Elvis Presley – Rip It Up


Elvis Presley – Rip It Up
Elvis Presley – Rip It Up
Einleitung
„Rip It Up“ ist ein schneller Rock-’n’-Roll-Song, den Elvis Presley 1956 für sein zweites Studioalbum Elvis aufnahm. Geschrieben wurde das Stück von Robert „Bumps“ Blackwell und John Marascalco. Die zuvor veröffentlichte Fassung von Little Richard machte den Song im selben Jahr zu einem bedeutenden frühen Rock-’n’-Roll-Titel. Presleys Version eignet sich besonders, um Coverpraxis, musikalische Gestaltung, Mediengeschichte und gesellschaftliche Machtverhältnisse der 1950er-Jahre zu untersuchen.
In diesem aiMOOC analysierst Du Rhythmus, Backbeat, Instrumentierung, Gesangstechnik, Arrangement, Aufnahmetechnik und Textaussage. Du lernst außerdem, zwischen Urheberschaft, Erstveröffentlichung, Interpretation und Vermarktung zu unterscheiden.

Hörauftrag: Achte beim ersten Hören auf Tempo, Backbeat, Gesang, Begleitstimmen und die Wechselwirkung zwischen Band und Stimme. Notiere konkrete Höreindrücke mit Zeitangaben.
Lernziele
Nach der Bearbeitung kannst Du …
- Rock ’n’ Roll historisch und musikalisch einordnen.
- die Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte von „Rip It Up“ erklären.
- Presleys Aufnahme anhand von Tempo, Metrum, Backbeat, Harmonik, Klangfarbe und Arrangement untersuchen.
- die Fassungen von Little Richard und Elvis Presley begründet vergleichen.
- zwischen Komposition, Interpretation, Coverversion und Tonträger unterscheiden.
- afroamerikanische Wurzeln des Rock ’n’ Roll und ungleiche Marktchancen reflektieren.
Der Song auf einen Blick
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Titel | Rip It Up |
| Interpret | Elvis Presley |
| Songwriter | Robert Blackwell und John Marascalco |
| Aufnahmedatum | 3. September 1956 |
| Aufnahmeort | Radio Recorders, Hollywood |
| Veröffentlichung | 19. Oktober 1956 |
| Album | Elvis |
| Genre | Rock ’n’ Roll, Rhythm and Blues, Rockabilly |
| Wichtige Vergleichsfassung | Little Richard, 1956 |
Die Sessionangaben nennen Scotty Moore an der Gitarre, Bill Black am Bass, D. J. Fontana am Schlagzeug, Gordon Stoker am Klavier und The Jordanaires im Begleitgesang. Elvis Presley ist als Sänger sowie an Gitarre und Klavier aufgeführt.
Historischer Hintergrund
Rock ’n’ Roll im Jahr 1956
Mitte der 1950er-Jahre wurde Rock ’n’ Roll zu einer international wahrgenommenen Jugendmusik. Er verband afroamerikanischen Rhythm and Blues, Blues und Gospel mit Einflüssen aus Country-Musik und Western Swing. Typisch waren ein deutlicher Backbeat, elektrisch verstärkte Instrumente, direkte Texte, körperbetonte Auftritte und die Ausrichtung auf ein jugendliches Publikum.
Elvis Presley wurde 1956 durch Schallplatten, Radio, Fernsehen und Film zu einem Massenphänomen. Seine Musik wirkte auf viele Jugendliche befreiend, wurde von Teilen der älteren Generation jedoch als zu laut, zu körperlich oder moralisch bedenklich kritisiert. Solche Reaktionen zeigen, dass Musik auch mit Jugendkultur, Tanz, Körperbildern und gesellschaftlichen Normen verbunden ist.

Die 45-Umdrehungen-Single war ein wichtiges Medium der Populärkultur. Sie ermöglichte die schnelle Verbreitung einzelner Songs über Plattenläden, Musikboxen und Radiostationen.
Vom Little-Richard-Hit zur Presley-Version
Little Richard nahm „Rip It Up“ am 9. Mai 1956 in New Orleans auf. Seine Fassung erschien im Juni 1956 bei Specialty Records und wurde zu einem bedeutenden Rhythm-and-Blues-Hit.

