KI als Literaturkritiker im Deutschunterricht


KI als Literaturkritiker im Deutschunterricht
Einleitung
KI als Literaturkritiker im Deutschunterricht verbindet Literaturunterricht, Medienbildung, Schreiben, Lesen und Künstliche Intelligenz. In diesem aiMOOC lernst Du, wie ein KI-System beim Verstehen, Besprechen und Bewerten literarischer Texte unterstützen kann, ohne Deine eigene Urteilsbildung, Deine Textbelege und Deine persönliche Leseerfahrung zu ersetzen. Der Kurs richtet sich besonders an Lernende der Klassen 5 bis 10 im Fach Deutsch und kann für Kurzgeschichten, Gedichte, Jugendromane, Dramen, Fabeln, Sagen, Märchen und moderne Medientexte genutzt werden.

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Leitfrage dieses aiMOOCs: Wie kannst Du KI als kritisches Gegenüber nutzen, um bessere Literaturkritiken, Rezensionen, Interpretationen und Reflexionen zu schreiben?
Kursprofil
| Fach | Deutsch, Medienbildung, Literaturdidaktik |
| Zielgruppe | Klasse 5-10, Sekundarstufe I, Projektunterricht, Schreibwerkstatt |
| Themenfelder | Künstliche Intelligenz, Literaturkritik, Rezension, Argumentation, Textanalyse, Prompt Engineering |
| Kompetenzen | Lesekompetenz, Schreibkompetenz, Sprachbewusstsein, Digitale Kompetenz, Urteilskompetenz |
| Produkt | Eigene literarische Kritik mit KI-Feedback, Prüfprotokoll und Reflexion |
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, was KI im Zusammenhang mit Sprache und Text leisten kann. Du kannst Literaturkritik von bloßer Meinungsäußerung unterscheiden. Du lernst, wie Du eine KI-Antwort auf Plausibilität, Texttreue, Begründung und Verzerrung überprüfst. Du kannst geeignete Prompts formulieren, um Rückmeldungen zu literarischen Texten zu erhalten. Du entwickelst eine eigene begründete Deutung und nutzt KI nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug zur Verbesserung Deiner Argumentation.
Grundlagen: Was ist KI?
Künstliche Intelligenz ist ein Gebiet der Informatik, in dem Verfahren entwickelt werden, die Aufgaben bearbeiten, für die Menschen normalerweise Wahrnehmen, Lernen, Schlussfolgern, Planen oder sprachliches Handeln einsetzen. Im Deutschunterricht sind besonders Sprachmodelle interessant. Sie können Texte erzeugen, Fragen beantworten, Zusammenfassungen schreiben, Begriffe erklären oder Rückmeldungen geben. Solche Systeme arbeiten jedoch nicht wie ein menschlicher Leser. Sie besitzen kein eigenes Bewusstsein, keine eigene Lebenserfahrung und kein persönliches ästhetisches Empfinden. Sie berechnen wahrscheinliche sprachliche Fortsetzungen auf Grundlage von Mustern in Daten.

Für den Deutschunterricht bedeutet das: KI kann ein hilfreicher Lernassistent sein, wenn Du sie gezielt, transparent und kritisch nutzt. Sie kann Dir Fragen stellen, Deine Texte kommentieren, alternative Sichtweisen vorschlagen oder Argumente strukturieren. Sie kann aber auch Fehler machen, erfundene Informationen liefern, stereotype Deutungen wiederholen oder eine Textstelle übersehen. Deshalb brauchst Du immer Deine eigene Prüfung am literarischen Text.
Große Sprachmodelle im Deutschunterricht
Große Sprachmodelle sind KI-Systeme, die mit sehr vielen Textdaten trainiert wurden. Sie können sprachliche Muster erkennen und neue Texte erzeugen. Im Deutschunterricht können sie zum Beispiel eine Zusammenfassung vorschlagen, eine Figurenanalyse strukturieren, eine Rezension kommentieren, Gegenargumente formulieren oder Kriterien für eine Interpretation sichtbar machen. Wichtig ist: Eine KI-Antwort ist keine automatische Wahrheit. Sie ist ein Vorschlag, den Du mit dem Originaltext, mit Deinem Wissen und mit klaren Kriterien prüfen musst.

