An den Schlaf Goethe, Johann Wolfgang An den Schlaf Der du mit deinem Mohne Selbst Götteraugen zwingst Und Bettler oft zum Throne, Zum Mädchen Schäfer bringst, Vernimm: Kein Traumgespinste Verlang ich heut von dir. Den größten deiner Dienste, Geliebter, leiste mir. An meines Mädchens Seite Sitz ich, ihr Aug spricht Lust, Und unter neid'scher Seide Steigt fühlbar ihre Brust; Oft hatte meinen Küssen Sie Amor zugebracht, Dies Glück muss ich vermissen, Die strenge Mutter wacht. Am Abend triffst du wieder Mich dort, o tritt herein, Sprüh Mohn von dem Gefieder, Da schlaf die Mutter ein: Bei blassem Lichterscheinen, Von Lieb Annette warm Sink, wie Mama in deinen, In meinen gier'gen Arm. Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Herausgegeben von Siegfried Seidel: Poetische Werke [Band 1–16]; Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen [Band 17–22], Berlin: Aufbau, 1960 ff. Goethe, Johann Wolfgang 27- Berlin TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,%20Johann%20Wolfgang/Gedichte/%28Gedichte.%20Nachlese%29/Annette/An%20den%20Schlaf https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/