Anstachelung beim Zahnstochern Ringelnatz, Joachim Anstachelung beim Zahnstochern Ich biete euch Troglodyten die Spitze. Heraus mit euch! Wer sich in Löcher Verkrümelt, ist feig. Ich besitze Der Pfeile genug in meinem Köcher. Mit dem Pfeil, dem Bogen Durch Gebirg und Tal Kommt Odysseus gezogen Und säubert den Augiasstall. Nein, ich schieße euch freche Brut nicht. Ich steche! Ihr macht mich krank Mit eurem Gestank. Ihr freßt an mir, anstatt Mich zu nähren. Ich bin noch nicht satt. Heraus aus dem Loch! Ich hülle in Spucke euch Und schlucke euch – Pieks-quieks – doch. Oder schnipse euch aufs Geratewohl In ein unbekanntes Hilfdirselber. – Ach mein Backenzahn ist schrecklich hohl Und wird täglich bröckliger und gelber. Keine Hand vors Gesicht. Komm, Zahnstöcherchen, Piek die Peiniger Aus den Löcherchen! Schäme dich nicht, Denn du bist ein kluger Reiniger. Immer wacker gespießt! Wenn auch mal Blut fließt. Ich bin nicht bang. Gesegnete Mahlzeit beim letzten Gang. Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Herausgegeben von Walter Pape, Band 1: Gedichte, Band 2: Gedichte, Band 3: Dramen, Band 4: Erzählungen, Band 5: Vermischte Prosa, Band 6: Mein Leben bis zum Kriege, Band 7: Als Mariner im Krieg, Zürich: Diogenes, 1994. Ringelnatz, Joachim 318- Zürich TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Ringelnatz,%20Joachim/Gedichte/Allerdings/Anstachelung%20beim%20Zahnstochern https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/