder steht vor dem Bild. | Publikum bewegt sich im selben Raum wie die Figur. |
| Möbel wären Teil einer dargestellten Szene. | Reale Stühle sind physisch anwesende Bestandteile des Kunstwerks. |
| Bildraum und Realraum sind getrennt. | Bildraum greift in den Realraum ein. |

Auch dieses Commons-Foto zeigt nicht BROKEN, sondern eine andere Installation Tony Ourslers. Nutze es, um zu untersuchen, wie Projektion auf eine plastische Form die Grenze zwischen Bild und Objekt verändert.
Warum ist die Ausweitung des Videos bedeutend?
Die Ausweitung verändert die Bedeutung des bewegten Bildes. Ein projiziertes Gesicht auf einem Stoffkopf ist nicht dasselbe wie dasselbe Gesicht auf einem Monitor. Die Form des Trägers verformt das Bild; Licht legt sich über Rundungen und Falten; das Gesicht bekommt scheinbar Volumen. Gleichzeitig bleibt sichtbar, dass es technisch erzeugt ist.
Daraus entsteht ein Schwebezustand zwischen Person und Ding. Du weißt, dass Du eine Konstruktion siehst, reagierst aber möglicherweise dennoch auf sie, als wäre sie ein empfindendes Wesen. Gerade diese Spannung macht Ourslers Arbeiten geeignet, Fragen nach Medienwirklichkeit, Empathie, Simulation und der technischen Vermittlung menschlicher Präsenz zu diskutieren.
Das Tate-Studio-Video zeigt, wie bewusst Oursler mit Projektoren, Materialien, Oberflächen und räumlicher Präsentation arbeitet.
Zusammenspiel von Projektion, Stimme, Objekt und Raum
Die vier zentralen Elemente können getrennt analysiert werden, ihre eigentliche Wirkung entsteht aber erst durch ihr Zusammenspiel.
| Element | Formale Funktion | Mögliche Wirkung | Analysefrage |
|---|---|---|---|
| Projektion | Überträgt lebendige Mimik auf eine unbelebte Form. | Die Figur wirkt gleichzeitig künstlich und menschlich. | Was verändert sich, weil das Gesicht nicht auf einer Leinwand, sondern auf einem Körperersatz erscheint? |
| Stimme | Verleiht dem Gesicht akustische Präsenz. | Schmerz, Aggression, Hilflosigkeit oder Groteske können körperlich nah wirken. | Kommt die Stimme scheinbar aus der Figur oder bleibt sie als technische Tonquelle erkennbar? |
| Objekt | Stofffigur und Stühle erzeugen eine reale materielle Situation. | Gewicht, Druck und Feststecken werden räumlich vorstellbar. | Welche Bedeutungsverschiebung erfährt der Alltagsgegenstand Stuhl? |
| Raum | Verbindet Objekt, Licht, Klang und Publikum. | Distanz und Nähe werden körperlich erfahrbar. | Wo befindest Du Dich im Verhältnis zur bedrohten Figur? |
Die Wirkung entsteht in der Kombination
Würde man ein Element entfernen, veränderte sich das Werk grundlegend. Ohne Projektion bliebe ein lebloser Stoffkörper. Ohne Stimme wäre die Figur weniger aufdringlich präsent. Ohne Stühle verschwände ein zentraler Hinweis auf körperliche Bedrängung. Ohne realen Raum würde die Situation wieder stärker zu einem bloßen Bild werden.
Die Installation funktioniert deshalb wie ein System wechselseitiger Verstärkung. Projektion erzeugt Gesicht, Stimme erzeugt Präsenz, Objekt erzeugt Körperlichkeit und Raum erzeugt eine konkrete Beziehung zwischen Figur und Publikum. Die menschliche Existenz erscheint dabei nicht als geschlossener, autonomer Körper, sondern als technisch, materiell und räumlich abhängige Konstruktion.
