Evolution des Erzählaufsatzes - aiMOOC


Evolution des Erzählaufsatzes - aiMOOC
Einleitung
Der Erzählaufsatz gehört zu den wichtigsten Aufsatzarten im Deutschunterricht. In ihm zeigst Du, dass Du eine Erzählung nicht nur inhaltlich sinnvoll planen, sondern auch sprachlich lebendig, spannend und gut gegliedert gestalten kannst. Ein guter Erzählaufsatz besteht nicht einfach aus einer Reihe von Ereignissen. Er entwickelt aus einem Erzählkern, einem Bildimpuls, einer Reizwortgeschichte, einem Erlebnis oder einer vorgegebenen Situation eine zusammenhängende Handlung mit Figuren, Schauplatz, Zeit, Konflikt, Höhepunkt und einem passenden Schluss.
Dieser aiMOOC begleitet Dich Schritt für Schritt auf dem Weg zum perfekten Aufsatz: Du lernst, wie sich der Erzählaufsatz vom einfachen Nacherzählen zum gestalteten Erzählen entwickelt, wie Du einen guten Schreibplan erstellst, welche Rolle Spannung, Erzählperspektive, Zeitform, Dialog, Beschreibung und Überarbeitung spielen und wie Du eine Klassenarbeit oder einen Lernnachweis souverän meistern kannst.
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Was ist ein Erzählaufsatz?
Ein Erzählaufsatz ist ein schulischer Aufsatz, in dem Du eine erfundene oder erlebte Geschichte erzählst. Im Mittelpunkt steht eine Handlung, die für Leserinnen und Leser nachvollziehbar, anschaulich und spannend sein soll. Der Text folgt in der Regel dem klassischen Aufbau aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Anders als bei einer bloßen Inhaltsangabe darfst und sollst Du im Erzählaufsatz ausgestalten: Du beschreibst Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Bewegungen, Geräusche und Situationen so, dass beim Lesen ein klares Bild entsteht.
Ein gelungener Erzählaufsatz beantwortet nicht nur die Frage Was passiert?, sondern auch die Fragen Wer erlebt etwas?, Wo und wann geschieht es?, Warum wird die Situation bedeutsam?, Wie steigt die Spannung? und Was verändert sich am Ende? Dadurch entsteht eine erzählerische Dramaturgie, die den Text lesenswert macht.
Merkmale eines guten Erzählaufsatzes
Ein guter Erzählaufsatz verbindet Inhalt, Aufbau und Sprache. Der Inhalt muss verständlich, glaubwürdig und auf die Aufgabenstellung bezogen sein. Der Aufbau muss so geordnet sein, dass die Leserinnen und Leser der Handlung mühelos folgen können. Die Sprache soll lebendig sein, ohne überladen zu wirken.
- Erzählkern: Die Geschichte hat eine klare Grundidee, um die sich alles dreht.
- Roter Faden: Alle wichtigen Ereignisse hängen logisch miteinander zusammen.
- Spannungsbogen: Die Handlung steigert sich bis zu einem entscheidenden Moment.
- Höhepunkt: Die wichtigste Szene wird ausführlich erzählt.
- Schluss: Das Ende löst die Situation sinnvoll auf oder lässt bewusst eine passende Wirkung zurück.
- Anschaulichkeit: Sinneseindrücke, Gefühle und genaue Verben machen den Text lebendig.
- Überarbeitung: Inhalt, Aufbau, Ausdruck, Rechtschreibung und Zeichensetzung werden kontrolliert.
Die Evolution des Erzählaufsatzes
Mit der Evolution des Erzählaufsatzes ist gemeint, dass sich Deine Schreibfähigkeit Schritt für Schritt weiterentwickelt. Am Anfang steht oft ein einfaches Erzählen: Du berichtest, was zuerst, danach und am Ende passiert. Ein höheres Niveau erreichst Du, wenn Du bewusst mit Spannung, Erzähltempo, Perspektive, Dialog, innerer Handlung und sprachlicher Gestaltung arbeitest. Aus einer einfachen Ereignisfolge wird dann eine gestaltete Erzählung.
