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Dialogische Pädagogik - Pädagogik

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Dialogische Pädagogik - Pädagogik



Dialogische Pädagogik - Pädagogik


Einleitung

Die Dialogische Pädagogik versteht Bildung und Erziehung nicht als einseitige Übertragung fertigen Wissens, sondern als verantwortete Begegnung zwischen Menschen, ihren Erfahrungen, einer gemeinsamen Sache und der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Lehrende und Lernende treten miteinander in einen Prozess des Fragens, Antwortens, Prüfens, Widersprechens und Weiterdenkens. Dabei geht es nicht nur um angenehme Gespräche. Ein pädagogischer Dialog verlangt Aufmerksamkeit, Begründungen, Offenheit für andere Perspektiven und die Bereitschaft, das eigene Denken und Handeln zu verändern.

Dieser aiMOOC richtet sich besonders an Studierende im Studienfach Pädagogik sowie an Lernende in Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik, Schulpädagogik, Erwachsenenbildung und Hochschuldidaktik. Du lernst zentrale theoretische Linien kennen, vergleichst die Ansätze von Sokrates, Martin Buber, Michail Bachtin und Paulo Freire und entwickelst daraus Kriterien für dialogische Bildungsprozesse. Außerdem planst und reflektierst Du eigene dialogische Lehr-Lern-Situationen.

Nach der Bearbeitung kannst Du

  1. dialogische Pädagogik als theoretischen und praktischen Ansatz erklären,
  2. zentrale Begriffe wie Ich-Du-Beziehung, Polyphonie, Praxis, Bewusstseinsbildung und problemformulierende Bildung unterscheiden,
  3. das Verhältnis von Dialog, Macht, Autorität und Anerkennung analysieren,
  4. dialogische Methoden für Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung und soziale Arbeit planen,
  5. Chancen und Grenzen dialogischer Pädagogik kritisch beurteilen,
  6. digitale Medien und Künstliche Intelligenz dialogisch, transparent und verantwortungsvoll einsetzen.


Was ist dialogische Pädagogik?

Dialogische Pädagogik ist kein vollständig einheitliches Modell. Der Begriff bezeichnet vielmehr eine Familie pädagogischer Denkweisen, die den Menschen als beziehungsfähiges, sprachliches und antwortendes Wesen verstehen. Gemeinsam ist diesen Ansätzen die Kritik an einer rein monologischen Pädagogik, in der eine Seite definiert, was zählt, während die andere Seite hauptsächlich aufnimmt und reproduziert.

Dialogisch wird Pädagogik dort, wo Lernende als Subjekte ihres Lernens anerkannt werden, wo ihre Fragen und Erfahrungen fachlich ernst genommen werden und wo Unterricht auf Antworten der Beteiligten reagieren kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Lehrende ihre Verantwortung aufgeben. Sie strukturieren Räume, sichern fachliche Qualität, schützen Beteiligte, machen Machtverhältnisse sichtbar und tragen Verantwortung für faire Teilhabe.

Ein Dialog ist deshalb mehr als ein Gespräch. Er besitzt eine epistemische, eine ethische, eine politische und eine didaktische Dimension:

  1. Epistemisch: Wissen wird durch Fragen, Gründe, Gegenargumente und Perspektivwechsel geprüft.
  2. Ethisch: Die andere Person wird nicht nur als Mittel, Fall oder Objekt behandelt.
  3. Politisch: Beteiligte erhalten Möglichkeiten, Deutungen und Entscheidungen mitzugestalten.
  4. Didaktisch: Beiträge der Lernenden verändern den weiteren Lernweg.


Dialog und Monolog

Ein monologischer Unterricht ist nicht allein daran zu erkennen, dass die Lehrperson viel spricht. Auch eine scheinbar offene Diskussion kann monologisch sein, wenn nur vorab erwartete Antworten gelten. Umgekehrt kann eine fachliche Erklärung dialogisch eingebettet sein, wenn sie auf echte Fragen reagiert, zur Prüfung einlädt und weitere Deutungen ermöglicht.

Merkmal Monologische Tendenz Dialogische Tendenz
Wissen Wissen erscheint als fertiger Besitz der Lehrperson. Wissen wird als begründungsbedürftig, perspektivisch und überprüfbar behandelt.
Frage Die Frage kontrolliert, ob die erwartete Antwort reproduziert wird. Die Frage eröffnet ein reales Erkenntnisproblem.
Fehler Fehler gelten vor allem als Defizit. Fehler werden als Spur eines Denkwegs untersucht.
Rückmeldung Rückmeldung bewertet hauptsächlich das Ergebnis. Rückmeldung greift Gedanken auf und eröffnet nächste Schritte.
Macht Macht bleibt unsichtbar oder wird als selbstverständlich behandelt. Macht wird reflektiert, begrenzt und verantwortlich eingesetzt.
Teilnahme Teilnahme bedeutet häufiges Sprechen. Teilnahme kann auch Zuhören, Schreiben, Fragen, Beobachten und spätere Beiträge umfassen.


Historische und theoretische Wurzeln


Sokrates: Fragen, Prüfen und Aporie

Die überlieferten Dialoge des Sokrates zeigen eine Form des Lernens durch Fragen. In der sokratischen Gesprächsführung werden Begriffe, Behauptungen und Voraussetzungen geprüft. Ziel ist nicht bloß eine schnelle richtige Antwort, sondern die Einsicht, dass bisherige Gewissheiten unzureichend sein können. Dieser Zustand des begründeten Nichtwissens wird als Aporie bezeichnet.

