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Friedrich Barbarossa - Geschichte

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Friedrich Barbarossa - Geschichte




Friedrich Barbarossa - Geschichte

Studienfach: Geschichte | Niveau: gymnasiale Oberstufe, Bachelorstudium und historisch Interessierte

Bildimpuls: Der sogenannte Cappenberger Barbarossakopf entstand um 1160 und gilt als eine der bekanntesten annähernd zeitgenössischen Darstellungen Friedrichs I. Untersuche, welche Aussagen eine Herrscherdarstellung über Person, Rang und politische Erwartungen machen kann – und welche nicht.


Einleitung

Friedrich I., genannt Barbarossa – italienisch für „Rotbart“ –, war von 1152 bis 1190 römisch-deutscher König und seit 1155 Kaiser. Er gehört zu den bekanntesten Herrschern des Hochmittelalters. Seine Bekanntheit beruht jedoch nicht allein auf seiner historischen Herrschaft. Sie entstand auch durch spätere Mythen, nationale Deutungen, Denkmäler, Literatur und politische Instrumentalisierungen.

Dieser aiMOOC behandelt Barbarossa deshalb auf zwei Ebenen: Erstens untersuchst Du seine Herrschaft im 12. Jahrhundert. Zweitens analysierst Du, wie spätere Zeiten aus dem mittelalterlichen Kaiser eine nationale Symbolfigur machten. Im Zentrum stehen Königswahl, Reisekönigtum, Lehnswesen, Regalien, Italienpolitik, das Verhältnis zum Papsttum, die Auseinandersetzungen mit den oberitalienischen Kommunen, der Konflikt mit Heinrich dem Löwen, der Dritte Kreuzzug und die Erinnerungskultur.

Arbeitsauftrag zum Video: Notiere die genannten Grundlagen königlicher Macht. Prüfe anschließend am Kurstext, ob das Video Herrschaft eher als persönliche Durchsetzungskraft oder als Ergebnis von Beziehungen, Ritualen und Verhandlungen darstellt.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du die Herrschaft Friedrich Barbarossas chronologisch einordnen, zentrale Konflikte erklären und mittelalterliche Herrschaft von einem modernen Zentralstaat unterscheiden. Du kannst Primärquellen und spätere Darstellungen kritisch vergleichen, politische Entscheidungen aus mehreren Perspektiven beurteilen und die Entstehung des Barbarossa-Mythos als Teil deutscher und europäischer Geschichtskultur analysieren.


Historischer Kontext


Das römisch-deutsche Reich im 12. Jahrhundert

Das Reich Barbarossas war kein einheitlicher Nationalstaat. Es bestand aus zahlreichen Herzogtümern, Grafschaften, Bistümern, Abteien, königlichen Besitzungen und Städten. Herrschaft beruhte auf persönlichen Bindungen, Verwandtschaft, Treue, Rang, Besitz, kirchlichen Ämtern, militärischer Unterstützung und öffentlicher Anerkennung. Der König verfügte nicht über eine flächendeckende Verwaltung im modernen Sinn.

Die Königsherrschaft war ein Reisekönigtum. Der Herrscher zog mit seinem Hof durch das Reich, hielt Hoftage, sprach Recht, bestätigte Besitz, vergab Privilegien und knüpfte Bündnisse. Pfalzen und königliche Orte bildeten ein Netz politischer Präsenz. Entscheidungen entstanden häufig durch Beratung mit geistlichen und weltlichen Fürsten. Daher waren Konsens, Ehre, Rang und öffentlich sichtbare Rituale zentrale Bestandteile politischer Ordnung.

Kartenanalyse: Die Karte zeigt Europa um 1190. Beachte die große räumliche Ausdehnung des Reiches und seine Verbindung mit dem Königreich Italien. Die Karte vereinfacht politische Zugehörigkeiten; sie darf nicht mit einer modernen Karte souveräner Staaten gleichgesetzt werden.


Staufer, Welfen und dynastische Politik

Friedrich wurde um 1122 als Sohn des staufischen Herzogs Friedrich II. von Schwaben und der Welfin Judith geboren. Damit war er mit zwei führenden Adelsgruppen verbunden: den Staufern und den Welfen. Diese verwandtschaftliche Position erleichterte 1152 seine Wahl, beseitigte die Konkurrenz zwischen den Dynastien aber nicht.

