Capriccio Lichtenstein, Alfred Capriccio So will ich sterben: Dunkel ist es. Und es hat geregnet. Doch du spürst nicht mehr den Druck der Wolken, Die da hinten noch den Himmel hüllen In sanften Sammet. Alle Straßen fließen, schwarze Spiegel, An den Häuserhaufen, wo Laternen, Perlenschnüre, leuchtend hängen. Und hoch oben fliegen tausend Sterne, Silberne Insekten, um den Mond – Ich bin inmitten. Irgendwo. Und blicke Versunken und sehr ernsthaft, etwas blöde, Doch ziemlich überlegen auf die raffinierten, Himmelblauen Beine einer Dame, Während mich ein Auto so zerschneidet, Dass mein Kopf wie eine rote Murmel Ihr zu Füßen rollt ... Sie ist erstaunt. Und schimpft dezent. Und stößt ihn Hochmütig mit dem zierlich hohen Absatz Ihres Schuhchens In den Rinnstein – Alfred Lichtenstein: Gesammelte Gedichte. Auf Grund der handschriftlichen Gedichthefte Alfred Lichtensteins kritisch herausgegeben von Klaus Kanzog, Zürich: Arche, 1962. Lichtenstein, Alfred 23- Zürich TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Lichtenstein,%20Alfred/Gedichte/Capriccio/Capriccio https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/