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Jean-Paul Sartre - Freiheit und Selbstentwurf

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Jean-Paul Sartre - Freiheit und Selbstentwurf



Einleitung

Jean-Paul Sartre: Die Bürde der Freiheit und der Selbstentwurf führt Dich in zentrale Gedanken des französischen Philosophen, Schriftstellers und Intellektuellen Jean-Paul Sartre ein. Im Mittelpunkt steht Sartres These, dass der Mensch nicht durch eine vorgegebene Essenz bestimmt ist, sondern sich durch seine Entscheidungen, Handlungen und Verantwortung immer wieder selbst entwirft. Diese Freiheit ist für Sartre kein angenehmer Zusatz zum Leben, sondern eine unausweichliche Grundbedingung menschlicher Existenz. Deshalb spricht man oft von der Bürde der Freiheit: Du kannst Dich nicht einfach hinter Rollen, Erwartungen, Traditionen oder Umständen verstecken, ohne dabei selbst eine Entscheidung zu treffen.

Das folgende Video bildet den Ausgangspunkt dieses aiMOOCs. Es behandelt Sartres radikale Freiheitsphilosophie, den Existentialismus, Verantwortung, Selbstentwurf, mauvaise foi und die Frage, warum Menschen oft versuchen, ihrer Freiheit auszuweichen.

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In diesem aiMOOC lernst Du Sartres Grundbegriffe kennen, ordnest sie historisch ein, wendest sie auf Alltagssituationen an und prüfst kritisch, ob Sartres Freiheitsbegriff auch heute noch überzeugt. Du wirst nicht nur Fakten wiedergeben, sondern philosophisch argumentieren, Beispiele entwickeln, Begriffe unterscheiden und eigene Standpunkte begründen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du erklären, was Sartre mit Existenz vor Essenz, radikaler Freiheit, Selbstentwurf, Verantwortung, Angst, mauvaise foi und Authentizität meint. Du kannst den Unterschied zwischen Faktizität und Transzendenz beschreiben, Sartres Denken auf konkrete Lebenssituationen anwenden, kritische Einwände formulieren und begründet Stellung dazu nehmen, ob der Mensch nach Sartre tatsächlich immer frei ist.


Jean-Paul Sartre im Überblick

Jean-Paul Sartre wurde 1905 in Paris geboren und starb dort 1980. Er war Philosoph, Schriftsteller, Dramatiker, Essayist, politischer Intellektueller und eine der bekanntesten Figuren des Existentialismus des 20. Jahrhunderts. Sartres Denken ist eng mit der Phänomenologie, mit Fragen nach Bewusstsein, Freiheit, Subjektivität, Verantwortung und Gesellschaft verbunden.

Zu seinen wichtigen Werken gehören der Roman Der Ekel von 1938, das philosophische Hauptwerk Das Sein und das Nichts von 1943, das Drama Geschlossene Gesellschaft von 1944 und der Vortrag beziehungsweise Essay Der Existentialismus ist ein Humanismus. Sartre verband philosophische Theorie, Literatur und politisches Engagement. Deshalb eignet sich sein Denken besonders gut für den Unterricht in Philosophie, Ethik, Deutsch, Politische Bildung und Literatur.


Sartre und Simone de Beauvoir

Sartre stand in einem lebenslangen intellektuellen Austausch mit Simone de Beauvoir, die selbst eine bedeutende Philosophin, Schriftstellerin und Feministin war. Beide diskutierten Fragen von Freiheit, Verantwortung, Geschlechterrollen, gesellschaftlicher Unterdrückung und persönlicher Lebensform. Für das Verständnis Sartres ist wichtig: Freiheit ist für ihn nie bloß ein inneres Gefühl. Sie zeigt sich in einer Welt, in der Menschen miteinander leben, einander beurteilen, beeinflussen, begrenzen und herausfordern.


Der Existentialismus

Der Existentialismus ist keine einheitliche Schule mit nur einer Lehre. Er bezeichnet verschiedene Denkweisen, die von der konkreten menschlichen Existenz ausgehen. Statt zuerst eine allgemeine Definition des Menschen zu geben, fragt der Existentialismus: Wie erlebt der einzelne Mensch seine Situation? Wie entscheidet er? Wie geht er mit Angst, Freiheit, Schuld, Tod, Sinnsuche und Verantwortung um?

