Gulbrandsdal Fontane, Theodor Gulbrandsdal Die Felsen sind steil, die Schlucht ist schmal, Der Snöhättan blickt auf Gulbrandsdal. Und weht es im Sommer heiß und schwül, So halten die Felsen den Talgrund kühl, Und starrt es im Winter hoch oben von Eis, So sprudeln unten die Quellen heiß, Herbststürme ziehen drüber hin, Nur Frühling und Friede wohnen darin, Kein Fieber schleicht, keine Krankheit geht um, »Tal des Lebens« heißt es drum. Und die Menschen im Tal verlassen es nie, Zu hohen Jahren kommen sie, Keine Last, keine Sorge beugt ihre Gestalt, Sie werden weiß, aber sie werden nicht alt. Und drei Lebelang sehen dem Leben sie zu, Da sind sie müd' und verlangen nach Ruh', Und sie rufen den Tod, der aber spricht: »Ihr müsst kommen, ich komme nicht.« Und sie steigen hinauf. Und zum ersten Mal, Um zu sterben, lassen sie Gulbrandsdal. Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Herausgegeben von Edgar Groß, Kurt Schreinert, Rainer Bachmann, Charlotte Jolles, Jutta Neuendorff-Fürstenau, Bd. 1–25, Band 20, München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1959–1975. Fontane, Theodor 93- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,%20Theodor/Gedichte/Gedichte%20%28Ausgabe%201898%29/Bilder%20und%20Balladen/1.%20Nordisches/Gulbrandsdal https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/