Original und Kopie bei Restaurierungen des Ulmer Münsters


Original und Kopie bei Restaurierungen des Ulmer Münsters
Einleitung
Original und Kopie bei Restaurierungen des Ulmer Münsters ist ein spannendes Thema der Denkmalpflege, weil es Dich mitten in eine Grundfrage kultureller Verantwortung führt: Soll ein historisches Werk möglichst unverändert im Freien bleiben, auch wenn Witterung, Schadstoffe und Materialermüdung es zerstören können? Oder darf eine Kopie an seine Stelle treten, damit das Original geschützt wird? Am Ulmer Münster lässt sich diese Frage besonders gut untersuchen, weil dort seit Jahrhunderten gebaut, erhalten, repariert, ergänzt, dokumentiert und vermittelt wird.
Das Ulmer Münster wurde ab 1377 als große städtische Pfarrkirche begonnen. Die heutige Münsterbauhütte steht in der Tradition jener mittelalterlichen Bauhütte, in der Steinmetze, Baumeister und Handwerker ihr Wissen weitergaben. Der Bau ruhte ab 1543 für ungefähr drei Jahrhunderte und wurde ab 1844 wieder aufgenommen. Am 31. Mai 1890 wurde das Münster mit der Kreuzblume des Westturms vollendet. Der 161,53 Meter hohe Turm war lange Zeit der höchste Kirchturm der Welt und prägt bis heute das Stadtbild von Ulm. Für diesen aiMOOC ist aber nicht nur die Höhe wichtig, sondern die Frage, wie ein solches Bauwerk als historisches Zeugnis erhalten bleibt.
Die Begriffe Original und Kopie wirken zunächst einfach. Ein Original ist das überlieferte Werk selbst: ein Stein, eine Figur, ein Relief, eine Oberfläche, eine Farbfassung oder ein Bauteil, das aus einer bestimmten historischen Zeit stammt. Eine Kopie ist eine nachgebildete Form, die ein Original ersetzen, schützen, erklären oder sichtbar halten kann. In der Restaurierung ist eine Kopie jedoch nie bloß eine „Fälschung“. Sie kann ein bewusstes Schutzinstrument sein. Entscheidend ist, dass die Kopie kenntlich, begründet und dokumentiert ist.
Das Ulmer Münster als Denkmal
Das Ulmer Münster ist ein gotischer Sakralbau und zugleich ein städtisches Erinnerungszeichen. Es verbindet Architektur, Kunstgeschichte, Religion, Handwerk, Stadtgeschichte und Bürgergesellschaft. Weil es über Jahrhunderte entstanden ist, besteht es nicht aus einer einzigen „ursprünglichen“ Zeitschicht. Es enthält mittelalterliche Bauteile, neugotische Ergänzungen des 19. Jahrhunderts, Spuren von Kriegszerstörung, Reparaturen, moderne Sicherungen und heutige Restaurierungsmaßnahmen.
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Gerade deshalb ist die Frage nach dem Original kompliziert. Ist nur der mittelalterliche Stein original? Oder auch eine Ergänzung aus dem 19. Jahrhundert, die selbst längst historisch geworden ist? Darf eine schadhafte Figur ersetzt werden, wenn das Original dadurch bewahrt wird? Soll eine Ergänzung möglichst unsichtbar sein oder als Eingriff erkennbar bleiben? Solche Fragen zeigen: Authentizität bedeutet in der Denkmalpflege nicht, dass ein Gebäude wie neu aussieht. Authentisch ist ein Denkmal, wenn seine Geschichte, seine Materialien, seine Spuren und seine Veränderungen nachvollziehbar bleiben.
Die Münsterbauhütte als Ort lebendigen Wissens
Die Münsterbauhütte Ulm ist für den Erhalt des Steinwerks am Münster zentral. Sie arbeitet mit traditionellen Steinmetztechniken, mit genauer Beobachtung des Materials und mit modernen Methoden wie Vermessung, Kartierung, Laboruntersuchung und digitaler Dokumentation. Das Bauhüttenwesen wurde 2020 als gutes Praxisbeispiel zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes in das internationale Register der UNESCO aufgenommen. Die Ulmer Bauhütte gehört zu den beteiligten europäischen Bauhütten.