Sartres Existentialismus ist besonders radikal, weil er den Menschen nicht als Wesen mit einem vorgegebenen Zweck versteht. Ein Messer hat zum Beispiel eine Funktion, bevor es hergestellt wird: Es soll schneiden. Beim Menschen ist es nach Sartre anders. Der Mensch existiert zunächst, findet sich in einer Welt vor und bestimmt sich dann durch seine Handlungen. Darin liegt der Sinn der Formel: Die Existenz geht der Essenz voraus.


Existenz vor Essenz

Mit Existenz vor Essenz meint Sartre: Es gibt keine fertige menschliche Natur, die schon vor Deinen Entscheidungen festlegt, wer Du bist. Du bist nicht einfach mutig, feige, ehrlich, egoistisch, sozial oder angepasst, als wären diese Eigenschaften unveränderliche Dinge. Du wirst durch Dein Handeln zu dem Menschen, der Du bist. Deine Vergangenheit, Deine Herkunft, Dein Körper, Deine Sprache, Deine soziale Lage und Deine Erfahrungen sind wichtig, aber sie sind nicht dasselbe wie ein endgültiges Schicksal.

Sartres These ist herausfordernd, weil sie vertraute Entschuldigungen infrage stellt. Wenn jemand sagt: Ich bin eben so, würde Sartre fragen: Inwiefern machst Du Dich damit selbst zu einem Ding? Verwechselst Du Deine bisherige Geschichte mit einer feststehenden Essenz? Welche Möglichkeiten blendest Du aus?


Freiheit als Grundstruktur des Menschen

Sartre versteht Freiheit nicht zuerst als politische Freiheit, also etwa als Wahlrecht oder Meinungsfreiheit. Er meint eine tiefere, existenzielle Freiheit. Selbst wenn ein Mensch in schwierigen Umständen lebt, muss er sich zu diesen Umständen verhalten. Er kann zustimmen, widerstehen, schweigen, handeln, warten, hoffen, sich täuschen, Verantwortung übernehmen oder Verantwortung verweigern. Nicht jede Möglichkeit steht offen, aber irgendeine Haltung zur Situation nimmt der Mensch immer ein.

Deshalb sagt Sartre sinngemäß: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. Das klingt widersprüchlich, ist aber zentral. Der Mensch hat sich nicht selbst geschaffen und findet sich ungefragt in der Welt vor. Sobald er aber existiert, ist er für seine Entscheidungen verantwortlich. Auch das Nicht-Entscheiden ist eine Weise zu entscheiden.


Die Bürde der Freiheit

Freiheit klingt zunächst positiv. Sie bedeutet Möglichkeit, Offenheit und Selbstgestaltung. Bei Sartre hat Freiheit aber auch eine schwere Seite. Wer frei ist, kann die Verantwortung für sein Leben nicht vollständig auf Gott, Natur, Erziehung, Gesellschaft, Charakter oder äußere Umstände abschieben. Zwar beeinflussen alle diese Faktoren das Leben, doch sie nehmen dem Menschen nicht vollständig ab, sich zu ihnen zu verhalten.

Die Bürde der Freiheit besteht darin, dass Du Dich entscheiden musst, ohne eine absolut sichere Anleitung zu besitzen. Du kannst Werte übernehmen, Regeln befolgen, Vorbilder wählen oder Traditionen achten, aber auch das ist eine Entscheidung. Sartres Philosophie macht deutlich: Der Mensch sucht oft nach festen Rollen und einfachen Ausreden, weil Freiheit Unsicherheit erzeugt.


Angst und Verantwortung

Sartres Freiheitsbegriff ist eng mit Angst verbunden. Gemeint ist nicht nur Furcht vor einem bestimmten Gegenstand, sondern die Erfahrung, dass Möglichkeiten offenstehen und dass Du für Deine Wahl einstehen musst. Wer eine wichtige Entscheidung trifft, spürt: Es gibt keine Instanz, die mir die Verantwortung vollständig abnimmt.

Diese Angst ist für Sartre kein Zeichen von Schwäche. Sie zeigt vielmehr, dass ein Mensch seine Freiheit erkennt. Problematisch wird es, wenn man diese Freiheit verdrängt. Dann entsteht das, was Sartre mauvaise foi nennt.