Was ist Literaturkritik?
Literaturkritik ist die begründete Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk. Eine gute Kritik beschreibt nicht nur, ob Dir ein Text gefällt. Sie erklärt, warum ein Text wirkt, wie er gebaut ist, welche sprachlichen Mittel auffallen, welche Themen und Konflikte sichtbar werden und wie überzeugend das Werk insgesamt erscheint. Eine literarische Kritik verbindet also Analyse, Interpretation, Bewertung und Argumentation.
Ein einfacher Satz wie „Das Buch ist langweilig“ ist noch keine Literaturkritik. Eine begründete Kritik würde genauer werden: Welche Erzählperspektive führt zu Distanz? Welche Figurenentwicklung bleibt unklar? Welche sprachlichen Bilder sind stark oder schwach? Welche Textstellen stützen Deine Meinung? Welche Wirkung entsteht bei Leserinnen und Lesern? Genau an diesem Punkt kann KI nützlich sein, weil sie Dir helfen kann, ungenaue Aussagen in prüfbare Beobachtungen zu verwandeln.
KI als Literaturkritiker: Chancen und Grenzen
Wenn Du KI als Literaturkritiker einsetzt, entsteht ein Gespräch über Texte. Die KI kann eine erste Reaktion simulieren, Kriterien nennen, Gegenfragen stellen oder eine andere Deutung vorschlagen. Dadurch kann sie Dir helfen, blinde Flecken in Deiner eigenen Interpretation zu erkennen. Sie kann auch eine schwache Begründung sichtbar machen und Dich auffordern, stärkere Textbelege zu verwenden.
Gleichzeitig hat KI klare Grenzen. Sie liest nicht mit persönlicher Erfahrung. Sie kann keine echte ästhetische Erfahrung machen. Sie kennt den konkreten Unterrichtskontext nicht automatisch. Sie kann halluzinieren, also nicht belegte oder falsche Aussagen erzeugen. Sie kann verzerrte Muster aus Trainingsdaten übernehmen. Sie kann Texte zu glatt, zu allgemein oder zu schematisch beurteilen. Darum ist Deine Rolle entscheidend: Du bist nicht Befehlsempfänger der KI, sondern prüfende Autorin oder prüfender Autor.
Einsatz im Deutschunterricht
Warum KI im Literaturunterricht sinnvoll sein kann
Im Literaturunterricht geht es nicht nur darum, Inhalte wiederzugeben. Du lernst, Texte genau zu lesen, Mehrdeutigkeit auszuhalten, eigene Deutungen zu entwickeln und mit anderen über Sprache zu sprechen. KI kann diesen Prozess unterstützen, wenn sie als Dialogpartner eingesetzt wird. Sie kann Dir helfen, Fragen an einen Text zu stellen, eine These zu schärfen, Gegenpositionen zu finden oder eine Rezension sprachlich zu überarbeiten.
Gerade für Klasse 5-10 kann KI verschiedene Rollen übernehmen: In den unteren Jahrgangsstufen kann sie beim Sammeln von Leseeindrücken und beim Formulieren einfacher Kriterien helfen. In mittleren Jahrgangsstufen kann sie bei Figuren, Konflikten, Erzählperspektiven und Sprachbildern unterstützen. In höheren Jahrgangsstufen kann sie helfen, Deutungen zu vergleichen, Argumentationen zu prüfen und ethische Fragen der Digitalisierung zu reflektieren.
