An ihren Geist Karsch, Anna Louisa Drittes Buch An ihren Geist, wegen der Unmöglichkeit den König zu singen O du mein Geist! stolz und verwegen singen, Den Unnachahmlichen, soll ich? Kann auch ein Strauß mit schwergeschaffnem Flügel schwingen, Zur hohen Sonne sich? Kennst du des Pfeiles Bahne durch die Lüfte, Des Windes Flug, des Blitzes Gang, Und jenen Wellen Pfad, wo Englands Flotte schiffte Dann wage den Gesang, Und singe Taten dieses Erden Gottes, Der von Gebürgen jüngst herab Geschleudert seinen Feind, und ihn dem Blick des Spotte Europens übergab, Und ihn mit seiner Rechten drückte nieder, Mit seiner linken Herculs-Hand Die Festung zu sich zog, und seine Bürger wieder Geweckt ins Leben, fand. Und wegen seines langen Unermüdens, Gepriesen wird von Pol zu Pol, Wenn ihn die Göttinnen des Sieges und des Friedens Geschmückt ins Capitol Zum grossen Opfer seines Volkes führen, Dann singet auf Trophäen-Thron Er selber seinen Krieg, der Nachwelt Herz zu rühren, Im Iliaden Thon. Anna Louisa Karsch: Auserlesene Gedichte, Berlin: George Ludewig Winter, 1764. Karsch, Anna Louisa 113- Berlin TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Karsch,%20Anna%20Louisa/Gedichte/Auserlesene%20Gedichte/Oden/Drittes%20Buch/An%20ihren%20Geist https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/