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Eine Erzählung schreiben

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Eine Erzählung schreiben



Einleitung

Eine Erzählung schreiben bedeutet, ein Geschehen so zu gestalten, dass Leserinnen und Leser neugierig werden, mitfühlen und am Ende verstehen, was sich verändert hat. In diesem aiMOOC lernst Du, wie aus einer Idee eine vollständige Erzählung wird: mit Figuren, Handlung, Erzählperspektive, Spannungsbogen, anschaulicher Sprache und einer sorgfältigen Überarbeitung. Der Kurs eignet sich besonders für den Deutschunterricht der Sekundarstufe I, kann aber auch in der Grundschule mit Unterstützung oder in der Ausbildung zur Schreibförderung genutzt werden.

Eine gute Erzählung ist mehr als eine Abfolge von Ereignissen. Sie wählt aus, ordnet, verdichtet und gestaltet. Du entscheidest, wer erzählt, wo die Geschichte spielt, welche Schwierigkeit entsteht, wie Spannung aufgebaut wird und wodurch der Schluss überzeugend wirkt. Dabei geht es nicht nur um richtige Rechtschreibung und Grammatik, sondern vor allem um Wirkung: Deine Leserinnen und Leser sollen sich vorstellen können, was geschieht, und sie sollen wissen wollen, wie es weitergeht.


Was ist eine Erzählung?

Eine Erzählung ist eine mündliche oder schriftliche Darstellung eines Geschehens. Sie kann auf einem wirklichen Erlebnis beruhen oder frei erfunden sein. Im Schulkontext meint das Schreiben einer Erzählung meist einen gestalteten Prosatext, der eine überschaubare Handlung mit einem Anfang, einem spannenden Hauptteil und einem Schluss entfaltet. Typische Formen sind die Erlebniserzählung, die Fantasiegeschichte, die Reizwortgeschichte, die Bildergeschichte, die Fortsetzungsgeschichte und die Nacherzählung.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Geschehen und Erzählung. Das Geschehen ist das, was passiert. Die Erzählung ist die Art, wie Du dieses Geschehen darstellst. Zwei Personen können dasselbe Erlebnis erzählen und trotzdem völlig unterschiedliche Texte schreiben: Die eine erzählt sachlich und knapp, die andere baut Spannung auf, beschreibt Gefühle und lässt Figuren sprechen. Genau diese Gestaltung macht aus Ereignissen eine erzählenswerte Geschichte.


Ziel des Erzählens

Beim Erzählen willst Du Leserinnen und Leser in eine Situation hineinziehen. Dazu brauchst Du eine klare Erzählidee, eine nachvollziehbare Handlung und eine sprachliche Gestaltung, die Bilder im Kopf entstehen lässt. Eine Erzählung soll nicht nur informieren, sondern auch unterhalten, überraschen, berühren oder zum Nachdenken anregen. Je genauer Du weißt, welche Wirkung Du erzielen willst, desto bewusster kannst Du Aufbau, Wortwahl, Tempo und Perspektive wählen.


Merkmale einer gelungenen Erzählung

  1. Erzählkern: Die Geschichte hat ein zentrales Ereignis oder Problem, um das sich alles dreht.
  2. Figuren: Die handelnden Personen haben Wünsche, Gefühle, Ziele oder Konflikte.
  3. Ort und Zeit: Die Leserinnen und Leser erkennen, wann und wo die Handlung spielt.
  4. Spannungsbogen: Die Geschichte steigert sich auf einen Höhepunkt hin.
  5. Erzählperspektive: Eine Erzählinstanz vermittelt das Geschehen aus einer bestimmten Sicht.
  6. Anschaulichkeit: Sinneseindrücke, treffende Verben und konkrete Einzelheiten machen das Geschehen lebendig.
  7. Schluss: Am Ende wird deutlich, wie die Situation ausgeht oder was sich verändert hat.