Rollen von KI beim literarischen Arbeiten
| KI-Rolle | Möglicher Nutzen | Kritische Prüfung |
|---|---|---|
| Lesecoach | Die KI stellt Fragen zu Figuren, Handlung, Stimmung und Sprache. | Passen die Fragen wirklich zum Text? |
| Schreibcoach | Die KI gibt Rückmeldung zu Aufbau, Ausdruck und Verständlichkeit. | Bleibt Deine eigene Stimme erkennbar? |
| Kritiker | Die KI schlägt Bewertungskriterien und Deutungen vor. | Sind die Urteile mit Textstellen belegbar? |
| Gegenleser | Die KI formuliert Einwände gegen Deine These. | Sind die Einwände sachlich und sinnvoll? |
| Sprachhelfer | Die KI erklärt Begriffe und macht Formulierungen klarer. | Werden Fachbegriffe korrekt verwendet? |
| Reflexionspartner | Die KI fragt nach Transparenz, Quellen, Grenzen und Verantwortung. | Hast Du Deine Nutzung ehrlich dokumentiert? |
Literaturkritik als Prozess
Eine überzeugende Literaturkritik entsteht in mehreren Schritten. Zuerst liest Du den Text selbst und markierst auffällige Stellen. Dann formulierst Du erste Eindrücke und Fragen. Anschließend entwickelst Du eine These. Danach sammelst Du Textbelege. Erst dann sollte KI ins Spiel kommen, damit sie Deine eigene Arbeit nicht ersetzt, sondern weiterbringt. Nach dem KI-Feedback prüfst Du jeden Hinweis am Originaltext. Zum Schluss überarbeitest Du Deine Kritik und erklärst, wie Du KI genutzt hast.
- Erstlektüre: Lies den Text ohne KI und halte Deinen persönlichen Eindruck fest.
- Markierung: Suche auffällige Textstellen zu Figuren, Sprache, Aufbau und Wirkung.
- These: Formuliere eine eigene Deutung oder Bewertung.
- Prompt: Stelle der KI eine genaue Aufgabe mit klaren Kriterien.
- Prüfung: Vergleiche die KI-Antwort mit dem literarischen Text.
- Revision: Überarbeite Deine eigene Kritik und dokumentiere die Veränderungen.
Beispiel für eine gute KI-Anfrage
Ein guter Prompt ist genau, begrenzt und überprüfbar. Er nennt die Textsorte, das Ziel, die gewünschte Rolle der KI und die Kriterien für die Rückmeldung.
| Schwacher Prompt | Stärkerer Prompt |
|---|---|
| Schreib mir eine Kritik zu dieser Geschichte. | Ich habe eine eigene Kritik zu einer Kurzgeschichte geschrieben. Prüfe nur, ob meine Bewertung mit Textbelegen begründet ist. Nenne drei Stellen, an denen ich genauer argumentieren sollte. Erfinde keine Zitate. |
| Ist das Gedicht gut? | Untersuche, welche sprachlichen Mittel in meiner Gedichtdeutung noch fehlen könnten. Gib mir Fragen, aber schreibe keine fertige Interpretation. |
| Mach meinen Text besser. | Gib mir Rückmeldung zu Aufbau, Fachbegriffen und Verständlichkeit meiner Rezension. Markiere allgemeine Aussagen, die ich mit Textstellen belegen sollte. |
Kriterien für literarische Kritik
Eine gute Literaturkritik braucht klare Kriterien. Diese Kriterien helfen Dir, nicht nur nach Geschmack zu urteilen. Du kannst prüfen, ob ein literarisches Werk Spannung erzeugt, ob Figuren überzeugend gestaltet sind, ob Sprache zum Thema passt, ob der Aufbau sinnvoll wirkt und ob die Aussage des Textes nachvollziehbar wird. In einer Rezension solltest Du Inhalt nur so weit zusammenfassen, wie es für Dein Urteil notwendig ist. Der Schwerpunkt liegt auf Bewertung und Begründung.
Wichtige Kriterien sind Thema, Handlung, Figuren, Konflikt, Erzählperspektive, Sprache, Symbol, Motiv, Stimmung, Adressat, Wirkung, Originalität und Textbeleg. Nicht jedes Kriterium passt zu jedem Text. Bei einem Gedicht stehen oft Klang, Bilder und Verdichtung im Vordergrund. Bei einem Roman können Figurenentwicklung, Aufbau und Erzählweise stärker sein. Bei einem Drama sind Dialog, Szene, Konflikt und Bühnenwirkung wichtig.
