Elvis Presley – Baby, What You Want Me to Do


Elvis Presley – Baby, What You Want Me to Do
Einleitung
Elvis Presley – Baby, What You Want Me to Do behandelt die bekannte Interpretation des von Jimmy Reed geschriebenen Blues-Standards durch Elvis Presley. Reeds Original erschien 1959. Presleys Fassung wurde 1968 im Umfeld des NBC-Fernsehspecials Elvis aufgezeichnet, das später als ’68 Comeback Special bekannt wurde. Du untersuchst in diesem aiMOOC die Entstehungsgeschichte, den zwölftaktigen Blues, den Shuffle, die Bühnenwirkung, die Fernsehinszenierung und die kulturelle Bedeutung einer Coverversion.

Verknüpfte Lernbereiche
- Musikgeschichte: Entstehung des Bluesstandards und Einordnung des Fernsehauftritts von 1968.
- Musikanalyse: Form, Harmonik, Rhythmus, Riff, Stimme und Zusammenspiel.
- Medienbildung: Kamera, Schnitt, Raum, Kleidung und Starimage.
- Englischunterricht: Titel, Umgangssprache, Wiederholung und Mehrdeutigkeit.
- Politische Bildung: kultureller Austausch, Sichtbarkeit, Urheberschaft und Machtverhältnisse.
- Darstellendes Spiel: Körpersprache, Bühnenpräsenz und Interaktion mit dem Publikum.
Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du
- Jimmy Reed als Songwriter und Erstinterpreten benennen.
- Presleys Interpretation historisch in das Jahr 1968 einordnen.
- die Grundstruktur eines zwölftaktigen Blues erklären.
- Tonika, Subdominante und Dominante unterscheiden.
- den Klang eines Shuffle-Grooves beschreiben.
- Unterschiede zwischen Komposition, Arrangement und Performance erläutern.
- Bild und Ton einer historischen Fernsehaufnahme analysieren.
- eine Coverversion unter kulturellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewerten.
Historischer Hintergrund
Jimmy Reed und das Original
Jimmy Reed war ein afroamerikanischer Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler und Songwriter. Sein Stil verband einen entspannten Gesang mit wiederholten Gitarrenfiguren, einem prägnanten Shuffle und klaren Bluesformen. Baby What You Want Me to Do wurde 1959 aufgenommen und bei Vee-Jay Records veröffentlicht. Der Song entwickelte sich zu einem häufig interpretierten Bluesstandard.
Entscheidend ist die korrekte Zuordnung: Jimmy Reed schrieb und veröffentlichte das Original. Elvis Presley komponierte den Song nicht, sondern gestaltete eine spätere Interpretation. Diese Unterscheidung macht sichtbar, welche Leistungen zur Komposition, zum Arrangement und zur konkreten Performance gehören.

Elvis Presley und das Jahr 1968
Das NBC-Special Elvis wurde am 3. Dezember 1968 ausgestrahlt. Später setzte sich die Bezeichnung ’68 Comeback Special durch. Regisseur war Steve Binder. Die Sendung verband aufwendig gestaltete Produktionsnummern mit engeren Live-Situationen. Besonders die Sit-down-Passagen vermittelten den Eindruck eines spontanen musikalischen Treffens.
Für eine am 27. Juni 1968 aufgezeichnete Livefassung von Baby What You Want Me to Do werden Elvis Presley, Scotty Moore und Charlie Hodge an Gitarren sowie D. J. Fontana, Allan Fortas und Lance LeGault als weitere Mitwirkende genannt. Die räumliche Nähe, die sichtbaren Reaktionen der Musiker und die direkte Einbindung des Publikums prägen die Wirkung.