Verantwortung für sich und ein Menschenbild

In Der Existentialismus ist ein Humanismus betont Sartre, dass der Mensch sich mit seinen Entscheidungen nicht nur individuell entwirft. Wer handelt, zeigt zugleich, welches Bild vom Menschen er für wählbar hält. Wenn Du zum Beispiel ehrlich handelst, drückst Du aus, dass Ehrlichkeit eine mögliche und sinnvolle menschliche Haltung ist. Wenn Du Dich feige aus Verantwortung stiehlst, zeigst Du ebenfalls ein Menschenbild.

Diese Idee ist umstritten, aber didaktisch sehr fruchtbar: Sartre will deutlich machen, dass Handlungen Bedeutung haben. Sie sind nicht bloß private Bewegungen, sondern Stellungnahmen zur Welt.


Selbstentwurf

Der Selbstentwurf ist die Weise, in der ein Mensch sich durch Ziele, Handlungen und Deutungen zu dem macht, was er ist. Sartre versteht das Selbst nicht als fertigen Kern, der nur entdeckt werden muss. Das Selbst entsteht im Vollzug des Lebens. Du entwirfst Dich, indem Du Pläne machst, Prioritäten setzt, Werte annimmst, Beziehungen gestaltest und mit Deiner Vergangenheit umgehst.

Ein Selbstentwurf ist nicht dasselbe wie ein beliebiger Wunsch. Wer sagt: Ich möchte Ärztin werden, entwirft sich anders als jemand, der sagt: Ich will möglichst wenig Verantwortung übernehmen. Beide Aussagen müssen sich in Handlungen bewähren. Für Sartre zählt nicht nur, was jemand über sich sagt, sondern wie er tatsächlich lebt.


Faktizität und Transzendenz

Um Sartres Freiheitsbegriff nicht misszuverstehen, ist die Unterscheidung von Faktizität und Transzendenz wichtig. Faktizität bezeichnet das, was an Deiner Situation gegeben ist: Geburtsort, Körper, Vergangenheit, soziale Bedingungen, Alter, Sprache, konkrete Möglichkeiten und Grenzen. Transzendenz bezeichnet, dass Du über das Gegebene hinaus Entwürfe bildest, Bedeutungen setzt und Dich zu Deiner Lage verhältst.

Sartre behauptet nicht, dass alle Menschen dieselben Möglichkeiten haben. Er sagt aber, dass der Mensch nicht vollständig in seiner Faktizität aufgeht. Du bist nicht nur Deine Vergangenheit. Du bist auch das, was Du aus ihr machst.


Situation statt grenzenloser Willkür

Sartres Freiheit ist keine grenzenlose Willkür. Du kannst nicht einfach alles sein, was Du Dir vorstellst. Du kannst nicht Deine Vergangenheit ungeschehen machen oder gesellschaftliche Bedingungen allein durch Wunschdenken aufheben. Aber Du bist nach Sartre niemals bloß ein Objekt, das vollständig von Ursachen geschoben wird. Freiheit ist immer situierte Freiheit: Sie findet in konkreten Bedingungen statt.

Diese Spannung ist entscheidend: Freiheit ohne Situation wäre abstrakt. Situation ohne Freiheit wäre Determinismus. Sartres Philosophie bewegt sich genau zwischen diesen Polen.


Mauvaise foi: Die Unaufrichtigkeit

Der französische Ausdruck mauvaise foi wird meist mit Unaufrichtigkeit oder Selbsttäuschung übersetzt. Gemeint ist eine Haltung, in der ein Mensch seine eigene Freiheit verleugnet. Er tut so, als sei er nur eine Rolle, nur ein Charakter, nur ein Opfer der Umstände oder nur ein festgelegtes Ding. Dadurch entlastet er sich scheinbar von Verantwortung.

Sartres berühmtes Beispiel ist der Kellner, der sich übertrieben kellnerhaft verhält. Er spielt seine Rolle so, als bestünde sein ganzes Sein darin, Kellner zu sein. Sartre kritisiert nicht, dass jemand einen Beruf ausübt. Problematisch ist, wenn ein Mensch sich vollständig mit einer Rolle identifiziert und vergisst, dass er mehr ist als diese Rolle.