Menschliche Kritik und KI-Kritik vergleichen
Der Vergleich zwischen eigener Kritik und KI-Kritik ist besonders lehrreich. Du kannst untersuchen, wo die KI hilfreich ist und wo sie zu allgemein bleibt. Vielleicht erkennt sie ein Motiv, das Du übersehen hast. Vielleicht bewertet sie aber auch zu glatt und nennt keine Textbelege. Vielleicht schlägt sie eine Deutung vor, die interessant klingt, aber am Text nicht haltbar ist. Genau daraus entsteht Medienkompetenz: Du nutzt ein digitales Werkzeug, ohne Deine Verantwortung abzugeben.
| Prüffrage | Bedeutung |
|---|---|
| Stützt die KI ihre Aussagen am Text? | Ohne Textbelege bleibt die Kritik unsicher. |
| Unterscheidet die KI zwischen Inhalt und Bewertung? | Eine Inhaltsangabe ersetzt keine Kritik. |
| Erkennt die KI Mehrdeutigkeit? | Literatur hat oft mehrere plausible Deutungen. |
| Verwendet die KI Fachbegriffe korrekt? | Fachsprache muss genau zum Text passen. |
| Bleibt Deine eigene Perspektive sichtbar? | Die Endfassung muss Deine eigene Leistung sein. |
Kritischer Umgang mit KI
Halluzinationen erkennen
Eine Halluzination ist eine KI-Aussage, die überzeugend klingt, aber nicht stimmt oder nicht belegt ist. Im Literaturunterricht kann das besonders problematisch sein. Eine KI kann erfundene Zitate nennen, eine Figur falsch beschreiben, ein Werk mit einem anderen verwechseln oder eine Bedeutung behaupten, die im Text nicht erkennbar ist. Du erkennst solche Fehler, indem Du jede Behauptung am Originaltext prüfst.
Ein sinnvoller Merksatz lautet: Kein Textbeleg, kein literarisches Urteil. Wenn eine KI behauptet, eine Figur sei mutig, braucht es eine konkrete Szene, eine Handlung, eine Aussage oder eine sprachliche Gestaltung, die diese Deutung trägt. Wenn die KI ein Zitat nennt, musst Du prüfen, ob es wirklich im Text steht. Wenn sie allgemeine Aussagen macht, solltest Du nachfragen: „Welche Textstelle belegt das?“
Bias und Stereotype reflektieren
Bias bedeutet Verzerrung. KI-Systeme können verzerrte oder einseitige Muster übernehmen, weil Trainingsdaten gesellschaftliche Vorurteile enthalten können. Im Literaturunterricht kann das zum Beispiel dazu führen, dass Figuren vorschnell in Rollenbilder eingeordnet werden. Eine weibliche Figur wird vielleicht als emotional beschrieben, ein männlicher Held als aktiv, obwohl der Text differenzierter ist. Auch kulturelle, soziale oder sprachliche Zuschreibungen können verzerrt sein.
Deshalb solltest Du KI-Antworten kritisch lesen: Welche Perspektive wird bevorzugt? Welche Figuren werden abgewertet? Welche Sichtweise fehlt? Werden Klischees wiederholt? Wird ein Text aus einer einzigen Norm heraus beurteilt? Eine gute literarische Kritik erkennt Mehrdeutigkeit und vermeidet einfache Schubladen.
Datenschutz, Transparenz und Eigenleistung
Beim Einsatz von KI im Unterricht sind Datenschutz, Transparenz und Eigenleistung wichtig. Du solltest keine privaten Daten, keine Namen von Mitschülerinnen und Mitschülern und keine vertraulichen Informationen in ein KI-System eingeben. Prüfe die Regeln Deiner Schule und frage Deine Lehrkraft, welche Tools erlaubt sind. Wenn Du KI nutzt, solltest Du offen dokumentieren, wofür Du sie verwendet hast. Eine ehrliche Dokumentation ist Teil guter wissenschaftlicher und schulischer Arbeit.
- Datenschutz: Gib keine persönlichen oder vertraulichen Daten ein.
- Transparenz: Notiere, welche KI Du wofür genutzt hast.
- Eigenleistung: Übernimm keine fertigen Texte ungeprüft.
- Quellenkritik: Prüfe Aussagen, Fachbegriffe und Zitate.