Für die dialogische Pädagogik ist daran wichtig, dass Denken nicht einfach geliefert, sondern im Gespräch vollzogen wird. Zugleich muss die Methode kritisch betrachtet werden: Fragen können Erkenntnis öffnen, aber auch beschämen, manipulieren oder auf eine bereits feststehende Lösung zulaufen. Eine zeitgemäße dialogische Praxis achtet deshalb auf Transparenz, Freiwilligkeit, Denkzeit und die Möglichkeit, auch die Fragestellung selbst zu kritisieren.


Martin Buber: Begegnung und Ich-Du-Beziehung

Der Religionsphilosoph Martin Buber unterscheidet in seinem dialogischen Denken zwei Grundhaltungen: die Beziehung Ich-Du und die Beziehung Ich-Es. In einer Ich-Du-Beziehung begegnet ein Mensch einem anderen nicht nur als Objekt, Rolle, Diagnose oder Funktion. In einer Ich-Es-Beziehung wird etwas erfahren, eingeordnet, genutzt oder untersucht. Beide Haltungen gehören zum Leben, doch pädagogisch problematisch wird es, wenn Lernende ausschließlich als Fälle, Leistungswerte oder zu steuernde Objekte erscheinen.

Bubers Ansatz lenkt die Aufmerksamkeit auf die Qualität der Begegnung, auf Präsenz und auf das Geschehen zwischen den Beteiligten. Pädagogische Beziehungen bleiben dennoch asymmetrisch: Lehrende verfügen meist über mehr institutionelle Macht, Fachwissen und Entscheidungsmöglichkeiten. Dialogische Verantwortung bedeutet daher nicht Gleichheit aller Rollen, sondern die Anerkennung gleicher Würde bei unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten.


Michail Bachtin: Vielstimmigkeit und Antwortlichkeit

Der Sprach- und Literaturtheoretiker Michail Bachtin beschreibt Sprache als grundsätzlich dialogisch. Äußerungen stehen nie isoliert, sondern antworten auf frühere Stimmen und erwarten weitere Antworten. Begriffe tragen Spuren gesellschaftlicher Verwendungen, Konflikte und Perspektiven. Für pädagogische Prozesse ist besonders die Idee der Polyphonie bedeutsam: Mehrere Stimmen sollen nicht nur vorkommen, sondern als eigenständige Sinnpositionen ernst genommen werden.

Dialogisches Lernen heißt aus dieser Perspektive, dass Unterricht nicht auf eine einzige autorisierte Stimme reduziert wird. Lehrende prüfen, welche Stimmen im Raum stark, leise, abgewertet oder gar nicht vertreten sind. Vielstimmigkeit bedeutet jedoch nicht Beliebigkeit. Aussagen können hinsichtlich ihrer Gründe, Folgen, Quellen und Machtwirkungen untersucht werden. Dialogische Offenheit und fachliche Kritik gehören zusammen.


Paulo Freire: Befreiung, Bewusstseinsbildung und Praxis

Der brasilianische Pädagoge Paulo Freire entwickelte seine Pädagogik im Zusammenhang mit Alphabetisierung, sozialer Ungleichheit und politischer Unterdrückung. Er kritisierte das Bankiers-Modell der Bildung. In diesem Bild erscheinen Lernende wie leere Konten, auf denen Lehrende Wissen einzahlen. Eine solche Pädagogik kann bestehende Verhältnisse reproduzieren, weil sie Menschen daran hindert, ihre Welt kritisch zu lesen.

Als Alternative formuliert Freire die problemformulierende Bildung. Lehrende und Lernende untersuchen gemeinsam reale Widersprüche ihrer Lebenswelt. Ausgangspunkt sind häufig generative Themen, also gesellschaftlich und biografisch bedeutsame Problemkerne. Im Dialog verbinden sich Benennen, Fragen, Reflexion und Handeln.

Zentral ist Freires Begriff der Praxis: Reflexion ohne Handeln kann folgenlos bleiben, Handeln ohne Reflexion kann blind werden. Emanzipatorische Bildung verbindet daher kritisches Verstehen mit verantworteter Veränderung. Bewusstseinsbildung bedeutet nicht, dass eine Lehrperson anderen das vermeintlich richtige Bewusstsein vermittelt. Sie bezeichnet einen gemeinsamen Prozess, in dem Menschen Bedingungen, Interessen und Handlungsmöglichkeiten ihrer Wirklichkeit erkennen.


Dialogisches Lernen in der neueren Didaktik

In der neueren Didaktik wurden dialogische Gedanken zu konkreten Unterrichtskonzepten weiterentwickelt. Das Dialogische Lernen nach Urs Ruf und Peter Gallin richtet den Blick auf individuelle Lernwege, fachlich herausfordernde Aufträge, Lernjournale und aufgreifende Rückmeldungen. Beiträge der Lernenden gelten nicht nur als Antworten auf ein Angebot, sondern werden selbst zu Angeboten für die weitere Arbeit der Lehrperson und der Lerngruppe.

