Ein Lied Chastelards Meyer, Conrad Ferdinand Ein Lied Chastelards Sehnsucht ist Qual! Der Herrin wag ich's nicht zu sagen, Ich will's den dunkeln Eichen klagen Im grünen Tal: Sehnsucht ist Qual. Mein Leib vergeht Wie schmelzend Eis in bleichen Farben, Sie sieht mich dursten, lechzen, darben, Bleibt unerfleht – Mein Leib vergeht. Doch mag es sein, Dass sie an ihrer Macht sich weide! Ergetzt sie grausam sich an meinem Leide, So denkt sie mein – Drum mag es sein. Sehnsucht ist Qual! Dem Kühnsten macht die Folter bange, Ein Grab, darin ich nichts verlange, Gib mir, o Tal! Sehnsucht ist Qual. Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Vollständiger Text nach den Ausgaben letzter Hand. Mit einem Nachwort von Erwin Laaths, München: Winkler, 1968. Meyer, Conrad Ferdinand 19- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Meyer,%20Conrad%20Ferdinand/Gedichte/Gedichte%20%28Ausgabe%201892%29/1.%20Vorsaal/Ein%20Lied%20Chastelards https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/