Der Hirtenknabe Heine, Heinrich Der Hirtenknabe König ist der Hirtenknabe, Grüner Hügel ist sein Thron; Über seinem Haupt die Sonne Ist die große, goldne Kron'. Ihm zu Füßen liegen Schafe, Weiche Schmeichler, rotbekreuzt; Kavaliere sind die Kälber, Und sie wandeln stolzgespreizt. Hofschauspieler sind die Böcklein; Und die Vögel und die Küh', Mit den Flöten, mit den Glöcklein, Sind die Kammermusici. Und das klingt und singt so lieblich, Und so lieblich rauschen drein Wasserfall und Tannenbäume, Und der König schlummert ein. Unterdessen muss regieren Der Minister, jener Hund, Dessen knurriges Gebelle Widerhallet in der Rund'. Schläfrig lallt der junge König: »Das Regieren ist so schwer; Ach, ich wollt, dass ich zu Hause Schon bei meiner Kön'gin wär! In den Armen meiner Kön'gin Ruht mein Königshaupt so weich, Und in ihren schönen Augen Liegt mein unermesslich Reich!« Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Herausgegeben von Hans Kaufmann, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1972. Heine, Heinrich 173- 1972 Berlin und Weimar TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Heine,%20Heinrich/Gedichte/Buch%20der%20Lieder/Aus%20der%20Harzreise/Der%20Hirtenknabe https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/