Auch Konzepte wie Philosophieren mit Kindern, Forschendes Lernen, Kooperatives Lernen, Demokratiepädagogik und kritische Pädagogik können dialogische Elemente enthalten. Sie sind jedoch nicht automatisch dialogisch. Entscheidend ist, ob die Beiträge der Lernenden tatsächlich Folgen für den Lernprozess haben und ob Gründe, Macht und Teilhabe reflektiert werden.


Vergleich zentraler Traditionslinien

Ansatz Leitidee Pädagogischer Gewinn Kritische Frage
Sokrates Erkenntnis durch prüfendes Fragen und begründetes Nichtwissen Begriffe und Voraussetzungen werden sichtbar. Öffnen die Fragen wirklich oder führen sie verdeckt zu einer erwarteten Antwort?
Martin Buber Beziehung und Begegnung zwischen Ich und Du Lernende werden nicht auf Funktionen und Messwerte reduziert. Werden institutionelle Macht und pädagogische Asymmetrie ausreichend berücksichtigt?
Michail Bachtin Antwortlichkeit, Vielstimmigkeit und gesellschaftliche Sprachlichkeit Unterschiedliche Stimmen und Deutungsräume werden wahrnehmbar. Welche Stimmen fehlen, und wer entscheidet über ihre Geltung?
Paulo Freire Problemformulierende Bildung, Bewusstseinsbildung und Praxis Bildung wird mit Kritik, Teilhabe und gesellschaftlichem Handeln verbunden. Wird Dialog zur offenen Untersuchung oder zur Vermittlung einer vorgegebenen politischen Position?
Dialogisches Lernen Wechselspiel von fachlichem Angebot, individueller Bearbeitung und Rückmeldung Lernwege werden sichtbar und für den Unterricht produktiv. Werden Rückmeldungen konsequent, fachlich und für alle Lernenden zugänglich gestaltet?


Zentrale Begriffe


Beziehung, Anerkennung und Alterität

Anerkennung bedeutet, Lernende als handlungs- und urteilsfähige Personen ernst zu nehmen. Alterität bezeichnet die Andersheit des Gegenübers. Dialogisch zu handeln heißt, diese Andersheit nicht vorschnell in die eigenen Kategorien einzuordnen. Pädagogisches Verstehen bleibt deshalb vorläufig und überprüfbar.

Anerkennung schließt Kritik nicht aus. Im Gegenteil: Wer eine Person ernst nimmt, kann ihre Aussagen begründet prüfen, ohne ihre Würde anzugreifen. Eine dialogische Rückmeldung unterscheidet zwischen Person, Aussage, Handlung und Wirkung.


Antwortlichkeit und Responsivität

Responsivität bezeichnet die Fähigkeit, auf Äußerungen, Bedürfnisse und Situationen angemessen zu antworten. Eine Lehrperson handelt responsiv, wenn sie Beiträge nicht lediglich registriert, sondern aufgreift, in Beziehung zur Sache setzt und den weiteren Prozess daran anpasst. Antwortlichkeit betont zusätzlich, dass Sprechen und Handeln Folgen haben und begründet werden müssen.


Generative Themen und Problematisierung

Ein generatives Thema ist ein lebensweltlich bedeutsamer Konflikt oder Widerspruch, an dem sich persönliche Erfahrung, fachliches Wissen und gesellschaftliche Strukturen verbinden lassen. Beispiele sind Bildungsgerechtigkeit, Inklusion, Leistung, Disziplin, Armut, Rassismus, Digitalisierung oder Klimagerechtigkeit.

Problematisierung bedeutet, scheinbar Selbstverständliches in eine untersuchbare Frage zu verwandeln. Statt nur zu fragen, wie Lernende besser angepasst werden können, könnte eine dialogische Pädagogik untersuchen, wer eine Norm festlegt, wem sie nützt, wen sie ausschließt und welche Alternativen denkbar sind.


Polyphonie und Mehrperspektivität

Polyphonie meint mehr als das Sammeln vieler Meinungen. Stimmen werden in ihrer Eigenlogik, Geschichte und gesellschaftlichen Position wahrgenommen. Mehrperspektivität verlangt deshalb Quellenkritik, Perspektivwechsel und die Frage, welche Erfahrungen im Material fehlen. Eine gute dialogische Lernumgebung macht Unterschiede sichtbar, ohne Menschen auf Gruppenmerkmale festzulegen.


Praxis: Reflexion und Handlung

In Freires Verständnis verbindet Praxis kritische Reflexion mit veränderndem Handeln. Im Studium kann dies bedeuten, eine pädagogische Situation zu analysieren, eine Intervention zu planen, sie durchzuführen, Wirkungen zu dokumentieren und die eigenen Voraussetzungen erneut zu prüfen. So entsteht ein Zyklus aus Wahrnehmen, Deuten, Handeln und Neubewerten.


Pädagogische Beziehung, Macht und Autorität

Dialogische Pädagogik darf Macht nicht unsichtbar machen. Lehrende entscheiden häufig über Themen, Redezeiten, Bewertungen, Zugänge, Regeln und Sanktionen. Lernende können von Noten, Zertifikaten oder institutioneller Anerkennung abhängig sein. Ein freundlich geführtes Gespräch ist deshalb nicht automatisch herrschaftsfrei.

