In Potsdam Aston, Louise In Potsdam Vom Dome hallen Glockenklänge – Stille Andacht überall, Gläubig singt des Volkes Menge Zu der Orgel hellem Schall; Dort in einsamer Kapelle An des Altars heilger Schwelle Knie'n die Allerhöchsten Sünder, Gottes auserwählte Kinder. Was sie beten, was sie flehen? Ihre bleiche Lippe spricht: »Jetzt, da wir am Abgrund stehen, Jetzt – nur jetzt verlaß' uns nicht! Unser Purpur will erbleichen, Unsre Macht zerfällt in Scherben; Lass' mit Blute sonder Gleichen Uns den Purpur wieder färben!« – Mögen sie zum Himmel beten Und mit neu gestärktem Muth Eines Volkes Recht zertreten, Pochend auf des Höchsten Huth: Taub und schwach sind ihre Götter, Taugen nur zum Spiel der Spötter; Doch der Geist, der ewig freie, Gibt dem Volk die Siegesweihe! Louise Aston: Freischärler-Reminiscenzen. Zwölf Gedichte, Leipzig: Verlag von E. O. Weller, 1850. Aston, Louise 12- Leipzig TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Aston,%20Louise/Gedichte/Freisch%C3%A4rler-Reminiscenzen/In%20Potsdam https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/