Marcel Duchamp - Kunst


Marcel Duchamp - Kunst
Marcel Duchamp - Kunst
Einleitung
Marcel Duchamp (1887–1968) veränderte die Frage: Was kann Kunst sein? Statt nur Bilder zu malen, wählte er Alltagsgegenstände aus, gab ihnen Titel und stellte sie in einen neuen Zusammenhang. Solche Werke heißen Readymades. Für Duchamp konnte die Idee wichtiger sein als handwerkliche Schönheit.
Dieser aiMOOC richtet sich an die Schule. Du lernst zentrale Werke kennen, untersuchst den Kunstbegriff und entwickelst eigene, begründete Gestaltungsideen.

Lernziele
Du kannst ...
- Marcel Duchamp zeitlich und kunstgeschichtlich einordnen.
- den Begriff Readymade erklären.
- wichtige Werke beschreiben und deuten.
- zwischen Gegenstand, Präsentation und Kunstkonzept unterscheiden.
- eine eigene Position zur Frage „Was ist Kunst?“ begründen.
Marcel Duchamp im Überblick
| Bereich | Kurzinformation |
|---|---|
| Lebenszeit | 1887–1968 |
| Herkunft | Frankreich; später auch US-amerikanischer Staatsbürger |
| Tätigkeiten | Künstler, Autor, Filmemacher und Schachspieler |
| Kunstströmungen | Dadaismus, Surrealismus, frühe Konzeptkunst |
| Schlüsselidee | Auswahl und Idee können ein Werk zu Kunst machen. |

Lebensweg in Kürze
Duchamp wurde am 28. Juli 1887 in Blainville-Crevon geboren. Zunächst malte er und setzte sich mit Kubismus und Bewegung auseinander. Sein Gemälde Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2 sorgte 1913 bei der Armory Show in New York für Aufmerksamkeit.
Ab 1913 entwickelte Duchamp Arbeiten, bei denen nicht die Maltechnik, sondern Auswahl, Titel und Präsentation entscheidend waren. Er lebte zeitweise in Paris, New York und Buenos Aires. Am 2. Oktober 1968 starb er in Neuilly-sur-Seine.

Die Kunst der Idee
Was ist ein Readymade?
Ein Readymade ist ein bereits hergestellter Gegenstand, den ein Künstler auswählt und als Kunst präsentiert. Der Gegenstand muss nicht selbst gebaut worden sein. Wichtig sind die Entscheidung, der neue Ort, der Titel und die Fragen, die dadurch entstehen.
Merksatz: Beim Readymade wird das Auswählen selbst zu einem Teil des künstlerischen Handelns.
Bicycle Wheel
1913 verband Duchamp ein Fahrradrad mit einem Hocker. Das ursprüngliche Werk ging verloren; spätere Fassungen wurden neu hergestellt. Das Werk verbindet Alltagsobjekt, Bewegung und spielerisches Beobachten.

Beobachtungsfrage: Verändert sich der Gegenstand, wenn er nicht mehr benutzt, sondern betrachtet wird?
Fountain
Fountain von 1917 ist ein umgedrehtes Urinal mit der Aufschrift „R. Mutt“. Es wurde für eine Ausstellung in New York eingereicht, aber nicht regulär gezeigt. Das Original ist verschollen; bekannt wurde das Werk durch eine Fotografie von Alfred Stieglitz und durch spätere autorisierte Fassungen.

Fountain stellt Grundfragen:
- Muss Kunst handgemacht sein?
- Entscheidet der Künstler, das Museum oder das Publikum?
- Kann ein gewöhnlicher Gegenstand durch einen neuen Zusammenhang Kunst werden?
Die genaue Entstehungsgeschichte und die Beteiligung weiterer Personen werden in der Forschung diskutiert. Genannt wird dabei unter anderem Elsa von Freytag-Loringhoven.

L.H.O.O.Q.
1919 bearbeitete Duchamp eine günstige Reproduktion der Mona Lisa. Er zeichnete Schnurrbart und Spitzbart hinzu und gab dem Blatt den Titel L.H.O.O.Q.. Das Werk spielt mit Berühmtheit, Kopie, Respekt und Humor.
Deutungsfrage: Wird ein bekanntes Bild zerstört, verändert oder neu gelesen?
Weitere Arbeitsfelder
Das Große Glas
Die Braut von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar, meist Das Große Glas genannt, entstand zwischen 1915 und 1923. Duchamp arbeitete mit Glas, Draht, Farbe, Staub, Zufall und rätselhaften Zeichen. Das Werk lässt sich nicht wie eine einfache Geschichte lesen.