Nach dem Tod seines Onkels Konrad III. wählten die Fürsten Friedrich im März 1152 in Frankfurt zum König. Die Darstellung einer völlig einmütigen Wahl stammt vor allem aus der staufernahen Geschichtsschreibung. Historisch ist eher von Verhandlungen, Zusagen und Interessenausgleich auszugehen. Die Wahl zeigt, dass das Königtum nicht automatisch nach modernem Erbrecht weitergegeben wurde.

Quellenfrage: Die mittelalterliche Darstellung zeigt Friedrich mit seinen Söhnen Heinrich VI. und Friedrich von Schwaben. Welche dynastische Botschaft vermittelt die Anordnung der Figuren?


Herrschaftsverständnis und politische Praxis


Wahl, Krönung und sakrale Legitimation

Am 4. März 1152 wurde Friedrich in Frankfurt gewählt und wenige Tage später in Aachen gekrönt. 1155 empfing er in Rom von Papst Hadrian IV. die Kaiserkrone. Die Kaiserwürde verband römische Tradition, christliche Heilsvorstellungen und politische Herrschaftsansprüche. Dennoch war der Kaiser nicht unbeschränkt. Seine Macht hing von Kooperation mit Fürsten, Bischöfen, Städten und militärischen Gefolgschaften ab.

Friedrichs Herrschaft wurde durch Urkunden, Siegel, Krönungsrituale, Hoftage, feierliche Einzüge und symbolische Handlungen sichtbar gemacht. Solche Formen waren keine bloße Dekoration. Sie schufen Öffentlichkeit, bestätigten Rang und machten politische Ordnung wahrnehmbar.

Siegelanalyse: Das Kaisersiegel von 1157 zeigt den thronenden Herrscher. Untersuche Körperhaltung, Herrschaftszeichen und Umschrift. Erkläre, weshalb ein Siegel zugleich Beglaubigungsmittel und politisches Bildprogramm war.


Ehre, Recht und Konsens

Die neuere Mediävistik betont, dass Konflikte im Hochmittelalter nicht allein durch abstrakte Institutionen entschieden wurden. Persönliche Ehre, öffentlich anerkannter Rang und die Wiederherstellung verletzter Beziehungen spielten eine große Rolle. Ein Herrscher musste Stärke zeigen, durfte aber den Konsens der Großen nicht dauerhaft ignorieren.

Formen wie Unterwerfung, Fürsprache, Eid, Friedenskuss und feierliche Versöhnung regelten Konflikte. Zugleich konnte Barbarossa hart vorgehen, wenn er Widerstand als Angriff auf die kaiserliche Ordnung deutete. Seine Politik schwankte daher nicht einfach zwischen „stark“ und „schwach“, sondern bewegte sich in einem Geflecht aus Recht, Gewalt, Verhandlung und symbolischer Kommunikation.


Herrschaft durch Urkunden und Privilegien

Urkunden dokumentieren Rechtsakte, Besitzbestätigungen, Schenkungen und politische Vereinbarungen. Sie sind wertvolle Quellen, aber keine neutralen Protokolle. Ihre Sprache folgt festen Formen, und ihre Herstellung war selbst Teil politischer Kommunikation. Historikerinnen und Historiker untersuchen Aussteller, Empfänger, Zeugenlisten, Datierung, Siegel und Überlieferungsweg.

Methodenimpuls: Das Privileg für Heinrich den Löwen von 1154 verdeutlicht, dass politische Beziehungen durch konkrete Rechtsakte stabilisiert wurden. Formuliere Fragen, mit denen Du die Interessen des Königs und des Empfängers erschließen kannst.


Barbarossas Italienpolitik


Warum Italien wichtig war

Das mittelalterliche Reich umfasste auch das Königreich Italien. Für die Kaiserkrönung war der Zug nach Rom von hoher symbolischer Bedeutung. Zugleich verfügten die wohlhabenden norditalienischen Städte über wirtschaftliche Ressourcen und entwickelten eigenständige politische Strukturen. Barbarossa wollte königliche Rechte sichern, Abgaben erheben, Gerichtshoheit ausüben und die Stellung des Kaisertums stärken.

Seine Politik stieß auf unterschiedliche Reaktionen. Einige Städte unterstützten den Kaiser, weil sie sich Schutz gegen mächtige Nachbarn versprachen. Andere wehrten sich gegen kaiserliche Eingriffe. Der Konflikt war daher kein einfacher Gegensatz zwischen „Deutschland“ und „Italien“, sondern ein wechselndes Bündnissystem konkurrierender Akteure.


