Abends Heym, Georg Abends Es ist ganz dunkel. Und die Küsse fallen Wie heißer Tau im dämmernden Gemach. Der Wollust Fackeln brennen auf und wallen Mit roter Glut dem dunklen Abend nach. Das Fieber jagt ihr Blut mit weißem Brand, Dass sie sich halb schon seinem Durst gewährt. Sie bebt auf seinem Schoß, da seine Hand In ihrem Hemd nach ihren Brüsten fährt. Hinten, im Vorhang, in der Dunkelheit Steht auf das Bett, der Hafen ihrer Gier. Wie Wolken auf dem Meere lagert breit Darauf der Dunst von schwarzem Elixier. Wie wird es sein? Sie friert in seinem Arm, Der ihren nackten Leib hinüberträgt. Es zittert auf in ihrem Schoße warm, Um den er wild die beiden Arme schlägt. Ihr blondes Haar brennt durch die Nacht, darein Die tiefe Hand des feuchten Dunkels wühlt. Der Sturm der Wollust lässt sie leise schrein, Da seinen Biss sie in den Brüsten fühlt. Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Herausgegeben von Karl Ludwig Schneider, Band 1–2, Hamburg, München: Ellermann, 1960 ff. Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1-2, Hamburg, München 1960 ff. Heym, Georg 144- TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Heym,%20Georg/Gedichte/Ausgew%C3%A4hlte%20Gedichte/Abends https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/