Dialogische Autorität unterscheidet sich von Autoritarismus. Sie beruht auf fachlicher Verantwortung, nachvollziehbaren Regeln, Schutz und der Bereitschaft, Entscheidungen zu begründen und revidieren zu können. Autoritarismus verlangt Unterordnung, entzieht sich der Kritik und nutzt Abhängigkeit zur Kontrolle.

Für eine dialogische Praxis sind folgende Fragen zentral:

  1. Wer bestimmt Thema, Zeit, Sprache und Erfolgskriterien?
  2. Wer kann ohne negative Folgen widersprechen?
  3. Welche Ausdrucksformen gelten als kompetent?
  4. Wer spricht häufig, wer wird unterbrochen und wer bleibt ungehört?
  5. Welche Barrieren entstehen durch Sprache, Behinderung, soziale Herkunft oder digitale Zugänge?
  6. Wie werden Verletzungen, Diskriminierung und Grenzüberschreitungen bearbeitet?

Dialogische Offenheit braucht Grenzen. Menschenfeindliche Abwertung, gezielte Desinformation oder persönliche Angriffe müssen nicht als gleichberechtigter Beitrag behandelt werden. Die Aufgabe besteht darin, zugleich Schutz, Begründungspflicht und Lernmöglichkeiten zu sichern.


Didaktische Prinzipien


Echte Fragen entwickeln

Eine echte Frage besitzt für die Beteiligten einen Erkenntniswert. Sie ist nicht bloß ein verkleideter Test. Gute dialogische Fragen können unterschiedliche begründete Antworten zulassen und führen dennoch zu fachlicher Vertiefung. Beispiele sind:

  1. Normen: Unter welchen Bedingungen ist pädagogische Führung legitim?
  2. Bildungsgerechtigkeit: Wann behandelt Gleichbehandlung Menschen ungerecht?
  3. Inklusion: Wer muss sich in einer Institution eigentlich an wen anpassen?
  4. Leistung: Was soll eine Leistungsbewertung sichtbar machen und was verdeckt sie?


Beiträge aufgreifen

Dialogische Qualität entsteht durch Uptake, also durch das erkennbare Aufgreifen eines vorherigen Beitrags. Lehrende können nachfragen, paraphrasieren, Verbindungen herstellen, Spannungen markieren oder eine Aussage zur Prüfung an die Gruppe zurückgeben. Dadurch erleben Lernende, dass ihr Denken Folgen hat.


Denkzeit und unterschiedliche Ausdruckswege sichern

Nicht alle Menschen denken am besten im spontanen Plenum. Dialogische Settings kombinieren mündliche, schriftliche, visuelle und digitale Formen. Einzelreflexion, Partneraustausch und anonyme Fragen können Beteiligung verbreitern. Schweigen darf nicht vorschnell als Desinteresse gedeutet werden.


Gründe und Quellen prüfen

Dialog ist nicht die Gleichsetzung aller Behauptungen. Lernende sollen zwischen Erfahrung, Interpretation, Werturteil und empirischer Aussage unterscheiden. Sie prüfen Quellen, suchen Gegenbeispiele und benennen Unsicherheit. So verbindet sich Diskursfähigkeit mit Wissenschaftsorientierung.


Metakommunikation ermöglichen

In der Metakommunikation sprechen Beteiligte darüber, wie sie miteinander sprechen und lernen. Sie prüfen Gesprächsregeln, Machtwirkungen, Ausschlüsse und Missverständnisse. Regelmäßige kurze Reflexionen helfen, die Dialogkultur nicht nur zu fordern, sondern gemeinsam zu entwickeln.


Methoden dialogischer Pädagogik

Methode Ablauf Dialogischer Schwerpunkt Mögliche Gefahr
Sokratisches Gespräch Eine Ausgangsfrage wird durch Beispiele, Begriffsprüfung und Gegenfragen vertieft. Begründung und Selbstkorrektur Verdeckte Führung oder Bloßstellung
Kulturkreis Eine Gruppe untersucht generative Themen aus ihrer Lebenswelt und verbindet Reflexion mit Handlung. Bewusstseinsbildung und Praxis Vorweggenommene politische Deutung
Fishbowl Ein innerer Kreis diskutiert, während ein äußerer Kreis beobachtet; Plätze können wechseln. Beobachtung von Gesprächsprozessen Dominanz redegewandter Personen
Think-Pair-Share Einzeldenken, Austausch zu zweit und gemeinsame Sammlung folgen aufeinander. Denkzeit und Beteiligungsbreite Oberflächliche Kurzbeiträge ohne Vertiefung
Lernjournal Lernende dokumentieren Fragen, Irritationen, Deutungen und nächste Schritte. Sichtbarkeit individueller Lernwege Hoher Rückmeldeaufwand oder intime Selbstoffenbarung
Dilemma-Diskussion Ein normativer Konflikt wird aus mehreren Perspektiven begründet bearbeitet. Urteilsbildung und Perspektivwechsel Künstliche Polarisierung
Peer-Feedback Lernende reagieren nach transparenten Kriterien auf Arbeiten anderer. Gegenseitige Responsivität Statuskonflikte und unklare Kriterien
Forschendes Lernen Lernende entwickeln Fragen, erheben Material und diskutieren Deutungen. Gemeinsame Wissensproduktion Überforderung ohne fachliche Struktur


Planung eines dialogischen Lernprozesses

Ein dialogischer Lernprozess kann in acht Schritten geplant werden:

Schritt Leitfrage Mögliche Handlung
1. Kontextanalyse Wer lernt unter welchen institutionellen Bedingungen? Erfahrungen, Abhängigkeiten, Barrieren und Ressourcen erkunden
2. Machtanalyse Wer kann entscheiden, sprechen, bewerten oder widersprechen? Rollen und nicht verhandelbare Grenzen transparent machen
3. Generatives Thema Welcher reale Widerspruch verbindet Lebenswelt und Fach? Fall, Bild, Aussage, Beobachtung oder Konflikt auswählen
4. Eröffnungsfrage Welche Frage ist offen und zugleich fachlich gehaltvoll? Eine begründungsfähige Problemfrage formulieren
5. Vielstimmige Exploration Welche Perspektiven und Quellen werden benötigt? Einzelarbeit, Kleingruppen, Materialien und Gegenpositionen kombinieren
6. Problematisierung Welche Voraussetzungen, Interessen und Folgen werden sichtbar? Begriffe klären, Widersprüche markieren und Machtwirkungen prüfen
7. Handlung und Transfer Was folgt aus der Analyse? Entwurf, Intervention, Projekt, Stellungnahme oder Erprobung entwickeln
8. Reflexion Wie haben Inhalt, Beziehung und Beteiligung zusammengewirkt? Lernjournal, Feedback, Beobachtung und Revision verbinden


Praxisbeispiel für das Pädagogikstudium


Seminar: Disziplin und Selbstbestimmung

Ausgangsfall: In einem Hochschulseminar wird eine Schülerin beschrieben, die wiederholt den Unterricht verlässt. Die Fallbeschreibung bezeichnet ihr Verhalten als mangelnde Regelakzeptanz. Angaben zu ihrer Perspektive, zu Unterrichtsbedingungen und zu möglichen Barrieren fehlen.

Eröffnungsfrage: Unter welchen Bedingungen ist pädagogische Disziplinierung legitim, und wann verdeckt sie institutionelle Probleme?

Möglicher Ablauf für 90 Minuten:

  1. Einzelreflexion: Du notierst spontane Deutungen und offene Fragen zum Fall.
  2. Perspektivwechsel: Kleingruppen rekonstruieren mögliche Sichtweisen der Schülerin, der Lehrperson, der Mitschülerinnen und Mitschüler sowie der Institution.
  3. Quellenarbeit: Die Gruppen bearbeiten Materialien zu Autorität, Inklusion, Schulrecht und pädagogischer Beziehung.
  4. Fishbowl: Die Gruppe diskutiert die Eröffnungsfrage und kennzeichnet Erfahrungsaussagen, normative Urteile und empirische Behauptungen.
  5. Metakommunikation: Beobachtende prüfen Redeanteile, Unterbrechungen, nicht gehörte Perspektiven und den Umgang mit Widerspruch.
  6. Praxisentwurf: Die Gruppen entwickeln ein Gesprächs- und Unterstützungskonzept, das Schutz, Regeln und Beteiligung verbindet.
  7. Reflexion: Jede Person dokumentiert, welche eigene Annahme sich verändert hat und welche Unsicherheit bestehen bleibt.

Bewertungskriterien:

  1. fachlich korrekte Verwendung pädagogischer Begriffe,
  2. nachvollziehbare Trennung von Beobachtung und Interpretation,
  3. Berücksichtigung verschiedener Macht- und Handlungsperspektiven,
  4. begründete Verbindung von Theorie und Praxis,
  5. Reflexion der Grenzen des eigenen Entwurfs.


Dialogische Pädagogik in digitalen Räumen

Digitale Medien können Dialog erweitern, etwa durch kollaborative Dokumente, Foren, Audioantworten, anonyme Fragesammlungen oder asynchrone Reflexion. Sie können aber auch Ungleichheiten verstärken. Technischer Zugang, Plattformregeln, Überwachung, Datenverarbeitung und algorithmische Sichtbarkeit beeinflussen, wer teilnehmen kann und wessen Beitrag wahrgenommen wird.

Für dialogische digitale Lernräume gelten deshalb besondere Anforderungen:

  1. Datenschutz und Zugänglichkeit werden vor der Nutzung geprüft.
  2. Beiträge bleiben in ihrem Kontext nachvollziehbar und werden nicht ohne Zustimmung weiterverwendet.
  3. Synchrone und asynchrone Formen werden kombiniert.
  4. Moderation schützt vor Abwertung, ohne begründeten Dissens zu unterdrücken.
  5. Bewertungskriterien berücksichtigen unterschiedliche Ausdrucksformen.
  6. Digitale Spuren werden nicht mit der gesamten Person gleichgesetzt.


Künstliche Intelligenz als Dialogwerkzeug

Künstliche Intelligenz kann Gegenfragen erzeugen, Perspektiven simulieren, Texte strukturieren oder Rückmeldungsentwürfe anbieten. Ein Sprachmodell ist jedoch kein gleichberechtigtes menschliches Gegenüber. Es besitzt keine gelebte Erfahrung, keine pädagogische Verantwortung und kann überzeugend klingende Fehler oder stereotype Deutungen erzeugen.

