An den Mond Goethe, Johann Wolfgang An den Mond Füllest wieder ´s liebe Tal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie der Liebsten Auge, mild Über mein Geschick. Das du so beweglich kennst, Dieses Herz im Brand, Haltet ihr wie ein Gespenst An den Fluss gebannt, Wenn in öder Winternacht Er von Tode schwillt Und bei Frühlingslebens Pracht An den Knospen quillt. Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Mann am Busen hält Und mit dem genießt, Was, den Menschen unbewusst, Oder wohl veracht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht. Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Herausgegeben von Siegfried Seidel: Poetische Werke [Band 1–16]; Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen [Band 17–22], Berlin: Aufbau, 1960 ff. Goethe, Johann Wolfgang 75- Berlin TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,%20Johann%20Wolfgang/Gedichte/%28Gedichte.%20Nachlese%29/An%20den%20Mond https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/