Roncaglia und die Regalien

Auf dem Reichstag von Roncaglia 1158 ließ Friedrich kaiserliche Rechte, die sogenannten Regalien, bestimmen. Dazu gehörten unter anderem bestimmte Gerichts-, Markt-, Zoll- und Münzrechte. Gelehrte Juristen aus Bologna wirkten an der rechtlichen Begründung mit. Die Berufung auf das wiederentdeckte römische Recht stärkte die Vorstellung einer umfassenden kaiserlichen Rechtsgewalt.

Für viele Kommunen bedeutete die praktische Durchsetzung dieser Ansprüche jedoch eine Einschränkung ihrer gewachsenen Selbstverwaltung. Recht war deshalb nicht nur ein neutrales Regelwerk, sondern auch eine politische Ressource.


Mailand, Gewalt und Widerstand

Mailand wurde zum wichtigsten Gegner des Kaisers. Nach langen Auseinandersetzungen musste sich die Stadt 1162 ergeben und wurde weitgehend zerstört. Dieses Vorgehen demonstrierte kaiserliche Strafgewalt, erzeugte aber auch nachhaltigen Widerstand. Die Erinnerung an die Zerstörung prägte das Bild Barbarossas in Teilen Italiens bis weit über das Mittelalter hinaus.

Bildquellenkritik: Das Relief der Mailänder Porta Romana thematisiert die Rückkehr der Mailänder nach der Zerstörung. Analysiere, wie städtische Erinnerung einen Kaiser als Gegner darstellen kann.


Papstschisma und Lombardenbund

Nach dem Tod Hadrians IV. kam es 1159 zu einer umstrittenen Papstwahl. Barbarossa unterstützte Gegenpäpste, während Alexander III. von zahlreichen europäischen Mächten und Gegnern des Kaisers anerkannt wurde. Der Konflikt verband Kirchenpolitik, Rangfragen und italienische Bündnisse.

1167 schlossen sich norditalienische Kommunen zum Lombardenbund zusammen. Im selben Jahr brach im kaiserlichen Heer nach dem Romzug eine schwere Seuche aus. Der Verlust zahlreicher Großer schwächte Barbarossas Position. Die Kommunen konnten ihren Widerstand nun wirkungsvoller organisieren.


Legnano 1176

Am 29. Mai 1176 wurde Barbarossas Heer bei Legnano vom Lombardenbund besiegt. Die Niederlage war militärisch und politisch bedeutsam, beendete den Konflikt aber nicht sofort. Sie erhöhte den Druck, einen Ausgleich mit Papst und Städten zu suchen.

Achtung, spätere Darstellung: Das Gemälde von Amos Cassioli entstand im 19. Jahrhundert. Es ist keine unmittelbare Bildquelle für die Schlacht, sondern eine Quelle für die spätere italienische Erinnerung. Untersuche, wie Heldentum, Gemeinschaft und nationale Freiheit inszeniert werden.


Frieden von Venedig und Frieden von Konstanz

Im Frieden von Venedig 1177 erkannte Barbarossa Alexander III. als Papst an. Die öffentliche Versöhnung zeigte, wie politische Konflikte durch Rituale beendet werden konnten. Der Kaiser verlor nicht einfach jede Autorität, musste aber seine Strategie verändern.

Der Friede von Konstanz 1183 regelte das Verhältnis zum Lombardenbund. Die Städte erhielten weitreichende Selbstverwaltungsrechte und behielten viele Regalien gegen bestimmte Leistungen und formale Anerkennung der kaiserlichen Oberhoheit. Das Ergebnis war ein Kompromiss: Weder setzte sich der umfassende Herrschaftsanspruch des Kaisers vollständig durch, noch wurden die Städte völlig unabhängig.

Diskussionsfrage: Ist die Bezeichnung „überschätzter Kaiser“ analytisch hilfreich? Entwickle Kriterien, nach denen Erfolg und Misserfolg mittelalterlicher Herrschaft beurteilt werden können.