Typische Formen der Unaufrichtigkeit

  1. Rollenflucht: Jemand sagt: Ich kann nicht anders, ich bin eben Lehrerin, Schüler, Chef, Kind, Angestellte oder Außenseiter.
  2. Charakterausrede: Jemand sagt: Ich bin nun einmal so, deshalb trage ich keine Verantwortung.
  3. Opferhaltung: Jemand verwechselt reale Begrenzungen mit völliger Handlungslosigkeit.
  4. Moralische Auslagerung: Jemand sagt: Die Regeln haben es verlangt, ohne die eigene Zustimmung zu prüfen.
  5. Freiheitsillusion: Jemand tut so, als könne er alles frei wählen, und ignoriert die reale Situation anderer Menschen.


Authentizität

Authentizität bedeutet bei Sartre nicht, einfach spontan zu tun, worauf man Lust hat. Authentisch ist eher eine Haltung, in der ein Mensch seine Freiheit und seine Situation zugleich anerkennt. Authentisch leben heißt, nicht vor der eigenen Verantwortung zu fliehen und sich nicht auf eine angeblich feste Essenz zu reduzieren.

Ein authentischer Mensch sagt nicht: Ich bin völlig unabhängig von allem. Er sagt auch nicht: Ich bin nur Produkt meiner Umstände. Er erkennt: Ich bin in einer Situation, aber ich bin nicht nur diese Situation.


Der Blick der Anderen

Sartres Philosophie des Blicks zeigt, dass Freiheit immer auch sozial erfahren wird. Wenn ein anderer Mensch mich anschaut, kann ich mich plötzlich als Objekt seines Urteils erleben. Ich bin dann nicht nur handelndes Subjekt, sondern auch jemand, der bewertet, beobachtet oder festgelegt werden kann.

Dieses Motiv ist besonders wichtig in Sartres Drama Geschlossene Gesellschaft. Der berühmte Satz Die Hölle, das sind die anderen bedeutet nicht einfach, dass andere Menschen unerträglich sind. Er meint, dass wir in den Blicken und Urteilen anderer gefangen sein können, wenn wir unser Selbst vollständig von ihnen abhängig machen.


Beispiel aus dem Alltag

Stell Dir vor, Du hältst ein Referat. Solange Du sprichst, bist Du auf Inhalt, Struktur und Ausdruck konzentriert. Plötzlich bemerkst Du, dass jemand lacht. Sofort kann sich Dein Selbstverhältnis verändern: Du fragst Dich, ob Du lächerlich wirkst. Du siehst Dich durch den Blick des anderen. Sartre interessiert genau dieser Umschlag: Der Mensch ist frei, aber er erlebt sich zugleich im Urteil anderer.


Freiheit, Gesellschaft und Engagement

Sartre war nicht nur Theoretiker der individuellen Freiheit. Er verstand Literatur, Philosophie und öffentliches Denken auch als Formen des Engagements. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich mit Marxismus, Kolonialismus, Rassismus, Gewalt, Geschichte und politischer Verantwortung auseinander.

Diese politische Seite ist wichtig, weil Sartres früher Freiheitsbegriff oft als zu individualistisch kritisiert wurde. Später beschäftigte er sich stärker mit sozialen Strukturen, Machtverhältnissen und geschichtlichen Bedingungen. Dennoch bleibt Freiheit bei Sartre ein Grundbegriff: Auch in bedrängenden Situationen stellt sich die Frage, wie Menschen handeln, deuten und Verantwortung übernehmen.


Kritik an Sartres Freiheitsbegriff

Sartres Philosophie hat viele Diskussionen ausgelöst. Kritikerinnen und Kritiker fragen, ob er die Freiheit des Individuums zu stark betont. Sind Armut, Krankheit, Diskriminierung, Krieg, Trauma oder soziale Abhängigkeit nicht manchmal so mächtig, dass die Rede von Freiheit zynisch wirken kann? Andere wenden ein, Sartre unterschätze, wie sehr Menschen durch unbewusste Motive, Erziehung und gesellschaftliche Strukturen geprägt sind.

Eine faire Deutung berücksichtigt: Sartre leugnet Bedingungen nicht, aber er weigert sich, den Menschen vollständig auf Bedingungen zu reduzieren. Genau darin liegt die Provokation seiner Philosophie.


