Pappmaché - Kunst


Pappmaché - Kunst
Pappmaché - Kunst
Einleitung
Mit Pappmaché verwandelst Du Papier, Wasser und ein Bindemittel in leichte, stabile Kunstwerke. Du kannst Masken, Reliefs, Figuren, Tiere, Gefäße und Bühnenobjekte gestalten. Der Werkstoff eignet sich gut für den Kunstunterricht, weil er günstig, formbar und mit Upcycling verbindbar ist.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du Pappmaché und Kaschiertechnik unterscheiden, ein Werkstück planen, eine tragfähige Form bauen, Papier richtig schichten oder modellieren, Oberflächen gestalten und Deinen Arbeitsprozess beurteilen.
Material verstehen
Was ist Pappmaché?
Pappmaché ist eine formbare Masse aus eingeweichten Papierfasern, Wasser und einem Bindemittel, meist Kleister. Diese Masse wird auch Pulpe genannt. Beim Trocknen verdunstet Wasser: Das Werkstück wird fester, kann aber etwas schrumpfen.
Im Schulalltag wird oft auch das schichtweise Aufkleben von Papierstreifen als Pappmaché bezeichnet. Fachlich heißt dieses Verfahren Kaschiertechnik.
Zwei wichtige Techniken
| Technik | So arbeitest Du | Geeignet für |
|---|---|---|
| Pulpe | Eingeweichte Papierfasern werden mit Bindemittel zu einer modellierbaren Masse vermengt. | Details, freie Formen, Ausbesserungen und Reliefs |
| Kaschiertechnik | Eingekleisterte Papierstücke werden überlappend in mehreren dünnen Schichten aufgelegt. | Masken, Schalen, Köpfe, Tiere und große Hohlformen |
Materialien und Werkzeuge
Du brauchst geeignetes Altpapier, Wasser, Kleister, eine Schüssel, einen Pinsel und eine abgedeckte Arbeitsfläche. Für die Grundform eignen sich je nach Projekt Karton, zerknülltes Papier, Draht, Flaschen oder ein Luftballon. Zum Gestalten nutzt Du beispielsweise Deckfarbe, Acrylfarbe, farbiges Papier oder Fundmaterial.
Verwende im Unterricht nur Materialien, die Deine Lehrkraft freigegeben hat.
Von der Idee zum Kunstwerk
Planung und Formbau
Beginne mit einer kleinen Skizze. Überlege, welche Seite vorne ist, wo das Werkstück stehen oder hängen soll und welche Teile besonders stabil sein müssen. Eine innere Stützkonstruktion heißt Armatur. Ein Formkern gibt vorübergehend die Form vor und kann später entfernt werden.

Arbeitsschritte der Kaschiertechnik
- Entwurf: Zeichne Form, Größe und wichtige Details.
- Grundform: Baue einen leichten Formkern oder eine Armatur.
- Papier: Reiße Papier in handliche Stücke; gerissene Kanten verbinden sich meist unauffälliger.
- Kaschieren: Trage Kleister auf und lege die Stücke überlappend in mehreren dünnen Schichten auf.
- Trocknung: Lass das Werkstück vollständig und luftig trocknen.
- Oberfläche: Ergänze Details, grundiere bei Bedarf und gestalte anschließend Farbe und Struktur.
Mehrere dünne, gut getrocknete Schichten sind meist zuverlässiger als eine sehr dicke, nasse Lage.
Oberfläche und Ausdruck
Die Oberfläche entscheidet über die Wirkung. Glatte Flächen können ruhig und geschlossen wirken. Falten, Rillen und sichtbare Papierkanten erzeugen Bewegung oder Spannung. Farbe kann Formen hervorheben, Tarnung erzeugen oder eine Figur besonders fantasievoll erscheinen lassen.
Typische Probleme lösen
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Sinnvolle Lösung |
|---|---|---|
| Das Werkstück bleibt weich. | Zu viel Feuchtigkeit oder zu wenig Trockenzeit | Luftig weiter trocknen und nicht sofort bemalen. |
| Die Form sackt ein. | Die Armatur ist zu schwach. | Mit Karton, Papierrollen oder geeignetem Draht stützen. |
| Die Oberfläche reißt. | Die Schicht war sehr dick oder ist stark geschrumpft. | Dünn nacharbeiten und erneut vollständig trocknen. |
| Einzelne Teile lösen sich. | Die Verbindung ist zu klein. | Übergänge mit zusätzlichen Papierstreifen überbrücken. |
Kunst, Kultur und Gestaltungsideen
Pappmaché ist seit Jahrhunderten ein Werkstoff für Kunst, Handwerk und Theater. Es wurde unter anderem für Masken, Puppen, Reliefs, Dosen, Möbel, Festfiguren und anatomische Lehrmodelle verwendet. In Mexiko entstehen mit der verwandten Cartonería farbig bemalte Fantasiewesen, die Alebrijes.


Pappmaché in Theater und Festkultur
Masken und große Figuren verändern Proportionen, verdecken Gesichter und machen Rollen weithin sichtbar. Deshalb eignet sich Pappmaché besonders für Theater, Karneval, Umzüge und Schultheater.

Leicht, aber vielseitig
Aus Pappmaché entstanden nicht nur Figuren. Historische Möbel zeigen, dass gepresste und bearbeitete Papiermassen auch für Gebrauchs- und Schmuckobjekte eingesetzt wurden. Anatomische Modelle machten Körperaufbau anschaulich.

Figuren und Tiere
Tiere eignen sich gut, um Volumen, Haltung und Oberfläche zu untersuchen. Eine gestreckte Form wirkt schnell, eine gedrungene Form schwer, eine gebogene Linie lebendig.
Nachhaltigkeit und Sicherheit
Altpapier, Kartonreste und saubere Verpackungen können zu neuem Gestaltungsmaterial werden. Das ist eine Form des Upcycling. Trotzdem ist nicht jedes Werkstück automatisch nachhaltig: Auch Menge, Zusatzmaterial, Farbe, Haltbarkeit und spätere Entsorgung zählen.
Arbeite sauber, beachte die Hinweise auf Kleister und Farben, nutze nur geeignete Werkzeuge und wasche danach die Hände. Feuchte Arbeiten müssen vollständig trocknen. Scheren, Heißkleber, scharfe Messer oder Drahtwerkzeuge verwendest Du nur nach Anweisung der Lehrkraft.
Mini-Projekt: Fantasiewesen aus Restmaterial
Baue aus Karton und zerknülltem Papier eine kleine Armatur. Verbinde alle Teile mit Papierstreifen. Kaschiere die Form in mehreren dünnen Lagen und lass sie vollständig trocknen. Erfinde anschließend eine Oberfläche, die zu den Eigenschaften Deines Wesens passt: schuppig, glatt, stachelig, gepunktet oder gemustert.
Gib Deinem Wesen einen Namen und erkläre in drei Sätzen, wie Form, Farbe und Oberfläche seinen Charakter zeigen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Woraus besteht Pappmaché hauptsächlich? (Papierfasern, Wasser und Bindemittel) (!Ton, Sand und Metall) (!Holz, Öl und Wachs) (!Gips, Glas und Stoff)
Was kennzeichnet die Kaschiertechnik? (Papierstücke werden schichtweise aufgeklebt) (!Papier wird ausschließlich gefaltet) (!Papier wird ohne Flüssigkeit geschnitzt) (!Papier wird zu Fäden versponnen)
Wozu dient eine Armatur? (Sie trägt und formt das Werkstück) (!Sie färbt das Papier) (!Sie ersetzt jede Trocknung) (!Sie löst den Kleister auf)
Wann sollte ein Pappmaché-Werkstück bemalt werden? (Nach vollständiger Trocknung) (!Sofort nach der ersten nassen Lage) (!Bevor die Grundform gebaut ist) (!Während es im Wasser liegt)
Warum sind mehrere dünne Schichten sinnvoll? (Sie lassen sich kontrollierter aufbauen und trocknen) (!Sie machen Kleister überflüssig) (!Sie verhindern jede Formveränderung) (!Sie bestehen nur aus Farbe)
Welche Wirkung kann eine raue Oberfläche erzeugen? (Sie kann Spannung und Lebendigkeit zeigen) (!Sie macht jede Figur unsichtbar) (!Sie entfernt automatisch alle Farben) (!Sie verwandelt Papier in Metall)
Was ist Pulpe? (Eine formbare Masse aus Papierfasern und Bindemittel) (!Ein Werkzeug zum Schneiden von Draht) (!Eine trockene Farbschicht) (!Eine Form aus massivem Stein)
Welche Maßnahme unterstützt nachhaltiges Arbeiten? (Sauberes Altpapier als Gestaltungsmaterial nutzen) (!Jede Form nach einmaligem Gebrauch wegwerfen) (!Möglichst viele neue Kunststoffteile einsetzen) (!Nasse Reste im Klassenraum verteilen)
Was hilft gegen eine einsackende Figur? (Eine stabilere Armatur) (!Noch mehr Wasser) (!Das Entfernen aller Verbindungen) (!Eine einzige sehr schwere Farbschicht)
Welche Kunstform lässt sich gut aus Pappmaché herstellen? (Eine Maske) (!Ein geschmiedetes Stahlmesser) (!Eine Fensterscheibe aus Glas) (!Eine Marmorplatte)
Memory
| Pulpe | Formbare Papiermasse |
| Kaschieren | Papierstücke in Schichten |
| Armatur | Tragendes Innengerüst |
| Formkern | Vorübergehende Grundform |
| Kleister | Bindemittel |
| Relief | Erhabene Flächengestaltung |
| Trocknung | Aushärtung durch Wasserverlust |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Pulpe | Papierbrei wird frei modelliert. |
| Kaschiertechnik | Papierstücke werden überlappend aufgelegt. |
| Armatur | Ein Innengerüst trägt die Form. |
| Grundierung | Eine einheitliche Fläche bereitet die Bemalung vor. |
| Bemalung | Farbe verstärkt Ausdruck und Oberfläche. |
...
Kreuzworträtsel
| Kleister | Welches Bindemittel wird im Kunstunterricht häufig für Papier verwendet? |
| Armatur | Wie heißt das tragende Innengerüst einer Plastik? |
| Pulpe | Wie heißt die formbare Masse aus Papierfasern und Bindemittel? |
| Kaschieren | Wie nennt man das schichtweise Bekleben einer Form? |
| Trocknung | Welcher Vorgang macht das feuchte Werkstück nach und nach fest? |
| Relief | Wie heißt eine erhabene Gestaltung auf einer Fläche? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Materialdetektive: Untersuche fünf geeignete Papier- oder Kartonreste. Ordne sie nach Saugfähigkeit, Festigkeit und Oberflächenstruktur.
- Formenfinder: Suche im Klassenraum drei Gegenstände, die als Formkern dienen könnten. Zeichne jeweils eine mögliche Pappmaché-Idee.
- Oberflächenprobe: Erstelle drei kleine Proben: glatt, geriffelt und geknittert. Beschreibe ihre Wirkung.
- Mini-Maske: Gestalte eine kleine Maskenform aus Karton und zwei bis drei dünnen Papierlagen. Betone ein Gefühl durch Form und Farbe.
Standard
- Fantasietier: Entwickle ein Tier aus mindestens zwei bekannten Tierformen. Baue es aus Restmaterial und Pappmaché.
- Reliefbild: Gestalte ein Relief zu einem Naturthema. Nutze Höhenunterschiede, Linien und eine begrenzte Farbpalette.
- Gefäß mit Formkern: Kaschiere eine einfache Form, löse sie nach dem Trocknen und gestalte das entstandene Gefäß.
- Kunsttagebuch: Dokumentiere Entwurf, Materialwahl, Zwischenschritte, Probleme und Lösungen mit Bildern und kurzen Texten.
Schwer
- Bewegte Figur: Baue eine Figur, deren Haltung eine klare Bewegung zeigt. Begründe, wie Linien und Gewichtsverteilung die Wirkung erzeugen.
- Kulturvergleich: Vergleiche zwei Pappmaché-Objekte aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. Achte auf Funktion, Farbe, Form und Anlass.
- Nachhaltigkeitsdesign: Entwickle ein Werkstück mit möglichst wenigen neuen Materialien. Erstelle dazu eine begründete Materialbilanz.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Klassenausstellung mit Titel, Reihenfolge, Beschriftungen, Beleuchtung und einem kurzen Vermittlungstext.


Lernkontrolle
- Materialwahl begründen: Für eine große, leichte Tierfigur stehen Karton, Zeitungspapier, Vollholz und Metallplatten zur Auswahl. Entwickle eine sinnvolle Kombination und begründe sie.
- Fehleranalyse: Eine Figur ist außen trocken, innen aber weich und riecht unangenehm. Erkläre mögliche Ursachen und entwirf einen sicheren Verbesserungsplan.
- Stabilität planen: Vergleiche eine Hohlform mit einer massiven Papiermasse. Entscheide für ein tragbares Bühnenobjekt und begründe Deine Wahl.
- Form und Ausdruck: Beschreibe, wie dieselbe Figur freundlich, bedrohlich oder traurig wirken kann. Beziehe Haltung, Proportion, Oberfläche und Farbe ein.
- Nachhaltigkeit bewerten: Prüfe ein Pappmaché-Projekt auf Herkunft der Materialien, Materialmenge, Haltbarkeit und Entsorgung. Formuliere zwei Verbesserungen.
- Museumsauftrag: Entwirf eine kurze Objektbeschriftung für ein historisches Pappmaché-Werk. Sie soll Material, Funktion, Gestaltung und kulturellen Zusammenhang erklären.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zeigst Du, dass Du:
- Pulpe und Kaschiertechnik unterscheiden kannst.
- einen Entwurf in eine stabile dreidimensionale Form überträgst.
- Material, Armatur, Schichtaufbau und Trocknung sinnvoll planst.
- Oberfläche, Farbe und Form bewusst für eine Aussage einsetzt.
- Deinen Arbeitsprozess dokumentierst, Probleme erkennst und Lösungen begründest.
- Sicherheitsregeln und Aspekte der Nachhaltigkeit beachtest.
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