Stufe 1: Ereignisse ordnen
Auf der ersten Stufe geht es darum, die Ereignisse in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Du klärst, welche Figuren vorkommen, wo die Handlung spielt, wann sie stattfindet und welches Problem entsteht. Diese Stufe ist wichtig, weil ein Text ohne klare Ordnung schnell verwirrend wird. Typische Hilfen sind ein Schreibplan, eine Mindmap oder eine kurze Stichwortsammlung.
Stufe 2: Handlung ausgestalten
Auf der zweiten Stufe gestaltest Du die Handlung genauer. Du erzählst nicht nur, dass jemand Angst hat, sondern zeigst die Angst durch Körpersprache, Gedanken, Geräusche oder Wahrnehmungen. Statt Ich ging in den Keller und hatte Angst könntest Du schreiben: Die Treppe knarrte unter meinen Füßen, während mein Herz immer schneller schlug. Dadurch entsteht Anschaulichkeit.
Stufe 3: Spannung bewusst aufbauen
Auf der dritten Stufe steuerst Du den Spannungsbogen. Du setzt Hinweise, verzögerst Informationen, beschreibst den entscheidenden Moment genauer und lässt die Leserinnen und Leser mitdenken. Wichtig ist, dass die Spannung nicht zufällig entsteht, sondern geplant wird. Dazu gehören Konflikt, Hindernis, Wendepunkt und Höhepunkt.

Stufe 4: Erzählerische Wirkung erzeugen
Auf der vierten Stufe gestaltest Du die Wirkung Deines Textes bewusst. Du entscheidest, welche Erzählperspektive passt, welche Zeitform Du durchhältst, wann ein Dialog sinnvoll ist und welche Details Du weglässt. Ein sehr guter Erzählaufsatz wirkt nicht zufällig spannend, sondern zeigt, dass Du erzählerische Mittel gezielt einsetzt.
Der perfekte Aufsatz im Deutschunterricht
Ein perfekter Aufsatz ist nicht unbedingt ein fehlerfreier Text ohne jede Schwäche. Gemeint ist ein Text, der die Aufgabenstellung erfüllt, klar aufgebaut ist, sprachlich passend gestaltet wurde und nach einer gründlichen Überarbeitung möglichst wenig vermeidbare Fehler enthält. In einer Klassenarbeit ist besonders wichtig, dass Du planvoll vorgehst und Deine Zeit sinnvoll einteilst.
Phase 1: Aufgabenstellung verstehen
Bevor Du schreibst, musst Du die Aufgabenstellung genau lesen. Achte darauf, welche Textsorte verlangt wird. Sollst Du eine Erlebniserzählung, eine Bildergeschichte, eine Reizwortgeschichte, eine Nacherzählung, eine Fortsetzungsgeschichte oder eine freie Erzählung schreiben? Markiere wichtige Vorgaben, zum Beispiel Reizwörter, Figuren, Ort, Erzählanfang, Schlussvorgabe oder gewünschte Erzählperspektive.
Eine häufige Fehlerquelle besteht darin, dass Lernende zwar eine spannende Geschichte schreiben, aber die Aufgabenstellung nicht genau erfüllen. Deshalb gilt: Erst verstehen, dann planen, dann schreiben.
Phase 2: Schreibplan erstellen
Der Schreibplan ist Dein Werkzeug gegen Schreibblockaden und Chaos. Er muss nicht lang sein, aber er sollte die wichtigsten Stationen enthalten. Besonders hilfreich ist eine Dreiteilung in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Ergänze außerdem den Höhepunkt, denn er ist die wichtigste Szene Deines Erzählaufsatzes.
- Einleitung: Wer kommt vor? Wo und wann spielt die Geschichte? Welche Ausgangssituation liegt vor?
- Hauptteil: Was bringt die Handlung in Gang? Welche Hindernisse entstehen? Wie steigt die Spannung?
- Höhepunkt: Was ist der entscheidende Moment? Was steht auf dem Spiel?
- Schluss: Wie wird die Situation gelöst? Was hat sich verändert?
Phase 3: Rohfassung schreiben
Die Rohfassung ist die erste vollständige Version Deines Textes. Beim Schreiben solltest Du auf den roten Faden achten und die Geschichte nicht mit unwichtigen Nebenhandlungen überladen. Besonders der Hauptteil braucht Zeit und Raum. Viele schwache Erzählaufsätze sind in der Einleitung sehr lang, erzählen den Höhepunkt zu knapp und beenden die Geschichte plötzlich. Ein guter Text verteilt die Erzählzeit sinnvoll.