- Urheberrecht: Achte darauf, welche Texte Du eingibst und weiterverwendest.
KI-Nutzungsprotokoll
Ein KI-Nutzungsprotokoll hilft Dir, Deine Arbeit nachvollziehbar zu machen. Es zeigt nicht nur, dass Du ehrlich gearbeitet hast, sondern auch, wie Du gelernt hast. Du kannst dokumentieren, welche Prompts Du gestellt hast, welche Antworten hilfreich waren, welche Fehler Du gefunden hast und welche Veränderungen Du an Deiner eigenen Kritik vorgenommen hast.
| Schritt | Dokumentation |
|---|---|
| Ausgangstext | Welchen literarischen Text hast Du untersucht? |
| Eigene These | Welche Deutung hattest Du vor dem KI-Einsatz? |
| Prompt | Welche genaue Aufgabe hast Du der KI gestellt? |
| KI-Hinweise | Welche Vorschläge hast Du erhalten? |
| Prüfung | Welche Vorschläge waren belegbar, welche nicht? |
| Überarbeitung | Was hast Du an Deiner Kritik verändert? |
| Reflexion | Was hast Du über Lesen, Schreiben und KI gelernt? |
Unterrichtsideen für Klasse 5-10
Klasse 5-6: Erste Leseurteile begründen
In Klasse 5-6 kann KI helfen, einfache Leseeindrücke in begründete Aussagen zu verwandeln. Du kannst zum Beispiel zu einem Märchen, einer Fabel oder einer kurzen Erzählung notieren, welche Figur Du interessant findest. Danach kann die KI Dir Fragen stellen: Welche Handlung zeigt diese Eigenschaft? Welche Wörter beschreiben die Figur? Welche Stelle war spannend? So lernst Du, Deine Meinung mit Textstellen zu begründen.
Geeignete Aufgaben sind kurze Leseprotokolle, Figurensteckbriefe, einfache Rezensionen und Fragen an den Text. Die KI sollte hier nicht die fertige Kritik schreiben, sondern als Fragestellerin dienen.
Klasse 7-8: Perspektiven und sprachliche Mittel untersuchen
In Klasse 7-8 kannst Du KI nutzen, um Erzählperspektive, Figurenkonstellation, Konflikt, Symbol und sprachliche Mittel genauer zu untersuchen. Du kannst Deine Deutung mit der KI vergleichen und fragen, welche Gegenargumente möglich wären. Dadurch lernst Du, dass Literatur nicht nur eine einzige richtige Bedeutung hat, sondern verschiedene plausible Lesarten zulässt.
Eine gute Aufgabe wäre: Schreibe zuerst selbst eine Deutung zu einer Kurzgeschichte. Bitte dann die KI, zwei alternative Deutungen vorzuschlagen. Prüfe anschließend, welche Deutung am besten durch Textbelege gestützt wird. So wird die KI zum Anlass für genaueres Lesen.
Klasse 9-10: Literaturkritik, Ethik und Medienreflexion
In Klasse 9-10 kann KI als anspruchsvoller Gegenleser eingesetzt werden. Du kannst Rezensionen vergleichen, Argumentationen verbessern, den Zusammenhang von Literatur, Gesellschaft und Medien reflektieren oder untersuchen, wie KI literarische Qualität bewertet. Dabei geht es auch um Ethik, Autorenschaft, Originalität, Plagiat, Bias und Verantwortung.
Eine anspruchsvolle Aufgabe lautet: Verfasse eine eigene Literaturkritik, lasse sie von KI kommentieren, prüfe die Rückmeldung und schreibe danach eine Reflexion darüber, welche Entscheidungen Du selbst getroffen hast. So wird sichtbar, dass KI die Arbeit nicht übernimmt, sondern Dein Denken herausfordert.
Methoden und Werkzeuge
Die Gegenlektüre-Methode
Die Gegenlektüre ist eine Methode, bei der Du eine KI-Antwort nicht einfach übernimmst, sondern bewusst hinterfragst. Du liest die KI-Antwort wie einen fremden Text. Du markierst Behauptungen, suchst Textbelege, prüfst Fachbegriffe und notierst Einwände. Danach entscheidest Du, welche Punkte Du übernimmst, veränderst oder verwirfst.