Gefährdung der menschlichen Existenz
Die Formulierung Gefährdung der menschlichen Existenz sollte bei BROKEN nicht nur als Darstellung einer möglichen körperlichen Verletzung verstanden werden. Das Werk kann mehrere Ebenen von Gefährdung gleichzeitig erfahrbar machen.
| Ebene der Gefährdung | Beobachtbares Werkmerkmal | Mögliche Deutung |
|---|---|---|
| Körperliche Integrität | Der Kopf befindet sich in einer bedrängten Lage zwischen beziehungsweise unter Stühlen. | Der menschliche Körper erscheint verletzlich und äußeren Kräften ausgeliefert. |
| Handlungsfähigkeit | Das Gesicht ist aktiv, der Körper kann sich scheinbar nicht befreien. | Bewusstsein und Ausdruck stehen einer blockierten Handlung gegenüber. |
| Identität | Ein reales menschliches Gesicht wird auf eine künstliche Form projiziert. | Person und medialer Ersatzkörper lassen sich nicht mehr eindeutig trennen. |
| Kommunikation | Stimme oder Laute sind hörbar, lösen die Situation aber nicht. | Sprechen garantiert keine Befreiung und keine Verständigung. |
| Zeit | Videosequenzen können wiederholt beziehungsweise als Loop erfahren werden. | Die bedrängte Situation erhält den Charakter eines wiederkehrenden Zustands ohne sichtbare Erlösung. |
| Soziale Beziehung | Betrachtende können sehen und hören, ohne zwingend helfen zu können. | Das Werk problematisiert Zuschauen, Distanz und mögliche Mitverantwortung. |
Existenzielle Lesart
Eine existenzielle Interpretation fragt nicht nur: „Was ist der Figur passiert?“, sondern: „Welche Grundsituation menschlichen Daseins wird hier sichtbar?“ Dabei können Verletzlichkeit, Kontrollverlust, Isolation, Abhängigkeit von materiellen Bedingungen und die Begrenztheit eigener Handlungsmacht thematisiert werden.
Der Kopf kann als Zentrum von Wahrnehmung, Sprache und Identität gelesen werden. Gerade dieser Kopf ist eingeklemmt. Das Gesicht kann sich bewegen, die gesamte Figur aber nicht. Daraus entsteht eine besonders starke Spannung zwischen innerer Aktivität und äußerer Unfreiheit.
Eine solche Deutung darf nicht mit einer medizinischen oder psychologischen Diagnose verwechselt werden. Das Werk liefert keine Grundlage, einer dargestellten Figur eine konkrete Erkrankung zuzuschreiben. Im Kunstunterricht ist es sinnvoller, die beobachtbaren Formen und ihre ästhetische Wirkung zu analysieren.
Technische Existenz
BROKEN führt außerdem vor, dass die scheinbar menschliche Präsenz technisch erzeugt wird. Ohne Projektor, Abspielmedium, Licht und Ton existiert das lebendige Gesicht in dieser Form nicht. Die Figur ist also auf ein technisches System angewiesen.
Diese Abhängigkeit eröffnet eine medienphilosophische Frage: Wie verändert sich unsere Vorstellung vom Menschen, wenn Gesicht, Stimme und Körper technisch voneinander getrennt, gespeichert, projiziert und neu zusammengesetzt werden können?
Für heutige Lernende lässt sich diese Frage auf digitale Avatare, Videotelefonie, Social-Media-Filter, synthetische Stimmen oder KI-generierte Gesichter übertragen. Dabei sollte der historische Unterschied beachtet werden: BROKEN entstand 1994 und reagiert auf die damaligen Möglichkeiten der Videoprojektion, nicht auf heutige KI-Systeme.
