Rumpelstilzchen – Leseheft für die Grundschule MOOCwiki nach den Brüdern Grimm Die Drohung des Königs und der Handel um ein Kind werden nicht beschönigt. Das gewaltsame Ende der Figur wird durch ihr endgültiges Verschwinden ersetzt. Dies ist die vollständige eigenständige Kurzfassung, nicht der ungekürzte historische Wortlaut und nicht die gesamte Märchensammlung. Rumpelstilzchen Ein Müller wollte vor dem König wichtig erscheinen. Er behauptete, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Das stimmte nicht. Doch der König ließ die junge Frau ins Schloss holen. Er sperrte sie in eine Kammer voller Stroh. Bis zum Morgen sollte alles Gold sein. Sonst drohte er ihr mit dem Tod. Die Müllerstochter saß am Spinnrad und weinte. Da trat ein kleines Männchen ein. Es fragte, was los sei. „Ich muss Stroh zu Gold spinnen und kann es nicht“, sagte sie. Das Männchen bot Hilfe an. Dafür bekam es ihre Halskette. Es setzte sich an das Rad. Bis zum Morgen war das ganze Stroh zu Gold geworden. Der König freute sich, aber er wollte mehr. In der nächsten Nacht musste die Frau in eine noch größere Kammer. Wieder kam das Männchen. Diesmal gab sie ihm ihren Ring. Wieder spann es das Stroh zu Gold. Für die dritte Nacht brachte der König sie in die größte Kammer. Wenn sie auch diese Aufgabe schaffte, sollte sie Königin werden. Doch die Frau hatte nichts mehr, was sie dem Helfer geben konnte. Das Männchen verlangte ihr erstes Kind. In ihrer Angst versprach sie es. Es spann auch dieses Stroh zu Gold, und die Hochzeit wurde gefeiert. Als später ihr Kind geboren war, kam das Männchen zurück. Die Königin hatte das Versprechen längst verdrängt. Nun bot sie ihm alle Schätze des Reiches an. Es wollte aber das Kind. Als sie weinte, gab es ihr drei Tage Zeit: Wenn sie seinen Namen erriet, durfte sie ihr Kind behalten. Am ersten Tag nannte sie viele bekannte Namen. Keiner war richtig. Am zweiten Tag versuchte sie ungewöhnliche Namen, die ihre Boten gesammelt hatten. Wieder vergeblich. Am dritten Tag kam ein Bote aus dem Wald zurück. Er hatte ein Männchen um ein Feuer tanzen sehen. Dabei hatte es gesungen und seinen Namen verraten: Rumpelstilzchen. Am Abend trat das Männchen vor die Königin. Sie nannte erst zwei falsche Namen. Dann fragte sie: „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“ Das Männchen geriet außer sich. Es stampfte vor Zorn und verschwand. Es kam nie zurück, um das Kind zu holen. Die Königin konnte ihr Kind behalten. Die Geschichte hatte mit einer Lüge begonnen, die andere Menschen in Gefahr brachte. Gerettet wurde das Kind nicht durch Gold, sondern dadurch, dass jemand aufmerksam zugehört hatte. Quellen und Rechte MOOCwiki – neue Unterrichtsbearbeitung https://moocwiki.org/index.php?title=Buch+-+Rumpelstilzchen+%E2%80%93+Leseheft+f%C3%BCr+die+Grundschule+-+MOOCwiki Rumpelstilzchen (1857) https://de.wikisource.org/wiki/Rumpelstilzchen_%281857%29 Die neue Nacherzählung und die ergänzten Aufgaben stehen unter CC BY 4.0. Die gemeinfreien historischen Bilder haben eigene Nachweise. Jacob Grimm starb 1863, Wilhelm Grimm 1859, Otto Ubbelohde 1922.