- Behauptung: Welche Aussage macht die KI?
- Beleg: Wo steht dazu etwas im literarischen Text?
- Gegenargument: Welche andere Deutung ist möglich?
- Fachsprache: Sind die Begriffe korrekt?
- Urteil: Was übernimmst Du in Deine eigene Kritik?
Die Drei-Stimmen-Methode
Bei der Drei-Stimmen-Methode unterscheidest Du drei Stimmen: Deine erste Lesestimme, die KI-Stimme und Deine überarbeitete Kritikerstimme. Die erste Stimme hält fest, was Du nach dem Lesen denkst. Die KI-Stimme liefert Rückmeldungen oder Gegenfragen. Die dritte Stimme entscheidet bewusst, was daraus wird. Diese Methode stärkt Deine Metakognition, weil Du über Dein eigenes Denken nachdenkst.
| Stimme | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| Erste Lesestimme | Persönlichen Eindruck festhalten | Ich finde die Hauptfigur widersprüchlich. |
| KI-Stimme | Rückfragen und Alternativen liefern | Welche Textstellen zeigen den Widerspruch? |
| Kritikerstimme | Eigenes begründetes Urteil formulieren | Die Figur wirkt widersprüchlich, weil sie einerseits hilft, andererseits schweigt. |
Der Quellenanker
Ein Quellenanker bedeutet, dass jede wichtige Aussage an eine konkrete Textstelle gebunden wird. Das ist im Umgang mit KI besonders wichtig. Wenn eine KI sagt, ein Gedicht sei melancholisch, brauchst Du Wörter, Bilder, Klang oder Motive, die diese Stimmung zeigen. Wenn die KI behauptet, eine Erzählung kritisiere soziale Ungerechtigkeit, brauchst Du Szenen, Konflikte oder Aussagen, die diese Deutung tragen.

Für den Unterricht kannst Du mit einer einfachen Markierung arbeiten: Grün markierst Du sichere Textbelege. Gelb markierst Du Deutungen, die noch geprüft werden müssen. Rot markierst Du Aussagen, die nicht belegbar sind. So wird die KI-Antwort zum Material für kritisches Lesen.
Beispiel: Von der Meinung zur Kritik
Ausgangspunkt
Viele literarische Gespräche beginnen mit einer Meinung: „Ich mochte die Geschichte“, „Die Figur war gemein“, „Das Gedicht war schwer“ oder „Das Ende war überraschend“. Solche Sätze sind wichtig, aber sie reichen noch nicht. Eine Literaturkritik fragt weiter: Warum wirkt die Geschichte so? Wie wird die Figur dargestellt? Welche sprachlichen Signale machen das Gedicht schwierig? Warum überrascht das Ende?
Überarbeitung mit KI-Unterstützung
| Erste Aussage | Mögliche KI-Rückfrage | Verbesserte Kritik |
|---|---|---|
| Die Figur ist gemein. | Welche Handlung oder Aussage zeigt das? | Die Figur wirkt rücksichtslos, weil sie den Freund öffentlich bloßstellt und danach keine Verantwortung übernimmt. |
| Das Gedicht ist traurig. | Welche Wörter, Bilder oder Klänge erzeugen die Stimmung? | Die melancholische Stimmung entsteht durch dunkle Farbwörter, langsame Satzbewegungen und das Motiv des Abschieds. |
| Das Ende ist gut. | Was bedeutet gut in diesem Zusammenhang? | Das offene Ende ist überzeugend, weil es die Unsicherheit der Hauptfigur auf die Leserinnen und Leser überträgt. |
Mini-Leitfaden für Deine Rezension
Eine Rezension zu einem literarischen Text sollte eine knappe Einführung, eine kurze Inhaltsorientierung, eine Analyse ausgewählter Merkmale und eine begründete Bewertung enthalten. Du musst nicht alles erzählen. Wichtiger ist, dass Du Deine Urteile belegst und erklärst. Nutze KI nur an Stellen, an denen Du Rückmeldung brauchst: Ist meine These klar? Fehlen Belege? Ist mein Urteil zu allgemein? Habe ich Fachbegriffe korrekt verwendet?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Rolle sollte KI im Deutschunterricht beim Schreiben einer Literaturkritik vor allem haben? (Unterstützendes Werkzeug für Prüfung und Überarbeitung) (!Ersatz für das eigene Lesen) (!Automatische Quelle für wahre Urteile) (!Abgabe einer fertigen Klassenarbeit)
