An Clärchen Mörike, Eduard An Clärchen Die Freundin immer neu zu schmücken, Ich seh es wohl, ist deine Lust; Darfst du ins Haar den Kranz ihr drücken, Des eignen bist du kaum bewusst. Und deinen Augen zu gefallen Erlaubt sie gern das müßge Spiel. Ach täglich mehr gefällt sie allen, Die allen schon zu sehr gefiel! Du machst sie, wie dir's auch gelungen, Kaum lieblicher als je sie war, Doch jede dieser Neuerungen Bringt neue Sorge und Gefahr. Heut ringeltest du Kinderlocken Wie schön um Hals und Nacken ihr! Ein Mädchen sieht das unerschrocken, Allein bedenk, bedenke, wir! Zwar muss vom Reiz ein Dichter leben, Er heischt zurück was du versteckt, Ihm bleibt der Pfeil ins Herz gegeben Des Schönen, das ihn ewig neckt; Nur höre auf, der Welt zu zeigen Den Schatz, den sie uns schon mißgönnt! Wer gern ein Kleinod hat zu eigen, Es ist genug, dass er es kennt. Eduard Mörike: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Mit einem Nachwort von Benno von Wiese sowie Anmerkungen, Zeittafel und Bibliographie von Helga Unger, Band 1, München: Winkler, 1967. Mörike, Eduard 802- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/M%C3%B6rike,%20Eduard/Gedichte/Gedichte%20%28Ausgabe%201867%29/An%20Cl%C3%A4rchen https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/