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Das bessere Argument gegen den Algorithmus - Jürgen Habermas

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Das bessere Argument gegen den Algorithmus - Jürgen Habermas




Einleitung

Das bessere Argument gegen den Algorithmus verbindet die Diskurstheorie von Jürgen Habermas mit der Frage, wie Algorithmen heute Öffentlichkeit, Meinungsbildung und Demokratie prägen. Jürgen Habermas (1929–2026) war ein deutscher Philosoph, Soziologe und öffentlicher Intellektueller. Besonders bekannt wurde er durch den Strukturwandel der Öffentlichkeit, die Theorie des kommunikativen Handelns, die Diskursethik und seine Theorie der deliberativen Demokratie. In diesem aiMOOC untersuchst Du, warum Habermas für die digitale Gegenwart wichtig bleibt: Eine demokratische Öffentlichkeit soll nicht dadurch funktionieren, dass Aufmerksamkeit technisch gesteuert, emotionalisiert oder wirtschaftlich verwertet wird, sondern dadurch, dass Menschen ihre Gründe austauschen und sich am besseren Argument orientieren.

Das Ausgangsvideo behandelt Habermas und den Strukturwandel der digitalen Öffentlichkeit. Es fragt danach, ob Plattformen, Empfehlungsalgorithmen, soziale Medien und Künstliche Intelligenz die Voraussetzungen demokratischer Kommunikation verändern. Im Zentrum steht eine Spannung: Algorithmen sortieren Informationen nach berechenbaren Kriterien wie Klickwahrscheinlichkeit, Verweildauer, Ähnlichkeit, Relevanz oder Werbung. Demokratische Öffentlichkeit braucht dagegen Gründe, Widerspruch, wechselseitige Anerkennung, Zugangsgerechtigkeit und die Möglichkeit, die eigene Meinung im Licht besserer Argumente zu verändern.

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Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, was Habermas unter Öffentlichkeit, Diskurs, kommunikativem Handeln und Deliberation versteht. Du kannst unterscheiden, wann digitale Kommunikation auf Verständigung ausgerichtet ist und wann sie strategisch, manipulativ oder rein aufmerksamkeitsökonomisch funktioniert. Außerdem kannst Du beurteilen, welche Chancen und Risiken Algorithmen für Medienkompetenz, politische Bildung, digitale Öffentlichkeit und Demokratie mit sich bringen.


Jürgen Habermas: Grundidee des Denkens

Jürgen Habermas gehört zur zweiten Generation der Frankfurter Schule und steht in der Tradition der Kritischen Theorie. Anders als eine bloß pessimistische Gesellschaftskritik sucht Habermas nach den Bedingungen, unter denen moderne Gesellschaften vernünftig, frei und demokratisch handeln können. Für ihn liegt ein entscheidender Maßstab nicht im isolierten Bewusstsein einzelner Personen, sondern in der Sprache: Menschen können Gründe geben, Gründe prüfen, Widerspruch äußern und sich im besten Fall verständigen.

Ein zentrales Motiv lautet: Rationalität entsteht nicht nur durch Berechnung, Kontrolle oder technische Effizienz, sondern durch öffentliche Verständigung. Eine Aussage ist nicht schon deshalb gut, weil sie häufig geklickt, emotional aufgeladen oder algorithmisch empfohlen wird. Sie muss sich im Diskurs bewähren. Das bedeutet: Sie muss verständlich sein, sich auf Tatsachen beziehen, normativ begründbar sein und von einer Sprecherin oder einem Sprecher wahrhaftig vertreten werden.


Kommunikatives Handeln und strategisches Handeln

In der Theorie des kommunikativen Handelns unterscheidet Habermas zwischen kommunikativem Handeln und strategischem Handeln. Beim kommunikativen Handeln wollen Menschen sich über etwas verständigen. Sie nehmen einander als Gesprächspartner ernst und sind bereit, ihre eigenen Aussagen durch Gründe zu rechtfertigen. Beim strategischen Handeln steht dagegen der Erfolg im Vordergrund: Jemand möchte andere beeinflussen, lenken, überzeugen, manipulieren oder zu einem bestimmten Verhalten bringen.

Diese Unterscheidung ist für digitale Plattformen besonders wichtig. Ein Kommentar, der ein Argument liefert, kann Teil eines kommunikativen Handelns sein. Ein manipulativer Beitrag, der nur Empörung auslöst, Daten sammelt oder Aufmerksamkeit erzwingen soll, nähert sich strategischem Handeln. Ein Algorithmus ist nicht automatisch problematisch. Problematisch wird er, wenn er strategische Ziele wie Klicksteigerung, Bindung, Werbung oder politische Beeinflussung so stark macht, dass offene Verständigung verdrängt wird.


Geltungsansprüche: Was macht ein Argument prüfbar?

Habermas beschreibt, dass Kommunikation bestimmte Geltungsansprüche erhebt. Wer etwas sagt, beansprucht in der Regel, dass die Aussage verständlich ist, dass sie sachlich stimmt, dass sie normativ vertretbar ist und dass sie ehrlich gemeint ist. Diese Ansprüche können bestritten werden. Genau darin liegt die Stärke demokratischer Öffentlichkeit: Aussagen dürfen nicht nur erscheinen, sie müssen kritisiert, begründet und verbessert werden können.

  1. Verständlichkeit: Du musst erkennen können, was behauptet wird.
  2. Wahrheit: Die Aussage muss sich an überprüfbaren Tatsachen messen lassen.
  3. Richtigkeit: Eine Norm oder Forderung muss begründbar und für Betroffene zumutbar sein.
  4. Wahrhaftigkeit: Die sprechende Person soll nicht täuschen, sondern aufrichtig kommunizieren.

In einer digitalen Öffentlichkeit werden diese Ansprüche oft geschwächt. Kurze Posts, Memes, Bots, Deepfakes, Clickbait, irreführende Überschriften und personalisierte Feeds können die Prüfung von Gründen erschweren. Habermas hilft Dir, diese Phänomene nicht nur technisch, sondern demokratisch zu bewerten.


Öffentlichkeit bei Habermas

Mit Öffentlichkeit meint Habermas nicht einfach alles, was sichtbar ist. Öffentlichkeit ist ein sozialer Raum, in dem Bürgerinnen und Bürger über Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse sprechen. Sie steht zwischen Privatsphäre, Wirtschaft und Staat. In ihr bildet sich öffentliche Meinung, die auf politische Entscheidungen einwirken kann.

Im Strukturwandel der Öffentlichkeit untersuchte Habermas, wie sich in Europa Formen bürgerlicher Öffentlichkeit herausbildeten. In Kaffeehäusern, Salons, Lesegesellschaften, Zeitungen und politischen Debatten entstand ein Raum, in dem Argumente über Herkunft, Rang und Macht gestellt werden sollten. Dieses Ideal war historisch nie vollständig verwirklicht, denn viele Menschen waren ausgeschlossen. Trotzdem enthält es einen wichtigen demokratischen Maßstab: Nicht Geld, Status, Gewalt oder Reichweite sollen entscheiden, sondern das überzeugendere Argument.


Bürgerliche Öffentlichkeit und ihre Grenzen

Die bürgerliche Öffentlichkeit war bei Habermas kein romantisches Ideal ohne Probleme. Sie war von Anfang an durch soziale Ungleichheit, Bildungsvoraussetzungen, Eigentumsverhältnisse, Geschlechterordnungen und Ausschlüsse geprägt. Viele Gruppen hatten keinen gleichberechtigten Zugang. Deshalb muss die Idee demokratischer Öffentlichkeit heute erweitert werden: Eine gute Öffentlichkeit ist inklusiv, plural, barrierearm, machtkritisch und offen für unterschiedliche Erfahrungen.

Gerade hier zeigt sich der Wert einer kritischen Medienbildung. Wenn digitale Plattformen versprechen, allen eine Stimme zu geben, ist das zunächst eine Chance. Doch Sichtbarkeit ist nicht gleich Teilhabe. Wer viel Reichweite erhält, muss nicht die besseren Gründe haben. Wer leise, differenziert oder benachteiligt ist, kann im algorithmischen Wettbewerb unsichtbar bleiben.


Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit

Mit dem Internet, sozialen Medien und mobilen Endgeräten hat sich Öffentlichkeit erneut verändert. Früher waren Massenmedien wie Zeitung, Radio und Fernsehen zentrale Gatekeeper. Heute können viele Menschen selbst veröffentlichen. Das stärkt Partizipation, kann aber auch Desinformation, Hass, Polarisierung und Aufmerksamkeitskämpfe verstärken. Habermas spricht deshalb von einem neuen Strukturwandel, in dem digitale Plattformen die Grenzen zwischen privat und öffentlich, persönlicher Meinung und politischer Kommunikation, Gespräch und Werbung verschieben.

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Der Algorithmus als Herausforderung

Ein Algorithmus ist zunächst eine endliche, regelhafte Folge von Schritten zur Lösung eines Problems. In digitalen Plattformen werden Algorithmen jedoch häufig als komplexe Empfehlungssysteme eingesetzt. Sie entscheiden nicht wie ein menschlicher Chefredakteur, sondern berechnen Wahrscheinlichkeiten: Welche Inhalte wirst Du anklicken? Welche Videos halten Dich länger? Welche Beiträge lösen Reaktionen aus? Welche Werbung passt zu Deinen Daten? Welche Inhalte ähneln dem, was Du bereits konsumiert hast?

Das ist nicht automatisch schlecht. Algorithmen können Informationsflut ordnen, Suchergebnisse verbessern, Barrieren senken, Moderation unterstützen und relevante Inhalte auffindbar machen. Aus Sicht der Medienethik entsteht das Problem dort, wo die Kriterien der Sortierung undurchsichtig bleiben, wirtschaftliche Interessen dominieren, extreme Inhalte belohnt werden oder demokratische Debatten nur noch nach Aufmerksamkeit statt nach Gründen strukturiert werden.


Aufmerksamkeit statt Verständigung

Digitale Plattformen leben oft davon, dass Menschen möglichst lange auf ihnen bleiben. Diese Aufmerksamkeitsökonomie kann Inhalte bevorzugen, die starke Emotionen auslösen. Empörung, Angst, Spott und Feindbilder verbreiten sich häufig schneller als differenzierte Argumente. Aus Habermas' Perspektive liegt darin ein demokratisches Problem: Öffentlichkeit wird dann nicht durch den zwanglosen Zwang des besseren Arguments geprägt, sondern durch den technischen Druck der aufmerksamkeitsstärkeren Reize.

Das bessere Argument braucht Zeit, Kontext und die Bereitschaft, den anderen als möglichen Gesprächspartner anzuerkennen. Der Algorithmus belohnt dagegen manchmal Kürze, Reiz, Wiederholung, Zuspitzung oder Gruppenidentität. Deshalb lautet die zentrale Frage dieses aiMOOCs: Wie können digitale Räume so gestaltet werden, dass sie nicht nur Aufmerksamkeit maximieren, sondern demokratische Verständigung ermöglichen?


Filterblasen und Echokammern

Eine Filterblase entsteht, wenn Menschen vor allem Inhalte sehen, die zu ihren bisherigen Interessen, Ansichten oder Verhaltensmustern passen. Eine Echokammer entsteht, wenn Gruppen sich wechselseitig bestätigen und abweichende Positionen ausblenden oder abwerten. Beide Begriffe sind nicht identisch, zeigen aber ähnliche Risiken: Die Welt wirkt dann einseitiger, als sie ist. Widerspruch erscheint als feindlich. Komplexe Fragen werden zu Lagerkämpfen.

Aus Habermas' Sicht ist das gefährlich, weil Deliberation auf Begegnung mit anderen Gründen angewiesen ist. Eine demokratische Öffentlichkeit muss Konflikte sichtbar machen, aber sie darf sie nicht in voneinander abgeschottete Empörungsräume verwandeln. Der Wert eines Diskurses zeigt sich nicht darin, dass alle dasselbe denken, sondern darin, dass unterschiedliche Positionen prüfbar, kritisierbar und begründbar bleiben.


Personalisierung und öffentliche Welt

Personalisierung macht digitale Medien bequem. Du bekommst passende Musik, Nachrichten, Videos, Suchergebnisse und Werbung. Doch Demokratie braucht nicht nur personalisierte Relevanz, sondern auch eine gemeinsame öffentliche Welt. Wenn jede Person eine andere Wirklichkeit präsentiert bekommt, wird es schwieriger, gemeinsame Probleme zu erkennen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Habermas würde hier fragen: Können Bürgerinnen und Bürger noch nachvollziehen, warum andere Menschen andere Informationen sehen? Können sie die Kriterien öffentlicher Sichtbarkeit kritisieren? Gibt es transparente Regeln? Gibt es Institutionen, die nicht nur Profitinteressen folgen? Gibt es Räume, in denen Argumente über Gruppen- und Marktlogiken hinaus geprüft werden?


Das bessere Argument gegen den Algorithmus

Der Ausdruck Das bessere Argument gegen den Algorithmus bedeutet nicht, dass alle Algorithmen abgeschafft werden sollen. Er bezeichnet einen Maßstab: Technik muss sich demokratischer Verständigung unterordnen. Algorithmen dürfen öffentliche Kommunikation nicht so formen, dass Menschen nur noch berechnet, beeinflusst oder in Zielgruppen zerlegt werden. In einer deliberativen Demokratie sollen politische Entscheidungen dadurch legitim werden, dass Betroffene ihre Gründe öffentlich austauschen können.

Das bessere Argument ist keine bloße Meinung. Es ist ein Argument, das Kritik aushält, Quellen einbezieht, Gegenargumente ernst nimmt, Begriffe klärt und Folgen bedenkt. Es ist auch nicht automatisch das populärste Argument. Es kann unbequem, langsam, komplex und wenig klickstark sein. Genau deshalb braucht Demokratie Institutionen, Bildung und Medienräume, die mehr fördern als Aufmerksamkeit.


Habermas gegen Technikfeindlichkeit

Ein habermasianischer Blick ist nicht technikfeindlich. Digitale Medien können Öffentlichkeit erweitern: Menschen können Missstände dokumentieren, marginalisierte Stimmen hörbar machen, Wissen teilen, Petitionen starten, lokale Probleme sichtbar machen und internationale Solidarität organisieren. Auch Künstliche Intelligenz kann beim Übersetzen, Strukturieren, Recherchieren oder Barriereabbau helfen.

Entscheidend ist die Frage nach der Gestaltung. Wer kontrolliert die Infrastruktur? Welche Ziele sind eingebaut? Wie transparent sind die Kriterien? Werden Nutzerinnen und Nutzer als Bürgerinnen und Bürger ernst genommen oder nur als Datenquellen, Konsumenten und Zielgruppen? Das bessere Argument verlangt, dass digitale Technik demokratisch verantwortet wird.


Praktische Kriterien für digitale Öffentlichkeit

Eine digitale Öffentlichkeit im Sinne von Habermas müsste mehrere Bedingungen erfüllen. Erstens braucht sie Zugangsgerechtigkeit: Menschen müssen teilnehmen können, ohne durch Bildung, Geld, Sprache, Behinderung oder Technik ausgeschlossen zu werden. Zweitens braucht sie Transparenz: Regeln, Moderation und algorithmische Sortierung müssen erklärbar und kritisierbar sein. Drittens braucht sie Diskursqualität: Beiträge sollen begründet, überprüfbar und respektvoll sein. Viertens braucht sie Schutz: Hass, Drohung, gezielte Manipulation und Desinformation dürfen nicht die Kommunikationsfreiheit anderer zerstören.

Diese Kriterien zeigen, dass Meinungsfreiheit und Verantwortung zusammengehören. Eine freie Öffentlichkeit ist nicht die Abwesenheit aller Regeln. Sie ist ein Raum, in dem Regeln die Möglichkeit von Freiheit, Kritik und Teilhabe schützen.


Anwendung: Wie prüfst Du digitale Beiträge?

Wenn Du einen Beitrag, ein Video oder einen Post beurteilst, kannst Du Habermas als Werkzeug nutzen. Frage nicht nur: Gefällt mir das? Frage auch: Welche Gründe werden genannt? Sind Quellen erkennbar? Werden Gegenargumente fair dargestellt? Wird eine Person abgewertet oder eine Sache diskutiert? Soll ich informiert werden oder nur reagieren? Welche Rolle spielt der Algorithmus dabei, dass mir dieser Inhalt angezeigt wird?

Eine besonders hilfreiche Übung ist der Perspektivwechsel. Stelle Dir vor, Du müsstest den Beitrag in einer öffentlichen Diskussion verteidigen, in der Betroffene anwesend sind. Würdest Du dieselben Worte wählen? Könntest Du die Aussage begründen? Würdest Du Gegenargumente zulassen? Diese Fragen führen vom schnellen Reiz zurück zum besseren Argument.


Beispielanalyse zum Video

Das angegebene Video stellt Habermas in den Zusammenhang der digitalen Öffentlichkeit. Es eignet sich, um drei Ebenen zu unterscheiden. Auf der ersten Ebene geht es um Habermas' Theorie: Öffentlichkeit, Diskurs und demokratische Legitimität. Auf der zweiten Ebene geht es um digitale Plattformen: Personalisierung, algorithmische Sichtbarkeit und private Macht über öffentliche Kommunikation. Auf der dritten Ebene geht es um Deine Urteilskraft: Du sollst nicht nur Inhalte konsumieren, sondern die Bedingungen ihrer Sichtbarkeit mitdenken.

Beim Anschauen kannst Du ein Analyseprotokoll führen. Notiere zuerst die Hauptthese des Videos. Sammle dann Begriffe wie Öffentlichkeit, Algorithmus, Diskurs, Demokratie, Plattform, Filterblase und besseres Argument. Prüfe anschließend, ob das Video selbst Habermas' Anspruch erfüllt: Werden Gründe gegeben? Gibt es Beispiele? Werden Gegenpositionen berücksichtigt? Wird der Algorithmus differenziert erklärt oder nur als Feindbild genutzt?


Transfer in Schule, Ausbildung und Studium

Das Thema eignet sich für Politische Bildung, Philosophie, Ethik, Sozialwissenschaften, Deutsch, Medienbildung und Informatik. In der Schule kann es helfen, Diskussionen über Social Media, Nachrichtenkompetenz und Demokratie zu vertiefen. In der Ausbildung kann es um Kommunikationskultur, Verantwortung, Datenschutz und digitale Arbeitsprozesse gehen. Im Studium bietet das Thema Anknüpfungspunkte an Medientheorie, Demokratietheorie, Soziologie, Künstliche Intelligenz, Ethik der Digitalisierung und Rechtsphilosophie.

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Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was meint Habermas mit Öffentlichkeit im politischen Sinn? (Einen Raum, in dem Menschen über gemeinsame Angelegenheiten diskutieren) (!Einen privaten Chat ohne politische Bedeutung) (!Eine bloße Sammlung von Werbung) (!Eine technische Datenbank ohne Kommunikation)




Was steht beim kommunikativen Handeln im Mittelpunkt? (Verständigung durch Gründe) (!Manipulation durch Druck) (!Maximierung von Klickzahlen) (!Vermeidung jeder Diskussion)




Warum ist der Algorithmus für Habermas' Denken eine Herausforderung? (Weil algorithmische Sichtbarkeit demokratische Verständigung beeinflussen kann) (!Weil Algorithmen immer bewusst politische Meinungen haben) (!Weil jede Berechnung grundsätzlich undemokratisch ist) (!Weil Öffentlichkeit ohne Medien auskommt)




Welche Aussage beschreibt strategisches Handeln am besten? (Andere sollen zur Erreichung eines eigenen Ziels beeinflusst werden) (!Alle Beteiligten suchen gemeinsam nach Wahrheit) (!Ein Argument wird offen zur Prüfung gestellt) (!Unterschiedliche Gruppen erhalten gleiche Redechancen)




Was ist ein zentrales Risiko von Filterblasen? (Menschen begegnen seltener widersprechenden Perspektiven) (!Menschen erhalten automatisch mehr Bildung) (!Alle Inhalte werden vollständig transparent) (!Öffentliche Debatten werden immer sachlicher)




Was bedeutet das bessere Argument in einer Demokratie? (Eine Position überzeugt durch nachvollziehbare Gründe) (!Eine Position gewinnt durch Lautstärke) (!Eine Position setzt sich durch Werbung durch) (!Eine Position gilt, weil sie oft geteilt wird)




Welche Bedingung stärkt digitale Öffentlichkeit? (Transparente und kritisierbare Regeln der Plattformen) (!Völlig unsichtbare Auswahlkriterien) (!Ausschluss aller Gegenmeinungen) (!Reine Orientierung an Verweildauer)




Was gehört zu den Geltungsansprüchen in Habermas' Kommunikationstheorie? (Wahrheit und Richtigkeit) (!Beliebtheit und Geschwindigkeit) (!Lautstärke und Reichweite) (!Gewinn und Unterhaltung)




Warum ist Personalisierung demokratisch ambivalent? (Sie kann nützlich sein, aber gemeinsame öffentliche Wirklichkeit schwächen) (!Sie verhindert jede Form von Manipulation) (!Sie ersetzt politische Bildung vollständig) (!Sie macht alle Informationen automatisch wahr)




Welche Haltung passt am besten zu einem habermasianischen Umgang mit digitalen Medien? (Algorithmen kritisch prüfen und demokratisch gestalten) (!Algorithmen blind ablehnen) (!Jede Plattformentscheidung akzeptieren) (!Politische Debatten nur noch automatisieren)





Memory

Öffentlichkeit Gemeinsamer Diskursraum
Kommunikatives Handeln Verständigung
Strategisches Handeln Einflussnahme
Algorithmus Regelhafte Berechnung
Filterblase Personalisierte Abschottung
Deliberation Beratende Meinungsbildung
Geltungsanspruch Prüfbarkeit einer Aussage
Medienkompetenz Kritische Nutzung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Kommunikatives Handeln Verständigung durch Gründe
Strategisches Handeln Beeinflussung zur Zielerreichung
Öffentlichkeit Raum gemeinsamer Meinungsbildung
Algorithmus Regelhafte Sortierung von Informationen
Filterblase Einseitige personalisierte Informationsumgebung
Deliberation Beratendes Abwägen politischer Argumente
Medienkompetenz Kritisches Prüfen digitaler Inhalte




...


Kreuzworträtsel

Öffentlichkeit Wie nennt Habermas den Raum, in dem Bürgerinnen und Bürger über gemeinsame Angelegenheiten diskutieren?
Algorithmus Wie heißt eine regelhafte Folge von Schritten zur Lösung eines Problems?
Diskurs Wie nennt man eine begründete Auseinandersetzung über strittige Geltungsansprüche?
Vernunft Welcher Begriff steht bei Habermas für begründetes, prüfbares Denken?
Demokratie Welche Staatsform braucht nach Habermas öffentliche Meinungsbildung und Beteiligung?
Plattform Wie nennt man digitale Infrastruktur wie soziale Netzwerke oder Videodienste?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Jürgen Habermas versteht demokratische

als einen Raum, in dem Bürgerinnen und Bürger über gemeinsame Angelegenheiten diskutieren. Beim kommunikativen Handeln steht die

im Mittelpunkt. Beim strategischen Handeln geht es dagegen stärker um

. Ein Algorithmus kann Informationen sortieren und dadurch öffentliche

prägen. Problematisch wird digitale Kommunikation, wenn Aufmerksamkeit wichtiger wird als

. Eine Filterblase kann dazu führen, dass Menschen seltener mit

konfrontiert werden. Habermas' Ideal verlangt, dass Aussagen durch Gründe geprüft und nicht nur durch

bewertet werden. Demokratische Medienbildung stärkt die Fähigkeit, Quellen, Interessen und

kritisch zu prüfen. Das bessere Argument gegen den Algorithmus bedeutet, Technik an Bedingungen freier und gleicher

zu messen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte: Erstelle eine Begriffskarte zu Jürgen Habermas, Öffentlichkeit, Algorithmus, Diskurs und Filterblase und schreibe zu jedem Begriff einen eigenen Beispielsatz.
  2. Videoanalyse: Schaue das Ausgangsvideo an und notiere fünf zentrale Aussagen, die Du mit eigenen Worten erklärst.
  3. Alltagsbeobachtung: Beobachte einen Tag lang, welche Inhalte Dir eine Plattform empfiehlt, und beschreibe, welche Muster Du erkennst.
  4. Argumentprüfung: Wähle einen Social-Media-Beitrag aus und prüfe, ob er Gründe, Quellen und Gegenargumente enthält.


Standard

  1. Diskussionsprotokoll: Führt in der Lerngruppe eine Debatte über die Frage, ob Algorithmen politische Meinungsbildung verzerren, und protokolliert die besten Argumente beider Seiten.
  2. Vergleichsanalyse: Vergleiche eine Nachricht auf einer journalistischen Website mit einem kurzen Social-Media-Post zum gleichen Thema und untersuche Unterschiede bei Kontext, Quellen und Ton.
  3. Plattformregeln: Entwirf fünf Regeln für eine demokratische digitale Plattform, die Habermas' Idee des besseren Arguments stärkt.
  4. Interview: Befrage drei Personen dazu, wie sie Nachrichten online auswählen, und werte aus, welche Rolle Empfehlungen, Freunde, Suchmaschinen und Gewohnheiten spielen.


Schwer

  1. Essay: Schreibe einen argumentativen Essay zur These, dass die digitale Öffentlichkeit weniger am besseren Argument als an Aufmerksamkeit orientiert ist.
  2. Fallstudie: Analysiere ein reales Beispiel für Desinformation, Shitstorm oder algorithmische Empfehlung und bewerte es mit Habermas' Begriffen.
  3. Debattendesign: Entwickle ein Format für eine Online-Diskussion, das faire Redechancen, Quellenprüfung und respektvolle Kritik technisch unterstützt.
  4. Forschungsprojekt: Untersuche über eine Woche, wie unterschiedliche Suchbegriffe oder Nutzerprofile verschiedene Ergebnisse erzeugen, und reflektiere die Folgen für gemeinsame Öffentlichkeit.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferaufgabe Öffentlichkeit: Erkläre an einem selbst gewählten aktuellen Beispiel, wie algorithmische Sichtbarkeit die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen kann.
  2. Urteilsaufgabe Demokratie: Beurteile, ob personalisierte Nachrichtenangebote demokratische Teilhabe eher stärken oder schwächen, und begründe differenziert.
  3. Analyseaufgabe Kommunikation: Unterscheide in einem digitalen Streitgespräch kommunikatives und strategisches Handeln und zeige die Folgen für die Diskursqualität.
  4. Gestaltungsaufgabe Plattform: Entwickle Kriterien für eine Plattform, die das bessere Argument gegenüber bloßer Reichweite bevorzugt.
  5. Reflexionsaufgabe Medienkompetenz: Beschreibe, wie Du Dein eigenes Medienverhalten verändern könntest, um häufiger mit begründeten Gegenpositionen in Kontakt zu kommen.
  6. Vergleichsaufgabe Theorie Praxis: Vergleiche Habermas' Ideal demokratischer Öffentlichkeit mit Deiner Erfahrung in sozialen Medien und erkläre Gemeinsamkeiten und Widersprüche.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zeigst Du, dass Du die zentralen Begriffe nicht nur wiedergeben, sondern anwenden kannst. Wichtig ist eine klare Erklärung von Öffentlichkeit, kommunikativem Handeln, strategischem Handeln, Algorithmus, Filterblase, Deliberation und Geltungsanspruch. Außerdem sollst Du an Beispielen zeigen, wie digitale Plattformen Sichtbarkeit herstellen und warum dies demokratisch relevant ist. Ein guter Lernnachweis enthält eine eigene begründete Position, mindestens ein konkretes digitales Beispiel, eine faire Darstellung von Gegenargumenten und einen Vorschlag, wie digitale Öffentlichkeit demokratischer gestaltet werden kann.




OERs zum Thema


Quellen und weiterführende Informationen

  1. Stanford Encyclopedia of Philosophy: Jürgen Habermas – Wissenschaftlicher Überblick zu Leben, Werk und Theorie.
  2. Max-Planck-Gesellschaft: Jürgen Habermas – a thinker who shaped Germany – Würdigung und Einordnung seines Denkens.
  3. Wikipedia: Jürgen Habermas – Überblick über Biografie, Werke und Wirkung.
  4. Wikipedia: Strukturwandel der Öffentlichkeit – Einführung in Habermas' klassische Öffentlichkeitstheorie.
  5. Deutschlandfunk Kultur: Digitale Plattformen: Manipulation statt Diskussion? – Gespräch zum neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit.
  6. Wikimedia Commons: Jürgen Habermas in Frankfurt 2019 – Frei nutzbares Bildmaterial.
  7. Wikimedia Commons: FilterBubble.svg – Visualisierung zum Thema Echokammer und Filterblase.


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