Das heilige Feuer Meyer, Conrad Ferdinand Das heilige Feuer Auf das Feuer mit dem goldnen Strahle Heftet sich in tiefer Mitternacht Schlummerlos das Auge der Vestale, Die der Göttin ewig Licht bewacht. Wenn sie schlummerte, wenn sie entschliefe, Wenn erstürbe die versäumte Glut, Eingesargt in Glut, und Grabestiefe Würde sie, wo Staub und Moder ruht. Eine Flamme zittert mir im Busen, Lodert warm zu jeder Zeit und Frist, Die, entzündet durch den Hauch der Musen, Ihnen ein beständig Opfer ist. Und ich hüte sie mit heilger Scheue, Dass sie brenne rein und ungekränkt; Denn ich weiß, es wird der ungetreue Wächter lebend in die Gruft versenkt. Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Vollständiger Text nach den Ausgaben letzter Hand. Mit einem Nachwort von Erwin Laaths, München: Winkler, 1968. Meyer, Conrad Ferdinand 9- München TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Meyer,%20Conrad%20Ferdinand/Gedichte/Gedichte%20%28Ausgabe%201892%29/1.%20Vorsaal/Das%20heilige%20Feuer https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/