Little Richards Aufnahme ist stark von Klavier, Saxofonen, treibendem Schlagzeug und einem hochexpressiven Gesang geprägt. Presleys spätere Aufnahme setzt dagegen stärker auf Gitarren, Bass, Schlagzeug, Klavier und mehrstimmigen Begleitgesang.
Eine Coverversion ist keine bloße Kopie. Sie übernimmt eine vorhandene Komposition, gestaltet sie aber durch Stimme, Tempo, Instrumentierung, Phrasierung, Aufnahmeästhetik und Vermarktung neu.
Kultureller Transfer und ungleiche Chancen
Der frühe Rock ’n’ Roll ist eng mit afroamerikanischen Musiktraditionen verbunden. Schwarze Künstler entwickelten entscheidende Ausdrucksformen, hatten im rassistisch getrennten Musikmarkt der USA jedoch oft geringere Honorare, eingeschränkte Auftrittsmöglichkeiten und weniger Zugang zum weißen Massenpublikum.
Elvis Presley trug dazu bei, afroamerikanisch geprägte Musikformen einem sehr großen Publikum zugänglich zu machen. Gleichzeitig profitierte er von Marktstrukturen, die weißen Interpreten größere Reichweite ermöglichten. Eine faire Betrachtung erkennt deshalb sowohl Presleys eigenständige Leistung als Interpret als auch die grundlegende Bedeutung Schwarzer Musiker wie Little Richard an.
Entstehung von Presleys Aufnahme
Die Session bei Radio Recorders
Elvis Presley nahm „Rip It Up“ am 3. September 1956 bei Radio Recorders in Hollywood auf. Die Sitzung gehörte zu einem dreitägigen Aufnahmeblock vom 1. bis 3. September, in dem ein großer Teil des Albums Elvis entstand.
- Elvis Presley: Gesang, Gitarre und Klavier
- Scotty Moore: Gitarre
- Bill Black: Bass
- D. J. Fontana: Schlagzeug
- Gordon Stoker: Klavier
- The Jordanaires: Begleitgesang
Die Besetzung verbindet Presleys frühe Band mit dem vokalen Klang der Jordanaires. Dadurch entsteht eine Mischung aus rauer Tanzmusik und präziser Studioarbeit.
Das Album „Elvis“
Das Album Elvis erschien am 19. Oktober 1956 bei RCA Victor. „Rip It Up“ eröffnet das Album. Als Eröffnungstitel soll der Song Aufmerksamkeit erzeugen, das Klangbild vorstellen und die Hörenden sofort in Bewegung versetzen.
Musikalische Analyse
Tempo, Metrum und Groove
Die Aufnahme steht in einem schnellen Vier-Viertel-Takt. Der Backbeat betont besonders die Zählzeiten zwei und vier. Der Bass stabilisiert den Puls, während Schlagzeug, Klavier und Gitarren kurze rhythmische Figuren miteinander verzahnen.
Ein Groove entsteht nicht allein durch Geschwindigkeit. Entscheidend sind Artikulation, Akzentsetzung und Timing. Die Instrumente spielen nicht nur dieselben Schläge, sondern ergänzen einander.
Harmonik und Form
Die Harmonik ist deutlich vom Blues-Schema geprägt. Im Mittelpunkt stehen die drei Hauptfunktionen einer Tonart, häufig als erste, vierte und fünfte Stufe beschrieben. Die reduzierte harmonische Grundlage schafft Raum für rhythmische Energie und Gesangsausdruck.
Der Song arbeitet mit wiederkehrenden Strophen und Refrainabschnitten. Wiederholung steigert die Beteiligung, erleichtert das Mitsingen und verstärkt die körperliche Wirkung.
Melodie und Gesang
Presleys Gesang verbindet deutliche Artikulation mit gedehnten Vokalen, schnellen Silben, Akzenten und kleinen Tonhöhenverzierungen. Er phrasiert flexibel gegen den gleichmäßigen Puls.
- Phrasierung: Textteile werden gedehnt, verkürzt und akzentuiert.
- Artikulation: Konsonanten setzen rhythmische Impulse.
- Dynamik: Lautstärke und Intensität verändern sich gezielt.
- Klangfarbe: Die Stimme wechselt zwischen heller Direktheit und rauen Akzenten.
- Call and Response: Hauptstimme und Begleitstimmen wirken wie Ruf und Antwort.
Instrumentierung und Arrangement
| Klangquelle | Funktion |
|---|---|
| Hauptgesang | vermittelt Text und Energie |
| Gitarre | setzt Akkorde und kurze Fills |
| Bass | verbindet Puls und Harmonie |
| Schlagzeug | stabilisiert Tempo und Backbeat |
| Klavier | verdichtet den Groove |
| Begleitgesang | verstärkt Refrainwirkung und Klangfülle |
Klang und Aufnahmetechnik
Die Aufnahme stammt aus der Mono-Ära. Räumliche Wirkung entsteht daher vor allem durch Lautstärkeverhältnisse, Mikrofonabstände, Raumklang und Frequenzverteilung. Ein schmalerer Frequenzumfang oder hörbares Bandrauschen sind Spuren der damaligen Technik.
Textinhalt und Deutung
Der Liedtext beschreibt einen jungen Menschen, der am Samstagabend seinen Lohn erhalten hat und das Geld für Vergnügen, Musik und Ausgehen verwenden möchte. Im Zentrum stehen Vorfreude, Bewegung, Gemeinschaft und die Unterbrechung des Arbeitsalltags.
Der Ausdruck „rip it up“ meint sinngemäß, ausgelassen zu feiern und die Tanzfläche zu beleben. Der Text verbindet Freizeit, eigenen Verdienst, Tanz, Samstagabend und jugendliche Selbstbestimmung.
Der vollständige Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und wird hier nicht wiedergegeben.
Vergleich: Little Richard und Elvis Presley
| Vergleichsaspekt | Little Richard | Elvis Presley |
|---|---|---|
| Grundwirkung | explosiv und stark vom New-Orleans-Rhythm-and-Blues geprägt | kompakt und stärker gitarrenorientiert |
| Gesang | sehr hohe Energie und markante Rufe | rhythmisch flexibel und kontrolliert |
| Instrumentaler Schwerpunkt | Klavier und Saxofone | Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Begleitgesang |
| Veröffentlichungskontext | erfolgreiche Single | Eröffnungstitel eines Albums |