Der Schreibprozess

Eine Erzählung entsteht selten in einem einzigen Schritt. Professionelles Schreiben ist ein Prozess aus Planen, Schreiben, Prüfen und Überarbeiten. Das gilt auch für Schularbeiten. Wer sofort losschreibt, verliert leicht den roten Faden. Wer zu lange plant, kommt vielleicht nicht ins Erzählen. Deshalb ist es hilfreich, den Schreibprozess in überschaubare Phasen einzuteilen.


Phase 1: Ideen finden

Am Anfang steht eine Idee. Sie kann aus einem eigenen Erlebnis, einem Bild, einem Geräusch, einem Satz, einem Gegenstand oder einer Frage entstehen. Gute Schreibideen beginnen oft mit einem Was wäre wenn. Was wäre, wenn Du nachts ein Geräusch im Keller hörst? Was wäre, wenn ein harmloser Fund plötzlich wichtig wird? Was wäre, wenn eine Figur eine Entscheidung treffen muss, die alles verändert? Solche Fragen erzeugen Bewegung.

Eine bewährte Methode ist der Cluster. Du schreibst ein Schlüsselwort in die Mitte eines Blattes und sammelst Begriffe, die Dir dazu einfallen. Aus diesen Begriffen wählst Du die interessantesten aus. Eine andere Methode ist die W-Fragen-Sammlung: Wer handelt? Wo spielt die Geschichte? Wann passiert es? Was ist das Problem? Warum ist es wichtig? Wie endet es?


Phase 2: Den Erzählkern bestimmen

Der Erzählkern ist der kleinste Sinnkern Deiner Geschichte. Er beantwortet die Frage: Worum geht es wirklich? Ein Beispiel: Nicht jede Einzelheit eines Wandertags ist wichtig. Der Erzählkern könnte lauten: Eine Schülerin verliert im Wald kurz die Gruppe, überwindet ihre Angst und findet durch eine mutige Entscheidung zurück. Dieser Kern enthält Figur, Problem, Spannung und Veränderung.

Ein klarer Erzählkern hilft Dir, Überflüssiges wegzulassen. Wenn eine Szene nichts zum Problem, zur Figur oder zur Spannung beiträgt, solltest Du sie kürzen oder streichen. Eine Erzählung wirkt stärker, wenn sie nicht alles erzählt, sondern das Wesentliche ausgestaltet.


Phase 3: Planen mit dem Erzählplan

Ein Erzählplan ordnet Deine Ideen. Er muss nicht kompliziert sein. Oft reichen drei Bereiche: Anfang, Hauptteil und Schluss. Im Anfang führst Du in die Situation ein. Im Hauptteil entwickelt sich das Problem bis zum Höhepunkt. Im Schluss löst sich die Spannung auf. Besonders hilfreich ist es, den Höhepunkt zuerst zu kennen. Dann kannst Du alle vorherigen Szenen so gestalten, dass sie darauf hinführen.


Aufbau einer Erzählung

Der klassische Aufbau einer Erzählung besteht aus Anfang, Hauptteil und Schluss. Diese Einteilung ist einfach, aber wirksam. Sie hilft Dir, die Leserinnen und Leser nicht zu früh zu überfordern und nicht zu spät zur wichtigsten Stelle zu kommen.


Anfang: Orientierung und Neugier

Der Anfang soll die Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinführen. Er beantwortet meist einige wichtige Fragen: Wer ist beteiligt? Wo und wann spielt die Geschichte? Welche Stimmung herrscht? Gleichzeitig soll er neugierig machen. Ein Anfang ist besonders wirkungsvoll, wenn er nicht wie ein Steckbrief klingt, sondern mitten in eine interessante Situation führt.

Schwacher Anfang: Ich heiße Lina und bin zwölf Jahre alt. Es war Dienstag und ich ging zur Schule.

Stärkerer Anfang: Als Lina die Klassenzimmertür öffnete, verstummten alle Gespräche. Auf ihrem Platz lag ein Umschlag, auf dem nur ein Wort stand: Lauf!