Schmerz, schwarzer Humor und Empathie
Die Sammlung Goetz verwendete Broken später als Titel einer Ausstellung über Slapstick, Komik und schwarzen Humor. In ihrer Werkbeschreibung wird betont, dass die Situation einer eingeklemmten männlichen Puppe gleichzeitig künstlich und erstaunlich real wirkt und die Frage hervorruft, ob Lachen angesichts einer möglichen Verletzung überhaupt angemessen ist.[2]
Das ist für die Werkdeutung wichtig. Die Szene kann zunächst absurd wirken: Möbel liegen ungeordnet, ein Puppenkörper ist sichtbar künstlich, ein projiziertes Gesicht grimassiert. Gleichzeitig ruft die körperliche Lage Mitleid oder Unbehagen hervor. Schwarzer Humor entsteht hier nicht dadurch, dass Leid eindeutig lustig wäre, sondern aus einer instabilen Mischung von Komik, Künstlichkeit, Übertreibung und Bedrohung.
Du kannst deshalb Deine eigene Reaktion als Analysematerial nutzen:
- Wann entsteht ein spontanes Lachen?
- Wann kippt dieses Lachen in Unbehagen?
- Welche Rolle spielt das Wissen, dass keine reale Person eingeklemmt ist?
- Warum kann die Projektion dennoch Empathie auslösen?
- Was sagt Deine Reaktion über die Macht medial erzeugter Gesichter und Stimmen aus?
Die Rolle der Betrachtenden
In einer Videoinstallation bist Du nicht nur Auge und Ohr. Du hast einen Körper, einen Standpunkt und eine Bewegungsrichtung. Diese Tatsache macht die Rezeption von BROKEN anders als das Sehen eines Films auf einem Bildschirm.
Wenn Du näher trittst, vergrößert sich möglicherweise der Eindruck persönlicher Nähe. Wenn Du zurückweichst, wird die Konstruktion deutlicher sichtbar. Wenn Du seitlich stehst, kann sich die Passung der Projektion auf die skulpturale Form verändern. Die Installation zwingt Dich dadurch zu Entscheidungen.
Eine wichtige Deutungsfrage lautet: Bist Du Zeuge, Voyeur, potenzieller Helfer oder nur Besucher einer Kunstinstallation? Das Werk gibt darauf keine eindeutige Antwort. Gerade diese Unentschiedenheit kann die Wahrnehmung intensivieren.
Analysestrategie für die Oberstufe
Für Klausur, Referat oder mündliche Prüfung kannst Du nach einem fünfteiligen Verfahren vorgehen.
| Schritt | Auftrag | Beispiel für BROKEN |
|---|---|---|
| 1. Beschreiben | Benenne nur Sicht- und Hörbares. | Projektion eines Gesichts, stofflicher Körperersatz, Stühle, Ton, räumliche Anordnung. |
| 2. Formal analysieren | Untersuche Material, Position, Licht, Klang, Bewegung und Raum. | Bewegtes Gesicht trifft auf unbeweglichen Körper; Stühle erzeugen Druck und Blockade. |
| 3. Beziehungen untersuchen | Frage nach dem Zusammenspiel der Medien. | Die Stimme belebt das projizierte Gesicht; Objekt und Raum lassen die Bedrängung körperlich wirken. |
| 4. Deuten | Formuliere eine These und begründe sie. | Die Installation kann menschliche Verletzlichkeit und mediale Fragmentierung sichtbar machen. |
| 5. Kontextualisieren | Ordne das Werk mediengeschichtlich ein. | Das Video verlässt den Monitor und wird Teil einer räumlichen, skulpturalen Situation. |
Formulierungshilfen für eine Analyse
- Beschreibung: „Zu erkennen ist ..., während ...“
- Formanalyse: „Die Wirkung entsteht besonders durch den Kontrast zwischen ... und ...“
- Raumanalyse: „Die Position der Betrachtenden ist relevant, weil ...“
- Klanganalyse: „Die Stimme verändert die visuelle Wahrnehmung, indem ...“
- Deutung: „Das Werk kann als Darstellung von ... gelesen werden, weil ...“
- Transfer: „Im Unterschied zu einem klassischen Bildschirmvideo ...“
Mögliche Interpretationsansätze
Körper als Medienhybrid
Die Figur besteht weder nur aus Skulptur noch nur aus Video. Der scheinbare Körper entsteht erst durch das Zusammenwirken materieller und elektronischer Bestandteile. Dadurch wird der menschliche Körper als zusammengesetztes Bild erfahrbar.
