Kino Tucholsky, Kurt Kino Wird Gustav, der Kommis, entlassen? Seit einer halben Stunde weiß ichs nicht . . . Die greise Mutter löffelt, was sie kriegt, aus dicken Untertassen. Nun kommt der Chef! Mit schultern Bartkoteletten und einem Mimenmund und uhrgeschmücktem Bauch . . . Dumpf buchstabiert das Publikum: »Nee – ü-ber – Ihnen – a-ber – auch . . . « Da gibt es nichts zu retten. Hier stehen Mutter, Tochter, Hund und Chef und seine Leiche! Nun aber steigt auf einer Geige jählings himmelan ein Lauf, der seinerseits im Baß begann . . . Die nächste Nummer: »Jacob auf der Eiche.« Humor! Man lacht! Wes Auge blieb da trocken?! Die Hose – denken Sie – zer – hi – zerriss! Vergessen ist die Tränenkümmemis und jene Totenglocken . . . Doch jetzt erblick ich einen Fürsten oben, der weiht mit seinem Helmbusch etwas ein – ja, sollt dies wirklich Herzog Albrecht sein? Und kurz und gut: Hier fühl ich mich erhoben! · Ignaz Die Schaubühne, 31.07.1913, Nr. 30, S. 752, wieder in: Fromme Gesänge. Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Herausgegeben von Mary Gerold-Tucholsky und Fritz J. Raddatz, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1975. Tucholsky, Kurt 101- Hamburg TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,%20Kurt/Werke/1913/Kino https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/