Barbarossa und Heinrich der Löwe


Kooperation und Konkurrenz

Heinrich der Löwe war als Herzog von Sachsen und Bayern einer der mächtigsten Fürsten des Reiches. Anfangs arbeiteten beide eng zusammen. Barbarossa unterstützte Heinrichs Machtstellung; Heinrich leistete dem König politische und militärische Dienste. Diese Kooperation beruhte auf Verwandtschaft, Tausch von Unterstützung und gegenseitigem Nutzen.

Später verschärften sich die Spannungen. Heinrich verweigerte 1176 zusätzliche militärische Hilfe für den Italienzug. Die bekannte Begegnung von Chiavenna ist vor allem durch spätere, interessengeleitete Berichte überliefert. Deshalb muss vorsichtig geprüft werden, ob Friedrich tatsächlich kniefällig um Hilfe bat oder ob diese Szene nachträglich dramatisiert wurde.


Verfahren und Entmachtung

Gegen Heinrich wurden Klagen anderer Fürsten verhandelt. Weil er gerichtlichen Ladungen nicht ausreichend Folge leistete, verlor er 1180 seine Herzogtümer. Seine Herrschaftsgebiete wurden neu verteilt. Die Entmachtung war daher nicht nur eine persönliche Rache Barbarossas. Sie entsprach auch den Interessen zahlreicher Fürsten, die Heinrichs Macht begrenzen wollten.

Der Fall zeigt die Grenzen des Kaisers ebenso wie seine Handlungsmöglichkeiten: Friedrich konnte den mächtigen Herzog nicht allein beseitigen, sondern benötigte rechtliche Verfahren, politische Bündnisse und die Mitwirkung anderer Großer.

Vergleichsauftrag: Trenne im Video zwischen gesicherten Ereignissen, dramatischer Inszenierung und interpretierender Zuspitzung. Erstelle dazu eine Tabelle mit Beleg, Darstellung und Bewertung.


Hof, Dynastie und Repräsentation


Beatrix von Burgund und dynastische Räume

1156 heiratete Friedrich Beatrix von Burgund. Die Ehe stärkte staufische Ansprüche im Königreich Burgund. Mittelalterliche Herrscherehen waren persönliche Verbindungen, aber zugleich dynastische und territoriale Bündnisse. Beatrix trat bei Urkunden, Krönungen und höfischer Repräsentation als Kaiserin hervor.

Der gemeinsame Sohn Heinrich VI. wurde früh als Nachfolger aufgebaut. Seine Heirat mit Konstanze von Sizilien 1186 eröffnete den Staufern langfristig den Zugang zum normannischen Königreich Sizilien. Damit wurde eine Verbindung vorbereitet, die unter Heinrich VI. und Friedrich II. die europäische Politik stark prägen sollte.


Der Mainzer Hoftag von 1184

Der Mainzer Hoftag von 1184 war ein großes Hoffest anlässlich der Schwertleite von Barbarossas Söhnen. Zahlreiche Fürsten, Ritter und Gesandte nahmen teil. Das Fest demonstrierte dynastische Kontinuität, höfische Kultur und die Fähigkeit des Kaisers, Rangordnungen öffentlich zu inszenieren.

Darstellungskritik: Der Kupferstich entstand 1862. Vergleiche seine festliche Bildsprache mit dem politischen Zweck des Hoftags. Welche Vorstellungen des 19. Jahrhunderts könnten in die mittelalterliche Szene eingeflossen sein?


Pfalzen als Orte der Herrschaft

Pfalzen waren zeitweilige Aufenthaltsorte des reisenden Herrschers. Sie dienten als Bühne für Rechtsprechung, Beratung, Urkundenausstellung, Fest und Versorgung des Hofes. Die Kaiserpfalz Gelnhausen gehört zu den bekannten Bauten, die mit Barbarossas Herrschaft verbunden sind.

Architektur als Quelle: Untersuche, welche Aussagen Ruinen über Repräsentation, Logistik und Herrschaftsräume ermöglichen. Berücksichtige dabei Umbauten, Zerstörungen und moderne Restaurierungen.


Der Dritte Kreuzzug und Barbarossas Tod


Kreuzzugsvorbereitung

Nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187 nahmen führende europäische Herrscher das Kreuz. Barbarossa verpflichtete sich 1188 auf dem Hoftag in Mainz zum Kreuzzug. 1189 brach ein großes Heer auf dem Landweg über Ungarn und das Byzantinische Reich nach Kleinasien auf.