Ein dialogischer KI-Einsatz verlangt daher:

  1. Transparenz: Du kennzeichnest, wann und wofür KI eingesetzt wurde.
  2. Quellenkritik: Aussagen werden anhand verlässlicher Quellen überprüft.
  3. Perspektivkritik: Du fragst, welche Stimmen, Sprachen und Erfahrungen im Modell bevorzugt oder ausgelassen werden.
  4. Datensparsamkeit: Personenbezogene und sensible Falldaten werden geschützt.
  5. Eigenständigkeit: KI-Ausgaben dienen als Material für Prüfung und Weiterdenken, nicht als Ersatz für Urteil und Verantwortung.
  6. Metareflexion: Die Lerngruppe untersucht, wie das Werkzeug Fragen, Rollen und Macht im Gespräch verändert.


Chancen, Grenzen und Kritik


Chancen

Dialogische Pädagogik kann

  1. kritisches Denken und begründete Urteilsbildung fördern,
  2. Lernwege und Missverständnisse sichtbar machen,
  3. Selbstwirksamkeit und Beteiligung stärken,
  4. Theorie und Erfahrung in Beziehung setzen,
  5. demokratische Konfliktfähigkeit entwickeln,
  6. pädagogische Beziehungen humanisieren,
  7. institutionelle Machtverhältnisse zum Lerngegenstand machen.


Grenzen und Risiken

Dialogische Pädagogik kann scheitern, wenn

  1. Offenheit nur inszeniert wird und Entscheidungen bereits feststehen,
  2. redegewandte oder statusstarke Personen das Gespräch dominieren,
  3. persönliche Offenheit erzwungen wird,
  4. fachliche Struktur zugunsten unverbindlicher Meinungsäußerungen verschwindet,
  5. Schutzbedürfnisse und Diskriminierung nicht ernst genommen werden,
  6. Lehrende ihre Bewertungs- und Sanktionsmacht verschweigen,
  7. Dialog mit Konsenszwang verwechselt wird,
  8. gesellschaftliche Probleme individualisiert werden,
  9. Reflexion nicht in Handlung oder institutionelle Veränderung übergeht.


Dialog braucht Dissens

Ein gelungener Dialog endet nicht zwingend im Konsens. Dissens kann ein wichtiges Ergebnis sein, wenn unterschiedliche Gründe, Werte oder Erfahrungen transparent geworden sind. Entscheidend ist, dass Konflikte ohne Entwürdigung bearbeitet werden und dass Beteiligte unterscheiden können, worüber sie uneinig sind: über Fakten, Begriffe, Werte, Ziele oder Handlungsstrategien.


Zusammenfassung

Dialogische Pädagogik begreift Lernen als antwortenden, beziehungsbezogenen und gesellschaftlich situierten Prozess. Von Sokrates übernimmt sie die Prüfung von Begriffen und Voraussetzungen, von Martin Buber die Aufmerksamkeit für Begegnung, von Michail Bachtin die Vielstimmigkeit und Antwortlichkeit und von Paulo Freire die Verbindung von Dialog, Machtkritik und Praxis. Diese Traditionslinien sind nicht identisch und dürfen nicht zu einer einzigen harmonischen Theorie verschmolzen werden.

Für die pädagogische Praxis bedeutet Dialog weder Rollenlosigkeit noch Beliebigkeit. Lehrende tragen Verantwortung für fachliche Qualität, Schutz, Transparenz und faire Beteiligung. Lernende werden als Subjekte anerkannt, deren Beiträge den Prozess verändern können. Dialogische Bildung verbindet offene Fragen, begründete Kritik, Perspektivwechsel, Reflexion und verantwortetes Handeln.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt dialogische Pädagogik am treffendsten? (Lernen entsteht in einer verantworteten Auseinandersetzung zwischen Subjekten, Sache und Welt) (!Lernen besteht vor allem im fehlerfreien Speichern vorgegebener Informationen) (!Die Lehrperson verzichtet vollständig auf fachliche Verantwortung) (!Jede geäußerte Meinung gilt unabhängig von Gründen als gleich richtig)




Was kritisiert Paulo Freire mit dem Bankiers-Modell? (Die Vorstellung, Lehrende würden Wissen in passive Lernende einzahlen) (!Die Verwendung von Geldbeispielen im Mathematikunterricht) (!Die Finanzierung öffentlicher Hochschulen) (!Die Arbeit mit Lernjournalen)




Was verbindet Freire mit dem Begriff Praxis? (Reflexion und veränderndes Handeln) (!Wiederholung und Prüfung) (!Planung und Benotung) (!Beobachtung und Schweigen)




Wofür steht bei Martin Buber die Ich-Du-Beziehung? (Für eine Begegnung, in der das Gegenüber nicht nur als Objekt behandelt wird) (!Für eine Unterrichtsform ohne Regeln) (!Für die vollständige Gleichheit aller pädagogischen Rollen) (!Für eine Methode der standardisierten Leistungsmessung)




Was bezeichnet Polyphonie im dialogischen Denken? (Die eigenständige Bedeutung mehrerer Stimmen) (!Das gleichzeitige Abspielen mehrerer Musikstücke) (!Die Wiederholung einer einzigen autorisierten Position) (!Die Vermeidung aller fachlichen Kritik)