Phase 4: Überarbeiten
Die Überarbeitung ist ein zentraler Teil des Schreibprozesses. Du prüfst nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch den Inhalt und die Wirkung. Lies Deinen Text mit mehreren Fragen: Ist die Handlung logisch? Gibt es einen klaren Höhepunkt? Sind die Figuren verständlich? Ist die Zeitform einheitlich? Sind Satzanfänge abwechslungsreich? Gibt es Wiederholungen? Sind die Dialoge richtig gezeichnet?
Aufbau eines Erzählaufsatzes
Einleitung
Die Einleitung führt in die Geschichte ein. Sie nennt die wichtigsten Figuren, den Schauplatz, die Zeit und die Ausgangssituation. Sie sollte nicht zu lang sein, aber genug Orientierung geben. Eine gute Einleitung macht neugierig, ohne den Höhepunkt vorwegzunehmen.
Beispiel für eine schwache Einleitung: Ich war einmal im Wald. Dann passierte etwas Spannendes.
Beispiel für eine stärkere Einleitung: An einem nebligen Novembermorgen wartete Leo am Rand des Waldes auf seine Schwester, obwohl längst niemand mehr auf dem verlassenen Parkplatz zu sehen war.
Die zweite Version wirkt stärker, weil sie Atmosphäre, Zeit, Ort und eine leichte Spannung verbindet.
Hauptteil
Der Hauptteil ist der längste Teil des Erzählaufsatzes. Hier entwickelt sich die Handlung. Ein Ereignis führt zum nächsten. Hindernisse, Missverständnisse, Gefahren oder Entscheidungen sorgen dafür, dass die Spannung steigt. Wichtig ist, dass der Hauptteil nicht nur aus schnellen Handlungen besteht. Wechsle zwischen Erzählen, Beschreiben, Wahrnehmen, Denken und Sprechen.
Ein guter Hauptteil nutzt das Prinzip zeigen statt behaupten. Schreibe nicht nur: Mira war nervös. Zeige es: Mira drehte den Stift zwischen den Fingern, bis die Spitze abbrach. Dadurch entsteht eine lebendige Figurenzeichnung.
Höhepunkt
Der Höhepunkt ist der entscheidende Moment der Geschichte. Hier wird der Konflikt am stärksten. Die Figur muss handeln, eine Entdeckung machen, eine Gefahr bestehen, eine Entscheidung treffen oder eine überraschende Wendung erleben. Der Höhepunkt sollte ausführlich erzählt werden, weil er die größte Wirkung auf die Leserinnen und Leser hat.
Typische Fehler beim Höhepunkt sind ein zu schnelles Erzählen, ein unlogischer Zufall oder eine Lösung, die nicht vorbereitet wurde. Besser ist es, kleine Hinweise vorher einzubauen und den Höhepunkt szenisch zu gestalten.
Schluss
Der Schluss beendet die Geschichte. Er zeigt, wie die Situation ausgeht und was sich verändert hat. Ein Schluss kann beruhigend, überraschend, nachdenklich oder humorvoll sein. Wichtig ist, dass er zur Geschichte passt. Ein guter Schluss erklärt nicht alles überdeutlich, lässt aber keine zentrale Frage offen, die für das Verständnis wichtig wäre.
Erzählperspektive und Zeitform
Erzählperspektive
Die Erzählperspektive bestimmt, aus wessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Im Deutschunterricht sind besonders die Ich-Erzählung und die Er-/Sie-Erzählung wichtig. Bei einer Ich-Erzählung erlebt die lesende Person die Handlung sehr nah an einer Figur. Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen wirken unmittelbar. Bei einer Er-/Sie-Erzählung kannst Du etwas mehr Abstand schaffen und mehrere Figuren beschreiben, wenn die Aufgabenstellung das zulässt.
Wichtig ist, dass Du die Erzählperspektive nicht ohne Grund wechselst. Ein plötzlicher Perspektivwechsel kann die Leserinnen und Leser verwirren. Wenn Du als Ich-Erzähler schreibst, kannst Du nicht sicher wissen, was eine andere Figur denkt, außer diese Figur sagt es, zeigt es oder Du vermutest es.
