Lebt wohl Droste-Hülshoff, Annette von Lebt wohl Lebt wohl, es kann nicht anders sein! Spannt flatternd eure Segel aus, Lasst mich in meinem Schloß allein, Im öden geisterhaften Haus. Lebt wohl und nehmt mein Herz mit euch Und meinen letzten Sonnenstrahl, Er scheide, scheide nur sogleich, Denn scheiden muss er doch einmal. Lasst mich an meines Sees Bord Mich schaukelnd mit der Wellen Strich, Allein mit meinem Zauberwort Dem Alpengeist und meinem Ich. Verlassen, aber einsam nicht, Erschüttert, aber nicht zerdrückt, Solange noch das heil'ge Licht‹ Auf mich mit Liebesaugen blickt, Solange mir der frische Wald Aus jedem Blatt Gesänge rauscht, Aus jeder Klippe, jedem Spalt Befreundet mir der Elfe lauscht, Solange noch der Arm sich frei Und waltend mir zum Äther streckt, Und jedes wilden Geiers Schrei In mir die wilde Muse weckt. Annette von Droste-Hülshoff: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Nach dem Text der Originaldrucke und der Handschriften. Herausgegeben von Günther Weydt und Winfried Woesler, Band 1–2, München: Winkler, 1973. Droste-Hülshoff, Annette von 434- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Droste-H%C3%BClshoff,%20Annette%20von/Gedichte/Einzeln%20publizierte%20Gedichte/Lebt%20wohl https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/