Kreuzzüge verbanden Frömmigkeit, Sündenvergebung, Herrschaftsrepräsentation, Gewalt, Versorgung, Diplomatie und persönliche Interessen. Eine historische Analyse darf sie weder romantisieren noch ausschließlich mit modernen Kategorien erklären.

Zeitnahe Darstellung: Die Miniatur von etwa 1188 zeigt Barbarossa als Kreuzfahrer. Untersuche, wie Kreuz, Krone und Körperhaltung religiöse und politische Legitimation verbinden.


Tod im Saleph

Nach Kämpfen in Kleinasien und dem Sieg bei Ikonion erreichte das Heer den Fluss Saleph. Am 10. Juni 1190 ertrank Friedrich dort. Die Quellen berichten unterschiedlich über den genauen Ablauf: Er könnte beim Baden, beim Durchqueren des Flusses oder nach einem Sturz ins Wasser gestorben sein. Sicher ist, dass sein Tod den Kreuzzugsverband schwer traf. Ein großer Teil des Heeres löste sich auf.

Quellenvergleich: Die Darstellung aus dem Liber ad honorem Augusti entstand wenige Jahre nach dem Ereignis. Vergleiche sie mit schriftlichen Berichten. Frage, ob das Bild einen Unfall erklärt, symbolisch deutet oder dramatisch verdichtet.


Quellen und Methoden der Barbarossa-Forschung


Zentrale Quellengruppen

  1. Urkunden: Sie dokumentieren Rechtsakte, Privilegien, Besitz und Zeugen, müssen aber nach Formular, Empfängerinteresse und Überlieferung untersucht werden.
  2. Chroniken: Autoren wie Otto von Freising und Rahewin erzählen Ereignisse aus bestimmten politischen, religiösen und literarischen Perspektiven.
  3. Siegel und Herrscherbilder: Sie zeigen normierte Vorstellungen von Rang, Amt und Legitimität, nicht das alltägliche Aussehen des Herrschers.
  4. Architektur und Sachquellen: Pfalzen, Münzen und Memorialobjekte eröffnen Zugänge zu Herrschaftspraxis, Wirtschaft und Repräsentation.
  5. Spätere Denkmäler und Historienbilder: Sie sind vor allem Quellen für die Zeit ihrer Entstehung und für Erinnerungskultur.


Quellenkritische Leitfragen

Bei jeder Quelle solltest Du fragen: Wer hat sie wann, wo und für wen geschaffen? Welchen Zweck erfüllte sie? Welche Begriffe und Wertmaßstäbe verwendet sie? Welche Interessen werden sichtbar? Was verschweigt sie? Wie wurde sie überliefert? Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen ihrer Aussage?

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ereignis, zeitnaher Deutung und späterer Erinnerung. Eine Darstellung Barbarossas aus dem 12. Jahrhundert beantwortet andere Fragen als ein Historiengemälde des 19. Jahrhunderts oder ein heutiges Erklärvideo.


Barbarossa als Mythos und Erinnerungsfigur


Die Kyffhäusersage

Der Sage nach schläft Barbarossa im Kyffhäuser und wartet auf seine Wiederkehr. Der Stoff hat ältere Wurzeln, wurde aber besonders im 19. Jahrhundert verbreitet und politisch aufgeladen. Friedrich Rückerts Gedicht „Der alte Barbarossa“ trug zur Popularisierung bei.

Nach der Reichsgründung von 1871 deutete man Kaiser Wilhelm I. als Vollender einer angeblich von Barbarossa verkörperten deutschen Einheit. Diese Vorstellung übertrug moderne nationale Wünsche auf das mittelalterliche Reich. Historisch war Barbarossas Reich weder ein deutscher Nationalstaat noch eine frühe Form des Kaiserreichs von 1871.

Denkmalanalyse: Das 1892 bis 1896 errichtete Kyffhäuserdenkmal verbindet den sitzenden Barbarossa mit dem Reiterstandbild Wilhelms I. Analysiere Blickachsen, Größenverhältnisse und politische Botschaft.

Reflexionsauftrag: Erkläre, wie aus einer Sage ein nationaler Erinnerungsort wird. Unterscheide historische Person, literarischen Mythos, Denkmal und politische Nutzung.


