Einem Dichterlein Christen, Ada Einem Dichterlein O, säng' ich doch von Veilchenduft, Gleich Dir von Lieb' und Mondenschein, Von Waldesgrün und Himmelszelt, Von Frühlingspracht und Vögelein! Du säuselst laue Treibhausluft Und weinst gewärmte Thränelein, Und meinst, es müsst' die ganze Welt, Nur weil Du klagst, auch kläglich sein. O, honigsüßes Dichterlein, Der Du aus Büchern dichten lernst Und flau besingst, was stets Dich mied: Des Lebens echten Schmerz und Ernst. Und doch! säng' ich so zierlich fein Gelernten Schmerz, geles'ne Lust, Nicht spräng' mir jedes kleine Lied Ein blutig Mäuslein aus der Brust. Ada Christen: Aus der Asche. Neue Gedichte, Hamburg: Hoffmann & Campe, 1870. Christen, Ada 39- Hamburg TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Christen,%20Ada/Gedichte/Aus%20der%20Asche/Sternlos/Einem%20Dichterlein https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/