35. Scherz Leopardi, Giacomo XXXV. Scherz. Als Knabe zu den Musen Kam ich und wollt' in ihre Lehre gehen. Und ihrer Eine nahm mich bei der Hand Und blieb mir zum Geleite Den ganzen Tag zur Seite, Die Werkstatt zu besehen Sammt allen Kunstgeräthen, Die nötig den Poeten. Sie zeigte mir von allen Den Nutzen und Gebrauch, Zu Vers und Prosa auch Zu dienen nach Gefallen. Ich aber schaut' und fragte: Muse, wo ist die Feile? – und sie sagte: Die ist verbraucht; man tut's nun ohne sie. Und ich: Doch sorgt ihr nicht, Dass, wenn sie stumpf ward, ihr sie rasch erneut? Und sie: Wir sollten wohl; doch fehlt die Zeit. Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Übers. v. Paul Heyse, Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1889. Leopardi, Giacomo 147- Berlin TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Leopardi,%20Giacomo/Lyrik/Ges%C3%A4nge/35.%20Scherz https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/