Gefangenschaft und Kontrollverlust
Die Position unter beziehungsweise zwischen den Stühlen kann als Chiffre für äußere Zwänge gelesen werden. Besonders stark wirkt dabei, dass das Gesicht aktiv bleibt, die Figur aber scheinbar nicht handeln kann.
Alltagswelt als Gefahrenraum
Stühle gehören normalerweise zu einer geordneten häuslichen oder öffentlichen Umgebung. Ihre Umfunktionierung zur Barriere zeigt, wie schnell Vertrautes in Bedrohliches umschlagen kann.
Stimme ohne Freiheit
Die Stimme erzeugt Subjektivität, aber keine Befreiung. Dadurch kann Kommunikation selbst als begrenzt erscheinen: Ausdruck ist möglich, Veränderung der Lage jedoch nicht.
Medienkritische Lesart
Das projizierte Gesicht ist überzeugend genug, um Empathie hervorzurufen, obwohl Du seine technische Konstruktion kennst. Das Werk kann daher als Untersuchung der Frage verstanden werden, wie Medien emotionale Präsenz erzeugen.
Schwarzer Humor als Störung
Die absurde Anordnung kann komisch wirken, ohne die Bedrohung aufzuheben. Humor und Unbehagen stehen nicht nacheinander, sondern können gleichzeitig auftreten. Gerade diese Ambivalenz verhindert eine einfache moralische Reaktion.
Vergleich mit klassischem Film
| Kategorie | Klassischer Film | BROKEN |
|---|---|---|
| Bildträger | Leinwand oder Bildschirm | Dreidimensionaler Körperersatz |
| Raum | Zuschauerraum meist vom Bildraum getrennt | Publikum und Objekt teilen denselben Raum |
| Körper | Körper wird im Bild dargestellt | Körper entsteht aus realem Objekt und Projektion |
| Ton | Kommt aus dem Kinolautsprechersystem und gehört zur Filmwelt | Stimme scheint an ein reales skulpturales Objekt gebunden |
| Perspektive | Kamera organisiert den Blick | Eigene Bewegung organisiert zusätzlich den Blick |
| Dauer | Meist klarer Anfang und Schluss | Installation kann als wiederholbare Situation beziehungsweise Loop erfahren werden |
Mediengeschichtlicher Zusammenhang
Ourslers Arbeiten stehen in der Geschichte der Videokunst, die seit den 1960er- und 1970er-Jahren die technischen und kulturellen Bedingungen bewegter Bilder untersucht. Künstler wie Nam June Paik, Bruce Nauman, Gary Hill oder Bill Viola entwickelten sehr unterschiedliche Formen von Videoarbeiten, die über den Fernseher als bloßes Wiedergabegerät hinausgingen.
Für Oursler wurde besonders wichtig, dass kleinere Projektoren bewegte Bilder auf ungewöhnliche Oberflächen übertragen konnten. Dadurch wurde das projizierte Bild plastisch, räumlich und körperbezogen. Das bewegte Bild trat buchstäblich aus dem elektronischen Kasten heraus und besetzte Objekte, Wände und andere Flächen.[3]
Das folgende Video zu The Influence Machine zeigt an einem späteren Werk, wie weit Oursler dieses Prinzip in den öffentlichen Raum ausdehnen konnte. Beobachte besonders, dass Gebäude, Bäume und andere reale Oberflächen zu Bildträgern werden.