Was ist eine echte dialogische Frage? (Eine Frage mit offenem Erkenntniswert, die begründete Antworten ermöglicht) (!Eine Frage, deren gewünschte Formulierung bereits feststeht) (!Eine Frage, die nur mit Ja beantwortet werden darf) (!Eine Frage, die persönliche Zustimmung erzwingt)




Welche Aussage beschreibt dialogische Autorität? (Verantwortete Führung, die Entscheidungen begründet und Kritik ermöglicht) (!Vollständiger Verzicht auf Struktur und Schutz) (!Durchsetzung von Gehorsam ohne Begründung) (!Übertragung aller Bewertungsentscheidungen an die Lernenden)




Was bedeutet Uptake in einem Lern dialog? (Das erkennbare Aufgreifen eines vorherigen Beitrags) (!Das schnelle Beenden einer Diskussion) (!Das heimliche Speichern personenbezogener Daten) (!Das Auswendiglernen einer Definition)




Warum ist Schweigen nicht automatisch fehlende Beteiligung? (Weil Menschen auch durch Zuhören, Schreiben und spätere Beiträge teilnehmen können) (!Weil Schweigen immer Zustimmung bedeutet) (!Weil mündliche Beiträge grundsätzlich unwichtig sind) (!Weil Lernende im Dialog nie sprechen sollen)




Welche Bedingung gehört zu einem verantwortungsvollen KI-Einsatz? (KI-Ausgaben werden transparent gemacht und anhand verlässlicher Quellen geprüft) (!KI-Ausgaben gelten ohne Prüfung als fachlich richtig) (!Sensible Falldaten werden vollständig in öffentliche Systeme eingegeben) (!Die eigene Urteilsbildung wird an das Sprachmodell abgegeben)





Memory

Ich-Du Begegnung
Bankiers-Modell Wissenseinlagerung
Praxis Reflexion und Handlung
Polyphonie Vielstimmigkeit
Generatives Thema Lebensweltlicher Problemkern
Problemformulierung Gemeinsame Wirklichkeitsanalyse
Responsivität Aufgreifendes Antworten
Aporie Begründetes Nichtwissen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Dialogische Bedeutung
Anerkennung Die Person wird als urteils- und handlungsfähiges Subjekt ernst genommen.
Problematisierung Eine scheinbare Selbstverständlichkeit wird zur untersuchbaren Frage.
Metakommunikation Die Beteiligten reflektieren die Art ihres Sprechens und Lernens.
Dissens Eine begründete Uneinigkeit bleibt sichtbar, ohne die Beziehung abzubrechen.
Kulturkreis Eine Gruppe untersucht lebensweltliche Themen und entwickelt Handlungsmöglichkeiten.
Lernjournal Individuelle Denkwege, Fragen und Revisionen werden dokumentiert.
Autoritarismus Macht verlangt Unterordnung und entzieht sich der Kritik.
Quellenkritik Herkunft, Aussagekraft und Interessen eines Materials werden geprüft.





Kreuzworträtsel

Freire Welcher Pädagoge kritisierte das Bankiers-Modell der Bildung?
Buber Wer prägte die Unterscheidung zwischen Ich-Du und Ich-Es?
Bakhtin Welcher Denker verband Dialog mit Vielstimmigkeit und Antwortlichkeit?
Praxis Welcher Begriff verbindet bei Freire Reflexion und veränderndes Handeln?
Polyphonie Wie heißt die eigenständige Vielstimmigkeit verschiedener Positionen?
Anerkennung Welcher Begriff bezeichnet das Ernstnehmen des Gegenübers als Subjekt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Dialogische Pädagogik erkennt Lernende als

ihres Lernens an. Martin Buber beschreibt mit der Ich-Du-Beziehung eine Haltung der

. Michail Bachtin betont die eigenständige Vielstimmigkeit, die als

bezeichnet wird. Paulo Freire kritisiert mit dem Bankiers-Modell die Vorstellung passiver

. Seine Alternative ist die

Bildung. Reflexion und veränderndes Handeln verbindet Freire im Begriff der

. Ein lebensweltlich bedeutsamer Problemkern heißt

Thema. Das Aufgreifen eines vorherigen Beitrags wird als

bezeichnet. Eine Reflexion über die Art des Gesprächs ist

. Begründete Uneinigkeit kann als

ein produktives Ergebnis bleiben. Pädagogische Führung ohne Unterordnungszwang wird als dialogische

verstanden. KI-Ausgaben müssen durch

überprüft werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz mit den Begriffen Dialog, Monolog, Anerkennung, Praxis, Macht und Reflexion. Verbinde jeden Begriff mit mindestens zwei begründeten Beziehungen.
  2. Gesprächsbeobachtung: Beobachte zehn Minuten eines Seminars, Unterrichts oder öffentlich zugänglichen Bildungsvideos. Notiere, welche Beiträge aufgegriffen werden und welche folgenlos bleiben.
  3. Fragenwerkstatt: Formuliere zu einem pädagogischen Thema fünf Kontrollfragen und verwandle sie anschließend in echte dialogische Fragen.
  4. Perspektivwechsel: Beschreibe einen pädagogischen Konflikt aus drei unterschiedlichen Rollen und markiere, welche Informationen jeder Perspektive fehlen.


