Schall und Rauch Tucholsky, Kurt Schall und Rauch Der Name ists, der Menschen zieret, weil er das Erdenpack sortieret – bist du auch dämlich, schief und krumm: Du bist ein Individuum. Hier sieht man nun den Dichter walten. Er schafft nicht nur die Dichtgestalten, nein, er benamset auch sein Kind – und nennt es Borkman oder Gynt. Wie aber, wenn er in den Dramen gediegne bürgerliche Namen benutzt und jener Bürger klagt, damits der Richter untersagt? »Du wirst dich von dem Namen trennen! Musst du ihn grade Barnhelm nennen?« Der Richter schüttelt das Barett: »Der Name macht den Kohl nicht fett!« Und kurz: Wir werden was ertragen! Schon sieht man Doktor Tassow klagen, mit ihm in trautestem Verein den Grünkramhändler Wallenstein. Dem Dichter fällt in seine Leier auch der Ap'theker Florian Geyer – dem Dichter grausts mit einem Mal: Er numeriert sein Personal. Wie nennt man nun die Rechtsgelehrten, die uns mit diesem Spruch beehrten? Wie nennt man also dies Gericht? Hier weiß ich keinen Namen nicht. · Theobald Tiger Die Schaubühne, 20.11.1913, Nr. 47, S. 1151. Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Herausgegeben von Mary Gerold-Tucholsky und Fritz J. Raddatz, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1975. Tucholsky, Kurt 129- Hamburg TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,%20Kurt/Werke/1913/Schall%20und%20Rauch https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/