Im Grase Droste-Hülshoff, Annette von Im Grase Süße Ruh', süßer Taumel im Gras, Von des Krautes Arom' umhaucht, Tiefe Flut, tief, tief trunkne Flut, Wenn die Wolke am Azure verraucht, Wenn aufs müde schwimmende Haupt Süßes Lachen gaukelt herab, Liebe Stimme säuselt und träuft Wie die Lindenblüt' auf ein Grab. Wenn im Busen die Toten dann, Jede Leiche sich streckt und regt, Leise, leise den Odem zieht, Die geschloßne Wimper bewegt, Tote Lieb', tote Lust, tote Zeit, All die Schätze, im Schutt verwühlt, Sich berühren mit schüchternem Klang Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt. Stunden, flücht'ger ihr als der Kuß Eines Strahls auf den trauernden See, Als des ziehnden Vogels Lied, Das mir niederperlt aus der Höh', Als des schillernden Käfers Blitz Wenn den Sonnenpfad er durcheilt, Als der flücht'ge Druck einer Hand, Die zum letzten Male verweilt. Dennoch, Himmel, immer mir nur Dieses eine nur: für das Lied Jedes freien Vogels im Blau Eine Seele, die mit ihm zieht, Nur für jeden kärglichen Strahl Meinen farbig schillernden Saum, Jeder warmen Hand meinen Druck Und für jedes Glück einen Traum. Annette von Droste-Hülshoff: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Nach dem Text der Originaldrucke und der Handschriften. Herausgegeben von Günther Weydt und Winfried Woesler, Band 1–2, München: Winkler, 1973. Droste-Hülshoff, Annette von 437- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,%20Annette%20von/Gedichte/Einzeln%20publizierte%20Gedichte/Im%20Grase https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/