Der Wahnsinn Rilke, Rainer Maria Der Wahnsinn Sie muss immer sinnen: Ich bin... ich bin... Wer bist du denn, Marie? Eine Königin, eine Königin! In die Kniee vor mir, in die Knie! Sie muss immer weinen: Ich war... ich war... Wer warst du denn, Marie? Ein Niemandskind, ganz arm und bar, und ich kann dir nicht sagen wie. Und wurdest aus einem solchen Kind eine Fürstin, vor der man kniet? Weil die Dinge alle anders sind, als man sie beim Betteln sieht. So haben die Dinge dich groß gemacht, und kannst du noch sagen wann? Eine Nacht, eine Nacht, über eine Nacht, – und sie sprachen mich anders an. Ich trat in die Gasse hinaus und sieh: die ist wie mit Saiten bespannt; da wurde Marie Melodie, Melodie... und tanzte von Rand zu Rand. Die Leute schlichen so ängstlich hin, wie hart an die Häuser gepflanzt, – denn das darf doch nur eine Königin, dass sie tanzt in den Gassen: tanzt!... Rainer Maria Rilke: Sämtliche Werke. Herausgegeben vom Rilke-Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt von Ernst Zinn, Band 1–6, Wiesbaden und Frankfurt a.M.: Insel, 1955–1966. Rilke, Rainer Maria 376- Frankfurt a.M. TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Rilke,%20Rainer%20Maria/Gedichte/Das%20Buch%20der%20Bilder/Des%20ersten%20Buches.%20Erster%20Teil/Der%20Wahnsinn https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/