| Kulturelle Position | Schwarzer Rock-’n’-Roll-Pionier | weißer Crossover-Star mit großer Reichweite |
Unterschiede im Klang hängen nicht nur mit persönlichen Fähigkeiten zusammen. Auch Studio, Band, Plattenfirma, Zielpublikum und Vermarktung spielen eine Rolle.
Bedeutung für Musik- und Mediengeschichte
„Rip It Up“ zeigt, wie Songs im frühen Rock ’n’ Roll zirkulierten. Kompositionen wurden von mehreren Interpreten aufgenommen, Labels reagierten schnell auf Trends, und Radio, Schallplatten, Konzerte, Fernsehen sowie Film verstärkten einander.
- Ein Song besitzt eine Urheberschaft, jede Aufnahme aber eine eigene Interpretation.
- Ein bekannter Interpret ist nicht automatisch der Komponist oder Erstinterpret.
- Medienreichweite beeinflusst, welche Version erinnert wird.
- Musikgeschichte muss Beiträge Schwarzer Künstler sichtbar machen.
- Stilbegriffe wie Rock ’n’ Roll, Rhythm and Blues und Rockabilly überschneiden sich.
Verknüpfte Lernbereiche
- Musikgeschichte: Entstehung und Verbreitung des Rock ’n’ Roll.
- Musikanalyse: Rhythmus, Form, Harmonik, Klangfarbe und Arrangement.
- Medienbildung: Schallplatte, Radio, Fernsehen und Musikvermarktung.
- Politische Bildung: Rassentrennung, strukturelle Ungleichheit und kultureller Transfer.
- Englisch: Bedeutungserschließung und historische Alltagssprache.
- Urheberrecht: Komposition, Aufnahme, Coverversion und Quellenangabe.
- Kulturelle Bildung: Jugendkultur, Tanz, Mode und gesellschaftliche Normen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb den Song „Rip It Up“? (Robert Blackwell und John Marascalco) (!Elvis Presley und Scotty Moore) (!Little Richard und Earl Palmer) (!Jerry Leiber und Mike Stoller)
Wann nahm Elvis Presley „Rip It Up“ auf? (Am 3. September 1956) (!Am 9. Mai 1956) (!Am 19. Oktober 1956) (!Am 4. Dezember 1956)
In welchem Studio entstand Presleys Aufnahme? (Bei Radio Recorders in Hollywood) (!Im Sun Studio in Memphis) (!In den Abbey Road Studios) (!Im J und M Studio)
Auf welchem Album erschien Presleys Aufnahme? (Elvis) (!Loving You) (!King Creole) (!Elvis Is Back)
Wer veröffentlichte die frühe Hitfassung von „Rip It Up“? (Little Richard) (!Buddy Holly) (!Johnny Cash) (!Roy Orbison)
Welche Zählzeiten betont der Backbeat? (Zwei und vier) (!Eins und drei) (!Nur die eins) (!Nur die vier)
Welches Instrument gehört nicht zur angegebenen Presley-Besetzung? (Saxofon) (!Gitarre) (!Bass) (!Schlagzeug)
Welche Funktion hat „Rip It Up“ auf dem Album „Elvis“? (Es eröffnet das Album) (!Es beendet das Album) (!Es ist ein Bonustrack) (!Es ist ein Zwischenspiel)
Welches Thema steht im Liedtext im Mittelpunkt? (Ein ausgelassener Samstagabend nach der Lohnzahlung) (!Eine Reise durch Europa) (!Ein Streit um ein Auto) (!Eine Sonntagszeremonie)
Welche Aussage ist historisch ausgewogen? (Presleys Interpretation und Little Richards Pionierleistung gehören zusammen betrachtet) (!Nur die bekannteste Fassung ist wichtig) (!Coverversionen haben keinen eigenen Wert) (!Die afroamerikanischen Wurzeln sind unwichtig)
Memory
| Elvis Presley | Aufnahme vom 3. September 1956 |
| Little Richard | frühe Hitfassung |
| Backbeat | Betonung auf zwei und vier |
| Radio Recorders | Studio in Hollywood |
| Jordanaires | vokaler Begleitgesang |
| Coverversion | neue Interpretation einer Komposition |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Backbeat | Betonung auf zwei und vier |
| Arrangement | Organisation der musikalischen Stimmen |
| Coverversion | neue Interpretation eines vorhandenen Songs |
| Bass | rhythmisches und harmonisches Fundament |
| Eröffnungstitel | erster Song eines Albums |
Kreuzworträtsel
| Presley | Welcher Nachname gehört zum Sänger der untersuchten Aufnahme? |
| Marascalco | Welcher Songwriter schrieb das Stück gemeinsam mit Robert Blackwell? |
| Blackwell | Welcher Songwriter trug den Vornamen Robert? |
| Hollywood | Wo wurde Presleys Fassung aufgenommen? |
| Backbeat | Wie heißt die Betonung auf zwei und vier? |
| Jordanaires | Welche Vokalgruppe ist zu hören? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre Presleys Aufnahme zweimal und notiere fünf konkrete Klangeindrücke mit Zeitangaben.
- Backbeat: Klatsche die Zählzeiten zwei und vier und beschreibe die Wirkung.
- Instrumentenkunde: Zeichne die Bandbesetzung und ordne jedem Instrument eine Funktion zu.
- Liedinhalt: Fasse den Textinhalt in höchstens 80 eigenen Wörtern zusammen.
Standard
- Interpretationsvergleich: Vergleiche Little Richard und Elvis Presley anhand von Gesang, Instrumentierung, Groove und Dynamik.
- Albumdramaturgie: Begründe, warum der Song als Eröffnungstitel geeignet ist.
- Mediengeschichte: Gestalte eine Zeitleiste zu Aufnahme, Veröffentlichung und Verbreitung.
- Podcast: Produziere einen kurzen Audio-Beitrag über Urheberschaft und Coverversion.
Schwer
- Musikanalyse: Verfasse eine Analyse mit Form, Rhythmus, Klang und historischer Deutung.
- Kulturelle Aneignung: Entwickle eine differenzierte Stellungnahme zu kulturellem Austausch und wirtschaftlicher Ungleichheit.
- Arrangement: Erstelle eine eigene moderne Bearbeitung und begründe Deine Entscheidungen.
- Ausstellungskonzept: Plane eine digitale Ausstellung über den Song und Schwarze Pioniere des Rock ’n’ Roll.