Musikalische Analyse
Zwölftaktiger Blues
Der Song beruht auf dem Modell des zwölftaktigen Blues. Dabei werden vor allem drei harmonische Funktionen verwendet:
| Funktion | Stufe | Wirkung |
|---|---|---|
| Tonika | I | Ruhepunkt und tonales Zentrum |
| Subdominante | IV | Öffnung und Bewegung |
| Dominante | V | Spannung und Rückkehrerwartung |
In E-Dur beziehungsweise E-Blues entsprechen diese Funktionen häufig den Akkorden E, A und H oder B. Das Grundmodell gliedert sich in drei Gruppen zu je vier Takten. In realen Aufführungen können Akkorde verlängert, vorgezogen oder durch Varianten ersetzt werden. Gerade solche Veränderungen gehören zur lebendigen Bluespraxis.
Shuffle und Backbeat
Ein Shuffle teilt den Grundschlag nicht in zwei gleich lange Hälften. Es entsteht ein lang-kurz empfundenes Muster, das sich aus einer ternären Unterteilung ableiten lässt. Der Groove wirkt dadurch federnd und rollend. Betonungen auf den Zählzeiten zwei und vier bilden den Backbeat. Wiederkehrende Gitarrenfiguren stabilisieren das Tempo und erzeugen einen hohen Wiedererkennungswert.
Riff, Stimme und Phrasierung
Ein Riff ist eine kurze, wiederkehrende musikalische Figur. Es verbindet Rhythmus, Harmonie und Klangfarbe. Presleys Gesang arbeitet mit Phrasierung, also mit der individuellen Formung von Tonlängen, Atemstellen, Akzenten und Pausen. Kleine Abweichungen zwischen den Wiederholungen lassen die Aufführung spontan wirken.
Achte beim Hören auf Timbre, Dynamik, Blue Notes, Pausen und Call and Response. Die Instrumente antworten teilweise auf den Gesang oder füllen freie Stellen. So entsteht ein musikalisches Gespräch.
Zusammenspiel
Die Aufführung wirkt wie eine Jam-Session, obwohl sie Teil einer professionellen Fernsehproduktion ist. Blickkontakte, Lächeln, Gesten und Körperbewegungen helfen bei der Koordination. Das Publikum befindet sich in unmittelbarer Nähe und wird sichtbar in die Aufführung einbezogen. Authentizität entsteht hier nicht durch den Verzicht auf Inszenierung, sondern durch das Zusammenspiel realer musikalischer Reaktionen mit Kamera und Schnitt.
Audiovisuelle Inszenierung
Kamera, Raum und Nähe
Die kleine Spielfläche reduziert die Distanz zwischen Künstlern und Publikum. Nahaufnahmen zeigen Gesichtsausdruck, Hände und spontane Reaktionen. Die Kamera lenkt den Blick und erzeugt das Gefühl, an einem privaten musikalischen Moment teilzunehmen.
Untersuche dabei:
- Mise-en-scène: Anordnung von Musikern, Instrumenten, Licht und Publikum.
- Einstellungsgröße: Wechsel zwischen Nahaufnahme, Halbnah und Übersicht.
- Montage: Rhythmus und Reihenfolge der Schnitte.
- Blickkontakt: Kommunikation zwischen Musikern, Sänger und Publikum.
Kleidung und Starimage
Das schwarze Lederkostüm wurde zu einem Symbol des Specials. Es erinnert an Presleys rebellisches Image der 1950er Jahre. Kleidung, Körperhaltung und Gestik sind keine bloßen Nebensachen, sondern tragen zur Bedeutung der Aufführung bei. Trenne in Deiner Analyse immer zwischen genauer Beobachtung und begründeter Deutung.
Coverversion und kultureller Kontext
Eine Coverversion ist eine neue Interpretation einer bereits vorhandenen Komposition. Sie kann Tempo, Tonart, Instrumentation, Klang, Form und Bühnenwirkung verändern. Dennoch bleibt die ursprüngliche Urheberschaft bestehen.
Der Blues entstand in afroamerikanischen Lebens- und Musikkulturen der Vereinigten Staaten. Seine Weitergabe an Rhythm and Blues, Rock ’n’ Roll und Popmusik war von kreativem Austausch, aber auch von ungleichen wirtschaftlichen Möglichkeiten und unterschiedlicher medialer Sichtbarkeit geprägt. Eine verantwortungsvolle Analyse nennt Jimmy Reed als Urheber, vergleicht Original und Cover und reflektiert Reichweite, Vermarktung und Anerkennung.
Hörleitfaden
| Hördurchgang | Fokus | Auftrag |
|---|---|---|
| Erster Durchgang | Gesamteindruck | Notiere drei passende Adjektive und begründe sie mit Klangmerkmalen. |
| Zweiter Durchgang | Form | Markiere Beginn und Ende mehrerer Bluesrunden. |
| Dritter Durchgang | Groove | Klopfe den Grundpuls und achte auf Shuffle und Backbeat. |
| Vierter Durchgang | Interaktion | Beobachte Blicke, Gesten, Pausen und instrumentale Antworten. |
| Fünfter Durchgang | Mediengestaltung | Untersuche Kamera, Schnitt, Raum und Publikumsnähe. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb das Original von Baby What You Want Me to Do? (Jimmy Reed) (!Elvis Presley) (!Steve Binder) (!Scotty Moore)
In welchem Jahr erschien Jimmy Reeds Original? (1959) (!1954) (!1968) (!1977)
Welcher Musikrichtung gehört der Song an? (Blues) (!Oper) (!Reggae) (!Techno)
In welchem Kontext entstand Presleys bekannte Fassung von 1968? (Im NBC-Special Elvis) (!Bei einer Sportübertragung) (!In einer Nachrichtensendung) (!In einem Stummfilm)
Was kennzeichnet einen Shuffle? (Eine lang-kurz empfundene Unterteilung) (!Nur gleich lange Töne) (!Ein fehlender Grundpuls) (!Ausschließlich freie Improvisation)
Welche drei Funktionen prägen den Blues besonders? (Tonika Subdominante Dominante) (!Medianten ohne Tonika) (!Nur Dominanten) (!Chromatische Cluster)
Was ist ein Riff? (Eine kurze wiederkehrende musikalische Figur) (!Ein Bühnenkostüm) (!Eine Kamerafahrt) (!Ein Plattenvertrag)
Welche Wirkung hat die enge Sit-down-Anordnung? (Nähe und direkte Interaktion) (!Große räumliche Distanz) (!Vollständige Anonymität) (!Trennung vom Publikum)
Welche Aussage zur Urheberschaft ist richtig? (Jimmy Reed schrieb den Song und Elvis Presley interpretierte ihn später) (!Elvis Presley schrieb den Song für Jimmy Reed) (!Steve Binder schrieb den Song) (!Der Song hat keinen Urheber)
Was gehört zu einer verantwortungsvollen Coveranalyse? (Original und Urheber klar benennen) (!Nur die berühmtere Fassung betrachten) (!Historische Bedingungen ausblenden) (!Komposition und Performance gleichsetzen)
Memory
| Jimmy Reed | Songwriter und Erstinterpret |
| Elvis Presley | Interpret der Fernsehfassung |
| Shuffle | Federnde Unterteilung |
| Tonika | Harmonischer Ruhepunkt |
| Dominante | Spannung vor der Rückkehr |
| Steve Binder | Regisseur des Specials |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Jimmy Reed | Urheber des Songs |
| Elvis Presley | Interpret der Fassung von 1968 |
| Shuffle | Ternär geprägtes Groovegefühl |
| Call and Response | Musikalisches Frage-Antwort-Prinzip |
| Turnaround | Übergang zur nächsten Bluesrunde |
...
Kreuzworträtsel
| Songwriter | Welche Rolle hatte Jimmy Reed bei diesem Stück? |
| Shuffle | Wie heißt der federnde Rhythmus? |
| Burbank | In welcher Stadt wurde die Fernsehsession aufgezeichnet? |
| Tonika | Wie heißt der harmonische Ruhepunkt? |
| Fontana | Wie lautet der Nachname des beteiligten Schlagzeugers D. J.? |
| Coverversion | Wie heißt die Neuinterpretation eines vorhandenen Songs? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Notiere fünf konkrete Klangbeobachtungen zu Stimme, Gitarre, Rhythmus, Dynamik und Publikum.
- Bodypercussion: Entwickle einen kurzen Shuffle mit Grundpuls und Backbeat.
- Bildanalyse: Beschreibe ein Standbild aus dem Auftritt und trenne Beobachtung von Deutung.
- Begriffsnetz: Verbinde Blues, Riff, Groove, Tonika, Coverversion und Performance in einem Schaubild.
Standard
- Musikvergleich: Vergleiche Jimmy Reeds Original mit Presleys Fassung hinsichtlich Tempo, Instrumentation, Stimme und Wirkung.
- Storyboard: Plane eine eigene Videoaufnahme eines Bluesstücks mit Einstellungsgrößen, Licht und Raum.
- Podcast: Produziere einen kurzen Beitrag über Urheberschaft und Interpretation.
- Interview: Befrage eine Musikerin oder einen Musiker zur künstlerischen Freiheit bei Coverversionen.
Schwer
- Kulturelle Aneignung: Erörtere differenziert das Verhältnis von Austausch, Anerkennung und Macht.
- Formanalyse: Erstelle ein taktgenaues Diagramm mit Bluesrunden, Funktionen, Riffs und Steigerungen.
- Medienvergleich: Vergleiche die Fernsehinszenierung von 1968 mit einer aktuellen Live-Session.
- Eigenes Arrangement: Entwickle eine eigenständige Bluesperformance und begründe alle Gestaltungsentscheidungen.