Deutsche und italienische Erinnerung

In der deutschen Nationalbewegung konnte Barbarossa als Symbol verlorener und wiedergewonnener Einheit erscheinen. In Teilen der italienischen Erinnerung wurde er dagegen als fremder Unterdrücker dargestellt, während Legnano zum Symbol städtischer oder nationaler Freiheit wurde. Kaiserfreundliche Städte wie Lodi oder Pavia konnten ihn wiederum positiver erinnern.

Diese Unterschiede zeigen, dass Erinnerung nicht einfach die Vergangenheit abbildet. Gesellschaften wählen Ereignisse aus, verbinden sie mit Gegenwartsfragen und schaffen sinnstiftende Erzählungen. Historisches Lernen bedeutet daher auch, solche Erzählungen zu dekonstruieren.


Politische Instrumentalisierung

Der Name Barbarossa wurde in späteren Epochen für sehr unterschiedliche politische Zwecke verwendet. Besonders belastet ist seine Verwendung als Deckname des nationalsozialistischen Angriffs auf die Sowjetunion 1941. Eine verantwortungsvolle Geschichtskultur muss deutlich zwischen dem mittelalterlichen Herrscher und späteren Aneignungen unterscheiden, zugleich aber untersuchen, weshalb gerade sein Name mobilisierend wirken sollte.


Historische Gesamtbewertung

Barbarossa war weder der allmächtige Schöpfer deutscher Einheit noch lediglich ein gescheiterter Eroberer. Seine lange Herrschaft zeigt die Möglichkeiten und Grenzen hochmittelalterlicher Königsmacht. Er konnte große Bündnisse organisieren, Recht setzen, Hoftage inszenieren, Gegner bestrafen und dynastische Perspektiven eröffnen. Zugleich war er auf Fürsten, Bischöfe, Städte, militärische Gefolgschaft und symbolische Anerkennung angewiesen.

Seine Italienpolitik führte zu Gewalt und schweren Konflikten, endete aber in verhandelten Kompromissen. Die Entmachtung Heinrichs des Löwen stärkte nicht einfach eine zentrale Monarchie, sondern veränderte das Kräfteverhältnis unter den Fürsten. Sein Tod auf dem Kreuzzug förderte schon früh die Legendenbildung. Für die Geschichtswissenschaft ist Barbarossa deshalb besonders ergiebig: An seiner Person lassen sich Herrschaft, Recht, Kommunikation, Gewalt, Raum, Religion, Quellenkritik und Erinnerungskultur miteinander verbinden.


Zeitleiste

  1. 1122: Ungefähres Geburtsjahr Friedrichs.
  2. 1147: Friedrich wird Herzog von Schwaben und nimmt am Zweiten Kreuzzug teil.
  3. 1152: Wahl zum römisch-deutschen König in Frankfurt und Krönung in Aachen.
  4. 1155: Kaiserkrönung in Rom durch Hadrian IV.
  5. 1156: Heirat mit Beatrix von Burgund.
  6. 1158: Reichstag von Roncaglia und Neuordnung kaiserlicher Regalien.
  7. 1162: Unterwerfung und Zerstörung Mailands.
  8. 1167: Bildung des Lombardenbundes und Seuchenkatastrophe im kaiserlichen Heer.
  9. 1176: Niederlage bei Legnano.
  10. 1177: Frieden von Venedig mit Papst Alexander III.
  11. 1180: Entmachtung Heinrichs des Löwen.
  12. 1183: Frieden von Konstanz mit dem Lombardenbund.
  13. 1184: Mainzer Hoftag.
  14. 1188: Kreuzzugsgelübde in Mainz.
  15. 1189: Aufbruch zum Dritten Kreuzzug.
  16. 1190: Tod im Fluss Saleph.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Jahr wurde Friedrich Barbarossa zum römisch-deutschen König gewählt? (1152) (!1147) (!1162) (!1183)




Wer krönte Friedrich Barbarossa 1155 in Rom zum Kaiser? (Papst Hadrian IV.) (!Papst Alexander III.) (!Papst Innozenz III.) (!Papst Urban II.)