Der zweite Anfang macht neugierig, weil sofort eine Frage entsteht: Wer hat den Umschlag hingelegt und warum soll Lina laufen?


Hauptteil: Entwicklung und Spannung

Im Hauptteil entfaltet sich die Handlung. Die Figur verfolgt ein Ziel oder steht vor einem Problem. Hindernisse, Missverständnisse, Überraschungen und Entscheidungen steigern die Spannung. Wichtig ist, dass die Handlung nicht zufällig wirkt. Jede Szene sollte eine Folge der vorherigen Szene sein oder eine neue Schwierigkeit eröffnen.

Ein lebendiger Hauptteil nutzt Szenisches Erzählen. Das bedeutet: Du zeigst wichtige Momente ausführlich, statt sie nur zu melden. Statt Tom hatte Angst kannst Du schreiben: Toms Finger zitterten, als er den Schlüssel ins Schloss schob. Hinter der Tür kratzte etwas über den Boden. So erleben Leserinnen und Leser die Angst mit.


Höhepunkt: Die entscheidende Stelle

Der Höhepunkt ist die spannendste oder wichtigste Stelle der Erzählung. Hier entscheidet sich, ob die Figur ihr Ziel erreicht, ob ein Geheimnis gelüftet wird oder ob ein Konflikt kippt. Der Höhepunkt sollte nicht zu früh kommen. Vorher brauchst Du Andeutungen, Hindernisse und eine Steigerung. Gleichzeitig darf der Höhepunkt nicht künstlich wirken. Er muss aus der Handlung entstehen.

Ein guter Höhepunkt ist häufig mit einer Entscheidung verbunden. Die Figur muss etwas tun, sagen, riskieren oder erkennen. Dadurch verändert sich die Situation. Genau diese Veränderung macht die Erzählung bedeutungsvoll.


Schluss: Auflösung und Nachklang

Der Schluss zeigt, wie die Geschichte ausgeht. Er muss nicht alles erklären, aber er sollte die wichtigste Spannung lösen. Ein Schluss kann erleichtern, überraschen, nachdenklich machen oder einen kleinen offenen Rest lassen. Wichtig ist, dass er zur Geschichte passt. Ein lustiger Text braucht oft einen pointierten Schluss. Eine ernste Erzählung kann mit einer Erkenntnis, einer Geste oder einem starken Bild enden.

Schwacher Schluss: Dann ging ich nach Hause und die Geschichte war zu Ende.

Stärkerer Schluss: Als Lina später den Umschlag in ihrer Jackentasche fand, war das Papier leer. Nur der Rand roch noch nach Rauch.

Der zweite Schluss erzeugt einen Nachklang, weil er ein Bild und eine Frage zurücklässt.


Figuren gestalten

Figuren tragen die Erzählung. Sie müssen nicht perfekt beschrieben werden, aber Leserinnen und Leser sollten verstehen, was sie wollen, fürchten oder lernen. Eine Figur wird lebendig durch Handlungen, Gedanken, Sprache, Reaktionen und kleine Einzelheiten. Statt eine Figur nur als mutig zu bezeichnen, kannst Du zeigen, wie sie trotz Angst handelt.


Hauptfigur und Nebenfiguren

Die Hauptfigur steht im Mittelpunkt. Ihre Entscheidung oder Veränderung gibt der Geschichte Richtung. Nebenfiguren können helfen, stören, warnen, täuschen oder einen Gegensatz bilden. Eine Nebenfigur sollte eine Funktion haben. Wenn sie nichts bewirkt, ist sie vielleicht nicht nötig.

Eine gute Übung ist der Figurensteckbrief. Schreibe nicht nur Name, Alter und Aussehen auf, sondern auch Wunsch, Angst, Stärke, Schwäche und Geheimnis der Figur. Diese inneren Eigenschaften sind für die Handlung oft wichtiger als Haarfarbe oder Kleidung.


