Der kluge Held Bürger, Gottfried August Der kluge Held Tags vor der Schlacht gerät ein junger Held In allerlei bedenkliche Bewegung; Nimmt dies und das in ernste Überlegung Und bringt heraus: Dein bisschen Löhnungsgeld Und Lumpenruhm, mein guter König, Reizt wahrlich unsereinen wenig, Dass er dafür im Mordgemetzel fällt! – Als er kaum fertig ist mit Grübeln, Läuft er zum Chef: »Sie werdens nicht verübeln, Dass ich, zu meinem bittersten Verdruss, Gerade jetzt um Urlaub bitten muss. Denn ach! mein Vater liegt an Todesenden nieder, So schreibt man mir; ich seh' ihn sonst nicht wieder; Und ihn verlangt nach mir und meinem letzten Gruß; O gönnen Sie mir seinen Abschiedskuß!« – »Sehr wohl! versetzt der Chef, und lächelt vor sich nieder; Reis' hurtig ab, mein Sohn! Denn nach der Bibel muss Dein Vater nach Gebühr von dir geehret werden, Auf dass dirs wohlergeh' und du lang' leb'st auf Erden.« Bürgers Gedichte in zwei Teilen. Teil 1: Gedichte 1789. Herausgegeben von Ernst Cosentius, 2. Auflage, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart: Bong, 1914. Bürger, Gottfried August 238- Stuttgart TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCrger,%20Gottfried%20August/Gedichte/Gedichte%20%28Ausgabe%201789%29/Drittes%20Buch.%20Vermischte%20Gedichte/Der%20kluge%20Held https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/