Zentrale Begriffe

  1. Existenz: Das konkrete Dasein eines Menschen, bevor eine endgültige Wesensbestimmung feststeht.
  2. Essenz: Eine angebliche feste Wesensbestimmung; bei Sartre hat der Mensch keine fertige Essenz vor seinem Leben.
  3. Freiheit: Die unausweichliche Fähigkeit und Aufgabe, sich zu Möglichkeiten zu verhalten.
  4. Verantwortung: Die Verpflichtung, für eigene Entscheidungen und deren Bedeutung einzustehen.
  5. Selbstentwurf: Die Gestaltung des eigenen Selbst durch Handlungen, Ziele und Werte.
  6. Faktizität: Die gegebenen Bedingungen einer Situation.
  7. Transzendenz: Das Überschreiten des Gegebenen durch Entwürfe und Bedeutungen.
  8. mauvaise foi: Selbsttäuschung, in der ein Mensch seine Freiheit verleugnet.
  9. Authentizität: Anerkennung von Freiheit und Situation ohne Flucht in Ausreden.
  10. Engagement: Verbindung von Denken, Schreiben und gesellschaftlicher Verantwortung.


Vergleich: Sartre im philosophischen Kontext

Sartres Denken steht in Beziehung zu mehreren philosophischen Traditionen. Von Edmund Husserl übernimmt er wichtige Anregungen der Phänomenologie, besonders die Aufmerksamkeit auf Bewusstsein und Erfahrung. Von Martin Heidegger übernimmt er Fragen nach Existenz, Geworfenheit und Sein, entwickelt sie aber in eine eigene Richtung. Im Vergleich zu Albert Camus betont Sartre stärker die aktive Selbstgestaltung und Verantwortung, während Camus häufig das Absurde und die Revolte in den Vordergrund stellt. Mit Simone de Beauvoir teilt Sartre das Interesse an Freiheit, Ambiguität und gesellschaftlichen Rollen, doch Beauvoir analysiert die konkrete Unterdrückung von Frauen und sozialen Gruppen stärker.


Gegenwartsbezug

Sartres Fragen sind heute weiterhin aktuell. In sozialen Medien entwerfen Menschen Bilder von sich selbst. In Schule und Beruf übernehmen Menschen Rollen, die ihnen Sicherheit geben, sie aber auch festlegen können. Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Konsumkultur und soziale Erwartungen beeinflussen Entscheidungen. Gerade deshalb bleibt Sartres Frage brisant: Wann übernimmst Du Verantwortung für Deinen Selbstentwurf, und wann versteckst Du Dich hinter Erwartungen, Gewohnheiten oder Systemen?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Formel fasst Sartres Existentialismus besonders gut zusammen? (Die Existenz geht der Essenz voraus) (!Die Essenz geht der Existenz voraus) (!Der Mensch hat keine Verantwortung) (!Freiheit ist nur eine politische Regel)




Was meint Sartre mit der Bürde der Freiheit? (Freiheit ist unausweichlich und bringt Verantwortung mit sich) (!Freiheit bedeutet, dass alles leicht wird) (!Freiheit gilt nur für Herrscher) (!Freiheit hebt alle Grenzen automatisch auf)




Was bedeutet Selbstentwurf bei Sartre? (Der Mensch gestaltet sich durch Entscheidungen und Handlungen) (!Der Mensch entdeckt nur einen fertigen inneren Kern) (!Der Mensch wird vollständig von der Natur festgelegt) (!Der Mensch kann seine Situation vollständig ignorieren)




Was bezeichnet mauvaise foi? (Eine Selbsttäuschung, die eigene Freiheit verleugnet) (!Eine Methode der mathematischen Beweisführung) (!Eine politische Staatsform) (!Eine reine Gefühlsäußerung ohne Bedeutung)




Was meint Faktizität? (Die gegebenen Bedingungen einer konkreten Situation) (!Die grenzenlose Erfindung aller Möglichkeiten) (!Die endgültige Essenz des Menschen) (!Die Ablehnung jeder Verantwortung)




Was meint Transzendenz bei Sartre? (Das Überschreiten des Gegebenen durch Entwürfe) (!Das vollständige Verschwinden aller Grenzen) (!Die biologische Herkunft eines Menschen) (!Die Anpassung an jede Erwartung)




Warum ist Angst bei Sartre philosophisch wichtig? (Sie zeigt die Erfahrung eigener Freiheit und Verantwortung) (!Sie beweist, dass der Mensch unfrei ist) (!Sie ersetzt jede Entscheidung) (!Sie hat mit Freiheit nichts zu tun)