Boîte-en-valise
Mit der Boîte-en-valise schuf Duchamp ein tragbares Miniaturmuseum seiner eigenen Werke. Reproduktionen und kleine Modelle wurden in einem Koffer gesammelt. Dadurch stellte er Fragen nach Original, Kopie, Sammlung und Museum.

Optik, Film und Bewegung
Duchamp experimentierte mit drehenden Scheiben, Wortspielen und optischen Täuschungen. Im Film Anémic Cinéma von 1926 rotieren Muster und Textspiralen. Sehen wird dabei zu einem aktiven Prozess.

Rrose Sélavy und Identität
Duchamp verwendete die Rollenfigur Rrose Sélavy. Fotografien, Wortspiele und Namenswechsel machten Identität zu einem künstlerischen Material. Damit stellte er feste Vorstellungen von Autor, Geschlecht und Künstlerpersönlichkeit infrage.
Schach und Denken
Schach war für Duchamp mehr als ein Hobby. Das Spiel verbindet Regeln, Strategie, Vorstellungskraft und Entscheidung. Diese Denkweise passt zu seiner Kunst: Ein Werk kann wie ein Zug sein, der eine neue Situation schafft.
Wirkung auf die Kunst
Duchamp gilt als wichtiger Wegbereiter der Konzeptkunst. Seine Ideen beeinflussten Fluxus, Pop Art, Performancekunst, Installationskunst und viele Formen der Gegenwartskunst.
Sein Einfluss liegt weniger in einem einheitlichen Stil als in einer Haltung:
- Regeln dürfen geprüft werden.
- Ein Kontext verändert Bedeutung.
- Humor kann Kritik sein.
- Betrachterinnen und Betrachter denken am Werk mit.
- Eine gute Kunstfrage kann wichtiger sein als eine eindeutige Antwort.

Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet ein Readymade? (Einen ausgewählten Alltagsgegenstand, der als Kunst präsentiert wird) (!Ein ausschließlich handgemaltes Landschaftsbild) (!Eine naturgetreue Marmorskulptur) (!Eine digitale Kopie ohne künstlerische Entscheidung)
In welchem Jahr entstand die erste Fassung von Bicycle Wheel? (1913) (!1887) (!1926) (!1968)
Welcher Gegenstand bildet die Grundlage von Fountain? (Ein Urinal) (!Eine Schreibmaschine) (!Ein Schachbrett) (!Eine Filmkamera)
Mit welchem Namen wurde Fountain signiert? (R. Mutt) (!Rrose Paris) (!Man Glass) (!Marcel Dada)
Was ist mit dem Original von Fountain geschehen? (Es gilt als verschollen) (!Es steht unverändert in Duchamps Geburtshaus) (!Es wurde zu einem Fahrrad umgebaut) (!Es befindet sich im Louvre neben der Mona Lisa)
Was veränderte Duchamp bei L.H.O.O.Q.? (Eine Reproduktion der Mona Lisa) (!Einen antiken Tempel) (!Ein Foto der Armory Show) (!Einen Schachpokal)
Was enthält die Boîte-en-valise? (Miniaturen und Reproduktionen von Duchamps Werken) (!Ausschließlich unbemalte Leinwände) (!Eine Sammlung historischer Münzen) (!Nur persönliche Schachpartien)
Welche Kunstströmung ist eng mit Duchamp verbunden? (Dadaismus) (!Impressionismus) (!Romantik) (!Barock)
Was steht bei der Konzeptkunst besonders im Mittelpunkt? (Die Idee) (!Die Materialkosten) (!Die Größe des Rahmens) (!Die Zahl der Farben)
Welche Tätigkeit war für Duchamp besonders wichtig? (Schachspielen) (!Balletttanzen) (!Opernsingen) (!Bergsteigen)
Memory
| Readymade | ausgewählter Alltagsgegenstand als Kunst |
| Fountain | Urinal mit der Signatur R. Mutt |
| Dada | Protest gegen feste Kunstregeln |
| Rrose Sélavy | künstlerische Rollenfigur |
| Anémic Cinéma | Film mit rotierenden Scheiben |
| Schach | strategisches Denkspiel |
| Konzeptkunst | Idee steht im Vordergrund |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Fountain | gekipptes Urinal |
| Bicycle Wheel | Fahrradrad auf einem Hocker |
| L.H.O.O.Q. | veränderte Mona-Lisa-Reproduktion |
| Anémic Cinéma | rotierende Wort- und Bildscheiben |
| Boîte-en-valise | tragbares Miniaturmuseum |
Kreuzworträtsel
| Duchamp | Wie lautet der Nachname des Künstlers Marcel? |
| Readymade | Wie heißt ein ausgewählter Alltagsgegenstand, der als Kunst präsentiert wird? |
| Fountain | Wie heißt Duchamps berühmtes Werk mit einem Urinal? |
| Dadaismus | Welche Kunstbewegung stellte Regeln und Konventionen radikal infrage? |
| Schach | Welches Strategiespiel war Duchamp besonders wichtig? |
| Konzeptkunst | Welche Kunstrichtung stellt die Idee in den Mittelpunkt? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Werkbetrachtung: Beschreibe Bicycle Wheel in fünf genauen Sätzen, ohne das Werk sofort zu bewerten.
- Kunstbegriff: Sammle drei Antworten auf die Frage „Was ist Kunst?“ und vergleiche sie.
- Bild und Titel: Fotografiere einen ungefährlichen Alltagsgegenstand und gib dem Foto einen überraschenden Titel.
- Museumsetikett: Schreibe ein kurzes Ausstellungsschild für Fountain mit Werkdaten und einer Frage an das Publikum.
Standard
- Readymade: Wähle einen ungefährlichen, sauberen Alltagsgegenstand, verändere seinen Kontext und dokumentiere Deine Entscheidung.
- Kunstdebatte: Führt in Gruppen eine Diskussion: „Kann Auswählen genauso künstlerisch sein wie Herstellen?“
- Boîte-en-valise: Gestalte ein Miniaturmuseum mit fünf kleinen Darstellungen eigener Arbeiten.
- Anémic Cinéma: Entwirf eine Drehscheibe mit Muster und Wortspiel und filme ihre Bewegung.
Schwer
- Kuratorisches Konzept: Plane eine kleine Schulausstellung zum Thema „Alltag wird Kunst“ mit Raumplan, Titeln und Begründungen.
- Vergleichende Analyse: Vergleiche ein Readymade Duchamps mit einem Werk der Gegenwartskunst.
- Urheberschaft: Recherchiere die Debatte um Fountain und trenne gesicherte Fakten, Vermutungen und offene Fragen.
- Kunstmanifest: Verfasse ein eigenes Manifest mit fünf Regeln für eine Kunst, die Denken auslöst.


Lernkontrolle
- Kontextwechsel: Erkläre an einem selbst gewählten Gegenstand, wie Ort, Titel und Präsentation seine Bedeutung verändern können.
- Argumentation: Beurteile die Aussage „Jeder Gegenstand ist automatisch Kunst“ und begründe Deine Position mit Duchamps Ansatz.
- Vergleich: Stelle Fountain und Bicycle Wheel gegenüber. Arbeite eine Gemeinsamkeit und zwei Unterschiede heraus.
- Transfer: Entwickle eine Idee für ein digitales Readymade und erkläre, welche Entscheidung daran künstlerisch ist.
- Perspektivwechsel: Schreibe zwei kurze Reaktionen auf Fountain: aus Sicht einer Museumsleitung von 1917 und aus Sicht einer heutigen Schulklasse.
- Reflexion: Untersuche, ob Humor die Wirkung eines Kunstwerks verstärken kann. Nutze L.H.O.O.Q. als Beispiel.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- eine verständliche Erklärung von Readymade und Konzeptkunst.
- die sichere Zuordnung zentraler Werke zu ihren Ideen.
- eine genaue Werkbeschreibung vor der Bewertung.
- eine begründete eigene Position zum Kunstbegriff.
- ein selbst entwickeltes gestalterisches Beispiel.
- eine Reflexion über Auswahl, Kontext, Original und Kopie.
OERs zum Thema
Freie Medien und Vertiefung
- Wikimedia Commons: Freie Porträts, historische Fotografien und Abbildungen zu Marcel Duchamp.
- Dadaismus: Überblick über die internationale Kunst- und Literaturbewegung.
- Readymade: Begriff, Beispiele und Wirkungsgeschichte.
- Konzeptkunst: Kunstformen, bei denen Ideen und Konzepte im Mittelpunkt stehen.
- Armory Show: Bedeutung der Ausstellung von 1913 für die moderne Kunst in den USA.
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