Der Türke Lichtenstein, Alfred Der Türke Ein ganz und gar perverser Türke kaufte sich Aus Trauer über den erst jüngst erfolgten Tod Der fetten Fatme, seines Lieblingsweibes, Bei seinem Mädchenhändler zwei noch ziemlich gut erhaltne – Man kann fast sagen: beinah nagelneue – Und eben frisch aus Frankreich importierte, Ehemalge Mannequins. Als er sie hatte, sang er, sich zur Feier: Setzt euch doch auf meine Schenkel. Fasset mich um meine Lenden. Streichelt mit den süßen Zungen Mir die weinerlichen Wangen. Ach, ihr habt so schön geschmückte Augen und so helle Hände, Müdeste von meinen Frauen, Und so lange, laue Beine. Morgen kauf ich sechs Paar neue Strümpfe euch aus dünnster Seide Und dazu ganz kleine schwarze Sammetschuhchen. Und am Abend sollt ihr tanzen Ganz verlogne, weiche Tänze In den kleinen Sammetschuhchen Und den neuen seidnen Strümpfen. In dem Garten. Vor der Sonne. Dicht am Wasser. Doch zur Nacht lass ich euch peitschen Von vier lächelnden Eunuchen. Alfred Lichtenstein: Gesammelte Gedichte. Auf Grund der handschriftlichen Gedichthefte Alfred Lichtensteins kritisch herausgegeben von Klaus Kanzog, Zürich: Arche, 1962. Lichtenstein, Alfred 24- Zürich TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung. https://www.zeno.org/Literatur/M/Lichtenstein,%20Alfred/Gedichte/Capriccio/Der%20T%C3%BCrke https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/