Welche Rolle spielt der Blick der Anderen? (Er kann mich als Objekt eines fremden Urteils erfahrbar machen) (!Er befreit mich automatisch von jeder Verantwortung) (!Er macht alle Menschen identisch) (!Er verhindert jede Selbsterkenntnis grundsätzlich)




Was kritisiert Sartre am vollständigen Aufgehen in einer sozialen Rolle? (Der Mensch reduziert sich auf ein festes Ding) (!Der Mensch wird dadurch automatisch authentisch) (!Der Mensch verliert jede äußere Begrenzung) (!Der Mensch handelt dadurch völlig ohne Bedeutung)




Welche Aussage passt am besten zu Sartres situierter Freiheit? (Der Mensch ist frei innerhalb konkreter Bedingungen) (!Der Mensch ist ohne jede Bedingung allmächtig) (!Der Mensch ist nur ein Produkt seiner Vergangenheit) (!Der Mensch hat keine Möglichkeit zur Stellungnahme)





Memory

Existenz Vorrang vor Essenz
Freiheit Verantwortung
Faktizität gegebene Situation
Transzendenz Entwurf über das Gegebene hinaus
mauvaise foi Selbsttäuschung
Authentizität Anerkennung der eigenen Freiheit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Existenz konkretes Dasein vor einer festen Wesensbestimmung
Essenz angenommene Wesensbestimmung eines Menschen
Faktizität Bedingungen, die vorgefunden werden
Transzendenz Entwurf über die gegebene Lage hinaus
mauvaise foi Flucht vor der eigenen Freiheit




...


Kreuzworträtsel

Freiheit Welcher Grundbegriff steht im Zentrum von Sartres Existentialismus?
Essenz Welcher Begriff bezeichnet eine Wesensbestimmung?
Sartre Welcher Philosoph schrieb Das Sein und das Nichts?
Ekel Welcher Roman Sartres zeigt Entfremdung und Kontingenzerfahrung?
Blick Welcher Begriff beschreibt die Erfahrung, durch andere beurteilt zu werden?
Verantwortung Was folgt bei Sartre unausweichlich aus Freiheit?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Jean-Paul Sartre gehört zu den bekanntesten Vertretern des

. Seine berühmte Formel besagt, dass die

der Essenz vorausgeht. Damit meint Sartre, dass der Mensch keine festgelegte

besitzt, die sein Leben vollständig bestimmt. Der Mensch entwirft sich durch

und Handlungen. Diese Freiheit ist keine einfache Erleichterung, sondern eine

, weil sie Verantwortung verlangt. Wer so tut, als sei er nur eine Rolle oder ein festes Ding, lebt in

. Sartre unterscheidet zwischen der gegebenen Situation, der

, und der Fähigkeit, sich über das Gegebene hinaus zu entwerfen, der

. Der Blick anderer Menschen kann das Selbstbild verändern, weil man sich plötzlich als

eines fremden Urteils erlebt. Authentisch handelt, wer seine Freiheit anerkennt und zugleich die konkrete

nicht verleugnet.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte: Erstelle eine Begriffskarte mit den Wörtern Freiheit, Verantwortung, Selbstentwurf, Faktizität, Transzendenz und mauvaise foi und erkläre jeden Begriff in einem eigenen Beispielsatz.
  2. Alltagsbeispiel: Beschreibe eine Situation aus Schule, Familie, Freundeskreis oder Sport, in der jemand sagt: Ich konnte nicht anders. Prüfe mit Sartre, ob das wirklich stimmt.
  3. Video-Notizen: Schaue das eingebettete Video an und notiere fünf Aussagen, die Sartres Freiheitsbegriff erklären. Formuliere anschließend zu jeder Aussage eine Rückfrage.
  4. Zitatdeutung: Erkläre in eigenen Worten, was mit dem Satz Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt gemeint sein könnte.


Standard

  1. Fallanalyse: Analysiere eine Figur aus einem Roman, Film oder Drama mit Sartres Begriffen Freiheit, Faktizität und Selbstentwurf.
  2. Rollenkritik: Untersuche eine soziale Rolle wie Schülerin, Lehrer, Influencerin, Vorgesetzter oder Kind. Zeige, wann diese Rolle hilfreich ist und wann sie zur mauvaise foi werden kann.
  3. Debattenbeitrag: Schreibe einen kurzen Debattenbeitrag zur Frage: Ist jeder Mensch für sein Leben verantwortlich? Verwende mindestens drei Begriffe Sartres.
  4. Dialog: Verfasse einen Dialog zwischen zwei Personen, von denen eine Sartres Freiheitsbegriff verteidigt und die andere ihn kritisiert.


