44. An Furium Gryphius, Andreas 44. An Furium Dein Vater ward dreymal umb Dibstück angeklagt/ Die Mutter hat es Knecht und Herren nie versagt/ Biss sie der Hencker hat mit Rutten außgestrichen/ Da ist sie auf dem Schnee in Angst und Frost verblichen. Ich habe dich sehr oft sehn betteln umbher gehn/ Und umb ein Stücke Brod für meiner Thüren stehn. Biss dich das freche Weib die Chloris angenommen/ Die mit geringer Müh ist zu vil Reichthumb kommen. Als sie der schnelle Tod ( man weiß nicht wie) versehrt; Hat man dich umb ihr Geld/ dass sie dir liß/ geehrt. Mit dem hast du zu letzt Bonosus Fraw bestochen/ Die mit dir in dem Feld hat Eh und Eyd gebrochen. In kurtzem starb ihr Mann: Sie ward dein eigen Weib/ Da nahm dein Ansehn zu/ da wickelst du den Leib In güldne Tücher ein/ itzt bist du hoch gestigen/ Und denckest durch die Lufft mit deiner Pracht zu fligen/ Du drückst/ du schmehst/ du fluchst/ du klagst unredlich an Die/ die dir vor vil Guts und nie kein Leid getan Du meinest über uns zu steigen und zu schweben: Wer so steigt muss zu letzt der Leiter sich begeben. Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Herausgegeben von Marian Szyrocki und Hugh Powell, Tübingen: Niemeyer, 1963. Gryphius, Andreas 192- Tübingen TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Gryphius,%20Andreas/Gedichte/Epigramme/Epigramme.%20Das%20zweite%20Buch/44.%20An%20Furium https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/