Was gehört zu einer guten Literaturkritik? (Begründetes Urteil mit Textbelegen) (!Reine Inhaltsangabe ohne Bewertung) (!Kurzer Geschmackssatz ohne Erklärung) (!Ungeprüfte Übernahme einer fremden Meinung)
Warum darf eine KI-Antwort nicht ungeprüft übernommen werden? (Weil sie Fehler und erfundene Aussagen enthalten kann) (!Weil KI nie Grammatik beherrscht) (!Weil KI keine Fragen beantworten kann) (!Weil literarische Texte keine Deutung erlauben)
Was macht einen guten Prompt im Literaturunterricht aus? (Er nennt Aufgabe, Ziel, Kriterien und Grenzen) (!Er ist möglichst ungenau formuliert) (!Er fordert immer einen fertigen Aufsatz) (!Er verbietet Rückfragen und Prüfung)
Was ist ein Textbeleg? (Eine passende Stelle aus dem literarischen Text) (!Ein zufälliger Satz aus dem Internet) (!Eine erfundene Aussage der KI) (!Eine Meinung ohne Begründung)
Was bedeutet Halluzination bei KI-Systemen? (Eine überzeugend klingende, aber falsche oder unbelegte Aussage) (!Eine besonders kreative Unterrichtsmethode) (!Ein sicherer Beweis aus dem Originaltext) (!Eine Form der Gedichtanalyse)
Was bedeutet Bias im Zusammenhang mit KI? (Systematische Verzerrung in Daten oder Aussagen) (!Fehlerfreie Ausgewogenheit jeder Antwort) (!Eine festgelegte Gedichtform) (!Eine Methode zum Auswendiglernen)
Warum ist die eigene Stimme in einer KI-gestützten Rezension wichtig? (Weil das begründete Urteil Deine eigene Leistung bleiben muss) (!Weil KI nur Überschriften schreiben darf) (!Weil Textbelege immer verboten sind) (!Weil Literaturkritik keine Argumente braucht)
Was prüfst Du bei einer KI-Kritik zuerst? (Ob zentrale Aussagen am Text belegbar sind) (!Ob die Antwort möglichst lang ist) (!Ob alle Wörter schwierig klingen) (!Ob die KI keine Absätze verwendet)
Was lernst Du durch den Vergleich eigener Kritik mit KI-Feedback? (Stärken, Schwächen und Grenzen von Deutungen zu erkennen) (!Jede eigene Leseerfahrung zu vermeiden) (!Texte ohne Lesen zu bewerten) (!Fachbegriffe beliebig zu verwenden)
Memory
| Literaturkritik | begründete Bewertung eines Werkes |
| Textbeleg | Nachweis aus dem literarischen Text |
| Prompt | präziser Auftrag an ein KI-System |
| Halluzination | erfundene oder falsche KI-Aussage |
| Bias | einseitige Verzerrung |
| Revision | Überarbeitung nach Feedback |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Textbeleg | Begründung aus dem Werk |
| Prompt | Arbeitsauftrag an die KI |
| Gegenlektüre | Kritisches Prüfen einer Deutung |
| Rezension | Bewertende Textform |
| Bias | Verzerrung in Aussagen |
| Eigenleistung | Verantwortliches eigenes Urteil |
Kreuzworträtsel
| Rezension | Wie nennt man eine schriftliche Besprechung und Bewertung eines literarischen Werkes? |
| Prompt | Wie heißt ein Arbeitsauftrag, den Du an eine KI formulierst? |
| Kontext | Was hilft, eine Textstelle in Handlung und Situation einzuordnen? |
| Bias | Wie nennt man eine systematische Verzerrung in Daten oder Aussagen? |
| Quelle | Was brauchst Du, um eine Behauptung überprüfbar zu machen? |
| Deutung | Wie nennt man eine begründete Interpretation eines literarischen Textes? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Leseeindruck: Lies eine kurze Geschichte und schreibe fünf Sätze dazu, welche Figur Dich interessiert und warum.
