Ein Balg Christen, Ada Ein Balg 1 Die alte Frau hat ein hartes Gesicht, Doch kluge sanfte Augen, Die wenig mehr beim Pfenniglicht Und nicht zum Weinen taugen. Sie war ein Balg ... Als Findelkind Verlaßner als die Armen, Bat weder Herren noch Gesind Um Futter und Erbarmen. Sie griff fest zu und schaffte stramm Wie ehrbar-ernste Leute, Dass nie sie Unverdientes nahm Erfreut das Weib noch heute. Sie zeigt auch jetzt mit Bauernstolz Erdarbte Thalerscheine: »Die sind mein unverbranntes Holz, Meine ungetrunknen Weine ... Die sind mein ungegessenes Brod, Auf jedem steht geschrieben: Ein Alter ohne Schand' und Noth ... Und was mir Gott schuldig geblieben.« Fußnoten 1 Ein Findling. Ada Christen: Aus der Tiefe. Neue Gedichte, Hamburg: Hoffmann & Campe, 1878. Christen, Ada 58- Hamburg TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Christen,%20Ada/Gedichte/Aus%20der%20Tiefe/Dorfbilder/Ein%20Balg https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/