Ulmer Münster Kunstwerke und Innenraum


Ulmer Münster Kunstwerke und Innenraum
Einleitung
Das Ulmer Münster ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik in Deutschland. Viele Besucherinnen und Besucher denken zuerst an den hohen Westturm, doch der Innenraum ist ebenso wichtig: Hier begegnen Dir Architektur, Skulptur, Holzschnitzerei, Glasmalerei, Malerei, Liturgiegeschichte, Reformation und Denkmalpflege auf engem Raum. Dieser aiMOOC führt Dich durch die wichtigsten Kunstwerke im Innenraum: das Chorgestühl, den Choraltar, die mittelalterlichen Chorfenster, das Sakramentshaus, die Kanzel, die Kapellen, die Wandmalereien, den Taufstein und weitere Ausstattungsstücke.
Du lernst, wie der Raum aufgebaut ist, warum die Ausstattung im Mittelalter entstand, welche Folgen die Reformation für den Innenraum hatte und wie spätere Jahrhunderte das Münster verändert, ergänzt und bewahrt haben. Dabei geht es nicht nur um Namen und Jahreszahlen. Du sollst erkennen, wie Kunstwerke in einem Kirchenraum zusammenwirken: Licht, Höhe, Material, Bildprogramme, Stifterinteressen, Stadtgeschichte und religiöse Nutzung bilden ein Ganzes.
Orientierung im Innenraum
Wenn Du das Ulmer Münster betrittst, nimmst Du zuerst die enorme Höhe des Langhauses, die hellen Steinflächen und die rhythmische Ordnung der Pfeiler wahr. Der Innenraum ist als Basilika gestaltet: Das hohe Mittelschiff wird von niedrigeren Seitenschiffen begleitet. Diese Raumform lenkt Deinen Blick nach Osten zum Chor, wo sich viele der wichtigsten Kunstwerke befinden. Zugleich führen die seitlichen Raumzonen zu Kapellen, Wandbildern, Grabdenkmälern, Konsolen und Fenstern.
Der Innenraum wirkt auf den ersten Blick schlicht, ist aber keineswegs leer. Viele Kunstwerke sind nicht isoliert zu verstehen. Das Chorgestühl steht in Beziehung zum Chorraum, der Hutzaltar zu den Chorfenstern, das Sakramentshaus zur mittelalterlichen Eucharistie, die Kanzel zur reformatorischen Predigt und die modernen Fenster zur Erinnerungskultur des 20. und 21. Jahrhunderts.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die wichtigsten Kunstwerke im Innenraum des Ulmer Münsters benennen und räumlich einordnen. Du kannst erklären, warum das Chorgestühl ein Hauptwerk spätgotischer Holzschnitzkunst ist, welche Bedeutung Sibyllen, Philosophen, Propheten und Apostel im Bildprogramm haben und weshalb der Hutzaltar eine Verbindung von Spätgotik und Renaissance zeigt. Außerdem kannst Du die Bedeutung der Glasmalerei für Licht, Erzählung und Stifterrepräsentation beschreiben. Du lernst, kunsthistorische Beobachtungen mit Fragen nach Glaube, Stadtgeschichte, Handwerk, Material, Restaurierung und Denkmalpflege zu verbinden.
Historischer Hintergrund
Der Bau des Ulmer Münsters begann im Jahr 1377. Die neue Kirche entstand innerhalb der Stadtmauern und war ein bürgerschaftliches Großprojekt. Das ist für das Verständnis des Innenraums entscheidend: Viele Kunstwerke erzählen nicht nur religiöse Geschichten, sondern zeigen auch den Anspruch einer selbstbewussten Stadt. Zünfte, Patrizierfamilien, Ratsherren, Stifterinnen und Stifter beteiligten sich an Ausstattung, Fenstern, Altären und Kapellen.
Das Münster war keine Kathedrale im engeren Sinn, denn es war nie Sitz eines Bischofs. Trotzdem wurde es wegen seiner Größe, künstlerischen Ausstattung und städtischen Bedeutung zu einem der wichtigsten Kirchenbauten Mitteleuropas. Die Baugeschichte reicht vom Mittelalter über die Neuzeit bis in das 19. Jahrhundert. Für den Innenraum besonders wichtig sind die spätmittelalterlichen Jahrzehnte um 1400 bis 1520. In dieser Zeit entstanden bedeutende Glasmalereien, das Chorgestühl, das Sakramentshaus, Altäre, Wandmalereien und zahlreiche Steinmetzarbeiten.
