Allerseelen Heym, Georg Allerseelen Geht ein Tag ferne aus, kommt ein Abend. Brennt ein Stern in der Höhe zur Nacht. Wehet das Gras. Und die Wege alle Werden in Dämmrung zusammengebracht. Viele sind über die Steige gegangen. Ihre Schatten sind ferne zu sehn, Und sie tragen an schwankenden Stangen Ihre Fackeln, die wandern und wehn. Mauern sind viele, und Gräber, und wenige Bäume. Manche Tore darin, wo der Lorbeer trauert. Viele sitzen in Haufen über den Kreuzen, Ihre Lichter behütend, wenn der Regen schauert. Und ein Rot steckt im Walde, dürr wie ein Finger, Wo der Abend hänget in wolkiger Zeit Mit dem wenigen Licht. Und geringer Rings ist das Nahe, und die Weite so weit. Doch ewig ist der Wind, der nimmer schweiget In dunklem Lande, herbstlich schon erbraunet, Der dunkle Bilder viel vorüber zeiget Und dunkle Worte flüchtig trübe raunet. Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Herausgegeben von Karl Ludwig Schneider, Band 1–2, Hamburg, München: Ellermann, 1960 ff. Heym, Georg 443- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Heym,%20Georg/Gedichte/Ausgew%C3%A4hlte%20Gedichte/Allerseelen https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/