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Die Stufen der Moralentwicklung - Pädagogik

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Die Stufen der Moralentwicklung - Pädagogik



Die Stufen der Moralentwicklung - Pädagogik


Einleitung

Wie entwickelt sich die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Pflicht und persönlichem Interesse abzuwägen? Warum begründen zwei Menschen dieselbe Entscheidung auf völlig unterschiedliche Weise? Solche Fragen gehören zum Kern der Pädagogik, der Entwicklungspsychologie, der Moralpsychologie und der Ethik.

Der US-amerikanische Psychologe und Erziehungswissenschaftler Lawrence Kohlberg entwickelte eine einflussreiche Stufentheorie der Moralentwicklung. Im Mittelpunkt steht nicht zuerst, welche Entscheidung ein Mensch trifft, sondern wie er sein moralisches Urteil begründet. Zwei Personen können im selben Dilemma dieselbe Handlung befürworten und dennoch auf unterschiedlichen Stufen argumentieren. Umgekehrt können sie zu entgegengesetzten Entscheidungen gelangen, dabei aber eine ähnlich komplexe Begründungsstruktur verwenden.

Der aiMOOC richtet sich an Studierende der Pädagogik, Lehramtsstudierende, pädagogische Fachkräfte und fortgeschrittene Lernende. Du erarbeitest die theoretischen Grundlagen, analysierst die drei Niveaus und sechs Stufen, untersuchst das Heinz-Dilemma, bewertest Kritik an Kohlbergs Modell und entwickelst Konsequenzen für Moralische Erziehung, Demokratiepädagogik und professionelles pädagogisches Handeln.


Lernziele und Kompetenzen

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du Kohlbergs Modell fachsprachlich darstellen, moralische Begründungen strukturell analysieren, zwischen moralischem Urteil und moralischem Handeln unterscheiden, Forschungsbefunde kritisch einordnen und Lernarrangements zur Förderung moralischer Urteilsfähigkeit planen.

Kompetenzbereich Du kannst ...
Theoriewissen die Entstehung, Grundannahmen, Niveaus und Stufen der Theorie erklären.
Analyse Äußerungen zu moralischen Konflikten anhand ihrer Begründungslogik untersuchen.
Forschungsmethodik das Dilemma-Interview, die Auswertung moralischer Begründungen und zentrale Grenzen der Methode beschreiben.
Kritische Reflexion Einwände zu Geschlecht, Kultur, Emotion, Verhalten und Stufenlogik differenziert beurteilen.
Didaktische Anwendung Dilemmadiskussionen und demokratische Lernformen für pädagogische Situationen entwerfen.


Grundbegriffe der Moralentwicklung

Moral bezeichnet ein System von Werten, Normen, Regeln und Vorstellungen darüber, was als richtig, falsch, gerecht, verantwortbar oder geboten gilt. Ethik ist die systematische Reflexion über moralische Maßstäbe und Begründungen. Moralentwicklung meint Veränderungen im moralischen Erleben, Denken, Urteilen, Fühlen und Handeln über die Lebensspanne.

Kohlbergs Theorie untersucht vor allem das moralische Urteilen. Das ist die Fähigkeit, einen moralischen Konflikt zu erkennen, relevante Gesichtspunkte abzuwägen und ein Urteil zu begründen. Das Modell bildet daher nicht die gesamte moralische Persönlichkeit ab. Empathie, Gewissen, Emotion, Moralische Motivation, Charakter, situative Einflüsse und tatsächliches Verhalten müssen ergänzend betrachtet werden.

Begriff Bedeutung im Kontext des Modells
Moralisches Dilemma Eine Konfliktsituation, in der wichtige moralische Ansprüche miteinander unvereinbar erscheinen.
Moralisches Urteil Eine bewertende Entscheidung darüber, was getan werden sollte.
Moralische Begründung Die Argumentationsstruktur, mit der ein Urteil gerechtfertigt wird.
Soziale Perspektivübernahme Die Fähigkeit, Sichtweisen, Interessen und Erwartungen anderer Personen oder gesellschaftlicher Gruppen einzubeziehen.
Gerechtigkeit Ein zentraler Bezugspunkt für Kohlbergs Theorie, etwa als Fairness, Gleichheit, Rechte und wechselseitige Anerkennung.
Konvention Eine sozial geltende Regel oder Erwartung, deren Verbindlichkeit aus gemeinsamer Praxis und gesellschaftlicher Ordnung entsteht.


Theoretische Wurzeln


Jean Piaget und die kognitive Entwicklung

Kohlbergs Ansatz knüpft an Jean Piaget an. Piaget untersuchte, wie Kinder Regeln verstehen und wie sich ihre Vorstellungen von Verantwortung und Gerechtigkeit verändern. Er unterschied unter anderem eine stärker fremdbestimmte, an Autorität und festen Regeln orientierte Moral von einer autonomeren Moral, in der Absichten, Gegenseitigkeit und Kooperation wichtiger werden.

Kohlberg übernahm die konstruktivistische Grundidee: Kinder und Erwachsene übernehmen Moral nicht lediglich passiv. Sie konstruieren zunehmend komplexe Deutungen sozialer Erfahrungen. Fortschritte in kognitiver Entwicklung, Dezentrierung und Perspektivübernahme ermöglichen differenziertere moralische Begründungen. Kognitive Fähigkeiten sind dabei eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für moralische Reife.


Philosophische Einflüsse

Kohlbergs höchste Stufen greifen Ideen der Gerechtigkeitstheorie, der Menschenrechte, des Gesellschaftsvertrags und universalisierbarer ethischer Prinzipien auf. Bezüge bestehen unter anderem zu Immanuel Kant und John Rawls. Diese philosophische Orientierung erklärt, weshalb das Modell moralische Reife vor allem als zunehmend reflektierte, verallgemeinerbare und gerechtigkeitsbezogene Begründung versteht.

Die Theorie ist deshalb nicht wertneutral. Sie enthält eine normative Annahme: Moralische Urteile gelten als entwickelter, wenn sie mehr Perspektiven koordinieren, Regeln begründen, Rechte berücksichtigen und Entscheidungen an konsistenten Prinzipien prüfen.


Lawrence Kohlbergs Forschungsprogramm

Kohlberg legte 1958 seine Dissertation zur Entwicklung moralischer Urteilsformen vor. In seinen Untersuchungen konfrontierte er Kinder und Jugendliche mit hypothetischen moralischen Dilemmata und führte vertiefende Interviews. Seine ursprünglichen Stichproben bestanden überwiegend aus Jungen. Spätere Forschung erweiterte den Ansatz auf andere Gruppen und kulturelle Kontexte.

Für die Auswertung war nicht entscheidend, ob eine Person eine Handlung befürwortete oder ablehnte. Untersucht wurde, welche Gründe sie nannte, wie sie Rechte und Pflichten verstand, welche soziale Perspektive sie einnahm und wie sie widersprüchliche Ansprüche koordinierte.

Der Ansatz verbindet Längsschnittuntersuchungen, strukturierte Dilemma-Interviews und eine stufentheoretische Interpretation. Kohlberg nahm an, dass die Stufen eine geordnete Folge bilden, nicht beliebig übersprungen werden und qualitativ unterschiedliche Denkstrukturen repräsentieren. Die Entwicklung ist nicht an starre Altersgrenzen gebunden. Nicht jeder Mensch erreicht postkonventionelle Urteilsformen.


Das Heinz-Dilemma

Im bekanntesten Dilemma ist eine Frau lebensbedrohlich erkrankt. Ein Medikament könnte sie retten, ist für ihren Ehemann Heinz aber nicht bezahlbar. Der Anbieter lehnt Preisnachlass und spätere Zahlung ab. Heinz erwägt, das Medikament zu stehlen. Die Leitfrage lautet: Soll Heinz das Medikament entwenden, um das Leben seiner Frau zu retten?

Das Dilemma besitzt keine einfache Musterlösung. Pädagogisch bedeutsam sind Anschlussfragen: Welche Pflicht hat Heinz? Welches Recht besitzt die erkrankte Frau? Welche Ansprüche hat der Anbieter? Ist ein Gesetz immer moralisch richtig? Was würde sich ändern, wenn Heinz die Frau nicht liebte? Welche Folgen hätte eine Verallgemeinerung der Entscheidung?

Mögliche Antwort Beispielhafte Begründungslogik Möglicher Stufenbezug
Heinz soll nicht stehlen. Er könnte bestraft werden. Orientierung an Strafe und Gehorsam
Heinz soll stehlen. Er braucht seine Frau und profitiert von ihrem Überleben. Instrumentell-individualistische Orientierung
Heinz soll stehlen. Ein guter Ehemann hilft seiner Frau und erfüllt soziale Erwartungen. Interpersonale Orientierung
Heinz soll nicht stehlen. Gesetze müssen eingehalten werden, damit die gesellschaftliche Ordnung bestehen bleibt. Orientierung an Gesetz und Ordnung
Heinz darf stehlen. Eigentumsrechte sind wichtig, aber das Recht auf Leben hat in diesem Ausnahmefall Vorrang. Sozialvertragsorientierung
Heinz soll das Leben retten. Die Würde und der gleiche Wert jedes Menschen sind als universelle Prinzipien zu achten. Orientierung an universellen ethischen Prinzipien

Wichtig: Diese Beispiele sind keine automatische Diagnose. Einzelne Aussagen können Elemente mehrerer Stufen enthalten. Eine fachgerechte Einordnung verlangt Nachfragen, Kontextwissen und eine Analyse der gesamten Argumentationsstruktur.


Die drei Niveaus und sechs Stufen

Kohlberg ordnet die sechs Stufen drei übergeordneten Niveaus zu: Präkonventionelle Moral, Konventionelle Moral und Postkonventionelle Moral. Die Begriffe beschreiben den Bezugspunkt moralischer Begründungen. Sie sind keine Etiketten für den Wert eines Menschen.

Niveau Stufe Zentraler Bezugspunkt Leitfrage
Präkonventionell Strafe und Gehorsam äußere Konsequenzen und Autorität Wie vermeide ich Strafe?
Präkonventionell Instrumenteller Austausch eigener Nutzen und Gegenseitigkeit Was habe ich davon?
Konventionell Interpersonale Übereinstimmung Anerkennung und Erwartungen naher Bezugspersonen Was tut eine gute Person?
Konventionell Gesetz und Ordnung Pflichten, Regeln und gesellschaftliche Stabilität Was erhält die Ordnung?
Postkonventionell Sozialvertrag und Rechte begründbare Regeln, Grundrechte und Gemeinwohl Welche Regel könnten freie und gleiche Menschen akzeptieren?
Postkonventionell Universelle ethische Prinzipien selbst gewählte, konsistente und universalisierbare Prinzipien Welche Entscheidung achtet Würde und Gerechtigkeit für alle?


Präkonventionelles Niveau

Auf dem präkonventionellen Niveau werden Regeln vor allem aus der Perspektive unmittelbarer Folgen, eigener Interessen und äußerer Autorität verstanden. Das Wort präkonventionell bedeutet nicht, dass überhaupt keine Regeln bekannt sind. Entscheidend ist, dass gesellschaftliche Normen noch nicht als gemeinsam zu tragende Ordnung oder als reflektiert begründete Prinzipien erfasst werden.


Stufe der Orientierung an Strafe und Gehorsam

Eine Handlung gilt als falsch, wenn sie Bestrafung nach sich zieht oder einer mächtigen Autorität widerspricht. Gehorsam ist wichtig, weil negative Konsequenzen vermieden werden sollen. Die Perspektive anderer wird nur begrenzt koordiniert; Absichten und komplexe soziale Zusammenhänge treten hinter sichtbaren Folgen zurück.

Typische Begründungen: „Man darf das nicht, sonst bekommt man Ärger.“ – „Die Lehrkraft hat es verboten.“ – „Heinz soll nicht stehlen, weil er ins Gefängnis kommen kann.“

Pädagogische Einordnung: Klare Grenzen und verlässliche Konsequenzen können Orientierung geben. Moralische Bildung darf aber nicht bei Kontrolle stehen bleiben. Fragen nach Gründen, Betroffenen und fairen Lösungen eröffnen weiterführende Perspektiven.


Stufe der instrumentell-relativistischen Orientierung

Menschen erkennen, dass verschiedene Personen unterschiedliche Interessen haben. Fairness wird häufig als Austausch verstanden: „Wie Du mir, so ich Dir“ oder „Ich helfe Dir, wenn Du mir hilfst.“ Eine Handlung erscheint richtig, wenn sie eigene Bedürfnisse erfüllt und gegebenenfalls einen gegenseitigen Vorteil ermöglicht.

Typische Begründungen: „Heinz sollte stehlen, weil er seine Frau später noch braucht.“ – „Ich teile, wenn ich dafür auch etwas bekomme.“ – „Jeder muss selbst sehen, was für ihn gut ist.“

Pädagogische Einordnung: Verhandlungen und Gegenseitigkeit sind wichtige Entwicklungsschritte. Pädagogische Gespräche können über bloßen Tausch hinausführen, indem sie Bedürfnisse, Verletzlichkeit und gemeinsame Regeln thematisieren.


Konventionelles Niveau

Auf dem konventionellen Niveau werden soziale Erwartungen, Beziehungen, Rollen, Regeln und Institutionen zu zentralen Maßstäben. Moralisches Urteilen orientiert sich nicht mehr ausschließlich an unmittelbaren persönlichen Folgen. Die Person versteht sich als Mitglied sozialer Gemeinschaften.


Stufe der interpersonalen Übereinstimmung

Richtiges Verhalten entspricht den Erwartungen wichtiger Bezugspersonen. Anerkennung, Vertrauen, Loyalität und gute Absichten spielen eine große Rolle. Die Person möchte als „gut“, fürsorglich, hilfsbereit oder zuverlässig gelten.

Typische Begründungen: „Eine gute Freundin lässt jemanden nicht allein.“ – „Heinz muss helfen, weil ein liebevoller Ehemann Verantwortung übernimmt.“ – „Die Absicht war gut, deshalb sollte man milder urteilen.“

Pädagogische Einordnung: Beziehungen und Empathie sind starke Ressourcen. Zugleich kann der Wunsch nach Zustimmung zu Konformitätsdruck führen. Pädagogik sollte deshalb dazu anregen, Gruppenerwartungen zu prüfen und Minderheitenperspektiven einzubeziehen.


Stufe der Orientierung an Gesetz und Ordnung

Moralische Urteile beziehen sich auf gesellschaftliche Pflichten, Gesetze, Institutionen und das Funktionieren des Gemeinwesens. Regeln werden befolgt, weil sie Stabilität, Verlässlichkeit und Kooperation ermöglichen. Die Perspektive erweitert sich von nahen Beziehungen auf die Gesellschaft.

Typische Begründungen: „Ohne Regeln könnte jede Person tun, was sie will.“ – „Heinz darf nicht stehlen, weil Eigentumsrecht und Rechtsordnung geschützt werden müssen.“ – „Man muss seine Pflicht erfüllen.“

Pädagogische Einordnung: Diese Stufe ermöglicht Verantwortungsbewusstsein für Institutionen. Kritische Bildung fragt zusätzlich, ob bestehende Gesetze gerecht sind, wie sie legitimiert werden und unter welchen Bedingungen ziviler Widerspruch verantwortbar sein kann.


Postkonventionelles Niveau

Auf dem postkonventionellen Niveau werden bestehende Regeln nicht einfach verworfen. Sie werden aus einer übergeordneten Perspektive geprüft und begründet. Moralische Geltung wird von bloßer gesellschaftlicher Zustimmung unterschieden. Grundrechte, Fairness und universalisierbare Prinzipien gewinnen Vorrang.


Stufe der Orientierung an Sozialvertrag und individuellen Rechten

Gesetze gelten als veränderbare Vereinbarungen, die dem Gemeinwohl dienen und fundamentale Rechte schützen sollen. Konfligieren Regeln mit grundlegenden Rechten, müssen sie demokratisch geprüft und gegebenenfalls reformiert werden.

Typische Begründungen: „Eigentum ist schützenswert, aber menschliches Leben besitzt in dieser Ausnahmesituation höheres Gewicht.“ – „Gesetze sind legitim, wenn sie die Rechte freier und gleicher Personen achten.“ – „Eine demokratische Gesellschaft muss ungerechte Regeln ändern können.“

Pädagogische Einordnung: Lernende können institutionelle Regeln anhand von Transparenz, Teilhabe, Verhältnismäßigkeit und Grundrechten bewerten. Damit verbindet sich Demokratiebildung mit moralischer Urteilsbildung.


Stufe der Orientierung an universellen ethischen Prinzipien

Moralische Urteile werden an selbst anerkannten, konsistenten und universalisierbaren Prinzipien ausgerichtet. Dazu zählen die gleiche Menschenwürde, Gerechtigkeit, Gegenseitigkeit und Achtung vor jeder Person. Ein Prinzip soll unabhängig von persönlichem Vorteil oder Gruppenzugehörigkeit gelten.

Typische Begründungen: „Jeder Mensch besitzt gleichen moralischen Wert.“ – „Eine Entscheidung muss auch dann vertretbar sein, wenn ich die Position der schwächsten Person einnehme.“ – „Gewissen und universelle Gerechtigkeit können in extremen Fällen Vorrang vor positivem Recht haben.“

Forschungsbezogene Einordnung: Die sechste Stufe war empirisch schwer eindeutig nachzuweisen und wurde in späteren Fassungen der Auswertung zurückhaltender behandelt. Sie ist deshalb besonders als philosophisch-normativer Grenzbegriff moralischer Prinzipienorientierung zu verstehen.


Entwicklungslogik des Modells


Strukturelle Ganzheit

Eine Stufe bezeichnet nach Kohlberg keine einzelne Meinung, sondern eine relativ zusammenhängende Struktur moralischer Begründung. Sie organisiert, wie eine Person Rechte, Pflichten, Beziehungen und gesellschaftliche Regeln deutet. Derselbe Inhalt kann deshalb auf verschiedenen Stufen vertreten werden.


Invariante Reihenfolge

Die Theorie behauptet eine feste Abfolge: Höhere Strukturen bauen auf früheren auf. Eine Stufe soll nicht einfach übersprungen werden. In realen Interviews können jedoch Übergänge, Mischformen und kontextabhängige Schwankungen auftreten. Die empirische Forschung diskutiert, wie deutlich Stufen voneinander abgrenzbar sind.


Hierarchische Integration

Eine höhere Stufe soll frühere Perspektiven nicht nur ersetzen, sondern in umfassenderer Form integrieren. Postkonventionelles Denken kann beispielsweise die Bedeutung von Gesetzen anerkennen und sie zugleich anhand von Rechten und Prinzipien prüfen.


Soziale Perspektivübernahme

Moralische Entwicklung ist eng mit Rollenübernahme und Perspektivübernahme verbunden. Die Perspektive erweitert sich idealtypisch vom eigenen unmittelbaren Standpunkt über Beziehungen und gesellschaftliche Rollen bis zu einer prinzipiellen Perspektive auf alle Betroffenen.


Kognitiver Konflikt

Entwicklung kann angeregt werden, wenn vorhandene Begründungsmuster nicht ausreichen, um einen Konflikt zu lösen. Widersprüche, alternative Perspektiven und Argumente höherer Komplexität erzeugen einen kognitiven Konflikt. Pädagogisch ist dabei entscheidend, Lernende nicht zu manipulieren, sondern begründetes, dialogisches Nachdenken zu ermöglichen.


Moralisches Urteil und moralisches Handeln

Eine hohe Stufe moralischen Urteilens garantiert kein moralisches Verhalten. Menschen können wissen, was sie für richtig halten, und dennoch aus Angst, Bequemlichkeit, Gruppendruck oder Eigeninteresse anders handeln. Umgekehrt kann jemand hilfreich handeln, ohne seine Entscheidung auf einer komplexen Stufe zu begründen.

Für eine umfassende Erklärung moralischen Handelns sind mindestens vier Fragen wichtig:

Teilprozess Leitfrage
Moralische Sensibilität Wird erkannt, dass eine Situation moralisch bedeutsam ist und wer betroffen ist?
Moralisches Urteilen Welche Handlung erscheint nach Abwägung der Gründe als richtig?
Moralische Motivation Erhält der moralische Wert Vorrang vor konkurrierenden Interessen?
Moralischer Charakter Besitzt die Person Mut, Selbstkontrolle und Ausdauer, um entsprechend zu handeln?

Diese Erweiterung ist besonders mit dem Neo-Kohlbergianer James Rest und seinem Vier-Komponenten-Modell verbunden. Sie macht deutlich, dass moralische Bildung mehr als Argumentationstraining umfasst.


Pädagogische Bedeutung


Dilemmadiskussion als Lernform

Eine Dilemmadiskussion konfrontiert Lernende mit einem echten Wertkonflikt. Ziel ist nicht, eine von der Lehrperson vorgegebene Antwort zu übernehmen. Lernende sollen Positionen begründen, Gegenargumente prüfen, Perspektiven wechseln und das eigene Urteil revidieren können.

Ein qualitätsvolles Lernarrangement folgt einer nachvollziehbaren Dramaturgie:

Phase Pädagogische Funktion
Dilemma verstehen Sachlage, Beteiligte und Konflikt klären, ohne vorschnell zu urteilen.
Individuell entscheiden Eine vorläufige Position formulieren und begründen.
Argumente austauschen Unterschiedliche Begründungen sammeln und aufeinander beziehen.
Perspektiven wechseln Folgen, Rechte, Beziehungen und institutionelle Bedingungen aus mehreren Sichtweisen prüfen.
Argumente gewichten Widersprüche, Reichweite und Verallgemeinerbarkeit der Gründe untersuchen.
Urteil reflektieren Veränderungen der eigenen Position und offene Fragen dokumentieren.

Die Lehrperson moderiert, fragt nach und schützt die Gesprächsregeln. Sie sollte Lernende weder beschämen noch anhand einer vermeintlichen Stufe öffentlich klassifizieren. Ein moralisches Gespräch braucht Psychologische Sicherheit, Respekt und die Möglichkeit, Unsicherheit auszuhalten.


Just Community

Kohlberg entwickelte mit Kolleginnen und Kollegen den Ansatz der Just Community. Schule soll nicht nur über Demokratie und Gerechtigkeit sprechen, sondern als gerechte Gemeinschaft erfahrbar werden. Lernende und Lehrende beraten reale Regeln, Konflikte und Verantwortlichkeiten. Partizipation, faire Verfahren und gemeinschaftliche Verantwortung bilden den institutionellen Lernraum.

Zentrale Elemente sind regelmäßige Versammlungen, nachvollziehbare Regeln, Beteiligung an Entscheidungen, konstruktive Konfliktbearbeitung und die gemeinsame Reflexion darüber, was für alle fair ist. Moralische Entwicklung wird damit nicht allein im Unterricht, sondern durch die Schulkultur gefördert.


Rolle pädagogischer Fachkräfte

Pädagogische Fachkräfte gestalten Bedingungen, unter denen moralisches Lernen möglich wird. Dazu gehören glaubwürdiges Vorbildhandeln, transparente Regeln, echte Beteiligung, Perspektivwechsel, eine konstruktive Fehlerkultur und die Bearbeitung realer Konflikte. Moralische Autonomie entsteht nicht durch bloße Belehrung, sondern durch begründete Mitwirkung.

Wenig entwicklungsförderlich Entwicklungsförderlich
Regeln nur mit Macht durchsetzen Regeln erklären, begründen und gemeinsam überprüfen
Abweichende Meinungen beschämen Kontroverse Positionen respektvoll prüfen
Moralische Etiketten vergeben Begründungen kontextbezogen analysieren
Harmonie erzwingen Konflikte als Lerngelegenheiten strukturieren
Nur richtige Antworten bewerten Argumentationsqualität und Perspektivübernahme rückmelden
Partizipation nur simulieren Reale, verantwortbare Entscheidungsspielräume eröffnen


Anwendung in pädagogischen Handlungsfeldern

Das Modell kann in Schule, Kindheitspädagogik, Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Berufspädagogik und Hochschuldidaktik genutzt werden. Geeignete Themen sind Ausgrenzung, Eigentum, Leistungsbewertung, Datenschutz, Inklusion, Klimaverantwortung, Zivilcourage, digitale Kommunikation und der verantwortliche Einsatz Künstlicher Intelligenz.

In der Frühpädagogik stehen konkrete Erfahrungen von Teilen, Regeln und Wiedergutmachung im Vordergrund. In der Schule können Dilemmagespräche und Klassenräte eingesetzt werden. In Ausbildung und Studium eignen sich komplexe Fallvignetten, in denen professionelle Pflichten, Rechte von Adressatinnen und Adressaten, institutionelle Vorgaben und Folgen gegeneinander abzuwägen sind.


Kritik und Weiterentwicklungen

Kohlbergs Theorie ist wissenschaftlich einflussreich, aber nicht als abschließende Erklärung moralischer Entwicklung zu verstehen. Eine professionelle pädagogische Nutzung verbindet ihre Stärken mit einer kritischen Prüfung ihrer Grenzen.


Carol Gilligan und die Fürsorgeperspektive

Carol Gilligan kritisierte, dass Kohlbergs frühe Forschung überwiegend männliche Teilnehmer einbezog und eine an Rechten und Gerechtigkeit orientierte Moral zum Maßstab machte. Sie hob eine Fürsorgeethik hervor, die Beziehungen, Verantwortung, Verletzlichkeit und die Vermeidung von Schädigung betont.

Die Gegenüberstellung von Gerechtigkeit und Fürsorge darf nicht als starre Zuordnung zu Männern und Frauen missverstanden werden. Beide Orientierungen können bei Menschen aller Geschlechter vorkommen und sich ergänzen. Pädagogisch ist bedeutsam, sowohl Rechte und Fairness als auch Beziehungspflichten und konkrete Bedürfnisse zu berücksichtigen.


Kulturelle Kritik

Die Behauptung einer universellen Stufenfolge wurde kulturvergleichend intensiv geprüft. Viele Studien fanden vergleichbare Formen präkonventionellen und konventionellen Urteilens. Umstritten bleibt jedoch, ob postkonventionelle Gerechtigkeitsprinzipien die einzige oder höchste Form moralischer Reife darstellen. Gemeinschaftsorientierte, religiöse oder relationale Moralkonzepte können in Kohlbergs Schema unzureichend erfasst werden.

Eine kultursensible Pädagogik vermeidet deshalb, westlich-liberale Argumentationsmuster vorschnell als allgemeingültigen Entwicklungsendpunkt zu setzen. Sie prüft, welche moralischen Güter in einer Gemeinschaft bedeutsam sind und ob die Rechte Einzelner, Fürsorge, Zugehörigkeit und Gemeinwohl angemessen berücksichtigt werden.


Urteil-Handlungs-Lücke

Kohlbergs Verfahren erfasst vor allem verbale Begründungen in hypothetischen Situationen. Sprachfähigkeit, Bildungserfahrung und Vertrautheit mit argumentativen Gesprächen können das Ergebnis beeinflussen. Zudem sagt ein gut begründetes Urteil nicht sicher voraus, wie eine Person unter Zeitdruck, emotionaler Belastung oder Gruppendruck handelt.


Emotion, Intuition und Motivation

Das Modell betont bewusst kognitive Strukturen. Neuere Ansätze der Moralpsychologie weisen darauf hin, dass Empathie, Schuldgefühl, Scham, moralische Intuitionen, Identität und soziale Zugehörigkeit moralische Entscheidungen wesentlich prägen. Pädagogische Konzepte sollten daher Denken, Fühlen, Motivation und Handeln verbinden.


Zweifel an klar abgegrenzten Stufen

Empirisch treten Mischformen und kontextabhängige Schwankungen auf. Eine Person kann im beruflichen Kontext regelorientiert, in familiären Beziehungen fürsorgeorientiert und bei politischen Fragen prinzipienorientiert argumentieren. Solche Befunde stellen eine allzu starre Stufeninterpretation infrage.


Soziale Domänentheorie

Die Soziale Domänentheorie von Elliot Turiel unterscheidet moralische Regeln, gesellschaftliche Konventionen und persönliche Angelegenheiten. Kinder können demnach früh erkennen, dass Schädigung oder Ungerechtigkeit anders begründet werden als Kleidungsvorschriften oder Tischsitten. Diese Perspektive ergänzt Kohlberg, weil sie nicht alle Regelurteile auf einer einzigen Entwicklungsleiter anordnet.


Neo-kohlbergianische Ansätze

James Rest und weitere Forschende entwickelten Kohlbergs Ansatz weiter. Der Defining Issues Test untersucht, welche moralischen Gesichtspunkte Personen bei Dilemmata für bedeutsam halten. Neo-kohlbergianische Modelle arbeiten eher mit moralischen Schemata als mit streng abgegrenzten Stufen und beziehen moralische Motivation sowie Handlungskompetenz stärker ein.


Gesamtbewertung für die Pädagogik

Kohlbergs Modell besitzt bleibenden Wert, weil es die Qualität moralischer Begründungen sichtbar macht, Entwicklung als aktive Konstruktion versteht und dialogische Lernformen fördert. Es bietet eine präzise Sprache, um zwischen Strafe, Eigeninteresse, Beziehungserwartung, gesellschaftlicher Ordnung, Grundrechten und universellen Prinzipien zu unterscheiden.

Seine Grenzen liegen in der Konzentration auf Gerechtigkeitsurteile, der anfänglich eingeschränkten Stichprobe, der schwierigen Verbindung von Urteil und Handeln sowie der Gefahr einer starren oder kulturell einseitigen Hierarchie. Pädagogisch sinnvoll ist daher eine integrative Perspektive: Kohlbergs Analyse moralischen Urteilens wird mit Fürsorgeethik, Empathie, Moralische Motivation, Kulturelle Vielfalt, Partizipation und konkreter Handlungspraxis verbunden.


Fallanalyse für das Pädagogikstudium

Eine Studentin beobachtet im Praktikum, dass ein Jugendlicher bei einer Gruppenarbeit kaum beteiligt wird. Die Fachkraft erklärt, die Gruppe dürfe ihre Mitglieder selbst wählen. Der Jugendliche wirkt verletzt, sagt aber nichts. Die Studentin überlegt, ob sie eingreifen soll.

Analyseperspektive Leitfragen
Strafe und Gehorsam Gibt es eine Regel gegen Ausgrenzung und welche Konsequenz droht?
Instrumenteller Austausch Welchen Nutzen oder Nachteil haben Beteiligte durch Eingreifen?
Interpersonale Beziehungen Was erwarten die Gruppe, die Fachkraft und der Jugendliche von einer guten Praktikantin?
Gesetz und Ordnung Welche institutionellen Pflichten und Schutzaufträge gelten?
Sozialvertrag und Rechte Wie sind Beteiligungsrecht, Selbstbestimmung der Gruppe und Schutz vor Diskriminierung abzuwägen?
Universelle Prinzipien Welche Lösung achtet die gleiche Würde und Teilhabe aller Personen?
Fürsorgeperspektive Welche konkrete Verletzlichkeit, Beziehung und Verantwortung wird sichtbar?
Handlungsperspektive Welche realistische Intervention verbindet Schutz, Dialog und nachhaltige Gruppenentwicklung?

Eine reflektierte Lösung könnte darin bestehen, die Ausgrenzung nicht zu ignorieren, den Jugendlichen vertraulich anzusprechen, die Gruppensituation mit der Fachkraft zu klären und ein transparentes Verfahren zur Beteiligung zu entwickeln. Die Stufenanalyse ersetzt keine professionelle Entscheidung; sie erweitert die Wahrnehmung möglicher Begründungen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was untersucht Kohlbergs Theorie hauptsächlich? (Die Struktur moralischer Begründungen) (!Die angeborene Persönlichkeit) (!Die motorische Entwicklung) (!Die schulische Intelligenzleistung)




Wie viele Hauptniveaus umfasst Kohlbergs klassisches Modell? (Drei) (!Zwei) (!Vier) (!Sechs)




Welche Orientierung gehört zum präkonventionellen Niveau? (Strafe und Gehorsam) (!Sozialvertrag und Rechte) (!Universelle Prinzipien) (!Gesetzgebung durch Parlamente)




Was kennzeichnet die instrumentelle Orientierung? (Eigener Nutzen und wechselseitiger Austausch) (!Unbedingte Achtung universeller Prinzipien) (!Bindung an demokratische Grundrechte) (!Verantwortung für die gesamte Rechtsordnung)




Was steht auf der interpersonalen Stufe im Vordergrund? (Anerkennung und Erwartungen naher Bezugspersonen) (!Vermeidung jeder körperlichen Anstrengung) (!Ablehnung aller sozialen Beziehungen) (!Wissenschaftliche Überprüfung von Gesetzen)




Was kennzeichnet die Orientierung an Gesetz und Ordnung? (Pflichten und Stabilität der gesellschaftlichen Ordnung) (!Nur der persönliche Vorteil) (!Ausschließlich spontane Gefühle) (!Die Ablehnung sämtlicher Regeln)




Wie versteht die Sozialvertragsorientierung Gesetze? (Als begründbare und veränderbare Vereinbarungen) (!Als unveränderliche Naturgesetze) (!Als private Wünsche einzelner Personen) (!Als bedeutungslose Gewohnheiten)




Was ist beim Heinz-Dilemma für die Stufenzuordnung besonders wichtig? (Die Begründung der Entscheidung) (!Die Länge der Antwort) (!Die berufliche Stellung der Person) (!Die Zustimmung zur Mehrheit)




Welche Kritik ist mit Carol Gilligan verbunden? (Die Vernachlässigung von Fürsorge und Beziehungen) (!Die fehlende Untersuchung der Motorik) (!Die Überbetonung musikalischer Fähigkeiten) (!Die Ablehnung jeder Entwicklungsforschung)




Warum garantiert ein hohes moralisches Urteil kein moralisches Handeln? (Weil Motivation und Situation zusätzlich wirken) (!Weil Urteile grundsätzlich bedeutungslos sind) (!Weil moralisches Handeln nur angeboren ist) (!Weil Regeln niemals Verhalten beeinflussen)





Memory

Präkonventionelle Moral Folgen und Eigeninteresse
Konventionelle Moral Beziehungen und gesellschaftliche Ordnung
Postkonventionelle Moral Rechte und universelle Prinzipien
Heinz-Dilemma Konflikt zwischen Eigentum und Lebensrettung
Dilemmadiskussion Austausch begründeter moralischer Positionen
Just Community Demokratisch gestaltete gerechte Gemeinschaft
Carol Gilligan Fürsorgeethische Kritik
James Rest Vier-Komponenten-Modell





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Bestrafungsvermeidung Gehorsamsorientierung
Gegenseitiger Vorteil Instrumentelle Orientierung
Soziale Anerkennung Interpersonale Orientierung
Gesellschaftliche Stabilität Ordnungsorientierung
Begründbare Grundrechte Sozialvertragsorientierung




...


Kreuzworträtsel

Kohlberg Wer entwickelte die bekannte sechsstufige Theorie des moralischen Urteilens?
Dilemma Wie heißt ein Konflikt zwischen schwer vereinbaren moralischen Ansprüchen?
Gehorsam Welcher Begriff kennzeichnet die erste Stufe neben der Straforientierung?
Sozialvertrag Welcher Begriff bezeichnet die Grundlage der fünften Stufe?
Fürsorge Welchen moralischen Schwerpunkt betonte Carol Gilligan?
Gerechtigkeit Welches Prinzip steht im Zentrum von Kohlbergs Theorie?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Kohlbergs Theorie untersucht vor allem die Struktur des moralischen

.
Die drei Hauptniveaus heißen präkonventionell, konventionell und

.
Auf der ersten Stufe orientiert sich eine Person besonders an Strafe und

.
Die zweite Stufe deutet Fairness häufig als wechselseitigen

.
Auf der dritten Stufe werden Anerkennung und soziale

bedeutsam.
Die vierte Stufe betont Pflichten und die gesellschaftliche

.
Auf der fünften Stufe gelten Gesetze als veränderbarer

.
Die sechste Stufe orientiert sich an universellen ethischen

.
Beim Heinz-Dilemma zählt für die Auswertung vor allem die moralische

.
Die Fähigkeit, Sichtweisen anderer einzubeziehen, heißt soziale

.
Eine Dilemmadiskussion soll einen begründeten moralischen

fördern.
Die gerechte und demokratische Schulgemeinschaft bezeichnet Kohlberg als Just

.
Carol Gilligan ergänzte die Gerechtigkeitsperspektive durch eine Ethik der

.
Moralisches Wissen führt nicht automatisch zu moralischem

.
James Rest unterschied vier Komponenten moralischer

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz mit den Wörtern Moral, Norm, Wert, Urteil, Begründung, Dilemma und Perspektivübernahme. Formuliere zu jeder Verbindung einen erklärenden Satz.
  2. Stufenporträt: Wähle eine der sechs Stufen und gestalte eine Lernkarte mit Leitfrage, typischer Begründung, Stärke und möglicher Grenze.
  3. Alltagsdilemma: Beschreibe einen moralischen Konflikt aus Schule, Hochschule, Familie oder digitaler Kommunikation. Stelle mindestens zwei widerstreitende Werte heraus.
  4. Argumentesammlung: Formuliere zum Heinz-Dilemma je drei Gründe für und gegen den Diebstahl. Ordne die Gründe noch nicht den Stufen zu.


Standard

  1. Dilemma-Analyse: Ordne mindestens sechs unterschiedliche Begründungen zu einem selbst gewählten Dilemma den Stufen zu. Begründe jede Zuordnung anhand der Argumentationsstruktur.
  2. Perspektivwechsel: Analysiere einen Konflikt aus der Sicht von mindestens vier Beteiligten. Zeige, wie Rechte, Pflichten, Beziehungen und Folgen unterschiedlich gewichtet werden.
  3. Unterrichtsplanung: Entwirf eine 45-minütige Dilemmadiskussion. Formuliere Lernziele, Gesprächsregeln, Impulsfragen, Moderationsschritte und eine Reflexionsphase.
  4. Kritikvergleich: Vergleiche Kohlbergs Gerechtigkeitsperspektive mit Gilligans Fürsorgeperspektive an einem konkreten Fall. Entwickle eine integrierte Lösung.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Plane eine kleine qualitative Studie zu moralischen Begründungen von Studierenden. Entwickle eine Dilemma-Vignette, Interviewfragen, Auswertungskategorien und forschungsethische Schutzmaßnahmen.
  2. Just-Community-Konzept: Entwickle für eine Schule oder pädagogische Einrichtung ein realistisches Beteiligungsmodell mit Entscheidungskompetenzen, Minderheitenschutz, Konfliktverfahren und Evaluation.
  3. Theoriekritik: Verfasse eine wissenschaftlich strukturierte Kritik des Stufenmodells. Beziehe Stufenlogik, kulturelle Geltung, Geschlecht, Urteil-Handlungs-Lücke und pädagogische Risiken ein.
  4. Transferprojekt: Produziere einen Podcast oder ein Erklärvideo, in dem Du einen aktuellen Konflikt aus Bildung oder Gesellschaft mit Kohlberg, Gilligan und einem weiteren Ansatz analysierst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallrekonstruktion: Analysiere einen Konflikt, in dem eine Schulregel eine einzelne Person benachteiligt. Zeige, wie sich die Bewertung auf der Ordnungsstufe und der Sozialvertragsstufe unterscheidet, und entwickle eine begründete pädagogische Entscheidung.
  2. Urteil und Handlung: Eine Person argumentiert für Menschenrechte, greift bei beobachteter Ausgrenzung aber nicht ein. Erkläre die Diskrepanz mithilfe moralischer Sensibilität, Motivation, Charakter und situativer Einflüsse.
  3. Kulturvergleich: Prüfe an einem Beispiel, ob eine gemeinschaftsorientierte moralische Begründung in Kohlbergs Hierarchie angemessen erfasst wird. Formuliere Kriterien für eine kultursensible Bewertung.
  4. Gerechtigkeit und Fürsorge: Bearbeite ein Dilemma, in dem Gleichbehandlung und besondere Unterstützung einer verletzlichen Person in Spannung stehen. Entwickle eine Lösung, die beide Perspektiven integriert.
  5. Didaktische Entscheidung: Beurteile, ob öffentliche Stufenzuordnungen von Lernenden pädagogisch verantwortbar sind. Berücksichtige Diagnostik, Machtverhältnisse, Beschämungsrisiko und Lernförderung.
  6. Institutioneller Transfer: Entwirf eine Regel für den Einsatz künstlicher Intelligenz in Prüfungsleistungen. Begründe sie aus der Perspektive von Ordnung, Sozialvertrag, universellen Prinzipien und Fürsorge.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen bedeutsam:

  1. Theorierekonstruktion: Du stellst die drei Niveaus, sechs Stufen und ihre Entwicklungslogik fachlich korrekt dar.
  2. Begründungsanalyse: Du ordnest moralische Äußerungen nicht nach dem Ergebnis, sondern anhand ihrer Argumentationsstruktur ein.
  3. Methodenverständnis: Du erklärst Funktion und Grenzen von Dilemma-Interviews und vermeidest vorschnelle Diagnosen.
  4. Kritische Urteilsfähigkeit: Du bewertest empirische, kulturelle, geschlechterbezogene und handlungstheoretische Einwände differenziert.
  5. Pädagogischer Transfer: Du entwickelst ein Lernarrangement, das Perspektivübernahme, Argumentation, Partizipation und moralisches Handeln verbindet.
  6. Wissenschaftliche Arbeitsweise: Du verwendest Fachbegriffe präzise, belegst Aussagen mit geeigneter Literatur und trennst Beschreibung, Analyse und Bewertung.
  7. Reflexion: Du dokumentierst, wie sich Deine eigene moralische Begründung durch Gegenargumente und Perspektivwechsel verändert hat.

Als Lernprodukt eignen sich eine schriftliche Fallanalyse, eine mündliche Prüfung, ein Portfolio, eine ausgearbeitete Dilemmadiskussion oder ein forschungsorientiertes Projekt. Bewertet werden fachliche Richtigkeit, argumentative Tiefe, kritische Reflexion, pädagogische Begründung und transparente Quellenarbeit.




Literatur und Quellen

  1. Lawrence Kohlberg: Essays on Moral Development. Band 1: The Philosophy of Moral Development. Harper & Row, 1981.
  2. Lawrence Kohlberg: Essays on Moral Development. Band 2: The Psychology of Moral Development. Harper & Row, 1984.
  3. Jean Piaget: The Moral Judgment of the Child. Routledge & Kegan Paul, 1932.
  4. Carol Gilligan: In a Different Voice. Psychological Theory and Women's Development. Harvard University Press, 1982.
  5. F. Clark Power, Ann Higgins und Lawrence Kohlberg: Lawrence Kohlberg's Approach to Moral Education. Columbia University Press, 1989.
  6. James Rest, Darcia Narvaez, Muriel Bebeau und Stephen Thoma: Postconventional Moral Thinking. A Neo-Kohlbergian Approach. Lawrence Erlbaum Associates, 1999.


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Der englischsprachige Film bietet eine zusätzliche Visualisierung der sechs Stufen. Nutze ihn vergleichend: Prüfe, wie die englischen Stufenbezeichnungen übersetzt werden und welche Vereinfachungen das Video vornimmt.


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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