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Für das Thema Original und Kopie ist die Bauhütte wichtig, weil dort die praktische Entscheidung vorbereitet wird: Welcher Stein kann konserviert werden? Wo genügt eine Reinigung? Wo muss eine Fuge gesichert werden? Wo ist eine Ergänzung nötig? Wo muss ein Werkstück vollständig ersetzt werden? Die Arbeit an einem Kulturdenkmal ist also nicht nur handwerklich, sondern auch ethisch, wissenschaftlich und pädagogisch.
Original, Kopie und Denkmalpflege
Was ist ein Original?
Ein Original ist im engeren Sinn ein materiell überliefertes Werk oder Werkteil aus seiner Entstehungszeit. Beim Ulmer Münster kann das ein mittelalterlicher Sandstein, ein Kalkstein am Portal, eine historische Farbfassung, ein Relief, eine Skulptur oder ein alter Werkstein sein. Originalität ist aber nicht nur eine Frage des Alters. Auch ein Bauteil aus der Vollendungsphase des 19. Jahrhunderts kann Denkmalwert besitzen, weil es zur Baugeschichte des Münsters gehört.
Das Original trägt Spuren: Patina, Risse, Werkzeugspuren, Verwitterung, alte Reparaturen, Farbreste, historische Brüche oder Spuren früherer Restaurierungen. Diese Spuren sind keine bloßen Schäden. Sie können Informationen über Herstellung, Nutzung, Glaubensgeschichte, Umweltbedingungen und frühere Denkmalvorstellungen enthalten. Wer ein Original bearbeitet, bearbeitet deshalb auch eine Quelle.
Was ist eine Kopie?
Eine Kopie ist eine Nachbildung, die auf einem Vorbild beruht. In der Denkmalpflege kann sie unterschiedliche Aufgaben haben. Sie kann ein gefährdetes Original im Außenraum ersetzen, sie kann ein verlorenes Teil anschaulich machen, sie kann für Ausstellungen oder Bildung genutzt werden, oder sie kann helfen, eine historische Gesamterscheinung zu erhalten. Entscheidend ist, dass die Kopie nicht verschleiert, was sie ist.
Eine gute Kopie ist daher nicht einfach „neu gemacht“. Sie entsteht durch genaue Untersuchung des Originals, durch Vermessung, Abformung, fotografische Dokumentation, Materialkenntnis und handwerkliche Übersetzung. Dennoch bleibt sie eine Kopie. Sie besitzt nicht dieselbe historische Materialität wie das Original, kann aber eine wichtige Schutz- und Vermittlungsfunktion übernehmen.
Restaurierung, Konservierung und Rekonstruktion
Die Begriffe Restaurierung, Konservierung und Rekonstruktion werden oft verwechselt. Konservierung bedeutet vor allem Sicherung und Erhaltung der vorhandenen Substanz. Restaurierung kann darüber hinaus Reinigung, Stabilisierung, Ergänzung und behutsame Wiederherstellung lesbarer Zusammenhänge umfassen. Rekonstruktion bedeutet die Wiederherstellung eines nicht mehr vorhandenen Zustands auf Grundlage von Quellen, Befunden und Vergleichen.
Am Ulmer Münster treffen diese Prinzipien immer wieder aufeinander. Wird ein Stein gereinigt, bleibt das Original erhalten. Wird ein beschädigtes Detail ergänzt, entsteht ein neuer Eingriff in den historischen Bestand. Wird eine Figur nachgebildet und das Original geschützt im Inneren gezeigt, entsteht eine bewusste Trennung von historischem Material und äußerer Erscheinung.