- Textbeleg: Markiere drei Stellen in einem literarischen Text, die Deine Meinung zu einer Figur stützen.
- Prompt-Werkstatt: Formuliere drei Prompts, mit denen eine KI Dir nur Rückfragen zu Deiner Deutung stellen soll.
- Rezensionsanfang: Schreibe den Anfang einer kurzen Rezension und überarbeite ihn nach einer selbst erstellten Checkliste.
Standard
- Rezensionsvergleich: Schreibe zuerst eine eigene Kritik zu einem Gedicht und vergleiche sie danach mit einer KI-Rückmeldung.
- Gegenlektüre: Bitte eine KI um eine alternative Deutung zu Deiner These und prüfe, welche Textbelege dafür oder dagegen sprechen.
- Fachbegriffe: Erstelle ein Glossar mit zehn Fachbegriffen der Literaturkritik und ergänze zu jedem Begriff ein eigenes Beispiel.
- KI-Nutzungsprotokoll: Dokumentiere bei einer Schreibaufgabe alle Prompts, hilfreichen Hinweise, Fehler und eigenen Entscheidungen.
Schwer
- Kritikwerkstatt: Organisiere eine Gruppenrunde, in der menschliche Rückmeldungen und KI-Rückmeldungen zu einer Rezension verglichen werden.
- Bias-Analyse: Untersuche eine KI-Kritik darauf, ob Figuren stereotyp, einseitig oder unbegründet bewertet werden.
- Unterrichtsprojekt: Entwickle für Deine Klasse eine Regelkarte zum verantwortlichen KI-Einsatz beim Schreiben literarischer Kritiken.
- Portfolio: Erstelle ein vollständiges Portfolio aus Erstkritik, KI-Feedback, Prüfprotokoll, überarbeiteter Kritik und Reflexion.

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Lernkontrolle
- Transferaufgabe: Erkläre an einem neuen literarischen Text, wie Du KI nutzen würdest, ohne Deine eigene Deutung abzugeben.
- Argumentationsprüfung: Du erhältst eine KI-Kritik ohne Textbelege und ergänzt begründete Prüfhinweise, Gegenfragen und mögliche Korrekturen.
- Ethikfall: Beurteile eine Situation, in der eine Schülerin eine vollständige KI-Rezension abgibt, und entwickle faire Regeln für Transparenz und Eigenleistung.
- Vergleichsanalyse: Vergleiche eine menschliche Rezension und eine KI-Rezension und erkläre, welche Stärken und Schwächen beide Texte haben.
- Prompt-Design: Entwickle einen Prompt, der keine fertige Interpretation erzeugt, sondern beim kritischen Überarbeiten einer eigenen Kritik hilft.
- Reflexionsaufgabe: Begründe, warum literarische Mehrdeutigkeit für KI-Systeme eine besondere Herausforderung ist und warum menschliche Diskussion wichtig bleibt.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du ein Portfolio zur KI-gestützten Literaturkritik. Es besteht aus einer eigenen Erstfassung, einem dokumentierten KI-Feedback, einer Tabelle zur Prüfung der KI-Aussagen, einer überarbeiteten Endfassung und einer Reflexion. In der Reflexion erklärst Du, was Du selbst entschieden hast, welche KI-Hinweise Du verworfen hast und welche Einsicht Du über Literatur, Sprache und Künstliche Intelligenz gewonnen hast.
| Bestandteil | Erwartung |
|---|---|
| Erstfassung | Eigene Kritik mit These, Begründung und Textbelegen |
| KI-Feedback | Dokumentierte Prompts und ausgewählte Rückmeldungen |
| Prüfprotokoll | Markierung belegbarer, fraglicher und falscher KI-Aussagen |
| Endfassung | Überarbeitete Kritik mit klarer Argumentation |
| Reflexion | Begründete Einschätzung der Rolle von KI im eigenen Lernprozess |
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