Zeitform
Viele Erzählaufsätze werden im Präteritum geschrieben: Ich ging, sie sah, er öffnete. Manchmal ist auch das Präsens möglich, besonders wenn eine sehr unmittelbare Wirkung entstehen soll. Entscheidend ist, dass Du die gewählte Zeitform durchhältst. Unbeabsichtigte Wechsel zwischen Präteritum und Präsens gelten häufig als sprachliche Schwäche.
Sprachliche Gestaltung
Treffende Verben und genaue Nomen
Lebendige Sprache entsteht vor allem durch genaue Wörter. Statt immer gehen zu schreiben, kannst Du je nach Situation schleichen, stolpern, rennen, tappen, hasten oder schlendern verwenden. Statt Ding solltest Du genauer benennen, worum es geht. Genaue Verben und Nomen machen Deinen Text anschaulicher.
Sinneseindrücke
Sinneseindrücke helfen den Leserinnen und Lesern, in die Szene einzutauchen. Du kannst beschreiben, was eine Figur sieht, hört, riecht, schmeckt oder fühlt. Achte aber darauf, nicht wahllos alle Sinne aufzuzählen. Wähle die Eindrücke aus, die zur Stimmung passen.
Beispiel: Der Flur roch nach kaltem Rauch, irgendwo tropfte Wasser, und unter der Tür flackerte ein schmaler Streifen Licht.
Dialoge
Ein Dialog kann eine Geschichte lebendig machen, wenn er etwas zur Handlung beiträgt. Figuren sprechen nicht nur, um Informationen zu liefern, sondern auch, um Gefühle, Beziehungen und Konflikte sichtbar zu machen. Achte auf die richtige Zeichensetzung bei der direkten Rede.
Beispiel: „Hast du das auch gehört?“, flüsterte Samira. „Da ist jemand im Garten.“
Satzanfänge und Satzbau
Abwechslungsreiche Satzanfänge verbessern den Lesefluss. Wenn viele Sätze mit Dann beginnen, wirkt die Geschichte eintönig. Nutze stattdessen zeitliche, örtliche, kausale oder stimmungsbezogene Einstiege.
- Zeitangabe: Kurz darauf, Wenige Minuten später, Am nächsten Morgen
- Ortsangabe: Hinter der Tür, Auf dem Schulhof, Unter der Brücke
- Gefühl: Zögernd, Erleichtert, Wütend, Atemlos
- Handlung: Ohne nachzudenken, Mit zitternden Händen, Langsam
Spannung aufbauen
Spannung entsteht, wenn die Leserinnen und Leser wissen möchten, wie es weitergeht. Dafür braucht die Geschichte ein Ziel, ein Problem oder eine offene Frage. Spannung kann durch Verzögerung, Andeutung, unerwartete Hindernisse, innere Konflikte oder gefährliche Situationen entstehen. Wichtig ist, dass die Spannung zum Thema passt. Nicht jede Erzählung braucht eine Verfolgungsjagd; auch ein verlorener Brief, eine schwierige Entschuldigung oder ein peinliches Geheimnis kann spannend sein.
Mittel der Spannung
- Andeutung: Ein kleines Detail weist auf ein späteres Ereignis hin.
- Verzögerung: Die Lösung wird nicht sofort verraten.
- Konflikt: Eine Figur steht vor einem Problem.
- Zeitdruck: Die Figur muss schnell handeln.
- Wendepunkt: Die Handlung entwickelt sich anders als erwartet.
- Innenperspektive: Gedanken und Gefühle machen die Situation intensiver.
Häufige Fehler und bessere Lösungen
Fehler 1: Die Geschichte beginnt zu langsam
Wenn die Einleitung zu viele unwichtige Informationen enthält, verliert der Text an Wirkung. Besser ist eine knappe Orientierung mit einem interessanten Einstieg. Starte nicht mit langen Erklärungen, sondern mit einer Situation, die neugierig macht.
Fehler 2: Der Höhepunkt ist zu kurz
Viele Lernende erzählen den Anfang ausführlich und den Höhepunkt in einem Satz. Genau umgekehrt wäre oft sinnvoller. Der Höhepunkt verdient Raum, weil dort die größte Spannung liegt.