Vertiefung: zentrale Begriffe
| Begriff | Bedeutung im Zusammenhang mit BROKEN |
|---|---|
| Videoinstallation | Ein zeitbasiertes Kunstwerk, bei dem Video als Teil einer räumlichen Anordnung erscheint. |
| Videoskulptur | Eine Verbindung von bewegtem Bild und plastischem Objekt. |
| Expanded Cinema | Überschreitung traditioneller Grenzen von Kino, Leinwand und festem Zuschauerstandpunkt. |
| Expanded Video | Didaktische Bezeichnung für die räumliche Erweiterung des Videobildes auf Objekte und in reale Umgebungen. |
| Projektion | Übertragung eines Lichtbildes auf eine Oberfläche; bei BROKEN wird ein Gesicht an einen Körperersatz gebunden. |
| Loop | Wiederholung einer zeitlichen Sequenz; kann den Eindruck eines nicht endenden Zustandes erzeugen. |
| Installation | Kunstform, in der Gegenstände, Medien und Raum zu einer Gesamtsituation verbunden werden. |
| Rezeptionsästhetik | Untersuchung der Rolle, Wahrnehmung und Reaktion der Betrachtenden. |
| Empathie | Fähigkeit beziehungsweise Bereitschaft, emotionale Zustände eines Gegenübers nachzuvollziehen. |
| Das Unheimliche | Wirkung, bei der etwas zugleich vertraut und fremd erscheint, etwa eine fast lebendig wirkende Puppe. |
Quellen zur Werkerschließung
- ↑ Tony Oursler: Broken, Werkseite.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Sammlung Goetz: Broken. Slapstick, Comedy and Black Humor.
- ↑ 3,0 3,1 Michael Kimmelman: In the Studio With Tony Oursler; A Sculptor Of the Air With Video, auf Tony Ourslers Website.
- ↑ Tony Oursler: Who Will Give Answer to the Call of My Voice? Sound in the Work of Tony Oursler.
- ↑ Tate: Expanded cinema.
- ↑ Museum of Modern Art: Video Spaces: Eight Installations.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr entstand BROKEN? (1994) (!1984) (!2004) (!2014)
Welche Werkform beschreibt BROKEN am treffendsten? (Videoinstallation) (!Spielfilm) (!Ölgemälde) (!Bronzeplastik)
Was geschieht mit dem Videobild in BROKEN? (Es wird auf einen dreidimensionalen Kopfersatz projiziert) (!Es bleibt ausschließlich auf einem Fernsehmonitor) (!Es wird nur als Fotografie gezeigt) (!Es erscheint ausschließlich als Text)
Was kennzeichnet Expanded Video bei BROKEN besonders? (Das bewegte Bild wird mit Objekt und Raum verbunden) (!Das Video wird nur schneller abgespielt) (!Das Bild wird vollständig ohne Ton gezeigt) (!Der Film wird ausschließlich im Kino vorgeführt)
Welche Funktion übernehmen die Stühle in der Installation? (Sie werden zu Elementen der körperlichen Bedrängung) (!Sie dienen nur als Sitzplätze für das Publikum) (!Sie verdecken ausschließlich den Projektor) (!Sie markieren den Ausgang des Museums)
Wie wirkt die Stimme im Zusammenspiel mit der Projektion? (Sie verstärkt die scheinbare Lebendigkeit der Figur) (!Sie macht die Projektion unbeweglich) (!Sie hebt die räumliche Wirkung vollständig auf) (!Sie ersetzt die Stühle durch Musik)
Welche Beobachtung unterstützt eine Deutung als existenzielle Gefährdung? (Das aktive Gesicht steht einem blockierten Körper gegenüber) (!Die Figur kann frei durch den Raum laufen) (!Die Stühle bilden eine geordnete Sitzreihe) (!Das Gesicht verschwindet vollständig)
