Streikjustiz Tucholsky, Kurt Streikjustiz Du siehst sie durchs Gefilde hupfen: die Wangen angenehm verpudert, frech, nicht mehr jung, und auch verludert, verschminkt . . . zwei rosarote Tupfen . . . Die Waage wackelt hin und her. Das Schwert – mein Gott – es ist aus Pappe, sie trägt es scherzhaft als Attrappe, ein eisernes ist ihr zu schwer. Sie richtet so! O ja – man siehts! die schwarzen, hohen Stöckelschuhe zertrampeln alles – schaffen Ruhe. So tänzelt Fräulein Streikjustiz. Es raschelt des Talars Frou-Frou . . . – »Du trugst doch früher eine Binde?« – »Die hab ich noch! Dem, den ich finde, schnür ich damit die Kehle zu!« – · Kurt Dresdner Volkszeitung, 01.04.1912, wieder in: Fromme Gesänge. Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Herausgegeben von Mary Gerold-Tucholsky und Fritz J. Raddatz, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1975. Tucholsky, Kurt 46- Hamburg TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,%20Kurt/Werke/1912/Streikjustiz https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/