Gefühle zeigen statt behaupten

Beim Erzählen ist es stärker, Gefühle durch Verhalten sichtbar zu machen. Das nennt man oft Show, don’t tell. Du behauptest nicht nur, dass eine Figur wütend ist, sondern zeigst es: Sie presst die Lippen zusammen, spricht leise, knallt die Tür oder antwortet gar nicht. So können Leserinnen und Leser selbst Schlüsse ziehen.

  1. Angst: zitternde Hände, flacher Atem, ein Blick über die Schulter.
  2. Freude: ein unwillkürliches Lächeln, hüpfende Schritte, helle Stimme.
  3. Wut: kurze Sätze, harte Bewegungen, rote Wangen.
  4. Unsicherheit: Ausweichen, Nachfragen, stockende Sprache.


Erzählperspektive

Die Erzählperspektive entscheidet, aus welcher Sicht die Geschichte erzählt wird. Sie beeinflusst, was Leserinnen und Leser wissen, fühlen und erwarten. Eine Perspektive sollte innerhalb einer kurzen Erzählung möglichst nicht unabsichtlich wechseln.


Ich-Erzählung

In der Ich-Erzählung berichtet eine Figur selbst. Dadurch entsteht Nähe. Du kannst Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen direkt zeigen. Die Ich-Erzählung eignet sich gut für Erlebniserzählungen, Tagebuchgeschichten und Texte, in denen eine persönliche Entwicklung wichtig ist. Ihre Grenze: Die erzählende Figur kann nur wissen, was sie selbst erlebt, sieht, hört oder vermutet.


Personale Erzählung

Bei der personalen Erzählung wird in der dritten Person erzählt, aber die Wahrnehmung bleibt nah bei einer Figur. Leserinnen und Leser erleben die Situation durch deren Blick. Beispiel: Mira blieb stehen. Warum hatte Jonas gelogen? Obwohl in der dritten Person erzählt wird, erhalten wir Miras Gedanken.


Auktoriale und neutrale Erzählweise

Ein auktorialer Erzähler weiß mehr als die Figuren, kann kommentieren, Vorausdeutungen geben und Hintergründe erklären. Eine neutrale Erzählweise beschreibt eher von außen, ohne direkt in Gedanken zu blicken. Für Schulerzählungen sind Ich-Erzählung und personale Erzählung oft leichter, weil sie Nähe und Spannung erzeugen.


Spannung aufbauen

Spannung entsteht, wenn Leserinnen und Leser Fragen haben und Antworten erwarten. Eine Erzählung braucht daher nicht unbedingt Verfolgungsjagden oder gefährliche Situationen. Auch ein Streit, ein Geheimnis, eine peinliche Lage oder eine schwierige Entscheidung kann spannend sein. Entscheidend ist, dass etwas auf dem Spiel steht.

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Mittel der Spannung

  1. Andeutung: Gib Hinweise, ohne sofort alles zu erklären.
  2. Verzögerung: Lass die entscheidende Antwort nicht zu schnell erscheinen.
  3. Konflikt: Stelle Figuren vor gegensätzliche Wünsche oder Ziele.
  4. Zeitdruck: Eine Figur muss handeln, bevor es zu spät ist.
  5. Perspektive: Beschränke das Wissen der Leserinnen und Leser auf das Wissen einer Figur.
  6. Unerwartete Wendung: Lass etwas passieren, das überrascht, aber trotzdem vorbereitet wirkt.


Erzähltempo

Das Erzähltempo bestimmt, wie schnell eine Geschichte wirkt. Wichtige Momente erzählst Du ausführlich. Unwichtige Übergänge fasst Du zusammen. Wenn der Höhepunkt kommt, kannst Du das Tempo verlangsamen: kurze Bewegungen, Geräusche, Blicke und Gedanken. Dadurch entsteht Nähe. Danach darfst Du wieder schneller werden, damit der Schluss nicht zu lang wird.


Sprache lebendig gestalten

Eine Erzählung lebt von konkreter Sprache. Allgemeine Wörter wie schön, gut, schlecht oder Sache sind oft zu ungenau. Treffende Verben, anschauliche Adjektive, abwechslungsreiche Satzanfänge und passende Dialoge machen Deinen Text stärker.


