1. Am Ersten Advent Opitz, Martin Die Episteln der Sontage und fürnembsten Fest deß gantzen Jahrs Auff die gemeine Weisen der Psalmen gefasset [1628.] 1. Am Ersten Advent Zun Römern am 13. Auff den 9. Psalm Ich wil dich Herr von Hertzen Grund. Auff, auff, die rechte Zeit ist hier, Die Stunde wartet für der Thür, Ihr Brüder, lasset uns erwachen, Vergesst der Welt und ihrer Sachen. Bezwingt den Schlaff und kompt in Eyl, Denn unser Liecht und Gnadenheyl, Der rechte Trost und Schutz der Seinen, Ist näher als wir selber meynen. Die ungestirnte schwartze Nacht, Hat ihren schwären Lauff vollbracht, Der vielbegehrte Tag ist kommen Und hat das Leyd hinweg genommen. Legt ihr auch ab den dunckeln Schein Der Wercke, die verborgen sein, Zieht an deß Liechtes helle Waffen, Lasst nichts als nur die Sünden schlaffen. Geht auff dem Weg der Erbarkeit, Denckt, dass jetzt sei die Tageszeit, Lasst wilde Saufferey und Fressen, Dardurch wir unser selbst vergessen. Lescht auß deß Leibes schnöde Brunst, Seyt feind der falschen Liebesgunst, Auch liebet nicht Zorn, Haß und Zancken, Entsagt den neydischen Gedancken. Zieht Jesus Christ, den Herren, an, Sein Leben sei deß euren Bahn; Versorgt den Leib, das Theil der Erden, Und lasst ihn doch zu geyl nicht werden. Martin Opitz: Weltliche und geistliche Dichtung, Herausgegeben von Dr. H. Oesterley, Berlin und Stuttgart: W. Spemann, [1889]. Opitz, Martin 203- Berlin und Stuttgart TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Opitz,%20Martin/Gedichte/Geistliche%20Dichtungen/Die%20Episteln%20der%20Sontage%20und%20f%C3%BCrnembsten%20Fest%20de%C3%9F%20gantzen%20Jahrs/1.%20Am%20Ersten%20Advent https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/