Mittelalter, Reformation und spätere Veränderungen
Vor der Reformation war der Innenraum stärker von Altären, Heiligenbildern, liturgischen Handlungen und der Aufbewahrung der geweihten Hostie geprägt. Der Bildersturm von 1531 führte zu Verlusten und Veränderungen. Mehrere Bildwerke wurden zerstört oder entfernt. Seit der Reformation gewann die Kanzel für den evangelischen Gottesdienst besondere Bedeutung, weil die Predigt im Zentrum stand.
Später wurde der Innenraum immer wieder verändert. Im 19. Jahrhundert kamen im Rahmen der Vollendung des Münsters neue Skulpturen hinzu. Im 20. Jahrhundert spielten Kriegszerstörung, Restaurierung und Neuverglasung eine große Rolle. Besonders die Fenster zeigen, dass das Münster kein abgeschlossenes Museum ist, sondern ein historischer Raum, der bis heute weitergestaltet und gedeutet wird.
Der Chorraum als Zentrum
Der Chor ist der liturgisch und künstlerisch besonders dichte Bereich des Münsters. Hier befinden sich das Chorgestühl, der Hutzaltar, die hohen Chorfenster, das Sakramentshaus und mehrere Kapellen. Der Chor ist nicht nur ein Raumteil, sondern ein Bild- und Bedeutungsraum. Die verschiedenen Kunstwerke bilden ein Ensemble: Holz, Stein, Glas und Malerei erzählen zusammen von biblischer Geschichte, Heiligenverehrung, gelehrter Bildung, bürgerlicher Stiftung und städtischer Identität.
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Das Chorgestühl
Das Chorgestühl des Ulmer Münsters entstand zwischen 1469 und 1474. Es gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Chorgestühlen im deutschsprachigen Raum. Die Schreinerarbeiten werden mit Jörg Syrlin dem Älteren verbunden. An den lebensnahen Büsten und Figuren war nach kunsthistorischer Forschung besonders Michel Erhart beteiligt. Das Werk besteht aus Eichenholz und ist reich mit Baldachinen, Maßwerkformen, Figuren, Inschriften und Sitzdetails gestaltet.
Das Chorgestühl ist mehr als eine Sitzanlage. Es ist ein kunstvoll geordnetes Wissens- und Glaubensprogramm. Auf der einen Seite begegnen Dir berühmte Männer der Antike, darunter Philosophen und Dichter. Auf der anderen Seite erscheinen Sibyllen, also weise Frauen der antiken Überlieferung. Dazu kommen biblische Gestalten, Heilige und weitere Figuren. Diese Verbindung ist besonders spannend: Das Chorgestühl zeigt, dass spätmittelalterliche Kunst nicht nur biblische Themen kennt, sondern auch antike Bildung in ein christliches Deutungssystem einbindet.
Warum das Chorgestühl kunsthistorisch so wichtig ist
Das Chorgestühl verbindet handwerkliche Präzision, räumliche Ordnung und ein anspruchsvolles Bildprogramm. Die geschnitzten Büsten wirken individuell, wach und lebensnah. In ihnen wird der Übergang von der Gotik zur Renaissance sichtbar: Die Figuren gehören noch in einen gotischen Kirchenraum, zeigen aber bereits ein starkes Interesse am Menschen, an Bildung, an Charakter und an antiker Überlieferung.
Wichtig ist auch die Schrift am Gestühl. Die Inschriften gehören zu einer Übergangsform zwischen gotischer und humanistischer Schriftkultur. Damit wird das Chorgestühl zu einem Objekt, an dem Du nicht nur Kunstgeschichte, sondern auch Typografie, Humanismus und Bildungsgeschichte untersuchen kannst.
Der Hutzaltar
Der heutige Choraltar wird häufig Hutzaltar genannt. Er ist ein Heilige-Sippen-Altar und erinnert an den Stifter Laux Hutz. Die Tafelbilder stammen von Martin Schaffner und sind auf 1521 datiert. Der geschnitzte Schrein wird mit der Werkstatt von Niklaus Weckmann verbunden. Dadurch verbindet der Altar zwei künstlerische Welten: Der goldreiche Schrein steht noch stark in der Spätgotik, während die gemalten Tafeln bereits deutlich von der Renaissance geprägt sind.
Der Hutzaltar zeigt, wie Kunst um 1500 zwischen Tradition und Neuerung steht. Die Predella mit dem Abendmahl Jesu verweist auf eine Bildtradition, die auch durch Druckgrafik verbreitet wurde. Die gemalten Figuren und Stifterbezüge zeigen zugleich, wie religiöse Bildprogramme mit sozialem Gedächtnis verbunden waren. Für die Betrachtung ist wichtig: Der Altar ist nicht nur ein religiöses Objekt, sondern auch ein Zeugnis von Stiftung, Familiengedächtnis und künstlerischem Wandel.
Die Chorfenster und die Kunst des Lichts
Die Glasmalerei im Chor gehört zu den kostbarsten Ausstattungen des Ulmer Münsters. Die Fenster stammen im Kern aus dem späten 14. und 15. Jahrhundert. Ihre Wirkung entsteht aus Licht, Farbe, Erzählung und Höhe. Von unten betrachtet wirken die Fenster wie leuchtende Bilderbücher, die biblische Geschichten, Stifterzeichen und theologische Deutungen verbinden.
Zu den wichtigen Fenstern gehören das Fenster der beiden Johannes, das Kramerfenster, das Ratsfenster, das Anna-Marienfenster, das Fenster der fünf Freuden Mariens und das Medaillonfenster. Einige Fenster wurden von Ulmer Werkstätten geschaffen, andere stehen mit führenden Werkstätten aus Städten wie Straßburg in Verbindung. Besonders wichtig ist, dass die Fenster nicht nur schmücken. Sie strukturieren den Chorraum durch farbiges Licht und erzählen von den Stiftern, der Stadt und dem religiösen Selbstverständnis der Zeit.
Lesen von Glasfenstern
Ein mittelalterliches Glasfenster liest Du anders als ein modernes Bild. Viele Szenen sind in Felder gegliedert. Manche Fenster werden von unten nach oben gelesen, andere verbinden mehrere Erzählstränge. Du solltest auf Figuren, Farben, Gesten, Inschriften, Wappen und die räumliche Position achten. Gerade im Ulmer Münster zeigen die Fenster, wie die Stadtgesellschaft ihre Frömmigkeit und ihre Ordnung sichtbar machte.
Das Sakramentshaus
Das Sakramentshaus erhebt sich am Chorbogen. Es wurde zwischen 1467 und 1471 geschaffen und ist über 26 Meter hoch. Vor der Reformation diente ein Sakramentshaus zur Aufbewahrung der geweihten Hostie. Die turmartige Form macht sichtbar, wie wichtig die Eucharistie im mittelalterlichen Kirchenraum war. Es ist aus Stein gearbeitet und wirkt zugleich architektonisch und skulptural.

Das Sakramentshaus zeigt die Verbindung von Architektur und Skulptur besonders deutlich. Es ist wie ein kleiner, extrem filigraner Turm im Kirchenraum. Die senkrechte Bewegung verweist nach oben, während feine Figuren, Maßwerkformen und dekorative Details zur Nahsicht einladen. Damit ist das Sakramentshaus ein idealer Gegenstand, um gotische Raum- und Formprinzipien zu untersuchen.
Die Kanzel und der evangelische Predigtraum
Die Kanzel im Mittelschiff ist für das Verständnis des Innenraums nach der Reformation besonders wichtig. Seit der Reformation wurde der Gottesdienst im Ulmer Münster stark auf die Predigt hin ausgerichtet. Der geschnitzte Schalldeckel stammt von Jörg Syrlin dem Jüngeren und wurde 1510 geschaffen. Die Steinreliefs an der Kanzelbrüstung wurden 1937 von Martin Scheible erneuert, nachdem ältere Teile im Zusammenhang mit dem Bildersturm verloren gegangen waren.
Die Kanzel zeigt, dass Kunstwerke ihre Bedeutung verändern können. Vor der Reformation waren Altar, Sakramentshaus und liturgische Handlungen besonders prägend. Nach der Reformation gewann das gesprochene Wort an Gewicht. Die Kanzel wurde damit zu einem zentralen Ort der Verkündigung. Ihre Höhe, ihr Standort und der Schalldeckel unterstützen die Sichtbarkeit und Hörbarkeit der Predigt.
Kapellen im Chorbereich
Am Chor befinden sich mehrere Kapellen, die nach Persönlichkeiten und Familien der Ulmer Stadtgeschichte benannt sind. Besonders wichtig sind die Bessererkapelle, die Neithartkapelle und die Konrad-Sam-Kapelle. Sie zeigen, wie eng kirchliche Kunst mit städtischem Gedächtnis, Familiengeschichte und Stiftungspraxis verbunden ist.
Die Bessererkapelle ist durch ihre Glasmalerei besonders bemerkenswert. Die Neithartkapelle bewahrt Altäre und Tafeln aus dem spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zusammenhang. Die Konrad-Sam-Kapelle erinnert an den reformatorischen Prediger Konrad Sam. Wer diese Kapellen betrachtet, erkennt: Der Innenraum ist kein einheitlich entstandenes Ganzes, sondern ein über Jahrhunderte gewachsener Erinnerungsraum.
Wandmalerei, Konsolen und Steinmetzkunst
Über dem Chorbogen befindet sich eine große Wandmalerei mit dem Jüngsten Gericht. Solche Darstellungen erinnerten die Menschen im Mittelalter an Verantwortung, Heil, Gericht und Hoffnung. Die Größe und Position über dem Chorbogen machen das Bild zu einem wichtigen Übergang zwischen Kirchenschiff und Chor.
Zu den besonderen Details des Innenraums gehören auch die alten Konsolen an den Mittelpfeilern. Sie sind Beispiele herausragender Steinmetzkunst. Einige werden mit dem sogenannten Reißnadelmeister verbunden, einem anonymen Steinmetz, dessen Zeichen aus gekreuzten Reißnadeln besteht. Solche Details zeigen, dass das Münster nicht nur aus großen Hauptwerken besteht. Auch kleine Formen, Gesichter, Blätter, Tiere und Zeichen erzählen vom Können der Werkstätten.
Taufstein, Weihwasserbecken und liturgische Orte
Der Taufstein und das Weihwasserbecken gehören zu den liturgischen Ausstattungsstücken. Der Taufstein steht für den Beginn des christlichen Lebensweges. Seine Form, sein Standort und seine figürlichen Details verweisen auf die Bedeutung der Taufe. Das Weihwasserbecken erinnert an Reinigung, Erinnerung an die Taufe und rituelle Vorbereitung.
Für die Analyse solcher Ausstattungsstücke ist wichtig, nicht nur nach dem Aussehen zu fragen. Du solltest auch überlegen, wie Menschen diese Objekte genutzt haben. Ein Kirchenraum ist ein Handlungsraum: Man geht, steht, hört, singt, schaut, betet, wird getauft, empfängt Segen oder erinnert sich an Verstorbene. Kunstwerke sind deshalb Teil religiöser Praxis.
Moderne Fenster und Denkmalpflege
Die Geschichte des Innenraums endet nicht im Mittelalter. Viele Fenster des 19. Jahrhunderts wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Danach wurden zunächst schlichte Notverglasungen eingesetzt. Schrittweise entstanden im 20. und 21. Jahrhundert neue künstlerische Fenster. Künstler wie Rudolf Yelin der Jüngere, Wilhelm Geyer, Hans Gottfried von Stockhausen, Wolf-Dieter Kohler, Valentin Peter Feuerstein, Johannes Schreiter und Thomas Kuzio stehen für unterschiedliche Formen moderner Glasgestaltung im Münster.
Besonders interessant ist, dass moderne Fenster alte Themen neu deuten. Sie greifen Fragen von Krieg, Frieden, Wissenschaft, Verantwortung, Schöpfung und Hoffnung auf. Damit zeigt der Innenraum, wie ein historischer Kirchenbau auch gegenwärtige Themen aufnehmen kann. Denkmalpflege bedeutet deshalb nicht nur Bewahren, sondern auch verantwortliches Weitergestalten.
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Kunstgeschichtliche Grundbegriffe
Gotik
Die Gotik ist eine Epoche der europäischen Kunst und Architektur. Im Ulmer Münster erkennst Du gotische Formen an Spitzbögen, hohen Räumen, Gewölben, Maßwerk, schlanken Pfeilern, filigranen Steinformen und einer starken Ausrichtung nach oben. Im Innenraum wird die gotische Wirkung besonders durch Höhe, Licht und rhythmische Wiederholung erzeugt.
Spätgotik
Die Spätgotik zeigt oft besonders reiche Formen. Im Ulmer Münster betrifft das vor allem das Chorgestühl, das Sakramentshaus, Maßwerkformen, Baldachine und feine Schnitz- oder Steinmetzdetails. Spätgotische Kunst wirkt häufig beweglich, kleinteilig und kunstvoll verschlungen.
Renaissance und Humanismus
Die Renaissance wird im Ulmer Münster besonders am Hutzaltar und am Figurenverständnis des Chorgestühls sichtbar. Der Humanismus zeigt sich in der Wertschätzung antiker Autoren, Gelehrter und Sibyllen. Dadurch entsteht eine Brücke zwischen christlicher Tradition und antiker Bildung.
Ikonographie
Ikonographie bedeutet die Lehre von Bildmotiven und ihrer Bedeutung. Wenn Du ein Glasfenster, einen Altar oder eine geschnitzte Figur untersuchst, fragst Du: Wer ist dargestellt? Woran erkenne ich die Person? Welche Symbole, Gesten, Farben oder Attribute helfen bei der Deutung? Im Ulmer Münster ist ikonographisches Sehen besonders wichtig, weil viele Kunstwerke aus komplexen Bildprogrammen bestehen.
Methode: Kunstwerke im Innenraum untersuchen
Um ein Kunstwerk im Innenraum des Ulmer Münsters zu analysieren, kannst Du in fünf Schritten vorgehen.
- Erster Eindruck: Beschreibe, was Dir sofort auffällt, zum Beispiel Größe, Material, Farbe, Licht, Standort oder Figuren.
- Formanalyse: Untersuche Linien, Formen, Raumwirkung, Komposition, Details und handwerkliche Technik.
- Ikonographie: Bestimme Personen, Symbole, Szenen, Inschriften und mögliche Erzählungen.
- Kontext: Verbinde das Kunstwerk mit Baugeschichte, Stiftung, Liturgie, Reformation oder Denkmalpflege.
- Deutung: Erkläre, welche Wirkung und Bedeutung das Kunstwerk im gesamten Innenraum hat.
Zusammenfassung
Der Innenraum des Ulmer Münsters ist ein vielschichtiger Lernort. Das Chorgestühl zeigt spätgotische Holzkunst, antike Bildung und christliche Deutung. Der Hutzaltar verbindet Spätgotik und Renaissance. Die Chorfenster verwandeln Licht in Erzählung. Das Sakramentshaus macht die mittelalterliche Bedeutung der Eucharistie sichtbar. Die Kanzel zeigt den Wandel durch die Reformation. Kapellen, Konsolen, Wandmalereien, Taufstein und moderne Fenster ergänzen den Raum zu einem dichten kunst- und kulturgeschichtlichen Ensemble. Wer den Innenraum aufmerksam betrachtet, entdeckt nicht nur einzelne Kunstwerke, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Gespräch zwischen Glauben, Stadt, Kunst, Handwerk und Erinnerung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Kunstwerk im Ulmer Münster entstand zwischen 1469 und 1474 und ist besonders für seine Holzschnitzerei bekannt? (Chorgestühl) (!Sakramentshaus) (!Taufstein) (!Weihwasserbecken)
Mit welchem Künstler wird die Schreinerarbeit am Chorgestühl besonders verbunden? (Jörg Syrlin der Ältere) (!Albrecht Dürer) (!Hans Holbein) (!Peter Parler)
Welche Figurengruppe erscheint im Chorgestühl neben antiken Philosophen besonders prominent? (Sibyllen) (!Römische Kaiser) (!Osmanische Sultane) (!Nordische Götter)
Wie heißt der Choraltar, der auch als Heilige Sippen Altar bekannt ist? (Hutzaltar) (!Isenheimer Altar) (!Paumgartneraltar) (!Marienretabel von Krakau)
Von welchem Maler stammen die Tafelbilder des Hutzaltars aus dem Jahr 1521? (Martin Schaffner) (!Michelangelo) (!Lucas Cranach der Jüngere) (!Caspar David Friedrich)
Welches Kunstwerk diente vor der Reformation zur Aufbewahrung der geweihten Hostien? (Sakramentshaus) (!Orgelempore) (!Tympanon) (!Chorgestühl)
Welche Kunstform prägt die hohen Fenster im Chor besonders? (Glasmalerei) (!Mosaik) (!Freskotechnik auf Leinwand) (!Bronzeguss)
Warum gewann die Kanzel nach der Reformation besondere Bedeutung? (Die Predigt rückte stärker in den Mittelpunkt) (!Der Turm wurde abgetragen) (!Alle Fenster wurden entfernt) (!Das Chorgestühl wurde als Orgel genutzt)
Welche Epoche ist für Spitzbogen, Maßwerk und starke Höhenwirkung besonders kennzeichnend? (Gotik) (!Barock) (!Klassizismus) (!Jugendstil)
Was untersucht die Ikonographie bei einem Kunstwerk? (Bildmotive und ihre Bedeutung) (!Die genaue Raumtemperatur) (!Die Eintrittspreise) (!Die Lautstärke der Orgel)
Memory
| Chorgestühl | Spätgotische Holzschnitzkunst |
| Hutzaltar | Heilige Sippe und Renaissance Malerei |
| Sakramentshaus | Aufbewahrung der geweihten Hostien |
| Chorfenster | Farbige biblische Lichtbilder |
| Kanzel | Ort der Predigt |
| Bessererkapelle | Stifterkapelle im Chorbereich |
| Reißnadelmeister | Steinmetz mit Werkzeichen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Chorgestühl | Holzschnitzkunst und gelehrtes Bildprogramm |
| Hutzaltar | Verbindung von Spätgotik und Renaissance |
| Sakramentshaus | Mittelalterliche Eucharistie und Aufbewahrung |
| Kanzel | Reformatorische Predigt und Verkündigung |
| Chorfenster | Licht, Farbe und biblische Erzählung |
| Kapellen | Stiftung, Familie und Stadtgedächtnis |
Kreuzworträtsel
| Syrlin | Welcher Familienname ist besonders mit dem Chorgestühl verbunden? |
| Erhart | Welcher Bildhauer wird mit lebensnahen Büsten am Chorgestühl verbunden? |
| Schaffner | Welcher Maler schuf die Tafelbilder des Hutzaltars? |
| Gotik | Welche Kunstepoche prägt Raumhöhe, Spitzbogen und Maßwerk? |
| Kanzel | Von welchem erhöhten Ort aus wird gepredigt? |
| Sakramentshaus | Welches turmartige Kunstwerk diente der Hostienaufbewahrung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Innenraum beobachten: Betrachte ein Foto des Ulmer Münsterinnenraums und notiere zehn Dinge, die Dir zu Raumhöhe, Licht, Material, Farben und Blickrichtung auffallen.
- Kunstwerk-Steckbrief: Erstelle einen Steckbrief zum Chorgestühl, Hutzaltar, Sakramentshaus oder zur Kanzel mit Material, Entstehungszeit, Funktion und Wirkung.
- Bildbeschreibung: Beschreibe ein ausgewähltes Detail aus dem Chorgestühl so genau, dass eine andere Person es zeichnen könnte.
- Begriffskarten: Gestalte Karten zu den Begriffen Gotik, Chorgestühl, Sakramentshaus, Kanzel, Glasmalerei und Ikonographie.
Standard
- Raumplan erstellen: Zeichne einen einfachen Grundriss des Innenraums und markiere Chor, Langhaus, Seitenschiffe, Chorgestühl, Kanzel, Choraltar und Sakramentshaus.
- Fenster lesen: Wähle ein Glasfenster aus und erkläre, wie Bildfelder, Farben, Figuren und Stifterzeichen zusammenwirken.
- Vergleichsaufgabe: Vergleiche die Funktion von Hutzaltar und Kanzel und erkläre, wie sich daran der Wandel von mittelalterlicher Frömmigkeit zur reformatorischen Predigtkultur zeigt.
- Audioguide: Schreibe einen zweiminütigen Audioguide für Jugendliche zu einem Kunstwerk im Innenraum.
Schwer
- Kuratorisches Konzept: Entwickle eine kleine Ausstellung mit fünf Stationen zum Thema Kunstwerke und Innenraum des Ulmer Münsters und begründe die Reihenfolge.
- Forschungsfrage: Untersuche, wie bürgerliche Stiftung, Stadtidentität und religiöse Kunst im Ulmer Münster zusammenhängen.
- Denkmalpflege-Debatte: Führe eine Pro-und-Contra-Diskussion zur Frage, ob moderne Fenster in einem gotischen Kirchenraum eine Bereicherung oder ein Eingriff sind.
- Vergleich mit anderer Kirche: Vergleiche den Innenraum des Ulmer Münsters mit einer anderen gotischen Kirche und arbeite Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede bei Licht, Ausstattung und Raumwirkung heraus.

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Lernkontrolle
- Raum und Bedeutung: Erkläre, warum der Chorraum des Ulmer Münsters als Zusammenspiel von Architektur, Glasmalerei, Holzschnitzerei und Liturgie verstanden werden muss.
- Wandel durch Reformation: Zeige an Kanzel, Altar und Sakramentshaus, wie sich religiöse Schwerpunkte durch die Reformation veränderten.
- Material und Wirkung: Vergleiche die Wirkung von Holz, Stein und Glas im Innenraum und erläutere, wie jedes Material eine andere Art von Wahrnehmung erzeugt.
- Stadt und Stiftung: Analysiere, warum die Kunstwerke des Ulmer Münsters auch als Ausdruck bürgerlicher Stadtgeschichte gelesen werden können.
- Historisch und modern: Beurteile, wie moderne Glasfenster in einem mittelalterlichen Kirchenraum alte Themen weiterführen oder neu deuten.
- Transfer: Entwirf für eine heutige Stadt ein Kunstwerk für einen öffentlichen Innenraum und erkläre, welche Werte, Konflikte oder Hoffnungen es sichtbar machen soll.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zum Thema Ulmer Münster: Kunstwerke und Innenraum solltest Du zeigen, dass Du nicht nur einzelne Kunstwerke benennen kannst, sondern ihre Zusammenhänge verstehst.
- Fachwissen: Du benennst zentrale Kunstwerke wie Chorgestühl, Hutzaltar, Chorfenster, Sakramentshaus und Kanzel korrekt.
- Raumverständnis: Du erklärst, wie Langhaus, Chor, Seitenschiffe und Kapellen die Wahrnehmung der Kunstwerke beeinflussen.
- Bilddeutung: Du nutzt ikonographische Hinweise wie Figuren, Attribute, Inschriften, Wappen und biblische Szenen.
- Historischer Kontext: Du beziehst Mittelalter, Reformation, Bildersturm, Neuverglasung und Denkmalpflege sinnvoll ein.
- Analysefähigkeit: Du untersuchst Material, Form, Licht, Funktion und Wirkung eines Kunstwerks systematisch.
- Transferleistung: Du überträgst Deine Erkenntnisse auf andere Kirchenräume, Museumsräume oder öffentliche Erinnerungsorte.
- Gestaltung: Du präsentierst Deine Ergebnisse klar, anschaulich und quellenbewusst, zum Beispiel als Referat, Audioguide, Plakat, Video, Podcast oder digitales Portfolio.
OERs zum Thema
Weitere freie Medien und Rechercheorte
- Wikimedia Commons: Recherchiere Bilder in den Kategorien zum Innenraum, Chorgestühl, Sakramentshaus, Choraltar, Kanzel und den Glasfenstern des Ulmer Münsters.
- Wikipedia: Nutze den Artikel zum Ulmer Münster als Einstieg und überprüfe Einzelinformationen mit weiteren Fachquellen.
- Corpus Vitrearum: Informiere Dich über mittelalterliche Glasmalerei und die kunsthistorische Einordnung der Chorfenster.
- Offizielle Münsterseite: Vergleiche Rundgangsinformationen mit eigenen Beobachtungen und Bildanalysen.
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