Standard

  1. Dialoganalyse: Transkribiere einen kurzen Gesprächsausschnitt und analysiere Fragen, Unterbrechungen, Begründungen, Redeanteile und Formen des Uptake.
  2. Methodenplanung: Plane eine 45-minütige dialogische Lerneinheit für Schule, Hochschule oder Erwachsenenbildung. Begründe Eröffnungsfrage, Sozialformen, Schutzregeln und Reflexionsphase.
  3. Theorienvergleich: Vergleiche Buber und Freire anhand eines selbst gewählten pädagogischen Falls. Zeige Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen beider Perspektiven.
  4. Medienkritik: Untersuche ein digitales Diskussionsformat auf Zugänglichkeit, Datenschutz, Moderation, algorithmische Sichtbarkeit und tatsächliche Mitwirkung.


Schwer

  1. Praxisforschung: Entwickle eine kleine qualitative Untersuchung zur Frage, wie Lernende dialogische Qualität erleben. Begründe Erhebungsmethode, Einwilligung, Auswertung und Datenschutz.
  2. Machtanalyse: Analysiere eine Bildungsinstitution hinsichtlich formaler und informeller Macht. Entwickle zwei realistische Veränderungen, die Widerspruch und Beteiligung stärken.
  3. Dialogisches Projekt: Führe einen Kulturkreis oder eine dialogische Werkstatt zu einem generativen Thema durch. Dokumentiere Vorbereitung, Verlauf, Konflikte, Ergebnisse und Revisionen.
  4. KI und Dialog: Vergleiche ein menschliches Feedbackgespräch mit einer KI-gestützten Rückmeldung. Analysiere Responsivität, Verantwortung, Fehler, Datenrisiken und Auswirkungen auf die Lernbeziehung.




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Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Macht und Dialog: Eine Lehrperson bittet um offene Kritik, benotet aber die Beteiligung. Analysiere den Widerspruch und entwickle Bedingungen, unter denen Rückmeldungen ohne verdeckten Zwang möglich werden.
  2. Transfer auf Inklusion: Entwirf für eine heterogene Lerngruppe drei Beteiligungswege, die nicht auf spontanes Sprechen beschränkt sind. Begründe, wie sie Dialog und fachliche Tiefe verbinden.
  3. Theoriegeleitete Entscheidung: Ein Seminar gerät in einen harten Wertekonflikt. Entwickle eine Moderationsstrategie und begründe sie mit mindestens zwei theoretischen Ansätzen des Kurses.
  4. Kritik einer Methode: Wähle Fishbowl, sokratisches Gespräch oder Peer-Feedback. Zeige an einem konkreten Szenario, wann die Methode dialogisch wirkt und wann sie monologische Macht nur verdeckt.
  5. Praxiszyklus: Plane eine pädagogische Intervention nach dem Zyklus Wahrnehmen, Deuten, Handeln und Neubewerten. Formuliere Kriterien, an denen Du eine Veränderung erkennen würdest.
  6. Digitaler Transfer: Entwickle Regeln für einen dialogischen Online-Kurs mit KI-Unterstützung. Berücksichtige Transparenz, Quellenprüfung, Datenschutz, Barrierefreiheit, Moderation und menschliche Verantwortung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe reproduzierst, sondern Zusammenhänge analysierst und eine eigene dialogische Praxis begründet entwickelst. Ein geeigneter Lernnachweis kann als Portfolio, Hausarbeit, mündliche Prüfung, Projektbericht oder dokumentierte Lehrprobe gestaltet werden.

Der Lernnachweis sollte zeigen, dass Du

  1. dialogische Pädagogik von bloßer Gesprächigkeit und monologischer Wissensvermittlung unterscheiden kannst,
  2. mindestens drei theoretische Traditionslinien fachlich korrekt vergleichst,
  3. pädagogische Asymmetrie, Macht und Autorität differenziert analysierst,
  4. einen lebensweltlichen Problemkern in eine tragfähige dialogische Frage übersetzt,
  5. eine Methode passend zu Zielgruppe, Thema und institutionellem Kontext auswählst,
  6. Schutz, Inklusion, Dissens und fachliche Begründung zusammendenkst,
  7. Beobachtung, Interpretation und Bewertung nachvollziehbar trennst,
  8. einen Theorie-Praxis-Zyklus dokumentierst und die Grenzen des eigenen Handelns reflektierst,
  9. digitale Medien und KI transparent, datensparsam und quellenkritisch einsetzt,
  10. Rückmeldungen aufgreift und den eigenen Entwurf begründet überarbeitet.

Mögliche Bestandteile eines Portfolios sind eine Theorieübersicht, eine Fallanalyse, ein Lehr-Lern-Entwurf, ein Beobachtungsprotokoll, ausgewählte Rückmeldungen, eine Überarbeitung und eine abschließende Selbstreflexion.




Literatur und weiterführende Quellen

  1. Martin Buber: Ich und Du sowie Reden über Erziehung.
  2. Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten und Pädagogik der Hoffnung.
  3. Michail Bachtin: Arbeiten zu Dialogizität, Äußerung und Polyphonie.
  4. Urs Ruf und Peter Gallin: Veröffentlichungen zum Dialogischen Lernen.
  5. Wikipedia: Dialogisches Lernen
  6. Wikipedia: Paulo Freire
  7. Wikipedia: Ich und Du
  8. Fachportal Pädagogik: Der Dialog als Prinzip der Pädagogik
  9. pedocs: Dialogue, relatedness, and community


OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
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  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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