Fehler 3: Die Zeitform wechselt unabsichtlich
Ein häufiger Fehler ist der Wechsel zwischen Präteritum und Präsens. Markiere beim Überarbeiten die Verben und prüfe, ob die Zeitform zusammenpasst.
Fehler 4: Gefühle werden nur behauptet
Sätze wie Ich war traurig oder Er hatte Angst sind nicht falsch, aber oft wenig anschaulich. Besser ist es, Gefühle durch Handlung, Gedanken, Körperreaktionen oder Wahrnehmungen sichtbar zu machen.
Fehler 5: Der Schluss kommt plötzlich
Ein Schluss sollte nicht wirken, als sei die Zeit in der Klassenarbeit abgelaufen. Plane vor dem Schreiben, wie die Geschichte endet. So vermeidest Du ein abruptes Ende.
Checkliste für die Klassenarbeit
Mit dieser Checkliste kannst Du Deinen Erzählaufsatz vor der Abgabe prüfen.
- Aufgabenstellung: Habe ich alle Vorgaben beachtet?
- Erzählperspektive: Bleibt die Perspektive einheitlich?
- Zeitform: Ist die Zeitform durchgehend passend?
- Aufbau: Sind Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss klar erkennbar?
- Spannung: Steigert sich die Handlung sinnvoll?
- Anschaulichkeit: Nutze ich genaue Verben, Sinneseindrücke und passende Beschreibungen?
- Dialog: Sind direkte Reden korrekt gesetzt und sinnvoll?
- Roter Faden: Hängen alle Ereignisse logisch zusammen?
- Rechtschreibung: Habe ich Groß- und Kleinschreibung, Kommas und Satzzeichen geprüft?
- Überarbeitung: Habe ich Wiederholungen, unklare Sätze und unnötige Stellen verbessert?
Beispiel: Vom einfachen Satz zur erzählenden Szene
Einfacher Satz
Ich ging in das alte Haus und fand eine Kiste.
Ausgestaltete Szene
Die Haustür gab mit einem leisen Knacken nach. Ich blieb einen Moment stehen und lauschte. Nichts. Nur der Wind fuhr durch die zerbrochenen Fenster im ersten Stock. Dann schob ich mich in den Flur. Unter meinen Schuhen knirschten Glassplitter. Neben der Treppe entdeckte ich eine staubige Holzkiste, auf deren Deckel jemand mit schwarzer Farbe meinen Namen geschrieben hatte.
Dieses Beispiel zeigt, wie aus einer knappen Information eine Szene wird. Die Handlung bleibt einfach, aber durch Geräusche, Bewegungen, Wahrnehmungen und ein rätselhaftes Detail entsteht Spannung.
Schreibstrategien für bessere Erzählaufsätze
Die Fünf-Minuten-Planung
Auch wenn die Zeit knapp ist, lohnt sich ein kurzer Schreibplan. Notiere die Ausgangssituation, den Konflikt, den Höhepunkt und den Schluss. Dadurch behältst Du den Überblick und vermeidest ein zielloses Schreiben.
Der Szenenblick
Stelle Dir die wichtigste Szene wie einen kurzen Film vor. Was sieht die Figur? Was hört sie? Was denkt sie? Was tut sie zuerst? Was geschieht dann? Diese Vorstellung hilft Dir, den Höhepunkt anschaulich und logisch zu schreiben.
Die Kürzungsprobe
Nach dem Schreiben kannst Du prüfen, welche Sätze wirklich wichtig sind. Wenn ein Satz weder Handlung, Stimmung, Figur noch Spannung unterstützt, kannst Du ihn kürzen oder streichen. Dadurch wird der Text dichter.
Die Leserfrage
Frage Dich beim Überarbeiten: Was soll die lesende Person an dieser Stelle wissen, fühlen oder erwarten? Diese Frage hilft Dir, die Wirkung Deines Textes bewusst zu steuern.
Differenzierung: Von der Grundform zur anspruchsvollen Erzählung
Leichtes Niveau
Auf leichtem Niveau steht der klare Aufbau im Mittelpunkt. Du schreibst eine verständliche Geschichte mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Die Ereignisse sind geordnet, die Figuren handeln nachvollziehbar und der Text erfüllt die Aufgabenstellung.