Was wurde auf dem Reichstag von Roncaglia besonders bestimmt? (Kaiserliche Regalien) (!Die Auflösung des Reiches) (!Die Wahl des Papstes) (!Die Teilung Sachsens)




Welches Bündnis vereinte mehrere oberitalienische Städte gegen Barbarossa? (Der Lombardenbund) (!Der Rheinbund) (!Die Hanse) (!Der Schwäbische Bund)




Welche Schlacht endete 1176 mit einer Niederlage Barbarossas? (Die Schlacht von Legnano) (!Die Schlacht bei Hastings) (!Die Schlacht von Bouvines) (!Die Schlacht auf dem Lechfeld)




Was war ein zentrales Ergebnis des Friedens von Venedig 1177? (Die Anerkennung Alexanders III. als Papst) (!Die Auflösung des Lombardenbundes) (!Die Krönung Heinrichs des Löwen) (!Die Eroberung Siziliens)




Warum konnte Barbarossa Heinrich den Löwen nicht allein durch persönlichen Befehl entmachten? (Er benötigte Verfahren und die Unterstützung anderer Fürsten) (!Heinrich war bereits Papst) (!Das Reich besaß keine Gerichte) (!Heinrich regierte in England)




Was regelte der Frieden von Konstanz 1183? (Einen Kompromiss zwischen Kaiser und Lombardenbund) (!Die Nachfolge im Königreich England) (!Den Beginn des Zweiten Kreuzzugs) (!Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs)




Wo starb Friedrich Barbarossa 1190? (Im Fluss Saleph) (!In der Stadt Mailand) (!Auf dem Kyffhäuser) (!In der Burg Trifels)




Welche Aussage entspricht historischer Quellenkritik? (Spätere Denkmäler zeigen vor allem die Erinnerung ihrer Entstehungszeit) (!Jede mittelalterliche Chronik berichtet neutral) (!Historiengemälde sind Fotografien vergangener Ereignisse) (!Sagen beweisen den genauen Ablauf eines Ereignisses)





Memory

Königswahl Frankfurt 1152
Kaiserkrönung Rom 1155
Roncaglia Regalien
Legnano Niederlage
Venedig Papstausgleich
Konstanz Städtekompromiss
Kyffhäuser Nationalmythos
Saleph Todesort





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Funktion
Urkunde Dokumentiert einen Rechtsakt
Siegel Beglaubigt und repräsentiert Herrschaft
Chronik Erzählt aus einer bestimmten Perspektive
Karte Veranschaulicht räumliche Zusammenhänge
Denkmal Deutet Vergangenheit aus späterer Sicht






Kreuzworträtsel

Staufer Welcher Dynastie gehörte Friedrich I. an?
Roncaglia Wie heißt der Versammlungsort der Regalienordnung von 1158?
Legnano Bei welchem Ort erlitt Barbarossa 1176 eine Niederlage?
Konstanz Welche Stadt gab dem Frieden von 1183 den Namen?
Saleph In welchem Fluss starb Barbarossa?
Kyffhäuser Welcher Berg wurde zum Zentrum der Barbarossasage?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Friedrich I. gehörte zur Dynastie der

. Im Jahr 1152 wurde er in

zum König gewählt. Die Kaiserkrönung erfolgte 1155 in

. Mittelalterliche Königsherrschaft funktionierte als

. Auf dem Reichstag von Roncaglia wurden kaiserliche

bestimmt. Gegen kaiserliche Eingriffe schlossen sich Kommunen im

zusammen. Die Niederlage von 1176 ereignete sich bei

. Im Frieden von Venedig erkannte Barbarossa Papst

an. Der Frieden von Konstanz war ein politischer

. Heinrich der Löwe verlor 1180 seine

. Barbarossa starb während des Dritten Kreuzzugs im Fluss

. Im 19. Jahrhundert wurde die Kyffhäusersage zu einem nationalen

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Biografische Zeitleiste: Gestalte eine illustrierte Zeitleiste mit acht Wendepunkten aus Barbarossas Leben und begründe die Auswahl jedes Ereignisses.
  2. Herrscherbild untersuchen: Beschreibe den Cappenberger Barbarossakopf nach Material, Blick, Haar, Bart und Ausdruck. Trenne Beobachtung und Deutung.
  3. Begriffsnetz: Verbinde Reisekönigtum, Pfalz, Hoftag, Fürsten, Konsens und Urkunde in einer Concept-Map.
  4. Zwei Stimmen zu Legnano: Schreibe je einen kurzen Bericht aus der Sicht eines kaiserlichen Gefolgsmanns und eines Mailänder Bürgers.