Lernkontrolle
- Transferanalyse: Untersuche einen unbekannten Song und begründe, ob er Merkmale eines zwölftaktigen Blues besitzt.
- Arrangemententscheidung: Plane eine intime und eine großformatige Fassung desselben Bluesstücks und erkläre die Wirkungsunterschiede.
- Quellenkritik: Prüfe zwei Darstellungen auf korrekte Angaben zu Urheberschaft, Aufnahmejahr und Coverversion.
- Audiovisuelle Analyse: Zeige an einer Szene, wie Klang, Kamera und Körpersprache gemeinsam Bedeutung erzeugen.
- Kultureller Kontext: Entwickle Kriterien für einen fairen Umgang mit Coverversionen afroamerikanischer Musik.
- Groove-Experiment: Spiele dieselbe Folge gerade und im Shuffle und vergleiche die Wirkung.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du
- Jimmy Reeds Urheberschaft korrekt darstellen.
- Original und Cover historisch einordnen.
- Bluesform, Shuffle, Riff und harmonische Funktionen erklären.
- musikalische Beobachtungen mit konkreten Hörbelegen stützen.
- Kamera, Raum, Kleidung und Körpersprache analysieren.
- kulturelle und wirtschaftliche Zusammenhänge reflektieren.
- eine eigene Transferleistung als Analyse, Präsentation oder Performance vorlegen.
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