Standardniveau
Auf Standardniveau achtest Du zusätzlich auf Spannung, genaue Wörter, abwechslungsreiche Satzanfänge und eine passende Erzählperspektive. Der Höhepunkt wird ausführlicher erzählt als die weniger wichtigen Stellen.
Schweres Niveau
Auf schwerem Niveau gestaltest Du die Wirkung bewusst. Du nutzt Andeutungen, innere Handlung, Dialoge, Symbolik oder Kontraste. Die Figuren wirken nicht wie Schablonen, sondern zeigen Gefühle, Motive und Veränderungen. Der Schluss hat eine erkennbare Wirkung und passt genau zum Thema.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aufgabe hat die Einleitung eines Erzählaufsatzes? (Sie führt Figuren, Ort, Zeit und Ausgangssituation ein) (!Sie löst den Konflikt vollständig auf) (!Sie enthält nur die wörtliche Rede) (!Sie ersetzt den Hauptteil)
Was ist der Höhepunkt einer Erzählung? (Der entscheidende Moment der Handlung) (!Die Überschrift des Textes) (!Die erste Beschreibung des Ortes) (!Die Liste aller Figuren)
Welche Zeitform wird im Erzählaufsatz häufig verwendet? (Präteritum) (!Futur zwei) (!Plusquamperfekt als einzige Zeitform) (!Imperativ)
Was bedeutet roter Faden beim Schreiben? (Die Ereignisse hängen logisch zusammen) (!Alle Sätze beginnen gleich) (!Die Geschichte hat immer ein trauriges Ende) (!Der Text enthält keine Figuren)
Welche Wirkung haben treffende Verben? (Sie machen Handlungen genauer und lebendiger) (!Sie ersetzen die Zeichensetzung) (!Sie verhindern jeden Dialog) (!Sie machen eine Einleitung überflüssig)
Wann ist ein Dialog im Erzählaufsatz sinnvoll? (Wenn er Handlung, Figur oder Konflikt unterstützt) (!Wenn er nur die Wortzahl erhöht) (!Wenn er die Aufgabenstellung ersetzt) (!Wenn er ohne Satzzeichen geschrieben wird)
Was sollte vor dem Schreiben eines Erzählaufsatzes entstehen? (Ein kurzer Schreibplan) (!Eine vollständige Inhaltsangabe des Endtextes) (!Eine Liste aller Rechtschreibregeln) (!Ein fertiges Fazit ohne Handlung)
Was ist ein häufiger Fehler bei schwachen Erzählaufsätzen? (Der Höhepunkt wird zu knapp erzählt) (!Die Einleitung nennt Figuren und Ort) (!Die Handlung hat einen Konflikt) (!Der Schluss passt zur Geschichte)
Was bedeutet zeigen statt behaupten? (Gefühle werden durch Handlung und Wahrnehmung sichtbar) (!Alle Gefühle werden aus dem Text gestrichen) (!Die Geschichte wird nur als Tabelle geschrieben) (!Jede Figur erklärt den Aufbau)
Welche Frage hilft bei der Überarbeitung besonders? (Ist die Handlung logisch und spannend aufgebaut) (!Sind alle Wörter möglichst lang) (!Habe ich jede Zeile gleich begonnen) (!Kann ich den Schluss weglassen)
Memory
| Erzählkern | Grundidee der Geschichte |
| Einleitung | Orientierung für den Leser |
| Höhepunkt | Entscheidender Moment |
| Dialog | Gespräch zwischen Figuren |
| Überarbeitung | Verbesserung der Rohfassung |
| Spannungsbogen | Steigerung bis zur Lösung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ausgangssituation | Beginn der Geschichte |
| Auslöser | Bringt die Handlung in Gang |
| Konflikt | Erzeugt das zentrale Problem |
| Höhepunkt | Entscheidet die Situation |
| Schluss | Löst die Handlung passend auf |
Kreuzworträtsel
| Einleitung | Welcher Teil führt Figuren, Ort und Zeit ein? |
| Hauptteil | Welcher Teil entwickelt die Handlung ausführlich? |
| Hoehepunkt | Wie heißt der entscheidende Moment der Geschichte? |
| Dialog | Wie heißt ein Gespräch zwischen Figuren? |
| Spannung | Was soll im Hauptteil Schritt für Schritt steigen? |
| Schluss | Welcher Teil beendet die Geschichte? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Erzählanfang: Schreibe drei verschiedene Anfänge zu derselben Situation: einmal spannend, einmal lustig und einmal geheimnisvoll.
