An meinen Kaktus Ringelnatz, Joachim An meinen Kaktus Du alter Stachelkaks, Du bist kein Bohnerwachs, Kein Gewächs, das die Liebe sich pflückt, Sondern du bist nur ein bisschen verrückt. Ich weiß, dass du wenig trinkst. Du hast auch keinerlei Duft. Aber, ohne dass du selber stinkst, Saugst du Stubenmief ein wie Tropenluft. Du springst niemals Menschen an oder Vieh. Wer aber mit Absicht oder versehentlich Sich einmal auf dich Setzte, vergisst dich nie. Ein betrunkener, lachender Neger Schenkte dich mir, du lustiges Kleines, Dass ich den Vater ersetze dir kantigem Ableger Eines verrückten, stets starren Stachelschweines. Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Herausgegeben von Walter Pape, Band 1: Gedichte, Band 2: Gedichte, Band 3: Dramen, Band 4: Erzählungen, Band 5: Vermischte Prosa, Band 6: Mein Leben bis zum Kriege, Band 7: Als Mariner im Krieg, Zürich: Diogenes, 1994. Ringelnatz, Joachim 355- Zürich TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Ringelnatz,%20Joachim/Gedichte/Allerdings/An%20meinen%20Kaktus https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/