Warum ist der Ausstellungsraum für BROKEN wichtig? (Die Betrachtenden teilen den realen Raum mit der Installation) (!Der Raum ist für die Wirkung bedeutungslos) (!Das Werk kann nur im Freien funktionieren) (!Die Projektion benötigt grundsätzlich Tageslicht)
Was ist zunächst eine Beschreibung und noch keine Deutung? (Ein projiziertes Gesicht bewegt sich auf einem Körperersatz) (!Die Figur symbolisiert die Sinnlosigkeit des Lebens) (!Die Stühle stehen für gesellschaftliche Unterdrückung) (!Das Werk kritisiert eindeutig digitale Netzwerke)
Wer schuf BROKEN? (Tony Oursler) (!Bill Viola) (!Nam June Paik) (!Gary Hill)
Memory
| Projektion | Bewegtes Lichtbild auf einer Oberfläche |
| Stimme | Akustische Verkörperung der Figur |
| Stuhl | Alltagsobjekt als Barriere |
| Loop | Wiederkehrende zeitliche Sequenz |
| Betrachterraum | Gemeinsamer Raum von Publikum und Werk |
| Expanded Video | Räumliche Erweiterung des bewegten Bildes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Projektion | Bildträger |
| Stimme | Körperersatz |
| Stuhl | Barriere |
| Raum | Wahrnehmungsfeld |
| Loop | Zeitschleife |
Kreuzworträtsel
| Oursler | Wie lautet der Nachname des Künstlers von BROKEN? |
| Projektion | Mit welchem Verfahren erscheint das bewegte Gesicht auf dem Objekt? |
| Installation | Welche Kunstform verbindet in BROKEN Medien, Gegenstände und Raum? |
| Stimme | Welches akustische Element verstärkt die scheinbare Lebendigkeit der Figur? |
| Barriere | Welche Funktion können die Stühle für den Körper der Figur übernehmen? |
| Empathie | Wie heißt das Einfühlungsvermögen, das die Figur trotz ihrer Künstlichkeit auslösen kann? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Werkbeschreibung: Verfasse eine rein beschreibende Passage zu BROKEN, in der Du noch keine psychologischen oder symbolischen Deutungen verwendest.
- Klangprotokoll: Notiere für eine Minute alle Eigenschaften, die Du an einer Stimme untersuchen kannst, etwa Lautstärke, Tempo, Rhythmus, Atem und Artikulation, und übertrage das Schema auf BROKEN.
- Objektanalyse: Fotografiere drei alltägliche Stühle in unterschiedlichen Positionen und untersuche, ab wann ihre Anordnung ruhig, instabil oder bedrohlich wirkt.
- Begriffskarte: Gestalte eine visuelle Begriffskarte zu Projektion, Stimme, Objekt, Raum, Körper und Publikum und verbinde die Begriffe durch beschriftete Pfeile.
Standard
- Szenisches Experiment: Entwickle mit harmlosen Materialien eine kleine Installation, in der ein Alltagsgegenstand seine normale Funktion verliert und eine neue emotionale Wirkung erhält. Dokumentiere die Veränderung fotografisch.
- Audiovisuelle Analyse: Erstelle ein zweispaltiges Protokoll mit einer visuellen und einer akustischen Ebene und zeige, an welchen Stellen sich beide gegenseitig verstärken oder widersprechen.
- Expanded Video: Plane eine eigene kurze Projektion auf ein dreidimensionales Objekt. Begründe, warum gerade diese Oberfläche die Bedeutung des Videos verändert.
- Rezeptionsstudie: Befrage mehrere Personen zu einer Abbildung oder Beschreibung von BROKEN und vergleiche ihre spontanen Reaktionen auf Komik, Bedrohung, Mitleid und Künstlichkeit.
Schwer
- Medienvergleich: Vergleiche BROKEN mit einer Arbeit von Nam June Paik, Gary Hill oder Bill Viola und arbeite heraus, wie jeweils Bildträger, Raum und Publikum organisiert werden.