Beispiel 1: Der Schmerzensmann von Hans Multscher
Der bekannteste Fall für das Verhältnis von Original und Kopie am Ulmer Münster ist der Schmerzensmann von Hans Multscher. Die Christusfigur ist auf 1429 datiert und gilt als ein Hauptwerk spätgotischer Skulptur. Sie stand am Hauptportal des Münsters, also an einem Ort, an dem sie Wind, Regen, Frost, Temperaturwechseln, Schmutz und Abgasen ausgesetzt war.
Im Zuge der Restaurierung in den 1970er Jahren wurde die Figur abgenommen, konserviert und geschützt. Heute steht am Hauptportal eine Kopie, während das Original im Inneren des Münsters aufbewahrt und gezeigt wird. Diese Entscheidung macht den Grundkonflikt anschaulich: Das Portal bleibt in seiner Bildwirkung verständlich, aber die originale Substanz wird aus der zerstörerischen Außenumgebung herausgenommen.
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Für die Denkmalpflege ist dieser Fall besonders lehrreich. Die Kopie ist nicht wertlos, denn sie bewahrt die Sichtbarkeit des Bildprogramms am Portal. Das Original ist aber unersetzlich, weil es die historische Oberfläche, die Materialspuren und die künstlerische Handschrift trägt. Die didaktische Aufgabe besteht darin, beide nicht gegeneinander auszuspielen. Du sollst verstehen: Eine Kopie kann dem Original dienen, wenn sie Schutz, Erkennbarkeit und Vermittlung ermöglicht.
Denkmalpflegerische Leitfrage zum Schmerzensmann
Beim Schmerzensmann geht es nicht nur um Technik, sondern um Verantwortung. Wenn das Original am Außenportal geblieben wäre, hätte es weiter an Substanz verlieren können. Wenn aber nur eine Kopie sichtbar ist, müssen Besucherinnen und Besucher erfahren, dass sie eine Nachbildung sehen. Deshalb gehören Beschriftung, Führung, Dokumentation und Bildungsarbeit zur Restaurierung dazu.
Die wichtigste Frage lautet: Wie viel materielle Echtheit braucht ein Ort, und wie viel Schutz braucht ein einmaliges Kunstwerk? Am Ulmer Münster wurde eine Lösung gewählt, die das Original bewahrt und die ursprüngliche Bildfunktion am Portal durch eine Kopie verständlich hält.
Beispiel 2: Das Grundsteinlegungsrelief
Ein weiteres Beispiel ist das Grundsteinlegungsrelief des Ulmer Münsters. Es zeigt den Zusammenhang zwischen Bürgerschaft, Bauverantwortung und religiöser Stiftung. Am Brautportal befindet sich eine Kopie; das Original wurde im 19. Jahrhundert ausgetauscht, um es vor Verwitterung zu schützen. Dieser Fall zeigt, dass die Idee der Schutzkopie nicht neu ist.

Das Grundsteinlegungsrelief führt außerdem in ein sensibles historisches Thema. Bei dem Original zeigte sich, dass es auf der Rückseite eines mittelalterlichen jüdischen Grabsteins gearbeitet wurde. Damit wird ein einzelner Stein zu einem komplexen historischen Zeugnis: Er erzählt nicht nur von der Gründung des Münsters, sondern auch von der Geschichte jüdischen Lebens in Ulm, von Gewalt, Umwidmung und späterer Erinnerung. Die Kopie am Portal schützt also nicht nur ein Kunstwerk, sondern macht auch den Umgang mit einem schwierigen Original notwendig.
Originale als Quellen schwieriger Geschichte
Denkmalpflege bedeutet nicht, nur schöne Oberflächen zu bewahren. Sie muss auch unbequeme Befunde ernst nehmen. Wenn ein Bauteil Spuren von Ausgrenzung, Enteignung oder religiösem Konflikt enthält, darf die Restaurierung diese Spuren nicht glätten. Das Original ist dann eine Quelle historischer Verantwortung. Eine Kopie kann den historischen Ort sichtbar halten, aber sie darf die Bedeutung des Originals nicht verdecken.
Beispiel 3: Steinersatz am Münster
Am Ulmer Münster werden immer wieder einzelne Werksteine gereinigt, gesichert, ergänzt oder ersetzt. Besonders an Türmen, Fialen, Maßwerk, Wasserspeiern und Portalen wirken Frostsprengung, Feuchtigkeit, Salzbelastung, Luftschadstoffe und mechanische Spannungen auf den Stein. Manche Schadstellen können konserviert werden. Andere müssen ersetzt werden, wenn die Standsicherheit oder die Form gefährdet ist.
Bei einem Steinersatz entsteht eine neue Form nach historischem Vorbild. Der neue Stein ist nicht das Original, aber er übernimmt eine bauliche und gestalterische Aufgabe. Gute Denkmalpflege versucht dabei, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Sie greift nur dort stärker ein, wo Erhaltung ohne Ergänzung nicht mehr möglich wäre. Wichtig sind Materialverträglichkeit, handwerkliche Qualität, Dokumentation und die Erkennbarkeit des Eingriffs im fachlichen Nachweis.
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Reinigung ist kein Neumachen
Bei Restaurierungen wird häufig gereinigt. Das bedeutet jedoch nicht, ein Denkmal in einen makellos neuen Zustand zu versetzen. Schmutzkrusten können den Stein schädigen und müssen entfernt werden. Gleichzeitig kann eine Oberfläche historische Spuren enthalten, die nicht verloren gehen dürfen. Restauratorinnen und Restauratoren unterscheiden daher zwischen schädlichen Ablagerungen, erhaltenswerter Patina und historischen Farbresten.
Gerade an mittelalterlichen Portalen ist das wichtig. Eine zu aggressive Reinigung kann die Oberfläche zerstören. Eine zu zögerliche Reinigung kann Schäden fortschreiten lassen. Deshalb wird zunächst untersucht, kartiert und getestet. Erst danach wird entschieden, welche Maßnahme vertretbar ist.
Beispiel 4: Das Große Marienportal
Das Große Marienportal auf der Südseite des Ulmer Münsters zeigt Szenen aus dem Marienleben und gehört zu den bedeutenden Portalensembles des Baus. Bei der Restaurierung eines solchen Portals geht es nicht darum, einen vermeintlich „perfekten“ mittelalterlichen Zustand zu erfinden. Vielmehr müssen der erhaltene Bestand, spätere Ergänzungen, Farbreste, Oberflächenschäden und frühere Restaurierungen gemeinsam bewertet werden.
Dieses Beispiel zeigt: Nicht jede Restaurierung führt zu einer Kopie. Oft ist das Ziel gerade, das Original einschließlich seiner historischen Veränderungen zu bewahren. Eine Ergänzung kann notwendig sein, aber sie darf nicht zur freien Neuschöpfung werden. Auch jüngere Überarbeitungen können Teil der Geschichte sein, wenn sie selbst Denkmalwert besitzen oder wichtige Informationen über frühere Restaurierungsauffassungen liefern.
Denkmalpflege als Entscheidungskultur
Restaurierung ist keine mechanische Reparatur. Sie ist eine Entscheidungskultur. Fachleute wägen ab, welche Werte im Konflikt stehen: materielle Substanz, künstlerische Wirkung, Lesbarkeit, Sicherheit, religiöse Nutzung, wissenschaftliche Aussage, öffentliche Vermittlung und finanzielle Machbarkeit.
Am Ulmer Münster werden solche Entscheidungen besonders sichtbar, weil das Bauwerk zugleich Kirche, Kulturdenkmal, touristischer Ort, Forschungsgegenstand und Identitätszeichen der Stadt ist. Deshalb müssen Restaurierungen transparent sein. Eine Kopie darf nicht so tun, als sei sie das Original. Ein Original darf nicht aus falsch verstandener Ehrfurcht weiter zerstört werden. Eine Ergänzung darf nicht mehr Geschichte vortäuschen, als sie besitzt.
Kriterien für den Umgang mit Original und Kopie
- Substanzerhalt: Möglichst viel historisches Material soll erhalten bleiben, weil es nicht wiederherstellbar ist.
- Dokumentation: Jede Maßnahme muss nachvollziehbar festgehalten werden, damit spätere Generationen den Eingriff verstehen.
- Reversibilität: Eingriffe sollen möglichst so ausgeführt werden, dass sie später ohne großen Schaden überprüft oder zurückgenommen werden können.
- Materialgerechtigkeit: Neue Materialien müssen mit alten Materialien verträglich sein.
- Erkennbarkeit: Ergänzungen und Kopien sollen fachlich erkennbar bleiben, ohne das Gesamtbild unnötig zu stören.
- Vermittlung: Besucherinnen und Besucher sollen verstehen können, warum ein Original geschützt und eine Kopie gezeigt wird.
Ethische Fragen
Der Umgang mit Original und Kopie wirft ethische Fragen auf. Eine Kopie kann schützen, aber sie kann auch täuschen, wenn sie nicht erklärt wird. Ein Original kann berühren, aber es kann durch falsche Präsentation gefährdet werden. Ein Denkmal kann Identität stiften, aber es kann auch schwierige Geschichte enthalten. Deshalb braucht Denkmalpflege nicht nur technische Kompetenz, sondern historische Bildung und moralische Sensibilität.
Für Dich als Lernende oder Lernender bedeutet das: Du sollst nicht nur wissen, wann das Ulmer Münster gebaut wurde. Du sollst begründen können, warum der Schmerzensmann als Original im Inneren geschützt wird, warum eine Kopie am Portal sinnvoll sein kann und warum die Geschichte des Grundsteinlegungsreliefs nicht nur eine kunsthistorische, sondern auch eine erinnerungskulturelle Frage ist.
Zusammenfassung
Original und Kopie sind bei Restaurierungen keine Gegensätze von „echt“ und „wertlos“. Das Original besitzt einzigartige historische Substanz. Die Kopie kann helfen, diese Substanz zu schützen und die Erscheinung eines Ortes verständlich zu halten. Am Ulmer Münster zeigen der Schmerzensmann, das Grundsteinlegungsrelief, der Steinersatz und die Portalrestaurierungen, dass jede Maßnahme sorgfältig begründet werden muss. Gute Denkmalpflege erhält nicht nur Formen, sondern auch Wissen, Spuren, Verantwortung und Deutbarkeit.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist im denkmalpflegerischen Sinn ein Original? (Ein historisch überliefertes Werk oder Werkteil mit eigener materieller Substanz) (!Eine beliebige neue Nachbildung ohne Quellenbezug) (!Ein touristisches Modell aus Kunststoff) (!Eine moderne Zeichnung ohne Bezug zum Bauwerk)
Warum steht am Hauptportal des Ulmer Münsters eine Kopie des Schmerzensmanns? (Weil das Original geschützt im Inneren erhalten werden soll) (!Weil das Original nie existiert hat) (!Weil das Portal keine mittelalterliche Bedeutung besitzt) (!Weil Kopien grundsätzlich wertvoller als Originale sind)
Wer schuf den Schmerzensmann am Ulmer Münster? (Hans Multscher) (!August Beyer) (!Ferdinand Thrän) (!Ulrich Zwingli)
Welche Jahreszahl ist mit dem Schmerzensmann verbunden? (1429) (!1377) (!1844) (!1890)
Was bedeutet Konservierung vor allem? (Sicherung und Erhaltung vorhandener Substanz) (!Freie künstlerische Neugestaltung) (!Zerstörung alter Oberflächen) (!Verkauf historischer Bauteile)
Welche Aufgabe hat eine gute Dokumentation bei Restaurierungen? (Sie macht Eingriffe für spätere Generationen nachvollziehbar) (!Sie ersetzt die Untersuchung des Originals) (!Sie verhindert jede Restaurierung) (!Sie dient nur der Werbung)
Warum ist eine Kopie in der Denkmalpflege nicht automatisch eine Fälschung? (Weil sie offen als Schutz- und Vermittlungsinstrument eingesetzt werden kann) (!Weil sie immer älter als das Original ist) (!Weil sie keine handwerkliche Arbeit benötigt) (!Weil sie historische Spuren vollständig ersetzt)
Was zeigt das Grundsteinlegungsrelief neben der Baugeschichte auch? (Eine schwierige Erinnerung an die Umwidmung eines jüdischen Grabsteins) (!Die Erfindung des Buchdrucks in Ulm) (!Die Krönung eines Kaisers im Münster) (!Die Gründung einer Universität im Chor)
Warum ist Patina nicht einfach Schmutz? (Weil sie historische Altersspuren und Informationen enthalten kann) (!Weil sie immer vollständig entfernt werden muss) (!Weil sie nur bei modernen Gebäuden vorkommt) (!Weil sie aus Plastik besteht)
Was ist ein zentrales Ziel guter Denkmalpflege am Ulmer Münster? (Historische Substanz erhalten und Veränderungen nachvollziehbar machen) (!Das Bauwerk möglichst neu aussehen lassen) (!Alle alten Steine grundsätzlich ersetzen) (!Kopien ohne Erklärung als Originale ausgeben)
Memory
| Original | Historische Substanz |
| Kopie | Schutz und Vermittlung |
| Schmerzensmann | Hans Multscher |
| Bauhütte | Steinmetzhandwerk |
| Dokumentation | Nachvollziehbarkeit |
| Patina | Altersspur |
| Konservierung | Erhaltung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Original | Materiell überliefertes Werk |
| Kopie | Nachbildung mit Schutzfunktion |
| Konservierung | Sicherung vorhandener Substanz |
| Dokumentation | Nachweis der Eingriffe |
| Patina | Spur des Alterns |
| Bauhütte | Werkstatt des Erhaltens |
Kreuzworträtsel
| Original | Wie heißt der materielle historische Gegenstand selbst? |
| Kopie | Was steht am Westportal an Stelle des geschützten Schmerzensmanns? |
| Bauhütte | Welche Werkstatt erhält Steinmetzhandwerk und Bauwissen? |
| Konservierung | Welche Maßnahme soll vorhandene Substanz sichern? |
| Dokumentation | Was macht Restaurierungseingriffe nachvollziehbar? |
| Patina | Wie nennt man eine historisch bedeutsame Altersspur? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildvergleich: Suche zwei Bilder des Schmerzensmanns am Ulmer Münster und beschreibe, welche Wirkung die Figur am Portal auf Dich hat.
- Begriffsklärung: Erkläre in eigenen Worten den Unterschied zwischen Original, Kopie, Konservierung und Restaurierung.
- Materialbeobachtung: Untersuche an einem Gebäude in Deiner Umgebung Spuren von Alterung, Reparatur oder Ergänzung und beschreibe sie sachlich.
- Mini-Plakat: Gestalte ein Plakat mit der Frage „Warum schützt man ein Original durch eine Kopie?“ und nutze das Ulmer Münster als Beispiel.
Standard
- Fallanalyse: Erstelle eine Tabelle zum Schmerzensmann mit den Spalten Standort, Funktion, Risiko, Schutzmaßnahme und offene Frage.
- Interview: Befrage eine Person aus Museum, Kirche, Archiv, Handwerk oder Stadtführung dazu, warum Originale geschützt werden müssen.
- Fotodokumentation: Fotografiere ein historisches Detail in Deinem Ort und beschreibe, welche Informationen eine Restaurierung dokumentieren müsste.
- Erklärungsvideo: Produziere ein kurzes Video, das den Unterschied zwischen einer täuschenden Kopie und einer denkmalpflegerisch begründeten Kopie erklärt.
Schwer
- Denkmaldebatte: Schreibe eine begründete Stellungnahme, ob das Original des Schmerzensmanns wieder an das Hauptportal zurückkehren sollte oder nicht.
- Ethik der Restaurierung: Entwickle einen Kriterienkatalog für die Entscheidung, wann ein Original am Ort bleiben und wann es durch eine Kopie ersetzt werden sollte.
- Erinnerungskultur: Erkläre am Beispiel des Grundsteinlegungsreliefs, warum Restaurierung auch schwierige Geschichte sichtbar machen muss.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Original und Kopie am Ulmer Münster“ mit Einleitungstext, Objektbeschriftungen und einer Mitmachstation.

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Lernkontrolle
- Transfer Original und Kopie: Beurteile einen erfundenen Fall, in dem eine stark verwitterte Portalfigur einer Kirche ersetzt werden soll, und begründe Deine Entscheidung mit mindestens drei denkmalpflegerischen Kriterien.
- Argumentation Denkmalpflege: Erkläre, warum eine Kopie sowohl zum Schutz eines Originals beitragen als auch problematisch sein kann, wenn sie nicht gekennzeichnet wird.
- Vergleich Restaurierung: Vergleiche eine konservierende Maßnahme mit einer rekonstruktiven Maßnahme und zeige, welche Folgen beide für die Authentizität eines Denkmals haben.
- Quellenkritik: Beschreibe, warum ein beschädigter alter Stein trotz seiner Schäden eine historische Quelle sein kann.
- Erinnerungskultur: Entwickle einen kurzen Vermittlungstext für Besucherinnen und Besucher, der die Geschichte des Grundsteinlegungsreliefs sensibel erklärt.
- Urteilsbildung: Formuliere eine Empfehlung an eine Münsterbauhütte, wie sie Öffentlichkeit, Forschung und Gemeinde in eine schwierige Restaurierungsentscheidung einbeziehen kann.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten wiedergibst, sondern eine begründete Denkmalentscheidung treffen kannst. Du solltest die Begriffe Original, Kopie, Konservierung, Restaurierung, Rekonstruktion, Authentizität, Patina und Dokumentation sicher verwenden. Außerdem solltest Du mindestens zwei Beispiele aus dem Ulmer Münster erklären können: den Schmerzensmann und das Grundsteinlegungsrelief. Besonders wichtig ist, dass Du zwischen äußerer Bildwirkung und historischer Substanz unterscheidest.
- Fachbegriffe: Die zentralen Begriffe werden richtig und in eigenen Worten erklärt.
- Fallwissen: Der Schmerzensmann und das Grundsteinlegungsrelief werden als Beispiele für Original und Kopie sachlich dargestellt.
- Begründung: Eine Restaurierungsentscheidung wird mit Kriterien wie Substanzerhalt, Schutz, Erkennbarkeit und Dokumentation begründet.
- Reflexion: Ethische Fragen wie Täuschung, Erinnerungskultur und Verantwortung werden berücksichtigt.
- Produkt: Ein eigenes Lernprodukt, etwa Plakat, Video, Ausstellungstext oder Stellungnahme, zeigt eigenständiges Denken.
- Quellenarbeit: Verwendete Informationen und Medien werden nachvollziehbar angegeben.
OERs zum Thema
Quellen und Recherchehinweise
- Ulmer Münster: Die offizielle Baugeschichte des Münsters bietet einen Überblick über Grundsteinlegung, Bauunterbrechung, Wiederaufnahme und Vollendung.
- Münsterbauhütte Ulm: Das Münsterbauamt erläutert die heutige Aufgabe der Bauhütte für Erhalt und Restaurierung des Steinwerks.
- UNESCO: Die Aufnahme des europäischen Bauhüttenwesens in das Register guter Praxisbeispiele zeigt die Bedeutung von Handwerkswissen, Weitergabe und Dokumentation.
- Württembergische Kirchengeschichte: Darstellungen zur Restaurierung des Schmerzensmanns erklären die Abnahme, Konservierung und Aufstellung einer Kopie am Hauptportal.
- Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg: Materialien zum Großen Marienportal zeigen, wie Voruntersuchung, Kartierung, Schadensanalyse und Restaurierung zusammenwirken.
- Museum Digital Baden-Württemberg: Das Grundsteinlegungsrelief ist ein Beispiel dafür, wie ein Original kunsthistorische, religiöse und jüdische Erinnerungsgeschichte verbindet.
Links
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