Treffende Verben

Verben bewegen die Erzählung. Statt gehen kannst Du je nach Situation schleichen, stolpern, rennen, schlendern oder taumeln verwenden. Statt sagen passen manchmal flüstern, rufen, murmeln, stammeln oder erwidern. Wähle aber nicht künstlich schwierige Wörter. Das beste Wort ist das, das genau zur Situation passt.


Sinneseindrücke

Leserinnen und Leser stellen sich eine Szene besser vor, wenn mehrere Sinne angesprochen werden. Was sieht die Figur? Was hört sie? Wie riecht es? Was fühlt sie auf der Haut? Was schmeckt sie vielleicht? Sinneseindrücke sollten gezielt eingesetzt werden. Zu viele Beschreibungen bremsen die Handlung, zu wenige lassen die Szene blass wirken.


Dialoge

Ein Dialog kann Figuren lebendig machen und Konflikte zeigen. Gute Dialoge wiederholen nicht nur Informationen, die ohnehin bekannt sind. Sie zeigen Absichten, Beziehungen und Stimmungen. Achte darauf, dass jede Figur eine passende Sprache hat. Ein Kind, eine Lehrkraft, eine Großmutter und ein Polizist sprechen nicht immer gleich.

Beispiel:

„Du warst das“, sagte Mira.
Jonas sah auf seine Schuhe. „Ich wollte nur helfen.“
„Dann erklär mir, warum mein Name auf dem Zettel steht.“

Dieser kurze Dialog zeigt einen Konflikt, ohne ihn lange zu erklären.


Zeitform und sprachliche Richtigkeit

Erzählungen werden im Deutschunterricht häufig im Präteritum geschrieben: Ich öffnete die Tür. Es knarrte. Die Wörtliche Rede steht in der Zeitform, die zur gesprochenen Situation passt. Wichtig ist, dass Du die Zeitform nicht ständig unbeabsichtigt wechselst. Ein bewusster Rückblick oder ein Gedanke kann andere Zeitformen nutzen, aber die Haupterzählung sollte klar bleiben.

Zur sprachlichen Richtigkeit gehören Zeichensetzung, Rechtschreibung, Grammatik und saubere Absätze. Absätze helfen, Szenen, Ortswechsel, Zeitsprünge oder neue Gedanken zu gliedern. Eine Erzählung wirkt übersichtlicher, wenn nicht alles in einem langen Block steht.


Überarbeiten

Überarbeitung ist kein Zeichen dafür, dass der erste Entwurf schlecht war. Sie ist ein normaler Teil des Schreibens. Viele gute Texte entstehen erst, weil Autorinnen und Autoren streichen, ergänzen, umstellen und präzisieren. Beim Überarbeiten solltest Du nicht alles gleichzeitig prüfen, sondern in mehreren Durchgängen arbeiten.


Überarbeitungsschritte

  1. Inhalt: Ist der Erzählkern klar? Gibt es eine nachvollziehbare Handlung?
  2. Aufbau: Sind Anfang, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss erkennbar?
  3. Spannung: Werden Fragen aufgebaut und sinnvoll gelöst?
  4. Figuren: Handeln die Figuren glaubwürdig?
  5. Sprache: Gibt es treffende Verben, Sinneseindrücke und abwechslungsreiche Sätze?
  6. Richtigkeit: Stimmen Rechtschreibung, Zeichensetzung, Zeitform und Absätze?


Schreibkonferenz

Eine Schreibkonferenz ist eine Methode, bei der Lernende einander Rückmeldung geben. Dabei ist wichtig, nicht nur Fehler zu suchen. Gute Rückmeldung nennt zuerst, was gelungen ist. Danach folgen konkrete Hinweise. Statt Der Text ist langweilig ist besser: Im Hauptteil erfahre ich noch nicht genau, warum die Figur Angst hat. Vielleicht könntest Du das Geräusch hinter der Tür genauer beschreiben.