- Existenzielle Deutung: Entwickle eine argumentativ geschlossene Interpretation zur Frage, wie BROKEN menschliche Verletzlichkeit und eingeschränkte Handlungsfähigkeit sichtbar macht. Jede These muss an einem konkreten Formmerkmal belegt werden.
- Kuratorisches Konzept: Entwirf einen Ausstellungsraum für BROKEN. Lege Licht, Position des Werkes, Bewegungswege, Abstand des Publikums und akustische Bedingungen fest und begründe jede Entscheidung.
- Medienethik: Verfasse eine Erörterung zur Frage, warum Menschen auf technisch erzeugte Gesichter und Stimmen empathisch reagieren können und welche Chancen sowie Risiken daraus für heutige digitale Medien entstehen.


Lernkontrolle
- Transfer auf Film: Erkläre, wie sich die Wirkung verändern würde, wenn BROKEN als gewöhnliches Video auf einem Laptopbildschirm gezeigt würde. Beziehe Projektion, Objekt, Raum und Körperlichkeit ein.
- Klangexperiment: Begründe, welche Bedeutung verloren ginge, wenn die Stimme vollständig entfernt würde, und welche neuen Interpretationen dadurch möglich wären.
- Objektaustausch: Ersetze die Stühle gedanklich durch zwei andere Alltagsobjekte. Analysiere, wie sich dadurch die Bedeutung von Bedrängung, Alltag und Gewalt verändern würde.
- Raumvergleich: Vergleiche eine Präsentation in einem engen dunklen Raum mit einer Präsentation in einer großen hellen Halle. Erkläre, welche Wirkungsunterschiede Du erwartest.
- Betrachterrolle: Diskutiere, ob die Betrachtenden in BROKEN eher distanzierte Beobachtende, Zeugen oder Mitbeteiligte sind. Entwickle eine begründete Position.
- Gegenwartsbezug: Übertrage Ourslers Trennung von Gesicht, Stimme und Körper auf heutige digitale Avatare oder synthetische Medien und benenne mindestens eine Gemeinsamkeit und einen historischen Unterschied.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu BROKEN solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Fakten kennst, sondern die ästhetische Funktionsweise des Werkes erklären kannst.
- Du kannst BROKEN als Arbeit von Tony Oursler aus dem Jahr 1994 einordnen.
- Du kannst zwischen sachlicher Werkbeschreibung und begründeter Interpretation unterscheiden.
- Du kannst erklären, warum das Werk als Videoinstallation beziehungsweise Videoskulptur verstanden werden kann.
- Du kannst den Begriff Expanded Video auf das Verlassen des klassischen Bildschirms und die Verbindung von Video, Objekt und Raum beziehen.
- Du kannst die Funktionen von Projektion, Stimme, Stühlen und Ausstellungsraum einzeln untersuchen.
- Du kannst zeigen, wie diese Elemente gemeinsam eine scheinbar lebendige und zugleich verletzliche Figur erzeugen.
- Du kannst die Gefährdung menschlicher Existenz anhand von Körperlichkeit, Handlungsfähigkeit, Identität, Kommunikation und Zeit diskutieren.
- Du kannst die Rolle der Betrachtenden als räumlich und emotional Beteiligte analysieren.
- Du kannst Ambivalenzen zwischen schwarzem Humor, Künstlichkeit, Empathie und Unbehagen erläutern.
- Du kannst BROKEN mit klassischen Filmformen oder anderen Positionen der Videokunst vergleichen.
- Du kannst eine eigenständige Deutungsthese formulieren und sie mit beobachtbaren Werkmerkmalen belegen.
- Du kannst einen Gegenwartsbezug herstellen, ohne historische Unterschiede zwischen der Videokunst der 1990er-Jahre und heutigen digitalen Technologien zu verwischen.
OERs zum Thema
Ein eigener deutschsprachiger Wikipedia-Artikel zu BROKEN ist nicht belegt. Für die kunsthistorische Einordnung sind die Artikel zu Tony Oursler und zur Videokunst besonders hilfreich.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen