Modellieren mit Ton - Kunst


Modellieren mit Ton - Kunst
Modellieren mit Ton - Kunst
Einleitung
Beim Modellieren formst Du weichen Ton mit Händen und Werkzeugen zu einem dreidimensionalen Werk. Du kannst Material hinzufügen, drücken, ziehen, verbinden, aushöhlen und wieder abtragen. So entstehen Plastiken, Reliefs, Figuren oder Gefäße.
In der Kunstsprache entsteht eine Plastik vor allem durch das Aufbauen und Formen. Eine Skulptur entsteht dagegen vor allem durch das Wegnehmen von Material, etwa beim Schnitzen. Im Alltag werden beide Wörter oft ähnlich verwendet.
Dieser aiMOOC führt Dich von den Grundregeln zu einem eigenen Tonobjekt. Er eignet sich für den Kunstunterricht in der Schule und lässt sich an verschiedene Klassenstufen anpassen.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du Ton sachgerecht vorbereiten, Grundformen entwickeln, Teile stabil verbinden, Oberflächen gestalten, ein Werk planen und den eigenen Gestaltungsprozess begründen.
| Bereich | Das lernst Du |
|---|---|
| Material | Feuchtigkeit, Plastizität und Trocknung beachten |
| Technik | Daumen-, Wulst-, Platten- und Aufbautechnik anwenden |
| Gestaltung | Form, Proportion, Oberfläche, Raum und Ausdruck einsetzen |
| Reflexion | Entscheidungen beschreiben und Ergebnisse beurteilen |
Ton als Werkstoff
Feuchter Ton ist plastisch: Er lässt sich verformen und behält die neue Form. Beim Trocknen verliert er Wasser, wird heller, fester und zugleich bruchempfindlich. Gebrannter Ton gehört zur Keramik. Die passende Brenntemperatur hängt von Tonmasse und Glasur ab und wird von der Lehrkraft festgelegt.

Ton wird seit Jahrtausenden für Gefäße, Figuren, Modelle und Baukeramik genutzt. Das freie Formen mit der Hand gehört zu den ältesten Verfahren. Historische Objekte zeigen, dass Ton zugleich Alltagsmaterial, Bildträger und künstlerischer Werkstoff ist.

Material und Werkzeuge
| Material oder Werkzeug | Verwendung |
|---|---|
| Ton | Grundmaterial zum Formen |
| Schlicker | Dünnflüssiger Ton zum Verbinden |
| Modellierholz | Drücken, Glätten und Strukturieren |
| Tonschlinge | Aushöhlen und Abtragen |
| Schneidedraht | Tonblock oder Werkstück trennen |
| Schwamm | Sehr sparsam glätten und anfeuchten |
| Unterlage | Arbeit drehbar und transportierbar halten |
Verwende Wasser nur sparsam. Zu viel Wasser macht den Ton weich, schwächt Verbindungen und verlängert die Trocknung.
Sicher arbeiten
- Arbeitsplatz: Trage eine Schürze und arbeite auf einer geeigneten Unterlage.
- Tonstaub: Kehre trockene Reste nicht auf und puste sie nicht weg. Reinige Tisch und Werkzeuge feucht.
- Werkzeug: Nutze Schneidedraht und spitze Werkzeuge ruhig und nach Anweisung.
- Brennofen: Bedient wird er ausschließlich durch eingewiesene Erwachsene.
- Hygiene: Iss nicht am Arbeitsplatz und wasche nach der Arbeit die Hände.
- Trocknung: Lasse das Werk vollständig und langsam trocknen. Massive Formen werden möglichst ausgehöhlt.
Grundformen verstehen
Fast jede Tonarbeit lässt sich aus einfachen Körpern entwickeln: Kugel, Ei, Walze, Kegel, Würfel und Platte. Prüfe Dein Objekt von allen Seiten. Eine Form wirkt überzeugender, wenn Proportion, Schwerpunkt und Übergänge bewusst gestaltet sind.
| Gestaltungsmittel | Leitfrage |
|---|---|
| Proportion | Wie groß sind die Teile im Verhältnis zueinander? |
| Volumen | Wirkt die Form kompakt, leicht, gespannt oder ruhig? |
| Negativraum | Welche Zwischenräume und Öffnungen gehören zur Form? |
| Oberfläche | Ist sie glatt, rau, geritzt, gestempelt oder reliefartig? |
| Ansicht | Ist das Werk aus mehreren Blickrichtungen interessant? |
Grundtechniken
Daumentechnik
Forme eine Kugel, drücke den Daumen mittig hinein und drehe die Form beim gleichmäßigen Ausdrücken. So entsteht eine kleine Schale oder ein hohler Grundkörper. Der Boden darf nicht zu dünn werden.
Wulsttechnik
Bei der Wulsttechnik rollst Du gleichmäßige Tonwülste. Setze sie auf eine Bodenplatte, raue beide Kontaktflächen kreuzweise an, trage wenig Schlicker auf und verstreiche die Fuge sorgfältig.
Plattentechnik
Bei der Plattentechnik rollst Du Ton zwischen zwei gleich hohen Leisten aus. Schneide Formen aus und lasse die Platten kurz ansteifen. Verbinde die Kanten durch Anrauen, Schlicker und sorgfältiges Verstreichen. Die Technik eignet sich für Kästen, Häuser, Reliefs und geometrische Objekte.
Freies Aufbauen
Beim freien Aufbauen kombinierst Du Tonstücke, Kugeln, Walzen und Platten. Beginne mit großen Volumen und ergänze Details erst später. Dünne angesetzte Teile brauchen eine breite, stabile Verbindung.
Aushöhlen
Größere kompakte Formen werden geteilt oder von unten geöffnet und mit einer Tonschlinge ausgehöhlt. Achte auf eine möglichst gleichmäßige Wandstärke. Danach setzt Du die Teile wieder durch Anrauen, Schlicker und Verstreichen zusammen.
Stabil verbinden
Eine sichere Tonverbindung folgt der Regel anrauen – schlickern – andrücken – verstreichen. Reines Andrücken reicht meist nicht aus. Die Naht muss innen und außen geschlossen sein, soweit sie erreichbar ist.
| Problem | Mögliche Ursache | Verbesserung |
|---|---|---|
| Teil fällt ab | Kontaktflächen waren glatt | Beide Flächen anrauen und schlickern |
| Riss an der Naht | Teile hatten unterschiedliche Feuchtigkeit | Teile im ähnlichen Zustand verbinden |
| Form sackt zusammen | Ton war zu weich oder Wand zu dünn | Pause zum Ansteifen einlegen |
| Oberfläche verschmiert | Zu viel Wasser | Trockener arbeiten und nur leicht glätten |
Oberfläche und Ausdruck
Oberflächen verändern die Wirkung einer Form. Du kannst drücken, ritzen, stempeln, glätten, aufrauen oder ein Relief aufbauen. Eine Struktur sollte zur Idee passen und nicht nur Dekoration sein.
Bei einer Figur können Haltung, Blickrichtung, Spannung und Übertreibung einen Charakter sichtbar machen. Arbeite zuerst an der Gesamtform und dann an Gesicht, Kleidung oder Muster.
Trocknen, Brennen und Gestalten mit Farbe
Trockne Ton langsam auf einer ebenen Unterlage. Decke das Werk zu Beginn locker ab und drehe es nur, wenn es stabil genug ist. Sehr dünne und sehr dicke Bereiche trocknen unterschiedlich schnell und können Risse erzeugen.
Vor dem Brennen muss das Werk vollständig trocken sein. Das Einräumen, Brennen und Ausräumen übernimmt die Lehrkraft. Nach dem ersten Brand kann je nach Aufgabe mit Engobe, Glasur oder geeigneter Farbe weitergestaltet werden.


Von der Idee zum Tonobjekt
- Ideenskizze: Zeichne Vorder-, Seiten- und Rückansicht.
- Probeform: Teste schwierige Verbindungen an einem kleinen Stück Ton.
- Grundkörper: Baue zuerst das große Volumen.
- Verbindung: Setze Teile mit der Verbindungsregel an.
- Oberfläche: Entscheide Dich für eine passende Struktur.
- Kontrolle: Prüfe Stand, Wandstärke und Wirkung von allen Seiten.
- Dokumentation: Fotografiere wichtige Arbeitsschritte.
- Reflexion: Beschreibe Idee, Technik, Problem und Lösung.
Beispielprojekt: Fantasiewesen
Entwirf ein Fantasiewesen, das zwei Eigenschaften deutlich zeigt, etwa scheu und schnell oder ruhig und stark. Baue einen hohlen Grundkörper in Daumen- oder Wulsttechnik. Ergänze Beine, Flügel, Hörner oder Schuppen nur dort, wo sie die Aussage unterstützen.
| Kriterium | Erkennbar an |
|---|---|
| Idee | Eigenständiger Charakter und klare Wirkung |
| Form | Stimmige Proportionen und interessante Ansichten |
| Technik | Stabile Verbindungen und passende Wandstärke |
| Oberfläche | Struktur unterstützt den Ausdruck |
| Reflexion | Entscheidungen und Verbesserungen werden erklärt |
Kunst betrachten
Vergleiche Dein Werk mit historischen und zeitgenössischen Tonarbeiten. Frage nicht nur: „Gefällt es mir?“, sondern untersuche Form, Materialspuren, Oberfläche, Raumwirkung, Funktion und Ausdruck.

Ein kleines Tonmodell kann als Bozzetto eine Idee für ein späteres größeres Werk festhalten. Ton eignet sich dafür, weil Formen schnell verändert, ergänzt oder verworfen werden können.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Reihenfolge beschreibt eine stabile Tonverbindung? (Anrauen, schlickern, andrücken und verstreichen) (!Glätten, trocknen, bemalen und schneiden) (!Wässern, stapeln, brennen und schleifen) (!Ritzen, rollen, drehen und glasieren)
Was bedeutet plastisch bei feuchtem Ton? (Der Ton lässt sich formen und behält die Form) (!Der Ton ist bereits gebrannt) (!Der Ton ist vollständig wasserdicht) (!Der Ton besteht aus Kunststoff)
Welche Technik arbeitet mit aufeinandergelegten Tonrollen? (Wulsttechnik) (!Aquarelltechnik) (!Drucktechnik) (!Mosaiktechnik)
Wozu dient Schlicker beim Modellieren? (Zum Verbinden angerauter Tonflächen) (!Zum Trocknen eines Werkstücks) (!Zum Schärfen der Werkzeuge) (!Zum Abdecken des Brennofens)
Warum werden größere massive Tonformen häufig ausgehöhlt? (Damit Wandstärke und Trocknung besser kontrollierbar sind) (!Damit der Ton wieder weich wird) (!Damit die Oberfläche automatisch glänzt) (!Damit keine Verbindung nötig ist)
Was ist bei der Plattentechnik besonders wichtig? (Gleichmäßige Platten und sorgfältig verbundene Kanten) (!Möglichst nasse und schwebende Platten) (!Ausschließlich runde Formen) (!Arbeiten ohne Unterlage)
Wie wird trockener Tonstaub am Arbeitsplatz am besten vermieden? (Durch feuchtes Reinigen) (!Durch kräftiges Wegpusten) (!Durch trockenes Auskehren) (!Durch Abschleifen ohne Schutz)
Was sollte beim Aufbau einer Figur zuerst gestaltet werden? (Die große Gesamtform) (!Die kleinsten Hautfalten) (!Die endgültige Glasur) (!Der Sockeltext)
Was beschreibt ein Relief? (Eine erhabene oder vertiefte Gestaltung auf einer Fläche) (!Eine vollständig flache Farbmischung) (!Eine Tonmasse ohne Oberfläche) (!Eine Zeichnung ohne Material)
Wer legt im Schulunterricht Brennprogramm und Brenntemperatur fest? (Die eingewiesene Lehrkraft) (!Jede lernende Person spontan) (!Die Person mit dem größten Werkstück) (!Die jüngste Person der Gruppe)
Memory
| Schlicker | verbindet angeraute Tonflächen |
| Wulsttechnik | Aufbau mit Tonrollen |
| Plattentechnik | Aufbau mit ausgerollten Flächen |
| Relief | erhabene oder vertiefte Flächengestaltung |
| Negativraum | Raum zwischen Formteilen |
| Bozzetto | plastischer Entwurf |
| Tonschlinge | Werkzeug zum Aushöhlen |
| Engobe | farbiger Tonschlicker |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Daumentechnik | Kugel durch Eindrücken zu einer Hohlform entwickeln |
| Wulsttechnik | Gefäß aus Tonrollen aufbauen |
| Plattentechnik | Ausgerollte Flächen zuschneiden und verbinden |
| Aushöhlen | Material aus einer kompakten Form entfernen |
| Schlickern | Angeraute Kontaktflächen mit dünnflüssigem Ton bestreichen |
| Verstreichen | Fuge glätten und fest schließen |
Kreuzworträtsel
| Schlicker | Wie heißt dünnflüssiger Ton zum Verbinden? |
| Wulsttechnik | Welche Aufbautechnik verwendet Tonrollen? |
| Plattentechnik | Welche Technik arbeitet mit ausgerollten Tonflächen? |
| Relief | Wie heißt eine erhabene oder vertiefte Flächengestaltung? |
| Keramik | Wie heißt gebrannter Ton als Werkstoffgruppe? |
| Hohlform | Wie nennt man einen Körper mit Innenraum? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Taststudie: Forme fünf unterschiedliche Oberflächen und beschreibe ihre Wirkung mit passenden Adjektiven.
- Grundkörper: Entwickle aus Kugel, Walze und Kegel drei kleine Fantasieformen.
- Daumenschale: Gestalte eine kleine Schale und verändere den Rand zu einer bewusst gewählten Rhythmusform.
- Fotoprotokoll: Fotografiere vier Arbeitsschritte und versehe jedes Bild mit einem kurzen Fachbegriff.
Standard
- Fantasiewesen: Modelliere ein hohles Wesen, dessen Haltung zwei vorgegebene Charaktereigenschaften sichtbar macht.
- Reliefplatte: Entwirf ein Relief zum Thema Natur, Stadt oder Erinnerung und nutze mindestens drei Oberflächenarten.
- Wulstgefäß: Baue ein Gefäß, bei dem sichtbare und verstrichene Wülste bewusst kombiniert werden.
- Partneranalyse: Untersuche ein Werk einer Mitschülerin oder eines Mitschülers hinsichtlich Proportion, Oberfläche, Raum und Stabilität.
Schwer
- Transformation: Verwandle einen Alltagsgegenstand in eine ausdrucksstarke Tonplastik, ohne seine Grundidee vollständig zu verlieren.
- Bozzetto: Entwickle drei kleine Entwürfe für eine größere Plastik und begründe die Auswahl des stärksten Entwurfs.
- Serielle Plastik: Erstelle drei zusammengehörige Tonformen, die Veränderung, Bewegung oder Wachstum zeigen.
- Ausstellungskonzept: Plane Sockel, Beleuchtung, Blickrichtung, Titel und Begleittext für eine kleine Klassenausstellung.


Lernkontrolle
- Materialentscheidung: Ein geplanter Tierkörper besitzt einen dicken Rumpf und sehr dünne Beine. Erkläre die technischen Risiken und entwickle zwei konstruktive Lösungen.
- Fehleranalyse: Eine angesetzte Form löst sich beim Trocknen. Rekonstruiere mögliche Ursachen und formuliere eine verbesserte Arbeitsfolge.
- Gestaltungstransfer: Zeige an einem eigenen Entwurf, wie dieselbe Grundform einmal freundlich und einmal bedrohlich wirken kann.
- Technikvergleich: Vergleiche Wulst- und Plattentechnik für den Bau eines Hauses. Begründe, welche Technik Du für welche Formteile wählen würdest.
- Raumwirkung: Entwirf eine Plastik, bei der ein Negativraum für die Aussage unverzichtbar ist, und erläutere seine Funktion.
- Nachhaltigkeit: Entwickle Regeln für einen sparsamen und verantwortlichen Umgang mit Ton, Wasser, Werkzeugen und Fehlversuchen im Kunstraum.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind folgende Bestandteile wichtig:
- Werkstück: Ein eigenständig entwickeltes, technisch stabiles Tonobjekt.
- Planung: Skizzen oder kleine Bozzetti mit erkennbarer Weiterentwicklung.
- Prozessdokumentation: Bilder und kurze Fachnotizen zu wichtigen Arbeitsschritten.
- Fachsprache: Richtige Verwendung zentraler Begriffe wie Schlicker, Wulsttechnik, Relief und Negativraum.
- Reflexion: Begründung von Form, Oberfläche, Technik und Verbesserungen.
- Präsentation: Angemessene Aufstellung und verständliche Vorstellung des Werkes.
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