Beispiel: Von der Idee zur Erzählung

Idee: Ein Kind findet auf dem Schulhof einen Schlüssel.

Erzählkern: Ein Schüler findet einen fremden Schlüssel, öffnet damit aus Neugier eine alte Tür im Schulgebäude und entdeckt, dass jemand dort heimlich ein verletztes Tier versteckt hat.

Möglicher Anfang: Noch bevor die erste Stunde begann, blitzte etwas Silbernes zwischen den nassen Blättern auf. Ben bückte sich und zog einen Schlüssel hervor. Er war schwerer, als ein Schlüssel sein sollte, und an seinem Bart klebte schwarze Farbe.

Möglicher Höhepunkt: Als die Tür endlich nachgab, schlug Ben ein warmer, muffiger Geruch entgegen. Aus der hintersten Ecke kam ein leises Fiepen. Ben hob sein Handy. Im Lichtkegel sah er zwei gelbe Augen.

Möglicher Schluss: Am Nachmittag stand Ben mit der Hausmeisterin im Tierheim. Der kleine Kater schlief zusammengerollt in einer Decke. Den Schlüssel durfte Ben nicht behalten. Aber jedes Mal, wenn er nun an der alten Tür vorbeiging, hörte er in Gedanken wieder dieses leise Fiepen und musste lächeln.

An diesem Beispiel erkennst Du: Die Geschichte braucht nicht viele Ereignisse. Entscheidend ist, dass aus einem kleinen Fund ein Problem, ein Höhepunkt und eine Veränderung entstehen.


Checkliste für Deine Erzählung

  1. Erzählidee: Gibt es eine klare Grundidee?
  2. Erzählkern: Kannst Du in einem Satz sagen, worum es geht?
  3. Anfang: Werden Ort, Zeit, Figur und Stimmung eingeführt?
  4. Hauptteil: Steigert sich die Handlung bis zu einem Höhepunkt?
  5. Höhepunkt: Gibt es eine entscheidende Stelle?
  6. Schluss: Wird die wichtigste Spannung gelöst?
  7. Erzählperspektive: Bleibt die Sichtweise einheitlich?
  8. Sprache: Nutzt Du treffende Verben, Sinneseindrücke und Dialoge?
  9. Zeitform: Bleibt die Haupterzählung in einer passenden Zeitform?
  10. Überarbeitung: Hast Du Inhalt, Aufbau, Sprache und Richtigkeit geprüft?


Häufige Fehler und wie Du sie vermeidest

  1. Aufzählendes Erzählen: Wenn jeder Satz mit Dann beginnt, wirkt die Geschichte wie eine Liste. Nutze abwechslungsreiche Satzanfänge und verbinde Ereignisse sinnvoll.
  2. Unklarer Höhepunkt: Wenn alles gleich wichtig wirkt, fehlt Spannung. Entscheide, welche Szene die wichtigste ist.
  3. Zu viele Figuren: In kurzen Erzählungen reichen wenige Figuren. Jede Figur braucht eine Funktion.
  4. Unpassender Schluss: Ein Schluss sollte nicht plötzlich abbrechen. Zeige, was sich verändert hat.
  5. Behauptete Gefühle: Schreibe nicht nur Sie war traurig. Zeige, woran man die Traurigkeit erkennt.
  6. Zeitformwechsel: Prüfe, ob Du unabsichtlich zwischen Präsens und Präteritum wechselst.
  7. Überladene Sprache: Viele Adjektive machen einen Text nicht automatisch besser. Wähle genaue Wörter.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was gehört zum Anfang einer Erzählung? (Einführung von Ort Figuren und Ausgangssituation) (!Eine vollständige Lösung aller Konflikte) (!Ein Literaturverzeichnis) (!Eine Bewertung durch die Lehrkraft)