Schwer

  1. Philosophischer Essay: Schreibe einen Essay zur Frage, ob Sartres Freiheitsbegriff in einer von Algorithmen, sozialen Medien und Leistungsdruck geprägten Welt noch überzeugend ist.
  2. Vergleichsanalyse: Vergleiche Sartres Begriff der Freiheit mit einem anderen philosophischen Ansatz, zum Beispiel von Immanuel Kant, Albert Camus, Simone de Beauvoir oder Martin Heidegger.
  3. Projekt Selbstentwurf: Entwickle ein kreatives Projekt mit Text, Bild, Audio oder Video, das zeigt, wie Menschen sich selbst entwerfen und zugleich von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt werden.
  4. Interviewprojekt: Führe ein Interview mit mindestens zwei Personen zur Frage, wann sie sich frei fühlen und wann nicht. Werte die Antworten mit Sartres Begriffen aus.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum Nicht-Entscheiden bei Sartre ebenfalls eine Entscheidung sein kann.
  2. Begriffsunterscheidung: Unterscheide Faktizität und Transzendenz an einer konkreten Lebenssituation und zeige, warum beide Begriffe zusammengehören.
  3. Kritische Stellungnahme: Prüfe, ob Sartres These von radikaler Freiheit Menschen in schwierigen sozialen Situationen gerecht wird oder ob sie zu streng ist.
  4. Interpretation: Deute den Satz Die Existenz geht der Essenz voraus und wende ihn auf Berufswahl, Identität oder soziale Medien an.
  5. Argumentation: Entwickle ein Argument dafür und ein Argument dagegen, dass Authentizität ohne Verantwortung nicht möglich ist.
  6. Vergleich: Vergleiche Sartres Idee der mauvaise foi mit einer modernen Form der Selbsttäuschung, zum Beispiel in Konsum, Karriereplanung oder digitaler Selbstdarstellung.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du zentrale Begriffe korrekt verwendest, Zusammenhänge erklärst und Beispiele nicht nur erzählst, sondern philosophisch auswertest. Dein Lernnachweis sollte zeigen, dass Du Sartres Freiheitsbegriff verstanden hast und ihn kritisch anwenden kannst.

  1. Begriffsverständnis: Du erklärst Existenz, Essenz, Freiheit, Verantwortung, Selbstentwurf, Faktizität, Transzendenz, mauvaise foi und Authentizität korrekt.
  2. Textbezug: Du beziehst Dich auf Sartres Grundgedanken und vermeidest bloße Meinungsäußerungen ohne philosophische Begründung.
  3. Anwendung: Du überträgst Sartres Begriffe auf ein eigenes Beispiel aus Alltag, Literatur, Politik, Medien oder Lebensplanung.
  4. Argumentation: Du formulierst eine klare These und stützt sie mit nachvollziehbaren Gründen.
  5. Kritikfähigkeit: Du benennst mindestens einen starken Einwand gegen Sartres Freiheitsbegriff und beantwortest ihn differenziert.
  6. Reflexion: Du zeigst, was Sartres Denken für Dein eigenes Verständnis von Freiheit und Verantwortung bedeuten kann.




OERs zum Thema



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Zusammenfassung

Sartres Philosophie stellt den Menschen als freies, verantwortliches und sich selbst entwerfendes Wesen in den Mittelpunkt. Die Formel Existenz vor Essenz bedeutet, dass der Mensch nicht durch eine fertige Wesensnatur bestimmt ist. Stattdessen entsteht sein Selbst durch Entscheidungen und Handlungen. Diese Freiheit ist für Sartre unausweichlich und deshalb belastend. Wer versucht, sich als bloße Rolle, bloßes Opfer oder festes Ding zu verstehen, lebt in mauvaise foi. Zugleich ist Freiheit nie grenzenlose Willkür, sondern immer in eine konkrete Situation eingebettet. Sartres Denken fordert Dich auf, Ausreden zu prüfen, Verantwortung ernst zu nehmen und kritisch zu fragen, wie Du Dich selbst entwirfst.


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