Standard

  1. Chronik kritisch prüfen: Wähle einen Auszug aus Otto von Freising oder Rahewin und untersuche Autor, Adressaten, Absicht, Sprache und Aussagegrenzen.
  2. Herrschaftsräume kartieren: Markiere zentrale Orte von Barbarossas Herrschaft auf einer Karte und erkläre, weshalb Mobilität politisch notwendig war.
  3. Historischer Podcast: Produziere eine fünfminütige Folge zur Frage, ob der Frieden von Konstanz als Niederlage oder als erfolgreicher Kompromiss gelten kann.
  4. Kyffhäuser vor Ort oder digital: Untersuche Aufbau, Figurenprogramm und Inschriften des Denkmals. Ordne es in die nationale Erinnerungskultur des Kaiserreichs ein.


Schwer

  1. Barbarossa bewerten: Vergleiche mindestens zwei wissenschaftliche Deutungen seiner Herrschaft und arbeite unterschiedliche Erfolgskriterien heraus.
  2. Der Tod im Saleph: Vergleiche drei Berichte oder Darstellungen von Barbarossas Tod. Entwickle eine begründete Aussage über das historisch Sicherbare.
  3. Deutschland und Italien: Erstelle eine vergleichende Studie zur Erinnerung an Barbarossa und Legnano in beiden Ländern.
  4. Digitale Ausstellung: Kuratiere eine Ausstellung mit zehn Objekten unter dem Titel „Herrschaft, Konflikt und Mythos“. Verfasse Objekttexte und ein quellenkritisches Einführungskonzept.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Mittelalter und Moderne: Erkläre anhand eines konkreten Konflikts, weshalb Barbarossas Reich nicht mit einem modernen Zentralstaat gleichgesetzt werden darf.
  2. Italienpolitik: Entwickle ein Wirkungsgefüge aus kaiserlichen Rechtsansprüchen, kommunaler Selbstverwaltung, militärischer Gewalt, Bündnisbildung und Friedensschluss.
  3. Beratung in Chiavenna: Versetze Dich in einen Berater Heinrichs des Löwen. Formuliere Handlungsoptionen, Risiken und mögliche Langzeitfolgen einer Unterstützung oder Verweigerung.
  4. Frieden von Konstanz: Beurteile den Frieden aus Sicht des Kaisers, einer lombardischen Kommune und eines Reichsfürsten. Formuliere anschließend ein Gesamturteil.
  5. Historienbild und Quelle: Vergleiche die Legnano-Darstellung des 19. Jahrhunderts mit einer mittelalterlichen Textquelle. Zeige, wie unterschiedliche Entstehungszeiten die Aussage verändern.
  6. Kyffhäuser: Erkläre, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse der Barbarossa-Mythos im 19. Jahrhundert erfüllte und welche Probleme eine unkritische Nutzung historischer Symbole verursacht.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du:

  1. die wichtigsten Stationen der Herrschaft chronologisch sicher einordnen,
  2. mittelalterliche Herrschaft als Beziehungs-, Reise- und Konsensordnung erklären,
  3. Barbarossas Italienpolitik aus kaiserlicher und kommunaler Perspektive analysieren,
  4. den Konflikt mit Papst Alexander III. sowie die Friedensschlüsse von Venedig und Konstanz erklären,
  5. die Entmachtung Heinrichs des Löwen als rechtlichen und politischen Prozess beurteilen,
  6. mindestens zwei unterschiedliche Quellengattungen methodisch untersuchen,
  7. zeitgenössische Quellen von späteren Historienbildern, Sagen und Denkmälern unterscheiden,
  8. ein begründetes historisches Urteil formulieren und Gegenargumente berücksichtigen,
  9. die politische Nutzung des Barbarossa-Mythos kritisch reflektieren,
  10. verwendete Quellen und Forschungsliteratur transparent nachweisen.




OERs zum Thema


Freie Medien und vertiefende Quellen

  1. Deutsche Biographie: Friedrich I. Barbarossa
  2. Wikipedia: Friedrich I. (HRR)
  3. Regesta Imperii: Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I.
  4. Monumenta Germaniae Historica: Der Konstanzer Friede
  5. Universität Zürich: Friedrich I. Barbarossa
  6. Bayerische Akademie der Wissenschaften: Friedrich I. Barbarossa – Mythos und Person
  7. Wikimedia Commons: Freie Medien zu Friedrich I.
  8. Wikimedia Commons: Freie Medien zum Dritten Kreuzzug


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Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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