Was ist der Erzählkern? (Das zentrale Ereignis oder Problem der Geschichte) (!Die schönste Formulierung im Text) (!Die Liste aller Rechtschreibfehler) (!Die Überschrift der Aufgabe)




Welche Funktion hat der Höhepunkt? (Er zeigt die entscheidende Stelle der Handlung) (!Er nennt nur die Namen der Figuren) (!Er ersetzt den Schluss) (!Er erklärt die Rechtschreibregeln)




Welche Erzählperspektive verwendet das Wort ich als erzählende Stimme? (Ich-Erzählung) (!Neutrale Beschreibung) (!Sachbericht) (!Inhaltsangabe)




Was macht eine Erzählung besonders anschaulich? (Konkrete Sinneseindrücke und treffende Verben) (!Möglichst viele Fremdwörter) (!Nur sehr kurze Überschriften) (!Ein Verzicht auf Handlung)




Warum sind Dialoge in einer Erzählung hilfreich? (Sie zeigen Beziehungen Konflikte und Stimmungen) (!Sie ersetzen immer den Hauptteil) (!Sie machen jede Beschreibung überflüssig) (!Sie dienen nur der Rechtschreibprüfung)




Welche Zeitform wird im Deutschunterricht häufig für Erzählungen genutzt? (Präteritum) (!Futur II) (!Plusquamperfekt als einzige Zeitform) (!Imperativ)




Was bedeutet Überarbeiten beim Schreiben? (Den Text gezielt prüfen verbessern und präzisieren) (!Den Text ungelesen abgeben) (!Nur die Überschrift farbig markieren) (!Alle Sätze zufällig umstellen)




Was ist ein Spannungsbogen? (Die Steigerung der Handlung bis zur entscheidenden Stelle) (!Ein Bogen zum Zeichnen von Kreisen) (!Eine Liste der Nebenfiguren) (!Ein anderes Wort für Wörterbuch)




Welche Rückmeldung ist in einer Schreibkonferenz besonders hilfreich? (Konkret sagen was gelungen ist und was verbessert werden kann) (!Nur sagen dass alles schlecht ist) (!Nur Rechtschreibfehler zählen) (!Die Geschichte für die andere Person neu schreiben)





Memory

Erzählkern Zentrales Problem
Höhepunkt Entscheidende Stelle
Ich-Erzählung Persönliche Sicht
Dialog Figurenrede
Überarbeitung Textverbesserung
Sinneseindruck Anschauliches Detail





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Anfang Orientierung geben
Hauptteil Handlung steigern
Höhepunkt Entscheidung zeigen
Schluss Spannung lösen
Überarbeitung Text verbessern




...


Kreuzworträtsel

Handlung Was verbindet die Ereignisse einer Erzählung zu einem Geschehen?
Figur Wie nennt man eine handelnde Person in einer Geschichte?
Spannung Was entsteht wenn Leserinnen und Leser wissen wollen wie es weitergeht?
Dialog Wie nennt man ein Gespräch zwischen Figuren?
Konflikt Wie heißt ein Gegensatz von Wünschen Zielen oder Interessen?
Perspektive Wie nennt man die Sicht aus der erzählt wird?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Eine Erzählung stellt ein

mündlich oder schriftlich dar. Am Anfang werden häufig Ort Zeit und wichtige

eingeführt. Im Hauptteil steigert sich die Handlung bis zum

. Eine einheitliche

hilft den Leserinnen und Lesern beim Verstehen. Treffende

machen die Sprache lebendig. In Dialogen werden Beziehungen und

sichtbar. Nach dem ersten Entwurf sollte der Text durch

verbessert werden. Ein gelungener Schluss löst die wichtigste

und zeigt oft eine Veränderung.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Ideensammlung: Sammle zehn mögliche Ideen für eine kurze Erzählung. Formuliere zu jeder Idee eine Was-wäre-wenn-Frage.
  2. Figurensteckbrief: Entwirf eine Hauptfigur mit Wunsch Angst Stärke Schwäche und einem kleinen Geheimnis.
  3. Erzählanfang: Schreibe drei verschiedene Anfänge zu derselben Geschichte. Einer soll ruhig einer spannend und einer rätselhaft wirken.
  4. Sinneseindrücke: Beschreibe einen Schulflur in fünf Sätzen. Nutze mindestens drei Sinne und vermeide das Wort schön.