Lernkontrolle
- Begründeter Hörvergleich: Erkläre mit vier Fachbegriffen, wie zwei Besetzungen unterschiedliche Wirkungen erzeugen.
- Transfer auf einen neuen Song: Übertrage das Vergleichsverfahren auf eine andere Coverversion.
- Historisches Urteil: Beurteile die Aussage, der bekannteste Interpret sei automatisch der wichtigste Urheber.
- Produktionsentscheidung: Plane eine Fassung für das Jahr 1956 und begründe Instrumente, Tempo, Gesangsstil und Zielpublikum.
- Quellenkritik: Vergleiche zwei Internetquellen hinsichtlich Autorenschaft, Belegen und Interessen.
- Medienethik: Formuliere Regeln für eine respektvolle Präsentation der afroamerikanischen Wurzeln des Rock ’n’ Roll.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du …
- Entstehungs- und Veröffentlichungsdaten korrekt einordnest.
- die Rollen von Robert Blackwell, John Marascalco, Little Richard und Elvis Presley unterscheidest.
- musikalische Beobachtungen mit Backbeat, Groove, Phrasierung, Arrangement und Klangfarbe beschreibst.
- zwei Aufnahmen mit konkreten Hörbelegen vergleichst.
- Beobachtung, Interpretation und Wertung trennst.
- afroamerikanische Wurzeln und ungleiche Marktchancen reflektierst.
- Quellen transparent angibst und urheberrechtliche Regeln beachtest.
OERs zum Thema
Links
aiMOOC-Projekte
Schulfach+


aiMOOCs



aiMOOC Projekte


THE MONKEY DANCE





|