- Figurenbeschreibung: Erfinde eine Hauptfigur und beschreibe sie so, dass man ihre Stimmung erkennt, ohne das Gefühl direkt zu nennen.
- Sinneseindruck: Beschreibe einen Schulflur nach Unterrichtsschluss mit mindestens drei passenden Sinneseindrücken.
- Schreibplan: Erstelle zu den Reizwörtern Schlüssel, Gewitter und Fahrrad einen Schreibplan mit Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss.
Standard
- Spannungsbogen: Schreibe eine kurze Erzählung, in der die Spannung in mindestens drei Schritten steigt.
- Dialog: Verfasse eine Szene, in der zwei Figuren streiten, ohne dass das Wort Streit vorkommt.
- Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe kurze Handlung einmal aus der Ich-Perspektive und einmal aus der Er-/Sie-Perspektive.
- Überarbeitung: Nimm einen alten Aufsatz von Dir und verbessere Satzanfänge, Verben, Höhepunkt und Schluss.
Schwer
- Erzählstrategie: Plane eine Geschichte, in der ein kleines Detail am Anfang erst am Schluss seine Bedeutung bekommt.
- Innere Handlung: Schreibe eine Szene, in der äußerlich wenig passiert, aber die Hauptfigur eine wichtige Entscheidung trifft.
- Symbol: Nutze einen Gegenstand als Symbol für die Veränderung einer Figur und erkläre anschließend Deine Gestaltung.
- Lernvideo: Erstelle ein kurzes Erklärvideo oder Storyboard mit Tipps für einen gelungenen Erzählaufsatz in der Klassenarbeit.

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Lernkontrolle
- Transferaufgabe: Vergleiche einen einfachen Bericht und einen Erzählaufsatz zum gleichen Ereignis. Erkläre, wodurch der Erzählaufsatz lebendiger wirkt.
- Schreibanalyse: Untersuche einen fremden Erzähltext darauf, wie Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss gestaltet sind.
- Überarbeitungskompetenz: Verbessere einen absichtlich schwachen Erzählabschnitt und begründe mindestens fünf Deiner Änderungen.
- Perspektiventscheidung: Entscheide für eine vorgegebene Handlung, ob eine Ich-Erzählung oder eine Er-/Sie-Erzählung besser passt, und begründe Deine Wahl.
- Spannungsaufbau: Entwickle aus einer alltäglichen Situation einen Spannungsbogen, ohne übertriebene Action zu verwenden.
- Bewertungskriterien: Erstelle einen Bewertungsbogen für Erzählaufsätze und erkläre, welche Kriterien besonders wichtig sind.
- Schreibreflexion: Schreibe nach einem eigenen Erzählaufsatz eine Reflexion darüber, welche Schreibstrategie Dir geholfen hat und was Du beim nächsten Mal verbessern willst.
Lernnachweis
Der Lernnachweis überprüft nicht nur, ob Du Fachbegriffe kennst, sondern ob Du einen Erzählaufsatz planen, schreiben, überarbeiten und begründen kannst. Nutze dazu eine eigene Erzählidee oder eine von der Lehrkraft vorgegebene Aufgabenstellung.
- Planung: Erstelle einen kurzen Schreibplan mit Ausgangssituation, Konflikt, Höhepunkt und Schluss.
- Schreibprodukt: Schreibe einen vollständigen Erzählaufsatz mit erkennbarer Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss.
- Sprachgestaltung: Markiere im eigenen Text drei Stellen, an denen Du Spannung, Sinneseindrücke oder Dialog bewusst eingesetzt hast.
- Überarbeitung: Verbessere Deinen Text anhand einer Checkliste zu Aufbau, Zeitform, Satzanfängen, Wortwahl und Zeichensetzung.
- Reflexion: Erkläre in fünf bis acht Sätzen, welche Entscheidung Deinen Aufsatz besonders verbessert hat und woran Du weiterarbeiten möchtest.
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