Standard

  1. Erzählplan: Plane eine Erzählung mit Anfang Hauptteil Höhepunkt und Schluss. Notiere zu jedem Teil zwei bis drei Stichpunkte.
  2. Dialoggestaltung: Schreibe einen Dialog zwischen zwei Figuren die sich über ein verlorenes Handy streiten. Zeige den Konflikt ohne lange Erklärungen.
  3. Spannungsaufbau: Schreibe eine Szene in der eine Figur nachts ein Geräusch hört. Verzögere die Auflösung mindestens zweimal.
  4. Überarbeitung: Nimm einen eigenen Text und überarbeite ihn in drei Durchgängen: Aufbau Sprache und Rechtschreibung.


Schwer

  1. Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe Schlüsselszene zuerst als Ich-Erzählung und danach personal in der dritten Person. Vergleiche die Wirkung.
  2. Erzähltempo: Schreibe eine Fluchtszene. Verlangsame den entscheidenden Moment und fasse einen unwichtigen Zeitraum knapp zusammen.
  3. Symbolisches Detail: Baue einen Gegenstand ein der am Anfang harmlos wirkt und am Ende eine Bedeutung bekommt.
  4. Schreibkonferenz: Organisiere mit zwei Mitschülerinnen oder Mitschülern eine Schreibkonferenz. Gebt Euch konkrete Rückmeldungen zu Erzählkern Spannung und Sprache.



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Lernkontrolle

  1. Erzählkern erkennen: Lies eine kurze Erzählung und formuliere den Erzählkern in einem einzigen Satz. Begründe anschließend, welche Szenen für diesen Kern notwendig sind und welche gekürzt werden könnten.
  2. Spannung untersuchen: Markiere in einer Erzählung die Stellen, an denen Fragen entstehen. Erkläre, wie Andeutung, Verzögerung und Höhepunkt zusammenwirken.
  3. Perspektive vergleichen: Schreibe einen Abschnitt aus einer anderen Erzählperspektive um. Erkläre danach, wie sich Nähe, Wissen und Spannung verändern.
  4. Figurenentwicklung deuten: Beschreibe, was eine Hauptfigur am Anfang will und was sie am Ende gelernt oder verloren hat. Zeige den Zusammenhang zwischen Konflikt und Veränderung.
  5. Text überarbeiten: Verbessere einen schwachen Erzählanfang so, dass Ort, Figur, Stimmung und Neugier deutlicher werden. Begründe Deine Änderungen.
  6. Sprache reflektieren: Wähle fünf Sätze aus einer eigenen Erzählung aus und ersetze ungenaue Verben durch treffendere. Erkläre, warum Deine neuen Wörter besser passen.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem aiMOOC solltest Du zeigen, dass Du eine eigene Erzählung bewusst planen, schreiben und überarbeiten kannst. Wichtig ist nicht nur ein fertiger Text, sondern auch der nachvollziehbare Schreibprozess.

  1. Planung: Du legst einen Erzählkern, eine Hauptfigur, einen Schauplatz und einen geplanten Höhepunkt vor.
  2. Textfassung: Du schreibst eine vollständige Erzählung mit Anfang, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss.
  3. Sprachgestaltung: Du verwendest treffende Verben, Sinneseindrücke, passende Dialoge und abwechslungsreiche Satzanfänge.
  4. Erzählperspektive: Du hältst die gewählte Perspektive sinnvoll durch.
  5. Überarbeitung: Du dokumentierst mindestens drei konkrete Verbesserungen an Deinem Text.
  6. Reflexion: Du erklärst, wie Du Spannung aufgebaut hast und welche Wirkung Dein Schluss haben soll.




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